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»Samurai Champloo – Gesamtausgabe« – Blu-ray Test

Die Bilder, die uns als erstes in den Sinn kommen, wenn wir uns die Samurai vorstellen, sind edle Krieger, die allseits bekannt für ihre hingebungsvolle Schwertkunst und ihren strikten Ehrenkodex sind. Während die meisten Medien das Zeitalter historisch akkurat darstellen, wurde bei dem 2004 produzierten Original-Anime Samurai Champloo ein etwas anderer Ansatz gewählt. Shinichiro Watanabe, der kreative Kopf hinter dem viel gefeierten Space-Western Cowboy Bebop, mischte die traditionellen Aspekte mit modernen Einflüssen der Hip-Hop-Musikkultur. Diese Zutaten ergaben einen frischen, andersartigen Samurai-Action-Streich, der sich hierzulande zum Klassiker mauserte. Wo die Erstveröffentlichung etliche Jahre her ist, spendierte Nipponart der Anime-Serie im April eine Neuauflage. Alle 26 Episoden sind auf vier Discs in einer Gesamtausgabe erschienen, dabei erstmals auch in HD auf Blu-ray.

Samurai Champloo ist in einer alternativen Variante von Japans Edo-Periode angesiedelt. Mugen ist ein rücksichtsloser Vagabund, der sich von absolut niemanden etwas vorschreiben lässt. Jin ist ein umherwandernder, schweigsamer Ronin, der sich seinem Bushido verschrieben hat. Als sich die Wege dieser beiden gegensätzlichen Schwertkämpfer kreuzen, dauert es nicht lang, bis sie sich auf dem Schafott wiederfinden. Durch die Hilfe eines pfiffigen und beherzten Mädchens namens Fuu können Jin und Mugen mit knapper Not ihrer Hinrichtung entkommen. Für die Rettung verlangt Fuu jedoch eine Gegenleistung. Die beiden immerwährenden Einzelgänger sollen das junge Mädchen auf ihrer Reise begleiten. Fuu hat sich nämlich in den Kopf gesetzt, den Samurai zu finden, der nach Sonnenblumen duftet. Widerwillig akzeptieren Mugen und Jin ihre Forderung. Bis dahin legen die beiden Samurai ihren Zwist bei, obgleich sich die zwei nur all zu gerne mit so einem ebenbürtigen Kontrahenten bis zum Tod duellieren würden. Zusammen streift das ungleiche Trio durch das Land, immer der Spur des mysteriösen Samurais nach.

Samurai Champloo ist das Debüt-Werk vom Studio Manglobe, mit dem die Produzenten zu Beginn gleich etwas Eigenständiges und Andersartiges schaffen wollten. Mit seiner untypischen Mischung aus Samurai, Action, Comedy und dem urbanen Street-Style der Moderne sind die Macher ein gewisses Risiko eingegangen. Es ist nicht das letzte Projekt des Studios, das bewusst auf das westliche Publikum zugeschnitten und auch abhängig von der Resonanz außerhalb Japans war – darunter Ergo Proxy, Michiko to Hatchin oder Deadman Wonderland. Zumindest mit Samurai Champloo verzeichnete Manglobe noch den größten Erfolg. Wie bei seiner abgedrehten Weltraum-Odyssey Space Dandy hatte Shinishiro Watanabe eine Menge verschiedener Einflüsse verbaut. Viele namhafte Animatoren und Regisseure waren für die Episodenregie zuständig und auch das Script sowie das Storyboard wechselten in der Produktion mehrfach die Hände.

Und hier muss ich das größte Problem von Samurai Champloo ansprechen. So abwechslungsreich das Ganze ist, lässt der Anime einen übergreifenden Handlungsbogen und Kontinuität vermissen. Natürlich ist der Samurai, der nach Blumen duftet der Ansporn für die Unternehmung, jedoch steht die eigentliche Suche den größten Teil der Zeit nicht im Fokus des Geschehens. Hier und da findet die Gruppe auf ihrem Ausflug durch die Ortschaften Anhaltspunkte auf den Verbleib des besagten Mannes, aber das allein trägt nicht die Serie. Vielmehr zählt Samurai Champloo zu solchen Serien, bei denen die Reise mehr im Vordergrund steht als das eigentliche Motiv. Es spinnt sich ein Roadtrip mit vielen kleinen Geschichten, allerlei ungewöhnlichen Begegnungen und Zoff mit ruchlosem Gesindel. Daher stehen die Folgen mehr für sich alleine. Ich hatte sogar das Gefühl, weil die Ereignisse wenig Auswirkung auf die Charaktere haben, dass es kaum einen Unterschied machen würde, in welcher Reihenfolge man sich die Folgen zu Gemüte führt.

Es wurden hier ziemlich unterschiedliche Gefährten zusammengewürfelt. Mugen hat ein aufbrausendes Temperament und verstrickt sich schnell in Kämpfe. Beim Töten folgt der Samurai keinem Kodex. Nur wenn er einem starken Gegner gegenübersteht, nimmt der Wuschelkopf die Lage schlagartig todernst. Mugen besitzt eine unkonventionelle Kampftechnik, die an Breakdance oder Capoeira erinnert. Die wilden Bewegungen passen ziemlich zu seiner Persönlichkeit. Im Kontrast dazu verkörpert Jin all das, was einen waschechten Samurai ausmacht. Ein höffliches Auftreten, ein besonnenes Wesen und die unnahbare Art geben Jin eine mysteriöse Seite. Auch er verfügt über hervorragende Kampfkünste, jedoch sind seine Bewegungen kontrolliert und geradezu geschliffen. Beide Figuren versprühen eine Menge Coolness auf ihre eigene Art. Seit ihrer ersten Begegnung haben Jin und Mugen ihren stärksten Widersacher gefunden und schworen sich einen Kampf auszutragen, bis einer von ihnen ins Gras beißt. Ironischerweise ist das Einzige, was sie davon abhält sich zu bekämpfen, ein 15-jähriges Mädchen. Jin und Mugen haben eigentlich kaum Beweggründe bei der Kleinen zu bleiben. Und obwohl das Trio oft in Streit gerät oder es scheint, als würden sich ihre Wege trennen, hält die verbissene Natur von Fuu die Gruppe stets zusammen.

Während das ungewöhnliche Charakter-Ensemble durch das Land zieht, bekommen wir Einblicke in ein Japan, das dem Ende einer Ära entgegen blickt und von Missständen gezeichnet ist. Armut, kriminelle Machenschaften, Prostitution und Diskriminierung sind an der Tagesordnung. Häufig stehen die eingeführten Figuren mit dem Rücken zur Wand und müssen sich entscheiden. Widerstand leisten oder sich den Umständen fügen? Was ich der Serie zugutehalte, ist das hier keine klare Linie gefahren wird. Während manche Versuche gelingen, enden andere tödlich. Bleib nicht still sitzen, entflieh’ dem einengenden Alltag, aber heb’ nicht vom Boden der Realität ab – dieses Motiv zieht sich durch den ganzen Anime. Es wird dem Zuschauer dabei noch der Raum gelassen, sich selbst ein Bild zu machen. Auch unser Trio ist oft vom Pech heimgesucht und versucht, sich dauernd über Wasser zu halten. Trotzdem verlieren sie nie ihren rebellischen Willen. Ungewohnt ist vor allem, dass die Protagonisten sich nicht in die Missstände verwickeln und manchmal bewusst wegschauen. Es gibt oft Situationen, in denen ein tollkühner Shonenheld sich dazwischen werfen würde. Jin und Mugen sind keine idealisierten Weltverbesserer, abgesehen davon, dass ihre Charakterzüge sie selbst schon in allerlei Schwierigkeit hineinritten. Es sind eben schwere Zeiten, in denen jeder sehen muss, wo er bleibt. Und das gibt dem Anime einen glaubwürdigen und ungewohnten Anstrich.

Auf technischer Hinsicht erwartet den Zuschauer eine hochwertige Produktion, dem man sein Alter nicht ansieht. Die Konfrontationen sind stilvoll inszeniert und häufig werden ikonische Szenen aus Samurai- sowie Yakuza-Streifen zitiert. Gerade die erste Episode ist in dem Punkt bemerkenswert ausgearbeitet. Hier und da finden sich in der Serie ein paar optische Ausreißer. Insbesondere die Action-Sequenzen wissen aber dem Zuschauer den Atem zu rauben. Temporeiche Schwertstreiche, dynamische Kameraeinstellungen und viel Bewegung – die Kämpfe sind einfach durchweg herausragend choreografiert. Dabei wird selbstredend viel Blut vergossen und auch abgetrennte Körperteile sind keine Seltenheit. Die Gewalt in dem Anime driftet jedoch nie in Richtung Gore ab; kurz und schmerzlos ohne zum Selbstzweck zu werden. An gewissen Stellen wurden auch Elemente aus dem Hip-Hop-Kontext eingewoben, wie das Scratchen auf einer Schallplatte oder das Zurückspulen einer Kassette für Szenenübergänge. Dahingehend waren die Intermezzos mit rappenden und beatboxenden Samurai regelrecht seltsam. Wenn wir schon bei dem Stichwort sind: Für den Soundtrack war eine Auswahl an Hip-Hop-Künstler, die nicht mal aus dem Anime-Bereich stammen, beauftragt worden. Auch wenn ich etwas skeptisch war, wurde die Musik wirklich stimmig in die Serie eingefügt, ohne verhältnismäßig aufdringlich zu sein.

Disc

Samurai Champloo wurde von Nipponart in einer Gesamtausgabe neu aufgelegt, nachdem Panini Video die Serie 2005 in Einzelvolumes veröffentlichte. Dabei ist die Serie nun erstmals in einer Full HD-Auflösung erhältlich (1080p im 16:9 Format). Alle 26 Episoden sind hier auf vier blauen Scheiben verteilt. Die aufgebohrte Optik lohnt sich bei diesem rasanten Action-Spektakel ungemein. Durch das klare Bild verpassen Zuschauer nichts vom wilden Schwerthiebtausch und die cineastische Wirkung kann sich auf einem großen Bildschirm richtig entfalten. Die Figuren heben sich auch gut vom Hintergrund ab, stellenweise haben die dicken Konturen diesen Job schon erledigt. Das Design von Kazuto Nakazawa, das schon in Tarantinos Action-Blockbuster Kill Bill und zuletzt in Watanabes Terror in Tokio zum Einsatz kam, verpasst den Figuren markante und realitätsnahe Gesichtszüge. Stilgerecht sind die Schauplätze häufig in Dämmerung getaucht und es treten vornehmlich erdige Farben auf, wobei die Sättigung generell etwas zurückgenommen ist. Noch mehr als beim Bild lohnt sich die HD-Fassung beim Sound. Die Veröffentlichung kommt sowohl mit der japanischen Originalfassung als auch der ursprünglichen deutschen Synchronisation. Beide Tonspuren liegen im DTS-HDMA 5.1 Format vor. Die Stimmen sowie die Musik sind gut aufeinander abgemischt und die Soundkulisse nutzt die Räumlichkeit ganz.

Für die deutsche Vertonung wurde damals das Kaarster G&G Studio beauftragt. Dieses spendierte der Serie eine aufwendige Synchronisation, die wirklich zu überzeugen weiß. Im japanischen wird der Draufgänger Mugen von Kazuya Nakai verköpert, der häufig auf solche Badass-Kämpfer besetzt wird (darunter Lorenor Zorro oder Date Masamune). Mit David Nathan in der Hauptrolle und mit dem stimmigen Dialogbuch geht nichts von Mugens Coolness und rebellischer Ader verloren. Aber auch Markus Pfeiffer als der besonnene Samurai Jin oder Corinna Dorenkamp, die Fuu ihre sympathische Stimme verleiht, brauchen sich nicht verstecken. Zudem zeigt das Studio ebenso eine authentische Sprecherwahl für die vielen Nebenfiguren. Für mich zählt Samurai Champloo zu den wenigen Titeln, bei denen die Synchronisation das Original übertrifft. Vielleicht hat das auch etwas damit zu tun, dass die Serie so auf westliche Sehgewohnheiten ausgelegt ist.

Verpackung & Extras

Bei der Aufmachung für die Gesamtbox von Samurai Champloo hat sich Nipponart ins Zeug gelegt. Die vier blauen Scheiben finden Platz im achtseitigen Digipack. Auf der Außenseite befinden sich diverse Originalillustrationen und in der Innenseite Charakterentwürfe von unserem ungleichen Trio. Passend zur Serie schauen die Discs aus wie kleine Schallplatten. Das Digipack steckt in einer Pappschachtel mit dem Titel-Cover, wobei sich hier im Gegensatz zum Innlay das FSK-Logo abziehen lässt. Als Extras sind Postkarten mit dem Originalartwork und ein Booklet mit Interviews der Macher beigelegt. Letzteres ist zwar ziemlich klein ausgefallen, aber mich interessieren solche Einblicke in das Konzept und die Produktion ohnehin mehr. Als digitale Boni sind auf der Scheibe Trailer zum Anime sowie das Creditless-Opening- und Ending-Theme enthalten.

Samurai Champloo ist ein unterhaltsamer und frischer Vertreter im Samurai-Action-Genre. Zwar fehlt dem Anime ein roter Handlungsfaden, aber die Serie weiß auch so den Zuschauer mit auf den ungewöhnlichen, kurzweiligen Ausflug zu nehmen. Zu den Gründen gehört das gegensätzliche Charaktergespann, welches erstklassig in der deutschen Sprachausgabe getroffen ist. Auch die Aufmachung und die Austattung von Nipponarts Neuauflage können sich sehen lassen. Das Highlight von Samurai Champloo sind definitiv die Action-Sequenzen, die beeindruckend und stilvoll in Szene gesetzt sind. Nicht nur untermalt die Hip-Hop-Musik den heftigen und oft blutigen Schlagabtausch, die kulturelle Gegenbewegung zieht sich als Motiv durch alle Episoden. Viele verschiedene Einflüsse machen Samurai Champloo zu einem Ausnahme-Titel, auf den kein Anime-Fan verzichten sollte. Gerade wegen seines westlichen Reizes eignet sich die Serie gut als Einstiegsdroge.

Freundlicherweise wurde uns von nipponart ein Rezensionsexemplar zu Samurai Champloo bereit gestellt.

Details

Titel: Samurai Champloo, Komplettbox
Originaltitel: サムライチャンプルー
Produktionsjahr: 2004
Genre: Action, Abenteuer, Comedy
Animationsstudio: Manglobe
Regisseur: Shinichiro Watanabe
Publisher: Nipponart
Länge/Episoden: 650 Minuten, 26 Episoden
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HDMA 5.1
FSK: 16 Jahre
Preis: 65,99 €
Bestellen: [amazon text=Amazon&chan=animey&asin=B00QX8APWG]

© manglobe/Shimoigusa Champloos
© 2015 Nipponart

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Kommentare

2 COMMENTS

    • Ich bin auch sehr anfällig für die vielen Artworks, das macht schon was her.(^~^)
      Schade dass solche Digipacks wegen der häufigen Einzelvolumes eher selten Verwendung finden.

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