Gelesen: Westwood Vibrato Band 1

    Westwood Vibrato - Artikelbild
    © Tokyopop

    Wir haben von Tokyopop den Manga/Manhwa Westwood Vibrato erhalten. Ein Werk, das eine echte Überraschung war beim lesen.

    Der Text kommt von In-Wan Youn und die Zeichnungen von Sun-Hee Kim bei diesem Werk. Diese beiden gehören übrigens zu Ylab. Wer mehr darüber erfahren mag, kann dies hier auf der Seite von Tokyopop nachlesen, unter diesem Link.

    Lest hier nun mehr zu diesem Werk, das mich ziemlich beeindruckt hat. Ich bin immer noch total hingerissen, von dem was die beiden geschaffen haben.

    Manhwa oder Manga?
    Bei diesem Werk handelt es sich eigentlich um einen Manhwa. Ich persönlich finde, das man diesen Stile aus Korea durchaus erkennt und auch wenn es kein Titel aus Japan ist, so ist diese Reihe in keinster weise schlechter, als vergleichbare Werke aus dem Land der aufgehenden Sonne. Die Manhwa von heute, weisen eine hohe Qualität auf und oftmals ist es auch schwer zu erkennen, ob man einen Manhwa oder Manga in der Hand hält. Zumal bei uns Manhwa immer öfter in Manga Leserichtung erscheinen, daher bezeichne ich sie als Manhwa/Manga Hybride, die dadurch aber nicht schlechter sind, aber halt einen eigenen Style kreieren.

    Die Geschichte
    Dreht sich um die unglaublich begabte Cornelia Warshaw, sie gehört zu einer Handvoll Instrumenten-Spezialisten, die weltweit Anerkennung haben. Die Leute reisen von weit her an, zu der Frau die Tausend Töne nur durch ihr Gehör unterscheiden können soll.

    Sie selber lebt in einem kleinen Haus in Südafrika, wo sich auch ihre Werkstatt befindet. Dort kommen die Leute von nah und fern, um sich bei Problemen mit ihren Instrumenten helfen zu lassen oder weil sie etwas erwerben wollen bei ihr. Manche haben aber mehr als nur Sorgen um materielle Dinge. Vielen liegt auch eine Geschichte schwer auf dem Herzen.

    Cornelia weiß dies und sie möchte jede dieser Geschichten gern hören, egal ob sie ein gutes Ende nehmen oder nicht. Meistens animiert sie die Menschen auch dazu, ihr sie zu erzählen, da viele denken es wäre unhöflich das zu tun.
    So erfährt sie zwar das was hinter den Instrumenten und ihren Besitzern steht, wird dabei aber oftmals mit Wahrheiten konfrontiert die eine harte Zeit im Leben dieser Menschen erzählen.

    Einmal dreht sich aber der Spieß um und wir erhalten in einer Geschichte auch einen Einblick auf Cornelia und erfahren einige wichtige Dinge über sie. Dies sorgt dafür, das man sich noch besser in sie hinein versetzen kann und ihre Beweggründe versteht, warum sie so ist und weswegen sie das alles so macht.

    Die einzelnen Kapital wurden hier Tracks genannt und im ersten Band erwarten euch davon vier Stück. Dieses mal werde ich hier nicht mehr zu den Geschichten sagen. Zum einen, weil es einzelne in sich abgeschlossene Kapitel sind, zum anderen denke ich das eine einfach Beschreibung nicht langt für diese unglaublichen Geschichten.
    Lest sie am besten selber und die sensiblen Leser sollten Taschentücher bereit halten.

    Die Charaktere
    Hier dreht sich alles um Cornelia Warshaw, sie ist die Protagonistin und die einzelnen Kapitel und Nebencharaktere wurden hier auf sie angepasst. Zudem kommen im ersten Band alle Nebencharaktere neuen einmal vor und danach sieht man sie nicht mehr. Die einzige Ausnahme stellt hier ihr Haustier dar. Es handelt sich um einen Pinguin, welcher ab und an kurz vorkommt und aus meiner Sicht dazu dient, die Stimmung wieder etwas zu heben.

    Was einem durchweg auffällt ist, das viele Charaktere mit einer leicht depressiven Natur daher kommen und sie immer der ruhige Punkt ist, zu dem sie hineilen. Sie hat auch immer die Lösung und sorgt mit Ruhe und Geduld dafür, das jeder am Ende sein Glück findet.

    Cornelia Warshaw – Sie lebt in Südafrika und ist schwer erkrankt, was ihren Tod bedeuten kann, zudem hat sie nur noch ein gesundes Bein und kann nur durch eine Prothese vernünftig laufen. Ihre Erkrankung ist aber auch ihr Kapital, da sie bei ihrer Arbeit hilfreich ist. Sie gilt weltweit als so herausragend in ihrer Arbeit und ist zudem auch noch so etwas wie eine Therapeutin, da sie den Menschen immer gern zuhört. Sie selber denkt dabei oftmals zu wenig an sich und immer mehr an andere, egal ob sie ihr Leben dadurch in Gefahr bringt.

    Es ist sehr faszinierend, das man hier wirklich nur auf einen Charakter gesetzt hat und durchgehend nur alles um sie geht, so wirkt es zumindest teilweise. Es gibt keine bleibenden Nebencharaktere und doch erfährt über die vier wichtige Nebencharaktere ziemlich viel, da sehr wichtige Momente in ihrem Leben erzählt werden. Diese haben die Menschen geprägt und für ihr ganze Leben verändert.

    Tatsächlich bin ich der Meinung, das sie zwar die Protagonistin ist, aber eigentlich die Geschichten die erzählt werden, der eigentliche Hauptpunkt sind. Dadurch ist sie als Hauptcharakter nur dazu da, das es einen Grund gibt sie zu erzählen. Was dieses Werk zu etwas ganz besonderen macht, mit sehr besonderen Charakteren, die man sonst so selten irgendwo findet.

    Der Manga/Manhwa
    Erscheint im DIN A5 Großformat mit einem Cover, das komplett geprägt ist mit einem Muster und vollfarbig ein Bild enthält das auf dem Cover Cornelia und ihre Arbeitszimmer zeigt und auf der Rückseite einen anderen Teil des Arbeitsraumes, mit einem Bild und Instrumenten. Es sind alles Pastellfarben, die eher sachte wirken. Zudem finden wir die gleiche Farbgebung auch im Inneren des Manga/Manhwa wieder.

    Die Seiten sind wie schon erwähnt alle farbig. Nach jedem Kapitel kommt noch eine kleine Zusatzstory passend zum Track.
    Als Extra gibt es nach jedem Track eine kleine Erklärung des Erschaffers, sowie eine Erklärung zum Instrument aus dem jeweiligen Track. Ebenso findet sich aber auch ein kleiner Kasten mit Kommentaren von Lesern. Da dieses Werk zuerst online erschienen ist und erst jetzt als gebundener Ausgabe erscheint.

    Am Ende des Werkes kommt dann eine Nennung vom Staff, sowie allen Beteiligten und den die daran mitgewirkt haben und ganz zuletzt stellen sich die beiden Künstler noch mit ein paar kurzen Worten vor.

    Westwood Vobrato umfasst 224 Seiten und kostet 14 Euro, was für einen voll-farbigen Druck ein absolut angemessener Preis ist. Wer nun etwas unsicher ist was er von diesem Werk halten soll, findet unter diesem Link Leseproben bei Tokyopop.

    Das Fazit
    Was soll ich sagen, dies ist das erste Mal wo ich sofort von einem Manga/Manhwa überzeugt war. Der erste Track ist so mitreißend und obwohl im eine starke Traurigkeit anhaftet, hat er mich doch schon so überzeugt, das ich dachte es kann nicht mehr besser werden. Doch mit jedem Track wurde es dann besser. Die Geschichten mögen nicht klassisch sein und haben nur bedingt so etwas wie ein Happy End im eigentlichen Sinne, aber dies ist auch ihre große Stärke. Sie sind absolut anders und machen dieses Werk zu einem, das sich von dem üblichen deutlich abhebt und in einer eigenen Klasse für sich spielt.

    Für mich ist Westwood Vibrato ganz klar die Überraschung des Jahres (als Printausgabe), da ich vorher die Online Ausgaben nicht mitverfolgt habe. Es hat mich sofort überzeugt und noch nie habe ich klarer eine endgültige Bewertung vor Augen gehabt. Somit bleibe ich bei der ersten Zahl die mir in den Sinn gekommen ist und vergebe für dieses Ausnahmewerk auf dem deutschen Markt 95 von 100 Punkten. Jeder sollte zumindest eine der Geschichten kennen und für mich steht ganz klar fest, das Westwood Vibrato in jede vernünftige Sammlung gehört.

    Meine Empfehlung hat das Werk in jedem Falle, auch wenn viele beim Lesen sicherlich Taschentücher benötigen werden. Auch dies gehört zu dem Charme dieses Manga/Manhwa.