»Magi – The Labyrinth of Magic« Band 7 – Manga-Test

Anime-Fans können seit Ende März die dritte von insgesamt vier Boxen der ersten Staffel von Magi – The Labyrinth of Magic in Händen halten. Doch auch die Manga-Liebhaber unter euch kommen auf ihre Kosten. Am 3. April erschien hierzulande der siebente Band von Shinobu Ohtakas erfolgreicher Shonen-Serie bei Kazé Manga. Erneut entführt euch die Zeichnerin in eine Welt, die den Glanz von 1001 Nacht als Grundlage für ein spektakuläres, aber auch dramatisches Abenteuer hernimmt. Zuletzt lasen wir darüber, wie Prinz Ali Baba nach einer langen Zeit des Zögerns die Missstände in Balbadd wieder geradebiegen und die Versklavung des Volkes verhindern will. Allein, aber mit seinem Dschinn-Gefäß gewappnet, erstürmt er den Palast.

Um zu Ahbmad zu gelangen, muss sich Ali Baba zuerst an ein paar Monstern vorbeikämpfen. Unterstützung erhält der Dungeon-Bezwinger von Morgiana, die überraschend am Schauplatz des Gefechts auftaucht. Dennoch geht Ali Baba das Magoi aus, bevor er den Thronsaal erreicht. Seine frisch gemeisterte Waffenausstattung nützt damit nichts mehr. Ahbmad sieht sich schon als Gewinner und möchte seinen jüngsten Bruder auf der Stelle töten lassen, doch Sahbmad überwindet seine Angst, zu Menschenmengen zu sprechen. Zusammen gelingt es den beiden, Ahbmad vom Thron zu stürzen. Die Frage, welche sich jedoch daraufhin stellt, ist heikel: Wer soll nun König werden und Prinzessin Kogyoku heiraten?

Wo das Schwert nicht weiterhilft, gilt es, diplomatisch voranzuschreiten und eisern seinen Standpunkt zu vertreten. Ali Baba möchte dem Königshaus ein Ende bereiten und Balbadd zu einer Republik machen. Gleichzeitig sollen die bisher geschlossenen Verträge mit Kou für ungültig erklärt werden. Es ist ein gefährliches Wortduell mit der Prinzessin, doch die größte Bedrohung lauert vor den Palasttoren. Kassim ruft seine Kameraden zu den Waffen und beginnt ein gewaltiges Blutbad, während Aladin ein großes Wissen zuteilwird.

Der siebente Band von Magi – The Labyrinth of Magic ruft bei mir sehr gemischte Gefühle hervor. Das Ende vom letzten Teil war gerade im Begriff, eine spannende Kampfatmosphäre aufzubauen. Besonders Ali Babas feurige Dschinn-Waffenausstattung hat einen großen Beitrag geleistet. Dem wird hier gleich zu Anfang schnell Einhalt geboten. Wer sich also auf eine Fortsetzung oder gar Steigerung der Gefechtsszenen gefreut hat, muss leider eine Enttäuschung einstecken. Erst gegen Ende bricht ein noch gewaltigerer und blutiger Tumult aus, der die Lage kippt. Im Blickpunkt steht dabei die Auseinandersetzung zwischen Ali Baba und Kassim, welche bereits in früheren Kapiteln angedeutet wurde. Es bleibt abzuwarten, ob Fans zumindest nun einen länger andauernden Konflikt erhalten, der sich nicht schon am Anfang des nächsten Bandes im Sand verläuft. Das Potential ist auf alle Fälle da, denn – ohne zu viel verraten zu wollen – Leser dürfen sehr gespannt darauf sein, am Ende des siebenten Volumes noch einen Blick auf eine in Magi – The Labyrinth of Magic essentielle Grundzutat zu erhaschen.

Statt der erhofften Schwerthiebe tritt dieses Mal, wie bereits erwähnt, die Macht des Wortes in den Vordergrund. Trotz der vielen Diskussionen ist von Langeweile keine Spur, denn schließlich steht das Schicksal eines Reichs auf dem Spiel, und Shinobu Ohtaka weiß, wie man die Texte dementsprechend mit einem dramatischen Unterton ausstattet. Ob nun das Gespräch zwischen den drei Prinzen, die Meinungsverschiedenheit mit Kogyoku oder die Konfrontation zwischen Ali Baba und Kassim – überall entdeckt man einen Schwall an Emotionen. Gleichzeitig bekommen Leser einen besseren Einblick in die Personen und deren Charakterzüge. Ali Babas Entscheidung, Balbadd zu einer Republik zu machen, kommt für manchen sicherlich überraschend, besonders da es bisher in Magi – The Labyrinth of Magic darum ging, mit dem Erobern von Dungeons Königskandidaten zu bestimmen. Jetzt diesen Entschluss zu fällen, wirkt dieser Thematik entgegen. Andererseits stellt sich zurecht die Frage, was von so einem Auserwählten überhaupt verlangt wird. Bis zur vollkommenen Antwort ist es noch ein langer Weg, auch wenn Shinobu Ohtaka kürzlich bekannt gab, bereits bei der Hälfte der Handlung angelangt zu sein, und das bei einem aktuellen Stand von 20 Bänden in Japan.

Während für uns eine Republik als Staatsform etwas Selbstverständliches ist, gehört die Denkweise im Manga zu einer neueren Errungenschaft, die noch im Schatten der monarchischen Systeme steht. So ein ähnliches Phänomen hatten wir bereits im letzten Band mit Kous Geldwirtschaft. Zwischen der Welt, welche an 1001 Nacht erinnert, und unserem gewohnten Leben entstehen so unübersehbar Verbindungen. Für Ali Baba erscheint eine demokratische Republik die ideale Lösung für Balbadds Problem. Seine optimistische Ansprache hinterlässt einen leicht utopischen Nachgeschmack, sodass man fast meint, der Prinz wäre etwas übers Ziel hinausgeschossen. Das wäre so weit aber der einzige Punkt, welcher mich ansatzweise stört. Andererseits geht es bei einem zuversichtlichen Helden wie Ali Baba wohl kaum ohne eine stark positive Ausstrahlung.

Wie Fans bereits aus den älteren Bänden wissen, neigt die Zeichnerin dazu, in Dialogen die Hintergründe vermehrt frei zu lassen. Der neueste Teil ist voll von Debatten. So wundert es wenig, dass die Szenarien vermehrt ohne Details bleiben und die Atmosphäre hauptsächlich vom Gesprächsstoff getragen wird. Ironischerweise füllen die vielen Sprechblasen den weißen Platz gut aus, sodass ein ansonsten auftretendes Gefühl von Leere größtenteils verschwindet. Wieder einmal liegt es an den Charakteren, den Betrachter mit ihren ausschweifenden oder zurückgehaltenen Emotionen zu bannen. Unter anderem sind es erneut Ali Baba und Sahbmad, welche mich in dieser Hinsicht besonders begeistern, nachdem sie schon im Band sechs stark aufgefallen sind. Ein paar wenige Highlights fürs Auge hat das Volume dann doch in petto, welche in den Szenen mit Aladin, aber auch im Kampf gegen Kassim zu finden sind. Am Schluss entdecken Käufer zwei Bonusgeschichten, welche humorvoll aus dem Alltagsleben der Nebel-Bande erzählen.

Wer sich bereits für ein riesiges Gefecht bereit gemacht hat, muss sich nochmals einen Band gedulden und die Daumen drücken, dass der nächste Teil das einhält, was das Ende von diesem potentiell verspricht. Hier müssen sich Leser hauptsächlich auf Dialoge einstellen, welche mir trotz des Wermutstropfens der fehlenden Action gefallen. Mich spricht es sehr an, wie die einzelnen Charaktere ihre Standpunkte vertreten und dabei ihre Überzeugungen sowie Wahrnehmungen nach außen kehren. Besonders stechen hier die drei Brüder ins Auge, welche mit ihrer Unterschiedlichkeit die das Story-Niveau heben. Band sieben vermittelt kurzzeitig einen schnell gewonnenen Frieden, nur um sich als Ruhe vor dem finalen Sturm zu entpuppen.

Wir bedanken uns bei Kazé Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Magi – The Labyrinth of Magic, Band 7.

Details

Titel: Magi – The Labyrinth of Magic, Band 7
Originaltitel: マギ (Magi), Vol. 7
Mangaka: Shinobu Ohtaka
Erscheinungsdatum: 18.1.2011 (JP), 3.4.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Preis: 6,95 €
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MAGI © 2009 Shinobu OHTAKA/SHOGAKUKAN
Magi – The Labyrinth of Magic © 2014 VIZ Media Switzerland SA