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"Two Sides of the Same Coin" ist ein Manga abseits des Mainstreams

„Two Sides of the Same Coin“ – Wie viele (Schicksals-) Schläge kannst du ertragen?

In Rou Nishimotos Boys-Love-Manga „Two Sides of the Same Coin“, der im September 2021 bei Hayabusa, dem neuen Manga-Label des Carlsen Verlags, erschien, lieben und leiden wir gemeinsam mit Yuji und Kou. Zwei junge Männer, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten.

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Yuji ist ein Archäologiestudent und Kou ein Profiboxer, der sich mit illegalen Kämpfen über Wasser hält. Als sie mehr oder weniger zufällig aufeinandertreffen, ist nichts mehr wie zuvor. Hier von einem gemeinsamen Liebesabenteuer oder einer bloßen Affäre zu sprechen, würde der Sache nicht gerecht werden. Viel mehr geht es in „Two Sides of the Same Coin“ um das Teilen und Überwinden eines gemeinsamen Leidensweges.

Die Story von „Two Sides of the Same Coin“ hat es in sich

Das wirklich Brutale an der Geschichte sind nicht die Gewaltszenen, sondern die soziale Kälte, mit der sich die beiden Hauptcharaktere konfrontiert sehen. Alles in ihrem Leben dreht sich um Verrat, Hass, Missgunst, Diskriminierung und Verwahrlosung.

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Yuji hat von seinem Vater, der einen hohen Rang bei der Polizei bekleidet, im Laufe seines Lebens keinerlei Zuneigung oder Ankerkennung erfahren. Als dann auch noch seine Mutter stirbt, verschlechtert sich das Verhältnis zu seinem Vater noch mehr. Auf der anderen Seite wird er von vielen der anderen Studierenden an seiner Uni verachtet, weil sie glauben, dass er aufgrund der Stellung seines Vaters bevorzugt würde.

Der Archäologiestudent bekommt das alles zu spüren, hält sein Leid im Stillen aus und beschließt, niemandem mehr zu vertrauen. Er ist so auf seinen Vater und dessen Meinung fixiert, dass es ihm nicht mal ein wenig gelingt, sich gegen ihn aufzulehnen.

Two Sides of the Same Coin die beiden Hauptcharaktere
Die beiden Protagonisten von „Two Sides of the Same Coin“. Kou (links) und Yuji (rechts).
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Von Kou erfährt man ebenfalls recht schnell, dass auch er ganz allein auf weiter Flur steht. Beim Versuch, seine Mutter vor den Launen seines Vaters zu schützen, wird er von selbigem missbraucht und verprügelt. Eine Prozedur, die sich bis in die Gegenwart hinein immer und immer wieder wiederholt.

Seine Mutter brach unter der Angst und dem puren Stress zusammen. Sie liegt im Krankenhaus und ihr Trauma bewirkt, dass sie häufig unter einem Gedächtnisverlust leidet. Wenn Kou sie besucht, erkennt sie ihn oft nicht.

Um seinen eigenen Lebensunterhalt zu sichern, kämpft Kou im Ring. Obwohl er in seiner Gewichtsklasse zu den besten Boxern Japans zählt, nimmt er oft auch an illegalen Kämpfen teil. Bei ihnen verdient er einfach mehr.

Das Geld reicht jedoch nicht, um den Krankenhausaufenthalt und die medizinische Behandlung seiner Mutter zu bezahlen. Sein Vater übernimmt diese Kosten und nutzt die schwache finanzielle Position seines Sohnes, um diesen unbehelligt weiter missbrauchen zu können. Dieser wehrt sich nicht, da auch er weiß, dass er die Behandlungskosten nicht allein aufbringen kann.

Gemeinsam stark

Nach ihrem ersten wortwörtlichen Zusammenstoß, gehen die Yuji und Kou getrennte Wege, aber vergessen können sie einander nicht. Nach einer weiteren Unterhaltung werden Nummern getauscht. Selten wogen ein paar wenige SMS so schwer.

Ihren von da an gemeinsamen Weg zu verfolgen, ist spannend und an vielen Stellen wirklich ergreifend. Alle zwischenmenschlichen Situationen sind auf ihre Art und Weise emotional aufgeladen. Leid in jeder Form wird hier groß in Szene gesetzt. Dementsprechend ermutigend ist es auch, wenn man mitverfolgen kann, wie sich die beiden Hauptcharaktere gegenseitig Kraft geben und nach und nach ein echtes Vertrauensverhältnis zueinander aufbauen.

Two Sides of the Same Coin ausdrucksstarke Zeichnungen
Wenn das Warten auf eine Antwort zu einer einzigen Zitterpartie wird. Selten war ein einziger Chatverlauf so aufwühlend und herzzerreißend.

Kurze, authentische Dialoge

Einer der Stärken dieses Mangas sind seine kurzen Dialoge. Auf jedes überflüssige Wort wird verzichtet und den Zeichnungen so mehr Raum geschenkt.

Auch der Story und den Charakteren tut der verhältnismäßig geringe Dialoganteil sehr gut. Die beiden Hauptcharaktere sind von Natur aus nicht die größten Redner. Was gesagt werden muss, wird gesagt, mehr aber auch nicht.

In „Two Sides of the Same Coin“ wird an vielen Stellen mehr gedacht als geredet und Gefühle werden durch Körperhaltungen, Gestik und Mimik vermittelt. Ein Konzept, das Dank des Zeichenstils von Nishimoto sehr gut funktioniert.

Zeichnungen mit Durchschlagskraft

Bei „Two Sides of the Same Coin“ lohnt es sich, sich mehr Zeit als sonst für jede Seite zu nehmen. Die Hintergründe sind häufig sehr realistisch und zugleich atmosphärisch gestaltet. Schon beim ersten kurzen Durchblättern fällt zudem auf, wie dunkel die Bilder insgesamt wirken.

Licht und Schatten wurden hier sehr aufwendig ausgearbeitet und tragen so viel zur Stimmung der Geschichte bei. Viele der Gegenstände haben eine komplexe Tektur, die klar zu erkennen ist. Unterschiedliche Materialien heben sich in der Beschaffenheit ihrer Oberflächen deutlich voneinander ab, was die Darstellungen noch deutlich realistischer erscheinen lässt.

Two Sides of the Same Coin detaillierte und kontrastreiche Zeichnungen
Kein Wort zu viel, kein Schatten zu wenig.

Weniger ist mehr

Bemerkenswert ist auch, dass das Blut hier nicht in Strömen fließt. Weder bei den Boxkämpfen noch den privaten Auseinandersetzungen.

Nishimoto hat ein gutes Auge für die realistische Darstellung körperlicher Wunden. Innerhalb der Zeichnungen wird hinsichtlich der Verletzungen weder über- noch untertrieben, was der Ernsthaftigkeit der Geschichte sehr guttut.

Hämatome verschwinden nicht von heute auf morgen und auch leichte offene Wunden sind so lange an den Körpern der Charaktere sichtbar, wie sie eben noch nicht verheilt sind.

Gleichzeitig wird noch so viel von entsprechenden Gewalttaten gezeigt, wie es für das Verständnis der Geschichte auch nötig ist.

Fazit

„Two Sides of the Same Coin“ ist ein Manga, der sowohl hinsichtlich seiner Story als auch seiner Zeichnungen einiges zu bieten hat. Auf die Darstellung der Emotionen, Gedanken und Gefühle der Charaktere wurde ein so großer Wert gelegt, dass es einem leicht fällt, mit den Charakteren mitzufühlen und ihre Beweggründe zu verstehen.

Die Geschichte selbst ist so ergreifend und spannend wie kurzweilig. Es gibt mehrere Plot Twists, die nur schwer vorherzusehen sind und einen so nur umso mehr schockieren können.

Die Charaktere sind interessant und ihr Schicksal ist einem beim Lesen nicht egal. Die beiden Protagonisten sind darüber hinaus nicht statisch. Sie machen eine Charakterentwicklung durch, was es umso spannender macht, ihre Lebens- und Liebesgeschichte zu verfolgen.

„Two Sides of the Same Coin“ von Rou Nishimoto ist ein Boys-Love-Manga, der sich für alle lohnt, die aufwendige und facettenreiche Zeichnungen sowie Geschichten mit emotionalem und sozialem Tiefgang lieben.

Info

Two Sides of the Same Coin Cover Band 1
„Two Sides of the Same Coin“ Cover Band 1. Bild: Carlsen Verlag

Two Sides of the Same Coin
Verlag: Carlsen Manga; Hayabusa
Altersfreigabe: Empfohlen ab 18 Jahren
Erscheinungsjahr: 2021
Veröffentlichungsstatus: Abgeschlossen
Mangaka: Rou Nishimoto
Seitenzahl Band 1: 176
Seitenzahl Band 2: 210
Preis: 10,00 Euro
Genre: Yaoi, Boys-Love
ISBN (Band 1): 978-3-551-62047-7
ISBN (Band 2): 978-3-551-62048-4
Bei Amazon kaufen

Unsere Meinung

Story
97 %
Charakterdesign
98 %
Zeichnungen
98 %
Coverdesign
99 %
Preis
96 %

Fazit

„Two Sides of the Same Coin“ von Rou Nishimoto ist ein Manga, der sowohl hinsichtlich seiner Story als auch seiner Zeichnungen einiges zu bieten hat. Die Geschichte ist spannend, abwechslungsreich und nur allzu oft auch erschütternd. Die Zeichnungen sind detailliert, kontrastreich und ausdrucksstark. Ein Yaoi-Manga abseits des Mainstreams, der genauso bitter wie ergreifend ist. Eine Liebesgeschichte, die man gesehen und gelesen haben muss.
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„Two Sides of the Same Coin“ von Rou Nishimoto ist ein Manga, der sowohl hinsichtlich seiner Story als auch seiner Zeichnungen einiges zu bieten hat. Die Geschichte ist spannend, abwechslungsreich und nur allzu oft auch erschütternd. Die Zeichnungen sind detailliert, kontrastreich und ausdrucksstark. Ein Yaoi-Manga abseits des Mainstreams, der genauso bitter wie ergreifend ist. Eine Liebesgeschichte, die man gesehen und gelesen haben muss. „Two Sides of the Same Coin“ – Wie viele (Schicksals-) Schläge kannst du ertragen?