Big Order, Band 1 – Manga-Test

Pünktlich zu Sakae Esunos Auftritt auf der Manga-Comic-Convention 2014 publizierte EMA Anfang März den ersten Band zu seinem aktuellen Werk Big Order. Der Mangaka landete zuvor mit Mirai Nikki einen Hit, welcher allerdings auch für Kontroverse sorgte. Ob sich das in Esuno-senseis neusten Streich wiederholt, der seit 2011 in Kadokawa Shotens Shonen A-Magazin erscheint und momentan fünf Volumes in Japan zählt, versuchen wir anhand des deutschen Startbandes von Big Order für euch herauszufinden.

Eiji Hoshimiya hütet vor seinen Mitmenschen ein großes Geheimnis. Vor genau zehn Jahren wünschte er sich den Untergang der Welt, und genau dieser wurde wahr. Damals erhielt der Junge von einem mysteriösen weiblichen Wesen namens Daisy eine besondere Gabe und wurde dadurch ein sogenannter »Order«. Im Glauben, dass er für diese schrecklichen Ereignisse verantwortlich war, beschloss Eiji, seine Fähigkeit nie wieder anzuwenden. Denn nicht nur für seine Stiefschwester Sena, die dem Jungen sehr wichtig ist, hatte der Vorfall schlimme Folgen.

So wird eines Tages Rin Kurenai Eijis neue Mitschülerin. Der Junge findet sie auf Anhieb sehr attraktiv, muss jedoch feststellen, dass Rin nach seinem Leben trachtet. Denn auch sie ist ein »Order«, besitzt die besondere Fähigkeit der Wiedergeburt, und möchte sich an Eiji für den damaligen Tod ihrer Eltern rächen. Eine blutige Auseinandersetzung beginnt, in der auch Sena verwickelt wird. Schließlich erinnert sich Eiji, dass sein Wunsch damals nicht der Untergang der Welt war, sondern über sie zu herrschen – so besitzt er die Gabe, sich jeden in seiner Umgebung zu unterwerfen. Mittels seiner Fähigkeit gelingt es Eiji, Rin hörig zu machen – ihr Ziel bleibt aber bestehen, ihn zu töten.

Doch Rin bleibt nicht Eijis einziges Problem. So wird Sena plötzlich von einer Organisation entführt, die aus mehreren »Order« besteht. Rin und Eiji arbeiten gezwungenermaßen zusammen, um sie zu retten. Was beabsichtigen die Entführer wohl mit ihren Taten?

In Sakae Esunos Big Order steht der Leser vor der Entscheidung, den Protagonisten eher als Helden oder Antagonist anzusehen – der Junge erhielt von der mysteriösen Daisy einst die Gabe, sich die Weltherrschaft an den Nagel zu reizen, wenn er es denn wollte. Wie Eiji feststellen muss ist er nicht der einzige, den Daisy zu einem »Order« gemacht hat. So taucht die von hasserfüllte Rin auf, die Eiji lieber tot als lebendig sieht. Dennoch wird sie dem Jungen dank seiner Fähigkeit hörig, sodass eine Art unfreiwilliges Bündnis entsteht. Mit dem Auftauchen weiterer »Order« wird zum Schluss des Volumes klar, was deren Ziel ist: Ihre Rasse soll mithilfe von Eiji die Weltherrschaft an sich reizen. Das beabsichtigt der Junge natürlich nicht, oder etwa doch?

Die Handlung von Sakae Esunos Big Order erscheint mir in manchen Aspekten sehr unlogisch und es ist mir bis zum Schluss des Bandes leider nicht gelungen, Sympathie für die jeweiligen Charaktere aufzubauen. Der Mangaka fügte allerlei dramatische Flashbacks ein, welche die Vorgehensweisen der Figuren begründen sollen. Trotzdem rückt das alles in den Hintergrund und man findet für so manch eine Tat einfach keine Erklärung: Beispielsweise, mal davon abgesehen, dass sie sowieso stets wiedergeboren wird, warum ist Rin charakterlich so krank drauf, sich mit Granaten in die Luft sprengen zu müssen, wenn irgendwas nicht so läuft, wie sie es gerne hätte? Auch erscheinen mir die Schlussfolgerungen von Eiji oftmals an den Haaren herbeigezogen. Man liest die Erklärung und denkst sich: Wie kommt der Junge plötzlich darauf? Punkto Romantik wird es ebenso recht kurios: Eiji empfindet Liebe auf dem ersten Blick für Rin. Im Kampf gegen sie, um Leben und Tod, rückt das völlig in den Hintergrund. Plötzlich entsteht diese Zweckbindung und schon ist die Emotion wieder da? Der Leser findet zudem viele blutige Kampfszenen vor, wodurch man stets ein angespanntes Gefühl hat. Des Weiteren bietet Esuno-sensei ein attraktives Charakterdesign.

Der deutsche Startband zu Sakae Esunos Big Order wartet mit sechs Farbseiten auf. EMA gibt punkto Aufmachung sein Bestes, ob das Werk dies jedoch im Bezug auf die Handlung und den Protagonisten auch tut, ist etwas fraglich. Das Esunos-sensei kontroverse Erzählung und Figuren erschaffen kann, bewies er bereits mit Mirai Nikki. Big Order weist sicherlich einige Parallelen zu seinem Erfolgswerk auf. Trotzdem weckt der Startband für mich nicht das Interesse, zum nächsten Volume zu greifen, weil mir vieles unglaubwürdig sowie irritierend erscheint und ich keine Sympathie für die Charaktere entwickeln konnte. Das mag sicherlich bei jedem Leser unterschiedlich ausfallen, eventuell verlaufen die Folgebände auch vielversprechender. Wer Sakae Esunos Mirai Nikki lieb gewonnen hat, der sollte Big Order eine Chance geben.

Wir bedanken uns bei Egmont Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Big Order.

Big Order © 2011, Sakae Esuno / Kadokawa Shoten Co. Ltd. Tokyo
© 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH