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Ein Spion, eine Killerin und eine Telepathin bilden eine Familie der etwas anderen Art

Spy x Family – Spezialauftrag Familienvater

Der Manga „Spy x Family“ von Tatsuya Endo verkaufte sich in Japan bisher mehr als 5,5 Millionen Mal. Wer einen Blick in die Geschichte wirft, weiß auch sofort wieso. Denn ein Spion, eine Profi-Killerin und eine Tochter, die Gedanken lesen kann, versprechen nicht nur jede Menge Spaß, sondern auch Action der etwas anderen Art.

Die Geschichte spielt in einer erdachten Version des geteilten Berlin (Berlint genannt). Um einen Krieg des Westens mit dem Reich Ostania zu verhindern, lebt Westalias bester Spion Twilight hinter dem eisernen Vorhang und schlägt sich mit anderen Spionen herum. Um allerdings an seine neueste Zielperson heranzukommen, braucht Twilight, der sonst allein arbeitet, außergewöhnliche Hilfe. Eine Familie samt cleverem Kind muss her.

Unter dem Pseudonym Loid Forger spaziert Twiligt also in ein Waisenhaus, das es mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht so genau nimmt, um sich ein Kind auszusuchen. Dabei stößt er auf die lebhafte Anya, die der Heimleiter sowieso loswerden möchte. Die Kleine kann ihn überzeugen, sie auszuwählen. Keine Kunst, kann das Mädchen doch Gedanken lesen, was sie aber bisher keinem erzählt hat. Als dann auch noch eine Ehefrau gebraucht wird, trifft der Meister-Spion zufällig auf die Angestellte Yor, die auch gerade auf der Suche nach einem Schein-Lebensgefährten ist. Dass seine Holde ebenfalls mit allen Wassern gewaschen ist, weiß der Pseudo-Familienvater bisher auch noch nicht …

Allein die Figuren-Konstellation bestehend aus Meister-Spion, Killerin und Telepathin verspricht eine abwechslungsreiche Geschichte, die mit allerlei unerwarteten Wendungen aufwartet. Denn dass Spionieren etwas ganz anderes ist als Kindererziehung, merkt Twilight schnell, selbst wenn man so ein außergewöhnliches Kind wie Anya vor sich hat, die viele Dinge besser durchschaut als die Erwachsenen um sie herum.

Meine außergewöhnliche Family

„Spy x Familiy“ enthält alle Bestandteile, die man von einer typischen Spionage-Story erwartet. Einen Agenten, der mit allen Wassern gewaschen ist und eine hübsche Frau an seiner Seite, die auf den ersten Blick auch alle Klischees eines Heimchen am Herd bedient. Allerdings sind die Figuren alle ein wenig überzogen, was aber so gewollt ist und den besonderen Charme der Geschichte ausmacht. Denn schnell wird klar, dass in dieser Familie keiner das ist, was er auf den ersten Blick zu sein scheint.

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Das Pflegekind, Anya, bringt noch eine Portion Mystery in die Handlung, denn sie liest die Gedanken ihrer Mitmenschen als wäre es das Normalste auf der Welt und zumindest sie kennt die Hintergedanken ihrer neuen „Eltern“ und ist insofern besser über die Gesamtsituation informiert als die beiden Erwachsenen, die wiederum ihre eigentliche Identität geheim halten wollen. Ob dieses Versteckspiel lange gut geht, bleibt abzuwarten.

Während man der Entwicklung dieser ungewöhnlichen Familie beiwohnt, enthält man auch einige Einblicke in das Leben der Figuren, die sich teilweise auch mit einfachen Alltagsproblemen herumschlagen müssen. So hat es Yor in ihrem Job nicht leicht, weil sie noch ohne Mann dasteht, weswegen sie sich auch so einfach auf das Abenteuer Patchwork-Familie einlässt. Diese kleinen Problemchen machen die Figuren wiederum nahbarer. Von den Schwierigkeiten der Kindererziehung mal ganz zu schweigen.

Auch auf die politische Situation wird am Rande eingegangen, weswegen der Manga auch hierzulande so gut ankommen dürfte, schließlich spielt er einer Stadt namens Berlint und beleuchtet die Situation Ende der 1980er Jahre, als der kalte Krieg zwischen Ost und West auch mit dem regen Einsatz verschiedener Spione und Agenten ausgetragen wurde.

Spy x Family Bild: Tatsuya Endo

Mama und Papa mit Waffenschein

Die verschiedenen Blickwinkel zwischen Erwachsenen und Kind sorgen für einen weiteren interessanten Aspekt innerhalb „Spy x Family“. Denn während die Erwachsenen Loid und Yor einen eher klaren und professionellen Blick auf die Situationen haben, sorgt die kleine Anya durch ihre Perspektive immer wieder für einen amüsanten Bruch innerhalb der Story, denn trotz ihrer Fähigkeiten ist sie ein kleines Kind mit einer eigenen Sicht auf die Dinge.

Gleichzeitig tragen die trotz ihrer eigentlichen Berufe sehr sympathisch dargestellten Figuren sehr zum Spaß an der Geschichte bei, wobei auch hier die Darstellung ein wenig einseitig bleibt. Familienvater Loid ist zwar Spion, aber natürlich einer der „Guten“, die gegen die „falsche“ Seite, sprich die „andere“, vorgehen. Auch Yors Identität als Killerin wird zwar gezeigt, aber ob sie wegen ihrer Taten Skrupel hat, bleibt außen vor. Gleichzeitig erweisen sich die beiden im Umgang mit der kleinen Anya als fast schon Muster-Eltern, was sie ja auch darstellen wollen. Aufgrund ihrer Fähigkeiten weiß die zwar von den eigentlichen Berufen ihrer Eltern, findet die aber eher cool als besorgniserregend.

Insgesamt punktet „Spy x Family“ mit einer gelungenen Mischung aus Action und Alltags-Slapstick ohne zu sehr in eine Richtung abzugleiten. Dadurch bleibt die Geschichte spannend, ohne ihren Charme zu verlieren. Der Leser wird in jeder Situation abgeholt und baut trotz der übertriebenen Darstellung der Charaktere schnell eine Bindung zu ihnen auf, wobei sich die süße Anya schnell in die Herzen zu schleichen weiß.

Knapp am Punkt vorbei

Die grafische Umsetzung von „Spy x Family“ trägt das Ihrige dazu bei, den Lesern Spaß zu machen. Die Figuren sind individuell und mit Liebe zum Detail gestaltet, wobei natürlich Loid so unauffällig rüberkommt, wie es nur geht. Diesen Eintrug weiß Yor aber entsprechend abzurunden, denn sie wirkt wie ein Model, das kein Wässerchen trügen kann.

Obwohl die beiden bei ihren jeweiligen Tätigkeiten nicht zimperlich sind, bleiben die „dunklen“ Seiten ihrer Arbeit größtenteils außen vor, sodass Leser ab 12 Jahren nicht verschreckt werden. Diese Darstellung sorgt aber auch dafür, dass die Geschichte an sich zu einseitig rüberkommt.

Bilderbuch-Family mit Hindernissen
Bildbuch-Familie mit kleinen Makeln Bild: Tatsuya Endo

Der ersten Auflage des ersten Bandes liegt als Extra ein Schlüsselanhänger mit Twilight bei, was hierzulande bereits für allerlei Missmut sorgte. Das Papier des Covers erwies sich als nicht so widerstandsfähig, wie die Figuren in seinem Inneren. Trotzdem war die erste Auflage „Spy x Family“ soweit vergriffen, dass bereits mit der Produktion einer weiteren Auflage begonnen wurde, die dann ohne Extra in den Handel kommt. Anfang Dezember will Kazé die Geschichte dann fortsetzen, sodass erst einmal ein wenig Geduld gefragt ist.

Fazit

Wer einen Blick in die Geschichte von „Spy x Family“ wirft, bemerkt schnell, warum die Geschichte auch in Japan so beliebt ist. Die Kombination aus hartgesottenem Agenten, knallharter Killerin und süßem Töchterchen, das ihren Eltern aber in nichts nachsteht, zieht den Leser in seinen Bann und lässt ihn auf die nächste unerwartete Wendung hin fiebern.

Eine ansprechende grafische Umsetzung trägt ihren Teil dazu bei, dass die zugegebenermaßen reichlich übertriebenen Figuren trotzdem sympathisch bleiben und den Leser ansprechen. Das Spiel mit verschiedenen Perspektiven bringt immer wieder auch eine gewisse Portion Humor mit in die Geschichte ein, sodass sie sich nicht in einem Genre verliert.

Info

nur Erstauflage mit Super-Extra
Spy x Family Band 1 Bild: Tatsuya Endo

Spy x Family

Verlag: Kazé
Bisher erschienen: Band 1 (Deutschland) / 5 Bände (Japan)
Preis: 7,00 EUR
Genre: Comedy, Action, Slice of Live
Seiten: 214
ISBN: 978-2889513505

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REVIEW OVERVIEW

Story
97 %
Zeichnungen
87 %
Preis
88 %

Unser Fazit

"Spy x Family" ist in Japan ein Hit und wird auch hier eine große Leserschar begeistern können. Die Mischung aus Action, Humor und kleinen Alltagssorgen weiß den Leser zu unterhalten, ohne langweilig oder vorhersehbar zu werden.Die ungewöhnliche Familie Forger bedient zwar mehr als ein Klischee, bleibt dabei aber so liebenswürdig, dass man ihnen dies gern verzeiht. Eine angemessene grafische Umsetzung trägt dazu bei, die Story für den Leser interessant zu machen.
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