»Magi – The Labyrinth of Magic« Band 4 – Manga-Test

Eine frohe Botschaft teilte Kazé Manga allen Magi – The Labyrinth of Magic-Fans im Januar mit: Nachdem bereits die ersten fünf Bände von Shinobu Ohtakas orientalischem Abenteuer im Monatsrhythmus herausgebracht wurden, gilt dies nun auch für Teil sechs bis zehn, anstatt, wie vorgehabt, die Zeitspanne zwischen den einzelnen Volumes zu verdoppeln. Worauf sich die Leserschaft danach gefasst machen muss, steht noch in den Sternen. Wir kehren hier erst einmal zurück zum vierten Band über die Abenteuer des jungen Magi Aladins und seiner Freunde. Während der blauhaarige Bursche beim Steppenvolk der Koga neue, freundschaftliche Bande geschlossen hat, möchte die ehemalige Sklavin Morgiana zurück in ihre Heimat. Doch auf dem Weg stellt sich ihr eine Räuberbande in die Quere.

Ganz allein kann Morgiana es gegen die Banditen aufnehmen, bis sie schließlich vom Sklavenhändler Fatima gefangen genommen wird. Einsperrt teilt Morgiana die Zelle mit dem kleinen Mädchen Nadja, das den Hyänen als Mahlzeit dienen soll. Noch rechtzeitig gelingt es der Jugendlichen aus dem Volk der Fanalis, sich von ihren physischen aber auch seelischen Fesseln zu befreien und nicht nur Nadja zu retten, sondern in den Kerkern auch auf Aladin zu treffen.

Zu zweit reisen sie weiter nach Balbadd, wo Aladin hofft, endlich auf Ali Baba zu treffen. Auf der Strecke gesellt sich der etwas merkwürdige, leicht bekleidete Sin zu ihrer Truppe, der in Wahrheit Sindbad, König von Sindria und siebenfacher Dungeon-Bezwinger, ist. In Balbadd treibt unterdessen die vom Adel gefürchtete und beim Volk beliebte Nebel-Bande ihr Unwissen. Der Anführer trägt den Beinamen »Ali Baba der Wundermann«. Das kann doch unmöglich Aladins Freund sein … oder?

Handlungsmäßig erreichen Leser mit Band vier den Stand der ersten Box des gleichnamigen Animes, der ebenfalls von Kazé herausgebracht wird. Seit Ende Januar gibt es dazu auch das zweite Volume zu kaufen, das die Episoden acht bis dreizehn umfasst. Doch nun zurück zum Manga. Nachdem im letzten Teil Morgiana zwar auf dem Cover präsent war, aber gerade einmal im letzten Kapitel einen Auftritt verzeichnen durfte, schlägt – oder besser gesagt tritt – das Mädchen im Ausgleich dieses Mal gleich zu Beginn so richtig zu. Der Leser erlebt beim Angriff auf die Räuber und in der darauf folgenden Gefangenschaft mit, wie sich die 14-Jährige entfaltet.

Nadja dient als Reflektion ihres einstigen, jüngeren Ichs, das durch die Versklavung unter Emir Jamil und damit verbundenen Schmerzen als auch Ängsten ein seelisches Trauma erlitt. Dass die finanzielle Befreiung dank Ali Babas für eine vollkommene Freiheit nicht ausreicht, zeigte schon Band drei auf. Wer sich an die Handlung erinnert, weiß sicherlich noch, dass die Jugendliche von schrecklichen Albträumen von Jamil geplagt wurde. Morgiana muss sich im tiefsten Inneren auch selbst die Freiheit schenken und die Vergangenheit hinter sich lassen. Mit der Hilfe des ebenfalls bereits toten Goltas gelingt ihr dies schließlich, und Fans werden zum ersten Mal so richtig gewahr, was für eine Kraft wirklich in einer Fanalis steckt. Neben diesem frisch gewonnenen Selbstvertrauen und Lebenswillen erhascht der Leser von Morgiana auch erste fröhliche, ausgelassenere Züge, die ihrem Alter entsprechen. Mit diesem Wandel hat sie von allen Charakteren bisher wohl die größte Entwicklung hingelegt.

Viel Aufmerksamkeit im vierten Band heimst auch der reich gekleidete, junge Mann auf dem Cover in der Mitte ein. Bei diesem handelt es sich nämlich um niemand Geringeren als Sindbad, der König von Sindria, welcher auch den Beinamen »Herrscher der sieben Meere« trägt. Das hängt unweigerlich mit derselben Anzahl an bezwungenen Dungeons zusammen. Logischerweise müsste der Regent ebenso viele Dschinn-Gefäße besitzen, was theoretisch auch stimmt. Nur dumm, dass genau diese geklaut werden, während sich der Gute ein Nickerchen unter freiem Himmel gönnt. Die Räuber lassen dabei auch Sindbads Kleidung mitgehen, sodass dieser beim Aufeinandertreffen mit Morgiana und Aladin gerade einmal notdürftig ein Blatt trägt, das die prekäre Körperstelle zwischen den Beinen verdeckt. Bei so einem Auftritt kann der Charakter einem nur im Gedächtnis bleiben. Aber neben seiner sorgenfreien, gelassenen Art beweist der abenteuerlustige König auch Mitgefühl und einen Sinn für Gerechtigkeit – etwas, das im schwer durchgerüttelten Balbadd seit dem Tod des letzten Oberhaupts aus dem Hause Saluja zu fehlen scheint. Die beiden Söhne, welche aktuell am Zepter sind, tun geheimtuerisch und reagieren auf die Raubzüge der Nebel-Bande nur mit der Erhöhung der Steuern. Darunter leiden die mittellosen Menschen nur noch mehr.

An Sindbads Seite stehen der wortkarge Fanalis Masrur, der wortwörtlich Bäume ausreißen kann, sowie der blasse, sommersprossige Jafar, welcher Schnüre im Kampf einsetzt und im Trio wohl die meiste Denkarbeit verrichtet. Er übernimmt auch die Aufgabe, Sindbad zu rügen, wenn dieser zu nachlässig agiert. Die Vergangenheit des Weltenbummlers erhielt mit Magi: Sinbad no Boken sogar einen eigenen Manga-Spin-off, auf welchen nun auch eine Anime-Adaption folgt.

Morgianas Kampf, Sindbads Auftritt und die Konfrontation mit der Nebel-Bande inklusive Ali Babas, nach dem Aladin so lange gesucht hat, geben der Handlung eine dichte, spannungsgeladene Struktur, die den Leser zu fesseln weiß. Ein bisschen Dschinn-Action darf natürlich ebenso wenig fehlen, auch wenn diese weniger vertreten ist als sonst. Nach dem Ausflug in die mongolische Steppenlandschaft kehren wir zurück in die bekannte Wüstengegend, die zwar oft karg wirkt, aber dafür an anderen Stellen ihren Charme verbreitet. Für den ersten Anblick Balbadds verwendet Shinobu Ohtaka fast eine komplette Doppelseite. Die Ansicht der altertümlichen Hafenstadt mit dem Meer und der Sonne im Hintergrund erzeugt eine abenteuerlich romantische Atmosphäre, welche jedoch schnell einen bitteren Beigeschmack bekommt, als die Armut an diesem Ort zur Sprache gebracht wird. Der ernste Unterton, welcher sich unter das Geschehen mischt, ist deutlich spürbar und tief in den Zeichnungen verankert.

Wie Shinobu Ohtaka in einem Zwischentext verrät, gibt es einen geheimen Abschnitt, der zwischen dem 36. und 37. Kapitel angesiedelt ist. Im Manga finden Interessierte eine Internetadresse, unter der sie diesen – leider nur auf Japanisch – aufrufen können. Der vierte Band enthüllt zudem Alter sowie Größe der drei Protagonisten Aladin, Morgiana und Ali Baba. Ein Profil der bisherigen Bösewichte zeigt in Diagrammen, wie sich deren Stärken verteilen. Nur der Magi Judar bleibt ein Geheimnis. Etwas überraschend wird unter den Antagonisten auch Ali Babas Freund Kassim aufgezählt.

Ein Mädchen befreit sich von ihren seelischen Fesseln, der König von Sindria tritt auf den Plan und unser kleiner Held muss lernen, dass sein Freund nicht mehr der alte ist. Im Hintergrund gehen in Balbadd dunkle Machenschaften im Königshaus vor sich, welche die Schere zwischen Arm und Reich nur noch weiter öffnen. Nachdem der dritte Band bezüglich der Spannung im Mittelfeld herumgluckste, sollten Fans dieses Mal aufpassen, dass sie mit den Augen nicht an den Seiten kleben bleiben. Leser dürfen sich auf einen größeren, dichten Handlungsbogen gefasst machen, der mit neuen Charakteren und ernsten Themen aufwartet, die dem Geschehen mehr Tiefe verleihen. Wer bereits die ersten drei Volumes intus hat, sollte vor diesem keinen Halt machen, sondern sich schnell ins neue Abenteuer hineinstürzen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu [amazon text=Magi – The Labyrinth of Magic, Band 4&chan=animey&asin=288921463X].

Details

Titel: Magi – The Labyrinth of Magic, Band 4
Originaltitel: マギ (Magi), Vol. 4
Mangaka: Shinobu Ohtaka
Erscheinungsdatum: 18.06.2010 (JP), 9.01.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Preis: 6,95 €
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MAGI © 2009 Shinobu Ohtaka, Shogakukan Inc.
Magi – The Labyrinth of Magic © 2014 VIZ Media Switzerland SA