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Wakaba im Kino ist die zweite Print-Veröffentlichung von Manga Jam Session aus Österreich

Wakaba im Kino – Der Traum vom Abenteuer hinter der Leinwand

Früher galten Kinos als Ort, in denen man der Welt für eine Weile entfliehen kann, um in die Geschichte des Films einzutauchen. Heute bringen Streaming-Dienste dieses Gefühl in jedes Wohnzimmer, weswegen es gerade für kleine Kinos immer schwerer wird, sich am Markt zu behaupten.

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Das „New Theatre“ ist ein kleines Retro-Kino, das in einer nicht näher benannten japanischen Stadt, mitten im Zentrum zu finden ist. Dort werden die Filme noch auf Rollen angeliefert und über Projektoren abgespielt, die entsprechend bedient werden müssen. Dort arbeitet die junge Wakaba als Filmvorführerin. Und einige der Stammgäste kommen nicht nur wegen den gezeigten Movies, sondern, um einen Blick auf die Schönheit hinter den Projektoren zu werfen.

Davon bekommt Wakaba aber nicht viel mit, denn sie geht völlig in ihrem Job auf. Während sich andere junge Frauen über Juwelen oder teure Geschenke freuen, gerät Wakaba aus dem Häuschen, wenn sie eine neue Projektor-Linse bekommt oder sie einfach ihre Lieblingsramen genießen kann. Für die Menschen in ihrem Umfeld interessiert sie sich kaum und redet, wenn überhaupt nur mit ihrem Chef und Mariko, der älteren Dame, die im Kino den Empfang übernimmt.

Wakabas gesamte Welt spielt sich hinter einer Glasscheibe ab, hinter welcher sie sich um die Filme kümmert. Für diejenigen, die sich für die Technik hinter solchen alten Filmen interessieren ist die Slice-of-Life-Geschichte sehr interessant. Inhaltlich hätte man aus der Geschichte mehr herausholen können.

Ein Manga über bewegte Bilder

„Wakaba im Kino“ befasst sich mit einem Thema, das auf den ersten Blick für einen Manga eher ungewöhnlich erscheint, funktioniert dafür aber recht gut. Vor allem auf den technischen Aspekt legt Mangaka Katsumi Aoyama einen großen Fokus, auch wenn dieser die Geschichte an sich ein wenig schwierig macht. Der Großteil der Handlung spielt im Retro-Kino „New Theatre“. Ähnliche limitiert, wie der Handlungsort erweist sich auch die Palette an Figuren. Obwohl viele Besucher als Stammgäste gelten, bleiben sie in der Regel gesichtslose Gestalten.

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Gleichzeitig tut man sich mit der Protagonistin schwer. Wakaba wird zwar als durchsetzungsfähige junge Frau dargestellt, die in ihrem Job aufgeht, ansonsten wird aber über sie nicht viel verraten. Es sind immer die anderen Figuren, die scheinbar mehr über sie erzählen, was sie natürlich nur auf eine sehr oberflächliche Art und Weise tun können.

Die Aufteilung der Handlung in verschiedene kurze Einzelepisoden macht es schwer, einen richtigen Lesefluss aufzubauen, dafür sind die verschiedenen Szenen insgesamt zu verschieden. Am meisten Spaß machen, an dieser Stelle fast die kleinen Zwischen-Anmerkungen, die einen Einblick in das, wenn auch kaum vorhandene, Privatleben der Protagonistin ermöglichen. Der Mangaka hat viel recherchiert, um die Arbeit der Filmvorführer ins richtige Licht zu rücken, allerdings lässt er darüber viele Möglichkeiten, die die Geschichte eigentlich noch bietet, ungenutzt.

Ein Blick hinter die Kulissen

Ähnlich differenziert, wie die Story-Ausbeute gestaltete sich die grafische Umsetzung von Katsumi Aoyama. Zwischen aufwendig gestalteten Panels und eher skizzenhaften Bereichen, gibt es eine breite Palette an unterschiedlichen Eindrücken. Unter dem Strich ist auch hier Potenzial verloren gegangen, das man hätte für eine rundere Darstellung von „Wakaba im Kino“ nutzen können.

Bei der Gestaltung des Kinos und vor allem der verwendeten technischen Ausstattung legt der Mangaka einen großen Fokus darauf, diese realitätsnah darzustellen. Auch Wakaba weiß mit ihren Reizen nicht nur das Publikum im Saal zu begeistern. Allerdings bleibt Aoyama sehr dem gängigen Shojo-Stil treu, indem seine weiblichen Figuren niedlich erscheinen und oftmals mit leuchtenden Augen den Leser ansehen.

Die meisten anderen Figuren bleiben viel zu oft reines Klischee. Der Chef des „New Theatre“ ist ein ernster Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck hat und Mariko ist die nette ältere Dame, die wie zu erwarten, das Herz des Spielhauses darstellt. Dazu nehmen man noch zwei Schüler, die sich vor allem für Wakabas weibliche Reize begeistern können und schon hat man die gängige Palette abgeklappert.

Guter Standard, aber auch nicht mehr

Der Verlag Manga Jam Session aus Österreich ist noch relativ neu auf dem Markt und hat seine Werke bisher vorrangig online als E-Books vertrieben. Neben „Ab sofort Schwester“ ist „Wakaba im Kino“ erst der zweite Manga, der auch eine physische Veröffentlichung erhält. Gleichzeitig ist auch Mangaka Katsumi Aoyama noch ein relativer Neuling, weswegen man einige kleine Macken im Manga noch erklären kann.

„Wakaba im Kino“ erscheint im gängigen Manga-Format als Softcover-Ausgabe. Die Druckqualität erweist sich als soweit auch in Ordnung, allerdings sind teilweise die Texte in den Sprechblasen ein wenig klein geraten, sodass es im Laufe der Zeit anstrengend wird, wenn man den ganzen Text verfolgen möchte. Bei einem E-Book ist das nicht weiter schlimm, da man diese vergrößern kann, bei einem echten Buch steht die Lupe aber nun nicht zur Verfügung.

Mit einem Umfang von 194 Seiten, von denen die erste in Farbe gehalten ist, bietet der erste Band einen schönen Einstieg in die Geschichte, die aber mit dem folgenden zweiten auch schon abgeschlossen ist. Es bleibt abzuwarten, inwieweit Wakaba noch Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit preisgibt und man so vielleicht noch einen besseren Zugang zu ihr bekommt.

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Fazit

„Wakaba im Kino“ versucht die Welt des Kinos und des Manga zusammenzubringen, was in gewisser Weise funktioniert. Gerade die Liebe zu den technischen Details sieht man dem Manga an. Schade ist nur, dass dabei die Geschichte ein sich auf der Strecke bleibt. Verschiedene Einzelepisoden zeigen die coole Filmvorführerin zwar in ihrem Element, eine umgebende Rahmenhandlung lässt sich aber nur schwer ausmachen.

Demzufolge ist der Slice-of-Life-Manga für alle geeignet, die einmal hinter die Kulissen eines Retro-Kinos schauen wollen und Freude ein nett gestalteten Figuren haben. Insgesamt lässt der Mangaka viel Potenzial in der Geschichte bisher ungenutzt, sodass Fans tiefgehenden Handlungen mit unerwarteter Wendepunkte enttäuscht werden.

Info

Abenteuer hinter der Leinwand
Wakaba im Kino Band Eins Bild: Katsumi Aoyama, Ayu Kandagawa / MAG Garden Corporation

Wakaba im Kino 
Original Name: 映写室のわかばさん
Von: Katsumi Aoyama (Autor und Zeichnungen) / Ayu Kandagawa (Idee)
Verlag: Manga Jam Session
Verfügbar: 2 Bände
Preis: 7,99 Euro
Genre: Slice-of-Life
ISBN:978-3950488012
Medium: Buch

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Unsere Meinung

Story
78 %
Zeichnungen
85 %
Preis
88 %

Fazit

"Wakaba im Kino" ist erst der zweite Print-Manga des noch jungen Verlages Manga Jam Session. Die Geschichte erweist sich als nett und vor allem für Kino-Fans auch unterhaltsam, allerdings ist sie nicht als großer Hollywood-Wurf.Die Figuren des Slice-of-Life Werkes bleiben oftmals eher oberflächlich und selbst die Protagonistin kann, trotz schwer zu verbergenden weiblichen Reizen, den Leser kaum erreichen. Hätte man der Geschichte mehr Raum gelassen und sich bei den Figuren nicht auf gängige Klischees konzentriert, hätte der Manga Potenzial.
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