»Magi – The Labyrinth of Magic« Band 6 – Manga-Test

Im Balbadd-Arc sind Aladin, Ali Baba und Morgiana endlich wieder vereint, doch um den Stadtstaat an der Küste ist es nicht gut bestellt. Im fünften Band lernten wir die Hintergründe der Nebel-Bande, angeführt von Ali Baba, dem dritten Prinzen des Landes, kennen und trafen auf Judar, der Magi vom Kou-Imperium. Aladin muss sich einem Kampf gegen den kriegslustigen Priester stellen, welcher mit seiner Skrupellosigkeit alle Anwesenden in Gefahr bringt. Doch Aladins Dschinn Ugo weiß mit seiner Stärke die Oberhand zu gewinnen. Der letzte Teil endete mitten im Gefecht. Bei so einem gewaltigen Cliffhanger ist es gut, dass Magi – The Labyrinth of Magic immer noch im Monatsrhythmus bei Kazé Manga erscheint. Somit haben Fans schon seit 6. März die Chance zu erfahren, wie es weitergeht.

Ugo setzt zum Todesstoß an, um Judars Existenz ein Ende zu bereiten, doch der dunkle Magi wird noch rechtzeitig von der Kou-Prinzessin Kogyoku und ihren Anhängern gerettet. Bei der jungen Frau handelt es sich zudem um eine Dungeon-Bezwingerin, die mit ihrem Dschinn-Gefäß dem geschwächten Ugo mühelos schlägt. Nur dank Sindbads Einschreiten eskaliert die Situation nicht, doch Aladin verliert kurz darauf das Bewusstsein, da er zu viel Magoi verwendet hat.

Ali Baba steht mit dem Rücken zur Wand. Sein Bruder Sahbmad, der Vize-König von Balbadd, berichtet ihm, dass Ahbmad die Menschenrechte an Kou abtreten und die Bevölkerung damit versklaven will. Kassim hält sich verborgen, um im entscheidenden Moment die Leute zu einer verheerenden, blutigen Rebellion aufzurufen, um die Dynastie zu stürzen. Sindbad möchte Ali Baba zum neuen König machen. In diesem Chaos sucht der junge Prinz nach einer Lösung, um seiner Heimat auf seine eigene Art und Weise zu helfen.

Im sechsten Band von Magi – The Labyrinth of Magic kommen die Geschehnisse in Balbadd erst so richtig ins Rollen. Mit der Kou-Prinzessin Kogyoku tritt eine weitere wichtige Figur in diesem Handlungsstrang auf. Der Leser erhascht nur ein paar wenige, oberflächliche Informationen rund um das dramatisch gewachsene, mächtige Land im Osten, sodass die Kou-Dynastie und deren Haushalt weiterhin ein großes Rätsel bleibt. Umso mehr sticht Kogyoku hervor, die nach Hakuei die zweite Prinzessin darstellt, welche man zu Gesicht bekommt. Wer nun annimmt, bei den beiden handle es sich um Schwestern, irrt sich. Eine passende Erklärung dazu gibt es im Manga.

Die zwei Prinzessinnen unterscheiden sich aber nicht nur in der Herkunft, sondern auch im Gemüt. Wer noch Aladins Abenteuer beim Koga-Klan im Kopf hat, erinnert sich wohl sicherlich an die gutmütige, idealistische Hakuei, die den gewaltfreien Weg bevorzugt und voll Zuversicht sowie Hoffnung ihren Gesprächspartnern erwachsen entgegenschreitet. Nur im äußersten Notfall greift sie auf ihren Dschinn Paimon zurück. Auch Kogyoku ist eine Dungeon-Bezwingerin. Ihr untersteht Vinea, welche für Trauer und Isolation steht sowie Wasserattacken verwendet. Kogyoku scheut den Kampf nicht, sondern stürzt sich sogar Hals über Kopf hinein, ohne lange nachzudenken. Wenn sie sich ins Gefecht begibt, nimmt ihr Gesicht einen geradezu manischen Ausdruck an, als würde sie die brutale Auseinandersetzung regelrecht genießen.

Auf der anderen Seite hat Kogyoku auch eine sehr gefühlvolle Seite und sehnt sich nach der großen Liebe, obwohl sie Ahbmad heiraten soll. Diese sanfte Seite hält Shinobu Ohtaka auf dem Cover fest, das Kogyoku und im Hintergrund ihren Diener Kobun Ka zeigt. Für manche könnte die deutsche Namensgebung der Prinzessin ein klitzekleiner Wermutstropfen sein, da die junge Frau international eher als Kougyoku unterwegs ist. Auf den ersten Blick könnte man den Unterschied als vernachlässigbar ansehen. Wer jedoch die Namen aller bisher bekannten Geschwister aus der Kaiserfamilie kennt, wird auch die Bedeutung von dem unwichtig aussehenden, zusätzlichen Buchstaben wissen. Am Ende des Bandes finden Käufer zudem eine Bonusgeschichte, die sich humorvoll Kogyoku, Judar und Kobun Ka widmet, wie sie zu dritt die Hafenstadt erkunden.

Mit der bevorstehenden Versklavung der Bevölkerung von Balbadd spitzt sich die Lage drastisch zu und die Zeit wird knapp. Ali Baba nimmt für viele in dieser Situation die Rolle des Hoffnungslichts ein. Selbst sieht er sich dem wachsenden Druck aber nicht gewachsen, während Sindbad die verzweifelte Menschenmenge mühelos in Schach hält. Im König von Sindria findet unser ehemaliger Kutschfahrer ein Vorbild, kapselt sich jedoch dennoch weit genug vom mehrfachen Dungeon-Bezwinger ab, um die Dinge auf seine Art regeln zu wollen. Für Fans bietet der Herr der sieben Meere eine stets fließende Informationsquelle. So erklärt Sindbad nicht nur die Ausdehnung Kous in den letzten Jahren, sondern auch, wie Ali Baba sein Dschinn-Gefäß optimal benutzt. Die dafür passenden Schlagwörter sind »Dschinn-Ausstattung« und »Waffenausstattung«. Im sechsten Band bekommt man leider nur Letzteres zu Gesicht, sodass die Neugierde auf Ersteres steigt.

Obwohl es in diesem Teil nur am Anfang und zum Schluss Kampfszenen gibt, die zudem ziemlich kurz ausfallen, hat es das Volume trotzdem in sich. Shinobu Ohtaka gelingt es problemlos, die Atmosphäre mit jeder Seite mehr aufzubauschen. Gespannt begleitet der Leser Ali Baba, der beginnt, aus eigener Kraft aus seiner machtlosen Ohnmacht auszubrechen und sich eigenhändig allein gegen das Regime seines ältesten Bruders zu stellen. Mit anzusehen, wie Ali Baba langsam heranreift, macht eine Quintessenz des Balbadd-Handlungsbogens aus.

Nach bereits fünf Bänden ist Shinobu Ohtakas solider und ausgeprägter Zeichenstil wohl jedem Leser bekannt. Die neuen Charaktere binden sich perfekt in die Welt von Magi – The Labyrinth of Magic ein. Da es sich dabei dieses Mal um Personen aus Kou handelt, überraschen die stark chinesisch angehauchten Gewänder kaum. Großen Eindruck schinden die bereits früher erwähnten Waffenausstattungen, auch wenn der Betrachter nur zwei zu Gesicht bekommt. Lob gilt es für die widergespiegelten Emotionen in der Mimik der Charaktere sowie die dazugehörige Gestik auszusprechen, welche die heikle Lage nochmals unterstreichend hervorheben und die Leser zum Mitfiebern verleiten. An dieser Stelle sei auf das Gespräch zwischen Ali Baba und Sahbmad hingewiesen, das eine Schlüsselszene darstellt. Für mich gehört der Vize-König zu den Helden dieses Arcs. Es ist herzzerreißend zu beobachten, wie der Mann gegen die Angst in sich ankämpft, um Ali Baba sprechen zu können. Den sechsten Band muss man einfach schon allein deswegen gelesen haben.

Fans von Ali Baba kommen auch im sechsten Band wieder voll auf ihre Kosten. Der anfangs verantwortungslose, leichtlebige Kutschfahrer wandelt sich langsam zu einem mutigen, volksnahen Prinzen mit Rückgrat, dem es zwar in vielen Dingen an Erfahrung fehlt, dies aber mit seiner gewaltfreien Denkweise und einem starken Willen ausgleicht. Die Lage in Balbadd spitzt sich zu, ebenso steigt die Spannung von Kapitel zu Kapitel deutlich, sodass der Griff zum nächsten Band eigentlich schon vorprogrammiert ist. Im sechsten Teil von Magi – The Labyrinth of Magic hat Shinobu Ohtaka den Grundstein zu einer potenziell gewaltigen Auseinandersetzung gelegt, in der das Schicksal eines gesamten Landes auf der Kippe steht.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Magi – The Labyrinth of Magic, Band 6.

Details

Titel: Magi – The Labyrinth of Magic, Band 6
Originaltitel: マギ (Magi), Vol. 6
Mangaka: Shinobu Ohtaka
Erscheinungsdatum: 18.10.2010 (JP), 6.3.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889214656&chan=animey&asin=2889214656]

MAGI © 2006 Shinobu OHTAKA/SHOGAKUKAN
Magi – The Labyrinth of Magic © 2014 VIZ Media Switzerland SA