Wer mag wohl das blonde Mädchen auf dem Cover des 15. Teils von Shinobu Ohtakas Magi – The Labyrinth of Magic sein, das trotz der Tränen im Gesicht eine ernste Mimik beibehält und majestätisch mit Lorbeerkranz im Haar sowie einem langen Stab in der Hand entschlossen dasteht? Die Antwort befindet sich im Band selbst, der am 7. Mai 2015 auf Deutsch bei Kazé Manga erschien. Zuletzt trennten sich die Wege von Aladin, Ali Baba, Morgiana und Hakuryu unglücklich nach den schwerwiegenden Geschehnissen im Königreich Aktia. Daraufhin begleiteten wir den kleinen Magi auf seiner Reise nach Magnostadt, um auf der dortigen Akademie Magie zu studieren. Band 15 widmet sich vorwiegend den anderen Charakteren.

Ali Baba ist in der Hauptstadt von Reim angekommen, jedoch wurde er zuvor von Banditen ausgeplündert und schlägt sich als Bettler zum Kolosseum durch. Dort möchte Ali Baba beim Volk der Yambala alles über die Magoi-Manipulation erfahren. An den Pforten der Arena wird er von der Kriegerin Toto gestoppt und zum Kampf herausgefordert, den der halb verhungerte Prinz von Balbadd haushoch verliert. Zum Glück erhält er kurz darauf eine zweite Chance. Um bei den Yambala lernen zu dürfen, muss Ali Baba im Kolosseum ohne Amons Schwert gegen den Riesenaffen Garuda gewinnen, der schon mehr als über 100 Gladiatoren getötet hat.

Morgianas Suche nach den Fanalis auf dem dunklen Kontinent erweist sich bisher als fruchtlos. Gerüchten zufolge soll jedoch hinter dem »großen Graben« ein Land liegen, wo es noch Menschen aus Morgianas Volk gibt. So macht sich das Mädchen auf, die endlos erscheinende dunkle Schlucht zu durchqueren. Im Kou-Reich ereignet sich in der Zwischenzeit ein alles veränderndes Unglück. Der Kaiser ist gestorben, und die Frage steht im Raum, wer sein Nachfolger sein wird.

Das letzte Panel von Band 14 zeigte bereits Ali Babas Silhouette bei seiner Ankunft in Reim. Sowohl Haltung als auch Kleidung inklusive Wanderstab, so weit erkennbar, suggerierten eine lange, beschwerliche Reise, dennoch schien er guter Dinge zu sein. Wie sehr man sich bei dem Anblick täuschen kann, offenbart Shinobu Ohtaka, die den blonden Protagonisten gerne auf humorvolle Art und Weise in missliche Lagen manövriert, im vorliegenden Teil. Es ist aber nicht alles allein auf Comedy getrimmt. Stattdessen sieht man Ali Baba nach langer Zeit wieder einmal ohne sein Dschinn-Gefäß kämpfen. Dabei kommen nicht nur seine Fähigkeiten im Palastfechten und die vielen Lehrstunden bei Meister Sharrkan auf Sindria zum Einsatz, sondern auch seine Erfahrungen aus seiner Kindheit, als er noch an Kassims Seite in Balbadds Slums lebte.

Nachdem wir zuvor erste nähere Einblicke in Magnostadt bekamen, können sich Leser dieses Mal ein Bild von Reim machen, was in der Gestaltung an das antike römische Reich angelehnt ist. Ein Kolosseum sowie Gladiatoren, die darin auf Leben und Tod kämpfen – ob nun gegeneinander oder wie in Ali Babas Fall gegen eine wilde Bestie -, machen diesen Vergleich mehr als offensichtlich. Ebenso wird aber auch das damalige Gesellschaftsleben, das den Bürgern basierend auf Sklavenhaltung ein angenehmes Leben ohne Nöte ermöglichte, übernommen. Ich würde gerne mehr vom Leben in Reim sehen, besonders weil mit Hohepriesterin Scheherazade, welche das Cover ziert, und »Fanalis-Brigade« Kommandant Muu Alexius zwei wichtige Figuren aus dem Land vorgestellt wurden. Scheherazade war erstmals als Silhouette in Band 12 zu sehen, als Judar über die Magi in der Welt sprach. Die Hohepriesterin bezeichnete er dabei nonchalant als »die Alte aus Reim«.

Vergleicht man die Handlung von Band 12 und 15 weiter, entfalten sich zusätzliche interessante Details. Auf den ersten Blick mag das vorliegende Volume von Ali Baba, Morgiana und Hakuryu (inklusive der lieben Verwandtschaft in Kou) erzählen, aber ebenso spielen– selbst wenn ihre Auftritte weniger Platz einnehmen – die vier Magi eine Rolle. Sie sind über die Welt verstreut und verfolgen verschiedene Interessen. Noch mangelt es an Interaktion, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Magi – The Labyrinth of Magic ohne zukünftige Aufeinandertreffen dieser magischen Größen auskommt. Die Welt ist in Bewegung, Ländergrenzen schwanken und die dort lebende Bevölkerung leidet unter den Unruhen. Der Tod des Kaisers von Kou verschlimmert das Chaos nur noch weiter. Die Einigung der Menschheit unter einem Herrscher, was so viele Königskandidaten anstreben, schien noch nie in so weite Ferne gerückt.

Shinobu Ohtaka wechselt im 15. Band geschickt mehrmals den Standort und blickt in das Leben verschiedener Charaktere. Während lokal die Handlungen nur stückchenweise vorangetrieben werden, ergibt sich der Spannungsbogen im globalen Kontext, der dem Leser deutlich unterbreitet wird. Der Teil enthält sowohl Comedy-, Action als auch Drama-Elemente in einer harmonischen Mischung. Neue Personen, ein Wiedersehen mit alten Bekannten sowie Auftritte von wichtigen Figuren, die bisher zu kurz gekommen sind, füllen die Szenen. In den Gesichtern der Charaktere schwingen so viele Emotionen mit – Angst, Verzweiflung, Wut, Trauer, aber auch Hoffnung, Freude und Sehnsucht -, die Ohtaka punktgenau zur Geltung bringt. Dynamisch bewegen sich die Protagonisten durch die strikt doch ausdrucksstark angelegten Panels, dass ich mich gar nicht entscheiden kann, welcher Handlungsstrang meine meiste Aufmerksamkeit einkassiert und am besten sofort weitergesponnen werden sollte. Am Ende des Bandes befindet sich die zweiseitige Bonusgeschichte Toto und Ali Baba.

Krieg liegt in der Luft. Das kann man klar und deutlich zwischen den Zeilen von Magi – The Labyrinth of Magic Band 15 lesen. Unsere Protagonisten selbst ahnen davon jedoch nichts und setzen ihre individuellen Abenteuer fort. Die Zeit wird zeigen, ob der wachsende Strom an politischen Konflikten sie mitreißt. Band 15 der Reihe deckt die aktuelle Lage an verschiedenen Orten in der Welt auf, vor allem in Reim und Kou, aber auch Magnostadt hat seine Finger im Spiel. Mich freut es zu sehen, wie die einzelnen lieb gewonnenen Charaktere Auftritte verzeichnen und emsig ihren Weg gehen, doch Magi – The Labyrinth war stets mehr als bloß eine Folge von Abenteuern von einzelnen, tatsächlich steht das Schicksal der gesamten Welt auf der Kippe. Der Band signalisiert dies gut und weckt Vorfreude auf den 16. Teil, welcher seit 2. Juli 2015 erwerbbar ist.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Magi – The Labyrinth of Magic, Band 15.

Details

Titel: Magi – The Labyrinth of Magic, Band 15
Originaltitel: マギ (Magi), Vol. 15
Mangaka: Shinobu Ohtaka
Erscheinungsdatum:  16.11.2012 (JP),  07.05.2015 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Preis: 6,95 €
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MAGI © 2009 Shinobu OHTAKA/SHOGAKUKAN
Magi – The Labyrinth of Magic © 2015 VIZ Media Switzerland SA