Seit 2. Juli 2015 liegt der 16. Band von Shinobu Ohtakas Magi – The Labyrinth of Magic bei Kazé Manga vor. Vom Cover, das den ersten Prinzen Koen Ren von Kou zeigt, sollte man sich jedoch nicht täuschen lassen. Den mehrfachen Dungeon-Bezwinger suchen Fans in der Handlung vergeblich. Stattdessen kehren wir, nachdem Shinobu Ohtaka zuletzt Ali Baba, Morgiana und Hakuryu aufsuchte, zu Aladin nach Magnostadt zurück.

Das erste Studienjahr geht zu Ende, und der kleine Magi, der inkognito unterwegs ist, hat sich zum talentierten Musterschüler gemausert. Die Chancen stehen gut, dass er als Jahresbester gekürt wird. Letztendlich geht dieser Titel jedoch an den anfangs überheblich wirkenden Titus Alexius. In einem magischen Duell stellt Aladin überrascht fest, dass Titus wie er besondere Kristalle in seinen Unterarmen eingebettet hat. Was hat das zu bedeuten – ist Titus gar ein Magi?

Der junge Magier dient der Hohepriesterin Scheherazade von Reim und soll die Geschehnisse an der Akademie von Magnostadt, welche unter der Leitung von Matar Mogamed steht, ausspionieren. Mit dem Eintritt ins nächste Studienjahr bekommt Aladin den zweiten Staatsbürgerrang verliehen und kann zusammen mit seinem Zimmergenossen Sphintus sowie Titus die verschiedenen Distrikte der Stadt unter die Lupe nehmen, nur den fünften, der als »Müllhaufen« bezeichnet wird, findet das Trio nicht. Dabei sollen sich dort zwei Drittel der Gesamtbevölkerung aufhalten. Die unermüdliche Suche bringt einen grausamen Fund zu Tage.

Der 16. Band widmet sich Aladins Abenteuern in Magnostadt. Warum daher gerade Koen Ren, der nicht einmal den kleinsten Auftritt in der Handlung verzeichnet, das Cover in Beschlag nimmt, bleibt ein Rätsel, wobei das Motiv an sich wenig zur Beschwerde anregt. Koen ist ein interessanter Charakter, der sicherlich noch seine großen Momente in Magi – The Labyrinth of Magic beanspruchen wird. Bereits im letzten Band durfte man genauere Blicke auf ihn werfen, leider nur auf die – wenn auch mit weisen Worten bestückte – intellektuelle Seite statt auf seine Fähigkeiten im Kampf, die als Oberbefehlshaber des Westexpeditionsheeres immens sein müssen. So gesehen wäre sein Gesicht auf dem letzten Teil ein besserer Ort gewesen, besonders weil die damals abgebildete Hohepriesterin Scheherazade, Magi von Reim, dieses Mal ebenfalls vorkommt und sogar eine gewichtige Rolle als Titus‘ Herrin zuteilwird.

Der eigentliche Star des Bandes, wenn auch aus Aladins Sicht erzählt, ist wohl ganz klar der erstmals auftretende begabte Magier aus Reim, der unseren kleinen Magi als Jahrgangsbester knapp aussticht. Nimmt man den Burschen unter die Lupe, fallen so manche Details auf. Diener von Scheherazade schön und gut, aber das erklärt noch lange nicht die überraschend auffällige Ähnlichkeit zwischen den beiden. Titus teilt sogar das markante Muttermal unter dem linken Auge mit der Hohepriesterin. Sein Name – Titus Alexius – gibt ebenfalls Anlass zu Spekulationen. Der Nachname taucht nicht zum ersten Mal auf. Im letzten Band lernten wir Muu Alexius, den Fanalis-Brigade-Kommandanten, kennen. Laut Aladins Zimmergenossen Sphintus handelt es sich bei der Alexius-Sippschaft um eine einflussreiche Familie in Reim. Zu Beginn noch arrogant und hochmütig erscheinend, ändert sich Titus‘ Bild schnell, nachdem er das Opfer eines Comedy-Augenblickes geworden ist, der aus einem dramatischen Moment im Handumdrehen eine Schmunzeleinlage zaubert. Es überrascht zudem, wie Titus sich an den einfachsten Dingen wie einer Katze oder einem Baby erfreut.

Shinobu Ohtaka unterbreitet dem Leser nicht das gesamte erste Studienjahr von Aladin im Detail, was seine Vor- und Nachteile hat. Die Story wird dadurch schneller vorangetrieben. In Shonen-Mangas ist es zudem keine Seltenheit, dass Trainingszeit mal einfach so übersprungen wird. Verglichen zu seinen ersten Tagen an der Akademie hat sich Aladin überragend weiterentwickelt. Das Duell gegen Titus zeigt seine Finessen auf, da die zwei Magier verschiedene Stile verfolgen, wobei bei Aladin deutlich das körperliche Training bei Ausbilderin Myers hervorsticht. In den Zeichnungen tobt sich Shinobu Ohtaka richtig aus und verwendet große Panels für die spannendsten Momente, um dem Kampf gerecht zu werden. Es bleibt nicht die einzige magische Auseinandersetzung im Band. Mehr sei an dieser Stelle jedoch nicht dazu verraten.

Viel Platz im Band wird dem Aufbau von Magnostadt und der Erklärung der verschiedenen Staatsbürgerränge in einem strikten Klassensystem gewidmet, das eklatant zwischen Magiern und Nicht-Magiern, auch Goi genannt, unterscheidet. Abhängig vom Rang hat man Zutrittsbefugnisse zu den verschiedenen Distrikten. Als ein Land der Magier ist das Alltagsleben in Magnostadt durch Magie geprägt. Nach dem arabisch angehauchten Gebieten rund um Balbadd, dem paradiesischen Sindria, Kou mit all seinen Anlehnungen an das frühe China sowie das römisch anmutende Reim zeigt das ehemalige Mustasim eine neue Facette der Magi –The Labyrinth of Magic-Welt auf – sowohl in seinen Licht- als auch Schattenseiten. Lesern wird Konfliktmaterial vom Feinsten geboten. Das bezieht sich in diesem Band vor allem auf die Innenpolitik von Magnostadt, man darf aber auch nicht vergessen, dass die Grenzen im Westen zu Reim und die im Osten zu Kou gefährdet sind. Mit Matar Mogamed untersteht Magnostadt zudem einem undurchschaubaren Mann mit einem gewaltigen, schon fast klischeehaften Vollbart, der den Studenten eine liebevolle, regelrecht großväterliche Zuneigung entgegenbringt, gleichzeitig aber beim Leser Zweifel aufwirft. Die Frage überkommt mich, ob man bei ihm das Magi-Pendant zu Harry Potters Dumbledore antrifft oder es doch mit Du-weißt-schon-wem zu tun bekommt. Der Manga enthält mit Bonus-Manga über das Kou-Reich eine zweiseitige Geschichte darüber, wie sich Kobun Ka und Kogyoku begegneten.

Magie liegt in der Luft. Im 16. Band von Magi – The Labyrinth of Magic stellt Aladin nicht nur seine dazugelernten Fähigkeiten gegen den neuen Charakter Titus Alexius unter Beweis, sondern kommt mit seinen beiden Freunden auch dem dunklen Geheimnis von Magnostadt auf die Spur. Entsprechend düster wird die Atmosphäre an manchen Stellen in der Handlung, was im krassen Gegensatz zu der (gegenüber Aladin) freundlichen Akademie sowie den friedlichen und fortschrittlichen oberen Distrikten steht. Lustige Momente sind eher selten eingestreut, womit Fans dieses Mal mit einer ernsten, aber auch sehr informativen Story zu rechnen haben. Gegen Ende steigt der Nervenkitzel, was die Neugier auf Band 17, der am 3. September erscheint, steigt.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Magi – The Labyrinth of Magic, Band 16.

Details

Titel: Magi – The Labyrinth of Magic, Band 16
Originaltitel: マギ (Magi), Vol. 16
Mangaka: Shinobu Ohtaka
Erscheinungsdatum:  18.02.2013 (JP),  02.07.2015 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Preis: 6,95 €
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MAGI © 2009 Shinobu OHTAKA/SHOGAKUKAN
Magi – The Labyrinth of Magic © 2015 VIZ Media Switzerland SA