My Little Monster – Manga-Test

Robicos 12-bändiger Tonari no Kaibutsu-kun-Manga begeisterte in Japan zahlreiche Fans und inspirierte 2012 die zwölfteilige gleichnamige Anime-Serie. Das Werk glänzt mit schrillem Humor, vielen attraktiven sowie skurrilen Protagonisten und zuckersüßer Romantik. Hierzulande wird Tonari no Kaibutsu-kun seit April 2014 unter dem Titel My Little Monster vom Egmont Manga herausgegeben. Wir haben einen Blick in den ersten Band dieses unterhaltsamen Mangas geworfen.

Shizuku Mizutani ist eine regelrechte Streberin. Sie möchte unbedingt Klassenbeste sein und dafür lernt sie, was das Zeug hält und stellt alles andere in den Hintergrund – Freunde hat das Mädchen keine. Eines Tages bekommt sie von ihrer Lehrerin den Auftrag Haru Yoshida dazu zu bewegen, wieder die Schule zu besuchen, da er sonst von dieser fliegt. Der Schüler sitzt eigentlich neben Shizuku. Sie hat ihn bisher jedoch nur ein einziges Mal gesehen. Haru glänzt stets mit seiner Abwesenheit von der Schule, gilt zudem als leicht reizbar und ziemlich verrückt.

Wie es der Zufall so will verstehen sich die unterschiedlichen Charaktertypen von Shizuku und Haru letztendlich doch besser als gedacht – ihre »Freundschaft« kommt in Schwung nachdem Shizuku erkennt, dass Haru von falschen Freunden umgeben ist, die ihn nur ausnutzen. Die Schülerin setzt sich prompt für den Jungen ein, was diesen dermaßen beeindruckt, dass er ihr nun nicht mehr von der Pelle rückt und sogar bereit ist, die Schule wieder zu besuchen – vor dieser hat Haru Angst, weil er wegen seines auffälligen Verhaltens und seinem bösen Blick stets von seinen Mitschülern abgelehnt wird, was in gewisser Hinsicht nicht verwunderlich ist.

Doch dann tauchen erste Schwierigkeiten in ihrer frischen Freundschaft auf: Shizuku wird von Haru stark in der Schule abgelenkt, und so steht ihr Ziel Klassenbeste zu sein auf dem Spiel. Da findet sie endlich ein fremdes Klassenzimmer, um dort in Ruhe zu lernen, taucht Haru unerwartet auf und unterstellt den dort anwesenden Schülern, seiner Freundin wehtun zu wollen. In seiner Wut verletzt er auch noch ungewollt Shizuku, die ihm prompt die Freundschaft kündigt. Shizuku erreicht ihr Ziel als Klassenbeste, merkt aber, dass sie dennoch nicht glücklich darüber ist. Das Mädchen erkennt, dass der Moment wo ihre Freundschaft mit Haru begann auch etwas Besonderes für sie war. Schließlich gibt Shizuku den beiden eine neue Chance. Die Schülerin ahnt nicht, inwiefern die Freundschaft zu Haru ihr Leben beeinflussen wird. Und dann erkennt das Mädchen auch noch ihre Liebe zu dem Jungen.

In My Little Monster stellt Robico die übliche Rollenverteilung eines Shojo-Mangas etwas auf dem Kopf. Die Handlung erzählt die angehende Freundschaft zwischen der eiskalten Streberin Shizuku und dem naiven Schulschwänzer Haru. Eine Kleinigkeit verbindet die beiden: Ihr Wesen sorgt dafür, dass sie nur wenige soziale Kontakte knüpfen konnten. Man muss dazu sagen, dass Shizuku in der Geschichte eine starke Persönlichkeit darstellt, während Haru doch eher als Problemfall bezeichnet werden kann. Der Schüler ist dennoch trotz seiner leicht reizbaren und verrückten Natur sehr gutmütig. Sein direktes und unverschämtes Verhalten sorgt für jede Menge Spaß in der Story. So meint es Haru beispielsweise stets gut mit verwaisten Tieren – einem Hahn namens Nagoya verschafft der Junge kurzerhand eine Bleibe in der Schule. Auch nimmt er jede Gelegenheit wahr, um mit seinen neu gewonnenen Freunden Zeit zu verbringen. Ebenfalls würde kaum einer vermuten, dass Haru in der Schule leistungsstärker als Shizuku ist. Diese wiederum erkennt relativ schnell, dass sie sich in Haru verliebt hat. Da der Junge schon seit Beginn ihrer Freundschaft leichtfertig behauptet, er würde Shizuku lieben, dauert es nicht lange, bis sie ihm ihre Gefühle gesteht. Die Schülerin muss allerdings feststellen, dass seine »Liebe« ihrer nicht entspricht – Haru hat damit eher Perverses im Sinne. So folgt prompt Shizukus relativ reifes Versprechen, solange warten zu wollen, bis er dasselbe für sie empfindet.

Neben den zwei starken Hauptfiguren haben es in My Little Monster auch viele Nebencharaktere in sich, mit denen sich Shizuku und Haru im Laufe der Erzählung anfreunden. Diese bringen ebenfalls jede Menge Fun in die Ereignisse. Da wäre beispielsweise die süße Natsume, die glaubt, wahre Freunde nur im Internet zu finden. Sie ist von ihrem attraktiven Aussehen überzeugt und scheut Annäherungsversuche von Jungs. So nebenbei tut Natsume sich in der Schule sehr schwer. Etwas Unruhe bringt letztendlich der Charakter Yuzan ins Geschehen, von dessen Ankunft Haru zum Ende des Bandes erfährt.

Robicos Zeichnungen sind shojotypisch haben aber trotzdem Wiedererkennungswert und eine spezielle Note. Ihr Fokus liegt, wie in vielen anderen Vertretern dieses Genres, eher auf das Charakterdesign. Hintergrunde sind oftmals leer oder nur leicht angedeutet. Trotzdem weiß der Leser stets, an welchem Ort sich die Ereignisse gerade abspielen.

Robicos Tonari no Kaibutsu-kun debütierte 2008 in Kodanshas Dessert-Magazin und fand im Sommer 2013 mit zwölf Volumes einen Abschluss. Die gleichnamige Anime-Adaption von Brain´s Base Animation lief von Oktober bis Dezember 2012 im japanischen TV. Ebenso lag der limitierten Edition des zwölften Manga-Bandes, welcher im Sommer 2013 in Japan erschien, eine Original Anime DVD bei. Egmont Manga publizierte das Startvolume im April 2014. Neben vier Kapiteln zur Hauptgeschichte bekommt der Leser nach jedem Abschnitt zwei witzige 4-Panel-Erzählungen.

Die Story von Robicos Romantik-Komödie My Little Monster ist darauf ausgelegt, den Leser zum Lachen zu bringen – wenn sich mehrere Außenseiter mit merkwürdigen Verhaltensweisen und Eigenarten zusammentun, dann passieren nun mal viele verrückte Dinge. Trotzdem mag sich der eine oder anderen mit den Protagonisten identifizieren können. Die Thematik an sich ist sicherlich nichts Neues – Menschen, die sich nach wahrer Freundschaft sehnen und aus diversen Gründen ausgegrenzt werden beziehungsweise sich selber isolieren. Dennoch, die Kombination aus süßer Romantik, Dramatik, Schulalltag, schrägen Nebenfiguren sowie zwei Hauptcharaktere, die unterschiedlicher nicht sein können, machen Robicos My Little Monster zu einem Muss für Comedy- und Romance-Fans.   

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu My Little Monster.

Tonari no Kaibutsu-kun © 2012 Robico / Kodansha Inc.
My Little Monster © 2014 Robico / EGMONT Verlagsgesellschaften mbH