Viele Kinder haben von klein auf große Träume. Einmal als Astronaut ins Weltall oder doch die Karriere als berühmtes Popsternchen? Aber da gibt es ein kleines Mädchen mit einem ganz eigenwilligen Traum. Allerdings lässt sie auf Worte Taten folgen. Ihr niedliches Äußeres mag täuschen, denn hier haben wir die waschechte Anführerin eines Geheimbundes vor uns. Ihr Ziel? Die Weltherrschaft! Mit Sekai Seifuku ~ World Conquest Zvezda Plot startet Kazé den Eroberungszug einer besonders bizarren Truppe, die versucht, das Unmögliche zu vollbringen. Die erste Hälfte des Animes ist seit Ende Juli im Handel auf DVD und Blu-ray erhältlich.

Die alleinige Weltherrschaft, viele Könige und Eroberer haben sie begehrt und sich ausgemalt. Doch alle sind sie bei dem Vorhaben gescheitert, mehr noch, dieser Wahn brachte sie letztlich in den Ruin. Nie zuvor kam dieser Vorstellung jemand so nah – bis die kleine Kate Hoshimiya auf der Bildfläche  erschien.

Als der Mittelschüler Asuta eines späten Abends nach einem heftigen Streit mit seinem Vater von Zuhause ausreißt, begegnet er auf der Straße einem kleinem Mädchen. Er fragt berechtigterweise, was sie zu so einer späten Stunde hier draußen treibe. Als ihm die kleine Göre auf dem Fahrrad mit Stützrädern entgegnet, sie wäre die Oberbefehlshaberin einer geheimen Organisation namens Zvezda, tat Asuta es noch als kindisches Gebrabbel ab. Allerdings ist das kein albernes Hirngespinst. Die kleine Kate Hoshimiya meint es todernst und sie besitzt sowohl treue Untergebene als auch eine eigene Geheimbasis. Als daraufhin ein Ungeheuer aus dem Nichts auftaucht, der Ausnahmezustand verhängt wird und das Militär ausrückt, weiß Asuta nicht, wie ihm geschieht. Hauptverantwortlich für das Desaster soll eben jene Untergrundorganisation mit dem Namen Zvezda sein.  Kurz danach findet sich der Teenager widerwillig in diesem Geheimbund wieder und das als frisch aufgenommenes Mitglied. Als maskierter Lakai lässt sich Asuta in allerlei Trubel hineinziehen, mit dem die wild zusammengewürfelte Truppe tagtäglich zu kämpfen hat. Bei all dem Wahnsinn hat sich Lady Venera – so der Codename des kleinen Mädchens – ein hohes Ziel gesteckt, nämlich die Eroberung der ganzen Welt. In was für ein Schlamassel ist Asuta da nur hineingeraten?

Eine Untergrundorganisation, die die Welt an sich reißen will, fluffige Marshmallow-Kreaturen, welche sich zu einem riesigen, außerirdischen Ungetüm zusammensetzen, ein wandelndes Hauptquartier und Laserschwert-schwingende, kostümierte Widersacher – Sekai Seifuku ist eine solcher abgedrehten Serien, die ausschließlich im Anime-Segment vorkommen. Das Original-Werk von Studio A1-Pictures strotzt nur so vor verrückten Ideen. Dabei nimmt sich das überdrehte und absurde Geschehen von Anfang an nicht ernst. Darunter sind zudem solche Momente, wo ich bloß auf dem Bildschirm starren und verdutzt den Kopfkratzen konnte. Aber der Unsinn gehört einfach dazu in dem äußerst bunten Eintopf, den uns die »hunting cap brothers« serviert haben. Das ist das Gespann aus dem Regisseur Tensai Okamura (Blue Exorcist, Darker than Black), TYPE-MOON-Autor Meteor Hoshizora und Illustrator Kohaku Kuroboshi, der die ausgefallenen Designs der Figuren entworfen hat. Auch wenn man bei diesen kreativen Köpfen erstmal etwas anderes erwartet, haben sie sich hier richtig ausgetobt.

Die große Stärke der Serie ist natürlich das irrwitzige Charakter-Ensemble, dass sich um die liebenswerte Anführerin Kate gescharrt hat. Dazu gehören die kaltblütige Katana-schwingende Itsuka mit der Augenklappe, das leicht bekleidete und erfinderische Genie Natasha, der hünenhafte General Goro mit der Totenkopf-Maske, der nichtsnutzige Möchtegern-Gangster Yasu und das empfindsame Androiten-Mädchen Roboko. Asuta, unser Protagonist der Geschichte, ist dabei bloß ein durchschnittlicher Mittelschüler, ohne jegliche Besonderheiten, die ihn von der Masse abheben würden. So nimmt der Teenager einen Sonderling-Status in der schrägen Truppe ein. Als einzige halbwegs vernünftige Person nimmt er obendrein die Beobachter-Rolle für den Zuschauer ein. Irgendwie hat Asuta den Moment verpasst, aus der Gruppe auszusteigen und so lässt sich der Junge von Kate an der Nase herumführen. Denn niemand widersetzt sich dem Befehl der kleinen Prinzessin. Kate gehört zu solchen Loli-Charakteren, die Erwachsene mimen und sich nicht ihrem Alter entsprechend verhalten. Häufig lässt sie die Fassade fallen und ihr kindliches Wesen kommt zum Vorschein. Dann wiederum, wenn Kate ihr cartoon-artiges Schurken-Outfit trägt, kann die winzige Eroberin erfürchtig wirken, zumindest für die Figuren in dem Anime. Am Ende des Tages ist es einfach unvorstellbar und äußerst drollig, dass ausgerechnet eine Grundschülerin die Welt unterwerfen möchte. Aber ganz freies Spiel hat Kate nicht, denn da wären noch ihre Erzfeinde, White Light, die von der Regierung beorderten Gerechtigkeitskämpfer, welche Zvezda Einhalt gebieten wollen. Unter den Agenten gehört auch Asutas Klassenkameradin und heimlicher Schwarm Renge. Lustigerweise fliegt bei beiden Fraktionen trotz halbherziger Verkleidung die Tarnung nie wirklich auf, obwohl die Identitäten für den Zuschauer von Anfang an offensichtlich sind.

Trotz origineller Konstellation, traut sich die Serie nicht viel anderes aus dem Plot zu machen, denn einige bewährte Anime-Bausteine sind immer noch verbaut. So gehören konstruierter Weise der Einbruch in eine Mädchenumkleide oder eine Undercover-Operation als Austauschschüler zu den Missionen mit auf den weiten Weg zur Welteroberung. Gerade wo der Anime nicht an eine Light Novel- oder Manga-Vorlage geknüpft ist, wäre es besser gewesen, einer klaren Linie zu folgen statt dieser abschweifenden und sprunghaften Episoden-Geschichten. Aber Potenzial steckt in der Handlung trotzdem, denn im Subtext der verdrehten Komödie werden Themen wie Vernachlässigung, Selbstfindung und familiäre Verpflichtungen behandelt. Nicht nur Asuta, jede der Figuren scheint auf irgendeine Art und Weise Probleme mit seinen Eltern zu haben und deshalb Zuflucht in dem Zvezda-Versteck zu suchen. Zwar ist das Ganze nicht so tiefgründig und metaphorisch erzählt, wie es beispielsweise Mawaru Penguindrum erstklassig vorgemacht hat, dennoch gibt es der Serie zumindest etwas mehr Substanz. Ich hätte mir wirklich gewünscht, dass sich die verspielten Eskapaden dabei nur in den Köpfen der Jugendlichen abspielen und in Wirklichkeit alle dieses Theater für Kate aufrechterhalten, sozusagen als Flucht vor der steinigen Erwachsenenwelt. Das würde dem ganzen eine bittersüße Note verpassen. Gerade weil solche Elemente, wie der überdimensionale Handschuh, den Kate aus ihrem rosanen Plüschhasen zieht, unangekündigt und deswegen wie aus einem Traum erscheinen. Allerdings passieren all diese Fantastereien wirklich und es wird gekonnt ignoriert, woher diese übernatürlichen Kräfte stammen.

Disc

Kazé veröffentlicht Sekai Seifuku in zwei Mediabooks, ähnlich wie der Publisher es schon mit Waiting in the Summer oder zuletzt mit One Week Friends getan hat. So befinden sich auf der ersten Ausgabe sieben Episoden der 13-teiligen Serie und euch erwartet ein relativ gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Blu-ray-Variante kommt wie gehabt in einem 16:9-Bildformat und in einer Full HD-Auflösung. Die Schärfe und die guten Farbkontraste kommen der A1-Pictures-Produktion zugute. Denn zum einen überzeugen die Actionen-Einlagen sowie schrulligen Gestiken mit butterweichen Animationen, zum anderen wurde sich bei den sauberen Charakterzeichnungen viel Mühe gegeben. Nur die Hintergründe bleiben etwas zurück, die grob koloriert und stets mit einer gesprenkelten Textur überzogen sind. Die Blicke in das kreativ gestaltete Hauptquartier, wissen dann aber mit Detailliebe zu beeindrucken. Bildstörungen oder Flimmern treten nicht auf, selbst wenn des Nachts Tausende KuruKuru – so nennen sich die Marshmallow-Wesen – in sich zerfallen und durch den Bildschirm huschen.

Sowohl in der deutschen und japanischen Sprachfassung liegt der Ton in DTS HD Master 2.0 vor. Die Musik unterstützt die Stimmung und die Gags äußerst effektiv. Vor allem dann, wenn unsere kleine Königin als ihr Alterego glorreiche Reden schwingt und chorartige Klänge zum Einsatz kommen, die ihr Erhabenheit verleihen, welche einfach im völligen Kontrast zu ihrem Äußeren stehen. In solchen Szenen kann der Zuschauer das Schmunzeln nicht verkneifen. Für die deutsche Synchronisation hat Kazé abermals das G&G Tonstudio (NISEKOI, Magi – The Kingdom of Magic) beauftragt. Die größte Herausforderung in der Besetzung mag die Rolle von Kate gewesen sein, weil sie einerseits ein niedliches Wesen hat andererseits aber auch den hochmütigen Stolz einer auserkorenen Herrscherin verkörpert. Anne Ballhaus schafft mit einer höheren Tonlage das Spiel zwischen unschuldigem Gemüt, vorlauten Göre und nazistischen Imperator überraschend gut. Zwar klingt Ballhaus nicht annähernd so wie ihr japanisches Pendant – die Stimme ist wirklich einzigartig und nochmal mehre Tonlagen höher – aber das würde im Deutschen ohnehin zu affektiert und quietschig herüberkommen. Zwar könnte die Sprecherin noch etwas mehr aus den leidenschaftlichen Reden herausholen, aber dafür, dass dies ihre erste große Rolle ist, ist ihre Leistung schon respektabel. Marco Sven Reinbold, den wir jüngst in der zweiten Staffel von Magi als Titus hören durften, verleiht der Hauptfigur Asuta seine Stimme. Er trägt für mich den Humor und ist wirklich ein Gewinn für die Serie. Durch seine pointierten Betonungen bringt er den dusseligen Teenager äußerst witzig und charmant herüber. Gelungen ist auch das Schauspiel von Reinbold, wenn Asuta beispielsweise bei den irrsinnigen Aktionen der Truppe in Panik gerät oder wenn die anderen Handlager den Jungen einschüchtern, als er einen respektlosen Tonfall gegenüber Lady Venera auflegt.

Die Persönlichkeiten der anderen Mitglieder des Geheimbundes wurden generell im Deutschen wunderbar getroffen. Bernd Kuschmann als Goro passt mit seiner markanten Stimme unheimlich gut zu dem korpulent General. Eine ähnliche Rolle hatte der Sprecher schon in Space Dandy als Dr. Gel verkörpert. Birte Baumgardt schafft die heißblütige Oberschülerin Itsuka zu transportieren, welche wir zuletzt als Hauptheldin Ibara in Coppelion erleben durften. Und auch auf der feindlichen Front bringen Rieke Werner mit gutmütigem Wesen (Renge) und Corinna Dorenkamp mit Hochnäsigkeit (Miki) die Figuren überzeugend herüber. Es wurde zudem auf die Wortwahl abhängig von der Beziehung der Charaktere untereinander geachtet. So adressiert Asuta Kate anfangs noch wie ein Kleinkind (‚Es wird Zeit für die Heia‘), während die anderen Zvezda-Schergen sie mittels gehobener Sprache wie eine Autoritätsperson behandeln. Wie bei seinen anderen Produktionen, hat das Tonstudio dabei auf die Suffixe verzichtet. Wer also lieber den Originalton vorzieht, kann diesen im Menü auswählen, wobei sich automatisch die deutschen Untertitel im bekannten gelben Schriftzug dazuschalten.

Verpackung & Bonus

Sekai Seifuku kommt hierzulande in zwei Mediabooks auf dem Markt. Für mich ist das ein guter Kompromiss zwischen platzsparender Verpackung und trotzdem noch etwas schickem Haptischen für die Sammler. Zudem blättert man weitaus öfter in dem intergrierten Booklet, als wenn sich das Heft versteckt in einer Amaray befindet. Die Buchdeckel bestehen dabei aus stabilen Hochglanzkarton, zum Glück ohne FSK-Aufdruck. Auf der Front ist die liebreizende Kate und auf der Rückseite Tollpatsch Asuta abgebildet, im Hintergrund ein verspieltes, bepunktetes Muster. Aufgeklappt befinden sich in dem Booklet wie gehabt Episodenzusammenfassungen, Charakterbeschreibungen, Original-Artwork und Konzeptarts der verschiedenen Schauplätzen. Als physisches Goodie wurde noch ein abwaschbares Tattoo mit dem Unterwerfungssymbol beigelegt.

Die abgedrehte Komödie Sekai Seifuku weiß mit seinem ungewöhnlichen Setup zu unterhalten. Es macht unheimlich Spaß, die quirlige Truppe bei dem Quatsch zu verfolgen; der Ernst ist bei all den Absurditäten von der ersten Minute an über Bord geworfen. Die Mischung aus eigenwilligen Charakteren, selbstironischem Plot, abgedrehten Humor und einer Spur Satire dürfte nicht jedem Zuschauer bekommen. Meinetwegen hätte man sogar noch eine Schippe mehr drauflegen können und ganz auf die bewährten Anime-Elemente verzichten können. Schließlich hat die Organisation nur kleine Schritte in Richtung Weltherrschaft gemacht. Ob das Treiben von Zvezda von Erfolg gekrönt ist oder sich im Hintergrund tatsächlich mehr Tiefgang verbirgt – dafür muss man aber schon eine dicke Schicht abkratzen –, erfahren wir dann Ende September, wenn das zweite Volume in den Handel kommt.

Freundlicherweise wurde uns von Kazé ein Rezensionsexemplar zu Sekai Seifuku Vol. 1 bereit gestellt.

Details

Titel: Sekai Seifuku ~ World Conquest Zvezda Plot Vol. 1
Originaltitel: Sekai Seifuku ~ Bōryaku no Zuvizudā
Animationsstudio: A1-Pictures
Regisseur: Tensai Okamura
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 175 Minuten/Folge 1 bis 7
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master 2.0
FSK: 12
Preis: UVP 43,95 €
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