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Erster Band von Shigeru Mizukis Autobiographie umfasst mehr als 400 Seiten

Shigeru Mizuki-Kindheit und Jugend: Wie ein großer Mangaka mal ganz klein war

Nur wenig Menschen können wohl wirklich als Mangalegende bezeichnet werden, die auch wirklich mit ihren Werken nachhaltig den japanischen Comic beeinflussten. Einer von ihnen ist Shigeru Mizuki, der mit seinen Geistergeschichten berühmt wurde. Besonderes GeGege no Kitaro ist weltweit weiterhin eine beliebte Reihe, die immer noch neue Adaptionen erhält.

Mizuki ist allerdings noch für eine zweite Sache bekannt, die Verarbeitung von historischen Ereignissen im Manga wie in Gekiga Hitler und Auf in den Heldentod. Vor allem seine Eindrücke als Soldat und der Zweite Weltkrieg, der ihm einen Arm geraubt hat, stehen immer wieder im Mittelpunkt. In Shigeru Mizuki-Kindheit und Jugend, hierzulande verlegt vom Verlag Reprodukt, holt der Zeichner etwas weiter aus. Ganz von Anfang an erzählt er von seinem Leben und all den damit verbundenen skurrilen Ereignissen bis in das Jahr 2000.

Die Autobiographie ist in drei Bände aufgeteilt, wobei Shigeru Mizuki: Kindheit und Jugend den Anfang darstellt. Gleich zu Beginn auf den ersten Seiten erklärt der Mangakar selbst, wieso er eigentlich das Werk zeichnet und um was es gehen wird. Der Startschuss der eigentlichen Autobigrphie beginnt dann mit der Geburt von Mizuki als zweites von drei Kindern seiner Eltern.

Es war einmal ein sehr merkwürdiges Kind

In seiner Erzählung von seiner Kindheit und dem Erwachsen werden, nimmt Mizuki kein Blatt vor dem Mund. Als kleiner Junge ist er etwas merkwürdig und hat eine Art Essstörung. Später berichtet er von seiner Zeit als Schuljunge und Raufbold, fauler Teenager und schließlich von seiner Einberufungen als Soldat für den Zweiten Weltkrieg. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Verbindung zu den Yokai durch die Erzählung.

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Zum ersten Mal bekommt er von der Tante NonNon als kleiner Junge von den Geschichten erzählt, die ihn bekannterweise bis zu seinem Tod 2015 nie wieder loslassen. Die kleinen Geschichten von ihr geben dem Leser einen kleinen Einblick in die riesige Welt der japanischen Yokai. Tante NonNon selbst spielte für Mizuki Zeit seines Lebens eine so große Rolle, das er ihr eine eigenen Manga-Serie widmete, die ebenfalls beim Reprodukt Verlag erschien.

Neben vielen herzerwärmenden Momenten in der Erzählung kommt es deswegen auch durchaus zu skurrilen Momenten. So wird unter anderem ein Toilettengang für die drei Brüder plötzlich zu einem unfreiwilligen schaurigen Erlebnis und der kleine Mizuki isst eine Goldkugel. Doch nicht alles war glänzend in der Jugend von Mizuki. Er beschreibt ebenfalls die tiefe Armut, in der er groß wurde, die Probleme mit der Schule, die Militarisierung und leidvolle Erlebnisse bei der Armee.

Groß werden zu Kriegszeiten

Trotz der geballten Ladung an Informationen sorgt Mizuki als Erzähler selbst dafür, dass der Leser nicht den Überblick verliert und agiert als eine Art Stimme aus dem Off. Zwischen den persönlichen Erlebnissen werden deswegen auch immer wieder historische Fakten hereingeworfen oder andere Erklärungen. Auf den letzten Seiten gibt es zusätzlich noch eine Art Lexikon, das verschiedene Begriffe und Ereignisse genauer erklärt. Das Konzept mag zwar etwas umständlich sein, sorgt dafür jedoch, dass hässliche Fußnoten den Manga selbst nicht verunzieren.

Auch das gewisse Maß an Nationalstolz lässt Mizuki immer wieder durchblitzen. Ob es sich dabei nur um ein Produkt der Zeit handelt oder es wirklich seine Ansichten reflektiert, lässt sich nicht wirklich erkennen. Mizuki stellt sich zwar als ein Fan des japanischen Nationalismus dar, den er jedoch seit seiner Kindheit eingebläut bekommt. Als Soldat fürchtet er sich vor dem Tod und kann anderseits das erste Gefecht kaum erwarten. Mit diesem Zwiespalt und den ersten negativen Erlebnissen Mizukis in der Armee sowie seine Landung auf den Philippinen endet der erste Band und kündigt das drohende Unheil an.

Die Balance macht es

Zeichnerisch ist natürlich der typische Stil von Mizuki zu finden, den Fans von Gegege no Kitaro kennen und lieben. Die Charaktere sind in ihrem Aussehen sowie Ausdrücken einfach gehalten und bringen mit übertriebenen gezeichneten Reaktion Leser zum Schmunzeln. Nur wenige Figuren sind realistisch mit mehr Details gehalten.

Durch die Einfachheit der Figuren kommt jedoch viel mehr die Umgebung zu Geltung, welche die Erzählungen erst lebendig machen. Mizuki ist für seine liebevollen Hintergründe bekannt, die mit feinen Strichen, Schattierungen und der Liebe zum Detail zu faszinieren wissen. Egal ob Straßen, Wälder oder Kriegsschiffe, er weiß wie sich eine Erzählung in Szene setzen lässt.

Wie schon Rote Blüten ist Shigeru Mizuki-Kindheit und Jugend ein Monster von einem Manga. 480 Seiten warten auf den Leser in dem Format 14,8 × 21 cm, was deutlich größer als der Durchschnitt ist. Von dem Umfang sollte sich jedoch niemand abschrecken lassen. Das Werk liest sich nämlich schneller weg, als man glauben mag. Der Rest der Aufmachung ist wie gewohnt als stabile Klappenbroschüre sehr hochwertig und kann sich bei dem Preis wirklich sehen lassen

Fazit

Shigeru Mizuki – Kindheit und Jugend ist genau das, was Fans erwarten und auch wieder nicht. Mizuki erzählt so persönlich von sich selbst, wie noch nie und lässt dazu kein Detail aus. Aus dem Grund erwartet die Leser kein braver, fleißiger Junge, sondern ein richtiger Lausebengel, dem später die Faulheit und das Pech sogar bis in die Armee folgen. Von der glänzenden Mangalegende ist noch nicht viel zu sehen. Nur die Faszination für die Yokai ist ein ständiger Begleiter. Es gelingt allgemein eine gute Mischung aus Autobiographie, historischen Bericht und persönlichen Anekdoten.

Der Manga ist anspruchsvoll und richtet sich an das ältere Publikum. Dafür hat der Leser eine ganz neue Möglichkeit, in das Leben des Mangaka und das damalige Japan einzutauchen. Aus dem Grund ist der Band nicht nur für Fans geeignet. Wer sich unsicher ist, kann wie üblich mit einer Leseprobe in den Manga reingucken. Der bekannte Zeichenstil sorgt für ein ganz besonderes Gefühl beim Lesen und macht die Autobiographie einzigartig. Auf den zweiten Band mit dem Titel Kriegsjahre, der diesen November erscheinen soll, können wir uns deswegen gar nicht genug freuen.

Info

Shigeru Mizuki-Kindheit und Jugend Cover
Auf mehr als 400 Seiten erzählt Shigeru Mizuki von seiner Kindheit und Jugend. Bild: Reprodukt

Shigeru Mizuki-Kindheit und Jugend

Von: Shigeru Mizuki
Verlag: Reprodukt Verlag
Verfügbar: 1 von 3
Preis: 24 EUR
Genre: Autobiorgrafie
Empfehlung:
ISBN:978-3-95640-214-2
Amazon

REVIEW OVERVIEW

Story
85 %
Zeichnungen
90 %
Unterhaltungswert
80 %
Preis
95 %

Unser Fazit

Shigeru Mizuki-Kindheit und Jugend ist eine wirklich außergewöhnliche Autobiografie vom Meister selbst gezeichnet, die mit seinem Charme und der Ehrlichkeit auch neue Fans interessieren dürfte. Denn auch eine Mangalegende hat mal klein angefangen und etwas gebraucht, um groß zu werden.
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