»Magi – The Labyrinth of Magic« Band 8 – Manga-Test

Nicht nur die erste Staffel der Anime-Adaption von Shinobu Ohtakas Magi – The Labyrinth of Magic findet hierzulande bald ihren Abschluss, sondern Abschied nehmen heißt es in naher Zukunft auch vom monatlichen Erscheinungsrhythmus des Mangas selbst. Nach Band 10 im Juli geht es mit Teil elf voraussichtlich erst am 4. September weiter. Dass sich  Magi – The Labyrinth of Magic im deutschen Raum großer Beliebtheit erfreut, zeigt sich unter anderem daran, dass der Titel von den Fans für den Max und Moritz-Publikumspreis 2014 nominiert wurde, letztendlich in der zweiten Runde jedoch wie 14 andere Werke gegenüber Martina Peters TEN den Kürzeren zog und ausschied. Zum Gratis Comic Tag 2014 am 10. Mai schickte Kazé Manga eine Leseprobe ins Rennen, welche die Kapitel vier sowie fünf komplett und den Anfang von sechs mit farbigen Einstieg umfasst.

Kassim hat mithilfe eines mysteriösen Waffenhändlers eine Rebellion unter den Bürgern Balbadds entfacht. Obwohl die Palastwachen den Aufrührer umzingeln, ist dessen Widerstand nicht gebrochen. Sein Hass auf den Adel verleitet Kassim zum Selbstmord. Durch die Kraft seines magischen Gefäßes verwandelt er sich vor Ali Babas Augen in einen schwarzen Dschinn, dessen Gravitationsmagie dem Blondschopf schwer zu schaffen macht. Morgiana und Sindbad tun ihr Möglichstes, um Ali Baba in der Auseinandersetzung beizustehen, doch nur der Dungeon-Bezwinger besitzt die nötige Kraft, um dem dunklen Ungetüm den Todesstoß zu versetzen. Ali Baba hadert mit seiner Aufgabe, schließlich ist Kassim trotz allem immer noch sein Freund. Wie konnte es bloß so weit kommen?

Doch Zeit, um in Selbstmitleid zu versinken, bleibt dem dritten Prinzen von Balbadd nicht. Stattdessen setzt Ali Baba sein eigenes Leben aufs Spiel und kämpft selbst dann weiter, als Judar auf der Gegenseite auftaucht. Zu allem Überfluss zerbricht auch noch Amons Schwert. Ist dies das Ende von Ali Baba und Balbadd oder gibt es doch noch Rettung?

Hätte sich Kazé Manga im letzten Herbst statt des monatlichen für den typischen, doppelt so langen Erscheinungsrhythmus entschieden, wären wir aktuell gerade einmal bei Band vier, also am Beginn des Balbadd-Arcs, während die Leser so bereits jetzt in den Genuss des Abschlusses kommen. Es war eine geniale Aktion vom Verlag, Magi – The Labyrinth of Magic für die ersten zehn Veröffentlichungen – anfangs nur bis Teil fünf geplant – so eine Sonderstellung zu geben. Einerseits wird dadurch der Unterschied zum japanischen Stand, der aktuell 21 Volumes beträgt, schneller verringert und ermöglicht zudem andererseits einen halbwegs parallelen Zugang zur Handlung aus Manga- sowie Anime-Sicht. Etwas kurios wäre es dennoch gewesen, wenn es Shinobu Ohtakas Serie hierzulande tatsächlich geschafft hätte, Reihen wie Toriko oder Nura – Herr der Yokai, die von Anfang an mit dabei sind und regelmäßig erscheinen, in der Anzahl einzuholen. Überrundet wurden dagegen zum Beispiel Heimliche Blicke und Midnight Wolf, welche beide im April 2013 die deutschen Buchhandlungen betraten sowie jeweils momentan sieben Bände zählen.

Wie bereits erwähnt, hält dieser Teil von Magi – The Labyrinth of Magic das Finale in Balbadd bereit. Ohne auf die Details einzugehen, dürfen sich Fans auf großes Kino freuen, was sowohl durch spannende Schlagabtäusche glänzt, bei denen unsere Helden nach alter Shonen-Tradition natürlich immer mehr verzweifeln, als auch überraschend ruhige, aber dafür hoch emotionale Szenen präsentiert. Die Mischung stimmt einfach, sodass die Atmosphäre den Betrachter fesselt. Leser sollten sich für jede Seite entsprechend Zeit nehmen und wirken lassen, um der Story volle Entfaltungsmöglichkeit zuzusprechen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Leute, die den Band in der Öffentlichkeit lesen, dafür gewappnet sein sollten, ein paar Tränen unterdrücken zu müssen.

Der Zyklus in der Hafenstadt ist bisher der größte Handlungsbogen gewesen und zugleich das erste gemeinsame Abenteuer unserer drei Helden Aladin, Ali Baba und Morgiana. Shinobu Ohtaka hat darin wichtige Charaktere wie König Sindbad und Prinzessin Kogyoku eingeführt. Magis, Dschinns sowie deren Gefäße rücken in den Mittelpunkt und bekommen grundlegende Erklärungen. Auf den Informationen, die der Leser durch den Balbadd-Arc erlangt, baut sich das Gerüst für die Welt von Magi – The Labyrinth of Magic auf. Unverkennbar besitzen die Bände vier bis acht damit eine große Bedeutung für die Reihe. Was der nächste Storybogen mit sich bringt, wird sich zeigen. Einen kleinen Vorgeschmack erhalten Interessierte am Ende des aktuellen Volumes.

Shinobu Ohtakas geübter Zeichenstil lässt die Künstlerin in den spannungsgeladenen Kämpfen nicht in Stich, sondern setzt das Geschehen in mitreißenden Bildern um. Man fiebert mit Ali Baba mit und spürt deutlich dessen Zwiespalt, gegen seinen Freund zu kämpfen, obwohl sich dieser in ein Monster verwandelt hat. Der schwarze Dschinn schindet ziemlichen Eindruck und vereint in seinem Gebären sowohl die wilde, starke Bestie in sich als auch kalte, gezielte Mordlust. Mimik und Gestik sind bei den Charakteren auf den Punkt gebracht, sodass der Betrachter schnell einen Draht zu den Figuren sowie deren Lage herstellen kann. An detaillierten Hintergründen mangelt es ebenso wenig.

Shinobu Ohtaka wirft alles in den Ring, um den Balbadd-Abschnitt mit einem fulminanten Ende zu versehen – und das auf ihre eigene, persönliche Art, in der sich actionreiche Kampfelemente mit emotionalen Dialogen harmonisch abwechseln. Mit steigender Seitenanzahl wächst die Spannung und Neugierde beim Lesen. Mit dem Ergebnis darf man mehr als zufrieden sein. Gleichzeitig wird deutlich, dass Aladin, Ali Baba und Morgiana nicht nur immer noch am Anfang einer langen Reise stehen, sondern auch kräftemäßig noch viel Luft nach oben freihaben. Einerseits tief berührt von den Geschehnissen in Balbadd sieht man andererseits mit Zuversicht den kommenden Ereignissen entgegen. Zu Recht erfreut sich der Manga in Japan und Deutschland an einer großen Fangemeinschaft.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Magi – The Labyrinth of Magic, Band 8.

Details

Titel: Magi – The Labyrinth of Magic, Band 8
Originaltitel: マギ (Magi), Vol. 8
Mangaka: Shinobu Ohtaka
Erscheinungsdatum: 18.4.2011 (JP), 2.5.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Action, Abenteuer, Fantasy, Drama, Shonen, Comedy
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889214672&chan=animey&asin=2889214672]

MAGI © 2009 Shinobu OHTAKA/SHOGAKUKAN
Magi – The Labyrinth of Magic © 2014 VIZ Media Switzerland SA