»Mirai Nikki« – Manga-Test

Sakae Esuno gehört noch zu den neuen Gesichtern im Bereich Anime und Manga. Sein erster kommerzieller Manga, Mirai Nikki, erschien 2006 im Shonen Ace-Magazin (Kadokawa Shoten) und hat es zeitweise sogar bis in die Top 20 des japanischen Comic-Rankings geschafft. Dem folgten eine 26-episodige TV-Serie, zwei Original Video Animationen, drei Sonderbände (beispielsweise Mirai Nikki Mosaik) sowie der Visual Novel Mirai Nikki: 13-nin-me no Nikki Shoyusha für die Playstation Portable. Während TOKYOPOP die Reihe in den USA und Frankreich herausbrachte, sind in Deutschland alle zwölf Bände sowie die ersten beiden Specials bei Egmont Manga. Höchste Zeit also, sich die Reihe einmal näher anzuschauen.

Wir befinden uns in der Gegenwart und begleiten den eher unspektakulären Alltag des 14-jährigen Protagonisten, Yukiteru Amano. Sein Hobby, viel eher ist es ein Lebensinhalt, besteht darin all die Geschehnisse, die um ihn herum passieren, in Form eines Tagebuchs auf seinem Handy zu dokumentieren. Obwohl Yukiteru von seinen Mitschülern durchaus beachtet und auch angesprochen wird, zieht er es vor nicht auf sie einzugehen, sondern nimmt alle Kommentare als weitere Einträge auf. Daheim zieht sich Yukiteru vollends in seiner Fantasiewelt zurück, in der Deus Ex Machina, König von Raum und Zeit sowie dessen Zimmermädchen MurMur, zu seinen Freunden zählen.

Selbst Deus bemerkt Yukiterus Einsamkeit, den Mangel an Träumen und Zielen (was bei einem eingebildeten Freund schon einiges sagt) und macht Yukiteru prompt die Zukunft zum Geschenk.

Von nun an zeigt das Tagebuch Einträge von Ereignissen, die noch passieren werden – und das drei Monate im Voraus. Verwirrt liest Yukiteru am nächsten Morgen den ersten Eintrag, der das Ergebnis des morgendlichen Dartwurfs, seine einzige andere Beschäftigung neben dem Führen des Tagebuchs, anzeigt. Auch die Nachrichten, ein Test in der Schule sowie das Gehänsel seiner Mitschüler ist bereits dokumentiert. Schnell beginnt Yukiteru aus der Sache profit zu schlagen. Seine Noten verbessern sich schlagartig und auch Mobbing gehört der Vergangenheit an. Einzig Deus Warnung, dass sollte sein Handy zerstört werden es auch mit Yukiterus Leben zu Ende sei, sorgt für eine kurze Verunsicherung – aber was soll schon jemandem passieren, der die Zukunft kennt?

Aus dem Tagebuch einer Stalkerin

Die Geschichte nimmt jedoch eine Wendung als Yukiteru eine Knetfigur im Klassenraum vorfindet, welche eine verblüffende Ähnlichkeit mit MurMur aufweist. Zudem ist in seinem Tagebuch zu lesen, dass er noch am selben Tag sterben werde. Yuno Gasai, eine Mitschülerin aus seiner Klasse, scheint auch mehr zu wissen, völlig perplex von der Nachricht des eigenen Todes stürmt Yukiteru aus dem Klassenzimmer, doch wohin er auch flüchtet, Yuno ist ihm stets ein Schritt voraus – sollte es etwa mehr Zukunftstagebücher geben?

Zu seinem Glück erweist sich Yuno als eine Verbündete – und viel mehr noch, als eine Stalkerin, die jeden seiner Schritte in ihrem Tagebuch vermerkt – selbst, die seiner Zukunft. Mit den gesammelten Informationen gelingt es ihnen schließlich Yukiterus Mord zu verhindern, und sie erfahren so, dass sich die Zukunft noch verändern lässt.

Die Zukunft, nicht wie in Stein gemeißelt.

Endlich wieder daheim angekommen erhält Yukiteru eine Einladung von Deus. Die Versammlung offenbart, dass neben Yukiteru und Yuno noch zehn weitere Personen ein Zukunftstagebuch besitzen. Deus offenbart allen, dass sie nun Teil eines Wettbewerbs um Leben und Tod sind. Als Preis winkt nichts Geringeres als Deus Thron und damit die Macht über Raum und Zeit selbst. Trotz dieser Aussicht sind allerdings nicht alle Teilnehmer bereit einander umzubringen. Viel mehr werden auch persönliche Ideale verfolgt und so trifft Yukiteru bereits am nächsten Tag auf gleich zwei weitere Besitzer von Zukunftstagebüchern, doch wer ist Freund und wer Feind?

 

Sakae Esuno setzt die Idee der Vorhersage der Zukunft überraschend kreativ um. Jeder Charakter hat sein ganz persönliches Tagebuch. So sind Yukiterus Einträge alle aus der Perspektive des stillen Beobachters geschrieben. Er erfährt zwar, was alles um ihn herum passieren wird, jedoch nichts Genaueres über seine eigene Zukunft, also welche Auswirkungen die Ereignisse auf ihn haben werden. Zum Beispiel fehlen in der Nachricht seines eigenen Todes sämtliche Details über das Wie, Wann und Wo. Yuno hingegen ist als Stalkerin völlig auf ihren Schwarm fixiert. Alle Einträge ihres Tagebuchs beschreiben Yukiterus zukünftige Handlungen und was ihm alles passieren, geben jedoch keine Auskunft über sie selbst, oder was in ihrer Umwelt geschehen. Auf diese Weise ergeben sich interessante Bündnisse. Dies weckt die Neugier, wie die anderen neun (siehe nächster Absatz) Tagebücher funktionieren. Erfreulich ist auch, dass der Manga mit über 200 Seiten etwas umfangreicher daher kommt.

Zu den wenigen Makeln wäre der Tod des ersten Tagebuchträgers zu erwähnen. Dieser kommt wie eine viel zu kurze Nebenhandlung daher (auch wenn es damit ein wichtiges Ereignis verknüpft ist). Ein paar Seiten mehr dazu hätten sicher nicht geschadet. Auch fragt man sich wozu Einträge für die kommenden 90 Tage gut sein sollen, wenn sich die Zukunft doch sehr schnell ändern kann? Mit Yuno eine Stalkerin als Heldin zu wählen ist zudem sehr gewagt. Schließlich ist es für Betroffene (beider Seiten) ein sehr schwieriges Thema. Es wird sich noch zeigen, wie Esuno mit dieser sensiblen Thematik umgeht.

Wir danken EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Mirai Nikki, Band 1.

Details

Titel: Mirai Nikki, Band 1
Originaltitel: Titel: 未来日記 1
Mangaka: Sakae Esuno
Erscheinungsjahr: 2006 (JP), 2011 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), Egmont Manga (DE)
Genre: Action
Altersempfehlung: 16+ Jahre
Preis: 7,50 €
Bestellen: [amazon text=Amazon&chan=animey&asin=3770475542]

Mirai Nikki © 2006 Sakae Esuno / Kadokawa Shoten Co., Ltd.
© 2011 Egmont Verlagsgesellschaft mbh