B.A.D. – Beyond Another Darkness Band 1 – Manga-Test

Freunde von Gothic-Mystery und Fantasy-Horror durften sich im Juni über Egmont Mangas neuen Titel B.A.D. [bǽd] Beyond Another Darkness freuen.

Die in zwei Bänden abgeschlossene Serie um die Gothic Lolita Azaka Mayuzumi sowie ihren Schützling Odagiri basiert auf der gleichnamigen Romanvorlage von Keishi Ayasato (oder auch Keiji Ayasato) und stammt aus der Zeichenfeder von Sousou Sakakibara. Genauso düster als auch rätselhaft wie die Protagonistin sind das Grundthema (Selbstmord) und die Handlung von B.A.D. – vielleicht etwas zu rätselhaft für den Leser? Erstmals erschienen im Oktober 2011 in Kadokawa Shotens Altima Ace-Magazin wurde die Serie ein Jahr darauf zusammen mit der Zeitschrift wieder eingestellt. Ein schlechtes Vorzeichen? Ob es sich trotzdem lohnt, B.A.D. zu lesen? Wir haben Licht ins Dunkel gebracht …

Tsutomo Odagiri ist nahe am Verbluten sowie kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren, als ein Mädchen ihn vor einem Tempel findet und ihm seine Hilfe anbietet. Die Jugendliche ist Azaka Mayuzumi, eine 14-jährige Gothic Lolita mit rotem Papierschirm und einer Schwäche für Schokolade (genau genommen isst sie nichts anderes!). Azaka ist die Leiterin einer Detektei für »mysteriöse Fälle« und stellt Odagiri als Assistenten an, um ihn gleich darauf trotz noch schmerzender Wunde zum ersten Auftrag mitzunehmen.

Dieser führt die beiden in ein verlassenes Gebäude, das, wie sie herausfinden, bisher vielen Menschen als Selbstmordstätte gedient hat. In dem Albtraum aus Blut, Geistern sowie hängenden Leichen glaubt Odagiri, seine längst tote Schulfreundin Shizuka zu sehen und folgt ihr. Er trifft jedoch auf ein anderes verstorbenes Mädchen, welches ihn von seinen Leiden befreien und »retten«, sprich töten will. Dazu riskiert das Mädchen einen Blick in die Erinnerungen des von Angst und Schuldgefühlen wegen der toten Shizuka geplagten Odagiri. Doch ehe dessen ganzes Geheimnis gelüftet werden kann, taucht Azaka auf und stellt sich der selbsternannten »Retterin« in den Weg.

Der Leser wird also mit einem großen Fragezeichen in die Geschichte geschickt, zu dem sich im Laufe der Handlung noch weitere hinzugesellen. Warum war Odagiri zu Anfang verletzt? Wovor (oder vor wem) genau hat er so panische Angst? Was hat es mit den wiederkehrenden Schmerzen und dem Aufreißen von Odagiris Bauch auf sich?

Dadurch, dass die Handlung aus Odagiris Perspektive erzählt wird, erlebt man besonders intensiv seine Angstzustände mit. Situationen, in denen er wegläuft oder jemanden lieber im Stich lässt, um sich selbst zu schützen, lassen ihn nicht heldenhaft, dafür aber menschlich wirken. Gerade diese Schwächen machen den Charakter authentisch. Zwar sympathisiert er zum Beispiel mit  einer Klientin der Detektei in Kapitel drei, kann sich aber trotz ihrer Annäherungsversuche nicht auf sie einlassen, geschweige denn verlieben. Die Geschehnisse bringen mit sich, dass er immer wieder unter den seltsamen Schmerzen im Bauch zu leiden hat. Es scheint ganz so, als würde Odagiri etwas ausbrüten, bis das Geheimnis um seine Schuldgefühle wegen Shizuka und seine Verletzung zu Beginn des Mangas gelüftet wird. Indem der Leser stückchenweise erfährt, was Odagiri widerfahren ist und welche Rolle Shizuka dabei gespielt hat, steigt die Spannung also kontinuierlich an.

Richtig interessant wird es schließlich, als Azakas Familie ins Spiel kommt. Von da an lässt die Handlung vermuten, dass Odagiris und Azakas Begegnung nicht nur reiner Zufall war – was noch im zweiten Band festzustellen wäre. Azaka erweckt generell den Anschein, als wüsste sie mehr über ihren frischgebackenen Angestellten, als die junge Schönheit bisher preisgibt. Während Odagiris Persönlichkeit sehr umfassend beleuchtet wird, ist die exzentrische Azaka bis zum Ende des ersten Bandes, wo noch mal eine neue Seite von ihr zum Vorschein kommt, schwer einzuschätzen. Wer oder was ist Azaka Mayuzumi wirklich? Und kann Odagiri ihr trauen?

Optisch kann sich B.A.D. definitiv sehen lassen. Der Zeichenstil erschafft von Szene zu Szene eine mal mystisch-romantische, mal beängstigende Atmosphäre mit gelegentlichen Schockelementen. Realität, Illusionen und Flashbacks wechseln sich erkennbar ab. Absolutes Plus des Mangas sind die sechs(!) Farbseiten, die auch den Preis rechtfertigen.

Verbesserungswürdig wären die ersten zwei Kapitel gewesen. Der Manga ist für die zwölf Original- und Zusatzbände umfassende Romanvorlage grundsätzlich zu kurz geraten, was natürlich dem Abbruch der Serie geschuldet ist. Jedoch fiel gerade der Einstieg sowie das Kennenlernen von Odagiri und Azaka recht knapp aus. Textstellen deuten darauf hin, dass sogar mehrere Tage von Odagiri als Azakas neuer Assistent einfach weggelassen wurden. Statt möglichst schnell mit einem der unheimlichen Fälle zu beginnen, hätte eine ausführlichere Kennenlernphase der beiden Protagonisten dem Manga vielleicht gut getan. Wie auch immer die Handlung noch im zweiten Band aufgedröselt wird, so ist zu hoffen, dass die Geschichte den Leser nicht unbefriedigt zurücklässt.

Sowohl Gothic- als auch Mystery-Fans werden an dem Manga und insbesondere den Zeichnungen trotz der Kürze sicher Gefallen finden. Die zwei Hauptfiguren unterscheiden sich komplett voneinander, und jede für sich ist eine faszinierende Persönlichkeit, welche ergründet werden möchte. Wer außerdem ein Faible für rätselhafte Geschichten und süße Gothic Lolitas hat, dem sei B.A.D. ans Herz gelegt.

Wir bedanken uns bei Egmont Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu B.A.D, Band 1.

B.A.D. © 2012  Sousou SAKAKIBARA © 2010 Keishi Ayasato / kona / KADOKAWA CORPORATION, Tokyo
© 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH