»Magi – The Labyrinth of Magic« Band 10 – Manga-Test

Nachdem die erste Hälfte 2014 für Magi-Fans ein Fest der Sinne mit monatlichem Manga-Release und der dazugehörigen Anime-Staffel war, wirkt der Sommer recht karg. Am 3. Juli erschien der zehnte Band rund um die Abenteuer des Magi Aladin und seiner Freunde. Das nächste Volume kommt erst am 4. September daher. Quantitativ eine magere Ausbeute, wenn man Kazés bisheriges Magi-Verwöhn-Programm in Gedanken rekapituliert. Aber wie sieht es qualitativ mit dem Teil aus, der Magi – The Labyrinth of Magic in den zweistelligen Bereich katapultiert? Zuletzt konnten die Vorwürfe, Sindbad hätte sich an Kogyoku vergangen, gerade noch null und nichtig erklärt werden. Zusammen mit Prinz Hakuryu verlassen Aladin, Ali Baba und Morgiana Sindria, um den Dungeon Zagan zu erobern.

Ali Baba ist überrascht, als er beim Volk der Toraner auf seine beiden Brüder Ahbmad und Sahbmad stößt, denen Sindbad nach dem Monarchie-Ende in Balbadd hier Zuflucht gewährt. Die Freude über das Wiedersehen wird jedoch von schlechten Nachrichten vom Dungeon getrübt. Der heilige Tempel soll Menschen fressen. Als sich unsere vier Helden zu Zagan aufmachen, werden sie selbst Zeugen, wie das magische Gebäude die näherkommende Gruppe schon von Weitem absorbiert.

Das Innere steht dagegen im vollkommenen Kontrast zu diesem groben Empfang. Geradezu niedlich offenbaren sich die Dungeon-Kreaturen, wie sie friedlich ihr Dasein genießen. Doch auf der Hut müssen unsere Freunde dennoch sein. Statt mit den Untergebenen bekommen es die vier nämlich mit Dschinn Zagan direkt zu tun. Dieser hat nämlich wenig Lust, sich einem Menschen unterzuordnen, und legt den Eindringlingen allerlei lebensgefährliche Hindernisse in den Weg. Besonders schwer trifft es auf der Reise den Eroberer-Neuling Hakuryu, welcher es nicht gewohnt ist, von anderen Hilfe anzunehmen.

Lang scheint es her, manche von euch müssen vielleicht sogar etwas in ihrem Gedächtnis kramen: In den ersten zwei Bänden durften wir schon miterleben, wie Aladin und Ali Baba einen Dungeon meisterten. Damals wusste der kleine Junge mit dem fliegenden Turban und der goldenen Flöte noch nicht, was es bedeutet, ein Magi zu sein. Ali Baba strahlte als einfacher Kutschfahrer Unbekümmertheit und Abenteuerlust aus. Wer hätte dort gedacht, dass sich die Handlung so entfalten würde? Viel mehr lag der Geruch nach fantastischen Reisen voll Dungeon-Eroberungen und Schatzsuchen in der Luft. Alles Pustekuchen, wie wohl alle hier wissen. Sehr schnell entwickelte sich Magi – The Labyrinth of Magic in eine ernstere und anspruchsvollere Richtung, als man je geglaubt hätte. Die höher gesetzte Latte besitzt aber auch ihre Schattenseiten.

Nach all dem Chaos in Balbadd ist man als Leser an ein ausgefalleneres Storykonzept gewöhnt. Der Zagan-Arc bietet bisher zwar durchaus seine kleinen überzeugenden Überraschungen, doch der Spannungsbogen lässt dennoch trotz einer Fülle von Kampfszenen zu wünschen übrig. Ali Baba und Aladin – als Dschinn-Herr beziehungsweise Magi noch auf einer Lehrlingsstufe – schnetzeln sich durch die Gegner. Das Augenmerk lenkt deswegen stattdessen öfters auf Hakuryu, der in seinem Verhalten Parallelen zu unserem Blondschopf Ali Baba aufweist. Das hilft einerseits den Prinzen, aufeinander zuzugehen, doch andererseits hängt ein Hauch von bereits Dagewesenen an den Geschehnissen.

Die große Frage, welche im aktuellen Storyabschnitt mehr als deutlich im Raum steht, ist, wen Zagan am Ende als seinen Herrn anerkennen wird. Ali Baba unterhält schon Dschinn Amon, dessen Kräfte er jedoch noch nicht komplett einsetzen kann. Unser zweiter Prinz im Bunde, Hakuryu, will zwar einen Dungeon erobern, macht aber die meiste Zeit eine schlechte Figur und handelt unvernünftig. Aladin nimmt die Position eines Magi ein, der Königskandidaten auswählt, ohne sich selbst zur Wahl zur stellen. Morgiana gehört bereits zu Ali Babas Haushalt und setzt mehr auf ihre körperliche Kraft als Fanalis. Bei so einer Auswahl kann man durchaus verstehen, wenn Zagan lieber niemanden aussuchen möchte. Vielleicht kommt letztendlich doch alles anders als gedacht.

Shinobu Ohtaka beschloss für Dungeon Zagan ein anderes Design zu verwenden als bei Amon. Da es sich hier um einen Dschinn handelt, der die Kräfte der Erde kontrolliert, findet man im 61. Tempel eine ausgeprägte Fauna mit verschiedenen darin lebenden Kreaturen vor. Der blaue Geist, welcher sich unseren Helden entgegenstellt, besitzt ein extravagantes Auftreten. Sein ausgefallenes Aussehen spiegelt gut seinen verschrobenen Charakter wieder. Die Mangaka hat sich dieses Mal verstärkt auf die Inneneinrichtung gestürzt und die magische Stätte mit mehr Räumlichkeiten bestickt, sodass unser Quartett einen regelrechten Etappenparcours überwinden muss. Mit Band 10 beweist die Zeichnerin von Neuem, dass sie null Probleme mit Actionszenen hat und diese gegebenenfalls sogar in einem Kapitel nach dem anderen aus dem Handgelenk schüttelt. Dabei achtet sie darauf, dass ihre Helden unterschiedliche Kampfstile verfolgen und versieht die tapferen Krieger mit entsprechenden Posen.

Im neuesten Band von Magi – The Labyrinth of Magic werden sowohl Tränen als auch Blut vergossen. Prinz Hakuryu rückt ins Rampenlicht, während sich unser altbekanntes Trio in den Auseinandersetzungen gegen Zagans Kreaturen mit ihren bisher gewonnenen Kräften und Erfahrungen seit Amons Dungeon profilieren. Käufer dürfen sich auf allerlei Kämpfe freuen, die jeweils für sich jedoch immer recht kurz gehalten sind. Der Spannungsbogen steigt und fällt. Kleine Highlights über die Handlung verstreut versüßen das Lesevergnügen zumindest. Insgesamt wirkt Band 10 wie die Ruhe vor dem Sturm, der hoffentlich im nächsten Teil auf die Protagonisten herniederbricht.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Magi – The Labyrinth of Magic, Band 10.

Details

Titel: Magi – The Labyrinth of Magic, Band 10
Originaltitel: マギ (Magi), Vol. 10
Mangaka: Shinobu Ohtaka
Erscheinungsdatum: 18.10.2011 (JP), 3.7.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Preis: 6,95 €
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MAGI © 2009 Shinobu OHTAKA/SHOGAKUKAN
Magi – The Labyrinth of Magic © 2014 VIZ Media Switzerland SA