Space Dandy Vol. 1 – DVDonTest

Mit Beginn des Jahres 2014 hatte der »Dandy im Weltall« seinen Auftritt im amerikanischen und japanischen TV. Space Dandy ist ein Anime, der aufgrund des starken Produktionsteams und dem recht unerwarteten Resultat polarisieren dürfte.

Die Erwartungen an diese Serie waren durch die namhaften Größen, die daran beteiligt waren (u. a. Shinichiro Watanabe, Dai Sato, Keiko Nobumoto), dermaßen hoch, dass der Klamauk um den untypischen Protagonisten und die absolute Sinnfreiheit viele Zuschauer enttäuscht haben mag.

Mit dem narrativen Konzept des sexistischen, egoistischen Dandys und einer Reihe von trashigen Episoden ist Shinichro Watanabe (Cowboy Bebop) und seinem Team eine unkonventionelle Serie gelungen, deren Hauptfigur mit Sicherheit im Gedächtnis bleiben wird – ob nun gut oder schlecht, das sei erst mal dahingestellt. Kazé hat die Space Show nach Deutschland geholt und AnimeY hat sich eine eigene Meinung gebildet …

Worum geht es?

Sein Name ist Dandy, Space Dandy. Von Beruf Alienjäger reist er mit der Aloha Oe durch diverse Galaxien auf der Suche nach neuen Planeten und bisher unentdeckten Alienarten. Zusätzlich ist Dandy wahrscheinlich der größte Macho, den der Weltraum je gesehen hat. Seine ganz persönliche Mission besteht darin, jeden existierenden Laden der Brestaurant-Kette BooBies mit ihren vollbusigen Kellnerinnen zu besuchen.

Folge 1: Lass dem Leben seinen Lauf

Da der unfähige Schürzenjäger und Po-Fetischist nun also keinen wirklichen Plan hat, wo er Aliens finden soll, die noch nicht in deren Registrierungsbehörde gemeldet sind, führt ihn sein Weg deshalb auch gleich in der ersten Folge in eben eines jener Brestaurants. Dort werden er und sein Partner, das kleine veraltete Roboter-Modell QT, auf den Betelgeusianer Meow aufmerksam, der ihnen nach einer zerstörerischen Verfolgungsjagd durch den Laden, seine Hilfe bei der Aliensuche anbietet und sie zu einem Planeten führen will, auf dem es viele unentdeckte Arten geben soll. Zu dieser Zeit ahnen die drei noch nichts von Dr. Gel, einem Affen-Alien mit barocker Haarpracht, der sich an Dandys Fersen geheftet hat.

Folge 2: Such die mysteriösen Weltall-Ramen

In der zweiten Folge begibt sich das Trio mangels Nahrung wie auch Geld auf die Suche nach einem mysteriösen Restaurant, wo sie Meows Lieblings-Ramen und eine unentdeckte Alien-Art hoffen zu finden. Dazu fressen sich die Zechpreller durch diverse Ramen-Läden, was fleißig von Meow via Social Media Account dokumentiert wird und die Handlanger von Dr. Gel anlockt.

Folge 3: Verarschen und verascht werden

Mittlerweile sind unsere Helden so verzweifelt, dass sie der strengen Dame von der Registrierungsbehörde den verkleideten Meow als Entdeckung des Jahrtausends verkaufen wollen. Der Schwindel fliegt natürlich auf, weshalb Dandy und seine Kumpanen mal wieder ohne einen müden Cent von dannen ziehen. Da zückt Dandy eine Notfall-Karte, mit der er kostenlos im BooBies speisen darf. Zu dumm nur, dass diese in wenigen Stunden abläuft und der Warp sie auf einen vermeintlich verlassenen Planeten katapultiert.

Folge 4: Tot und dennoch untot

Dandy, QT und Meow sind sich sicher: Endlich haben sie eine neue Alien-Spezies gefunden, denn das Wesen stimmt nicht mit den Arten in ihrem Lexikon überein. Meow fängt sich einen Biss des scheinbar harmlosen Aliens ein und beginnt, sich daraufhin seltsam träge sowie wortkarg zu verhalten. Die ahnungslosen Freunde bringen ihn daher ins Krankenhaus, wo der Arzt seinen Herzstillstand diagnostiziert. Über Nacht verwandelt der untote Meow das Krankenhaus in eine Zombiebrutstätte.

Umsetzung

Space Dandy hält sich vermutlich für den coolsten Hengst auf der Milchstraße. Der Sexist und Snob hat bei allem, was er tut, mehr Glück als Verstand. Gott sei Dank hält ihn keiner für so wichtig, wie er es gern hätte. Lediglich Dr. Gel misst ihm ganz gehörige Intelligenz bei, da Dandy es trotz Aufspürung via Galaxy Street View immer wieder – ob beabsichtigt oder nicht – »gelingt«, dem Gogol-Imperium zu entkommen. Dabei hat der Alienjäger nicht den blassesten Schimmer, wer ihn da eigentlich verfolgt und warum. Dies wissen wohl auch nur Admiral Perry, Dr. Gel und ihr Gogol-Imperium. Wenn es hart auf hart kommt, lässt der Macho dann auch ganz unheldenhaft und ohne mit der Wimper zu zucken seine Gefährten zurück, um seine eigene Haut zu retten. Deshalb ist es umso schöner, dass es das Kollegenschwein dann auch mal selbst trifft.

Der Anime nimmt seine Charaktere – das betrifft vor allem Dandy und Meow – permanent auf die Schippe und macht sie zu Witzfiguren. Mit QT hat man generell eher Mitleid, so mies, wie er häufig von Dandy behandelt wird. Meow macht als neues parasitäres Crewmitglied und genauso großer Taugenichts wie Dandy eben jener Titelfigur Konkurrenz. Der Macho höchstpersönlich ist allerdings die schrulligste der Figuren und zumindest meiner Meinung nach die größte Lachnummer, schon allein, weil er sich nicht einmal dafür zu schade ist, sich mit Michael Jackson Moves an eine Frau heranzupirschen, um sie dann ungeniert um Geld zu bitten.

Genau das macht Space Dandy aus – dass sich der Anime selbst und seine pseudo-coole Hauptfigur nicht ernst nimmt. Sicher werden die Oberflächlichkeit der Storys und die schlichtweg dämlichen, unrühmlichen Aktionen der Crew beziehungsweise von Dandy so einigen Leuten schwer aufschlagen. Die einzelnen Episoden enden meist derart final, dass es verwirrt, die Figuren und das Setting in der nächsten Folge wieder im Ausgangszustand zu sehen. Space Dandy ist fast reine Blödelei und wer sich darauf einlässt oder viel mehr, wer diesen Humor teilen kann, wird sich gut unterhalten fühlen. Darunter fallen dann ebenfalls der geknebelte Kopf der Freiheitsstatur als Raumschiff des bösen Dr. Gel oder auch in der zweiten Folge die Verulkung von Twitterern und Co., die sich durch häufige Standort-Meldungen genau genommen »überwachen« lassen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Disc

Visuell wird viel Wert auf Dandys übertriebene Gesten, Posen und Gesichtsausdrücke gelegt, insbesondere wenn seine Aussagen völlig leer sind. Die Perspektiven und Hintergründe zeigen ihn gern protzig, heroisch sowie lachhaft dramatisch. Natürlich dürfen beim Weltraum-Sci-Fi-Genre auch entsprechende Licht- und Farb-Effekte nicht fehlen. Diese ergänzen besonders gut die rasanten Actionszenen von einfachen Kämpfen bis hin zu Verwirbelungen bei Wurmloch-Reisen. Im Anime findet sich passenderweise auch geringfügig der Pop-Art-Stil wieder.

Sowohl die wiederholt auftretenden Charaktere als auch die Masse an einmaligen Aliens zeugen von Einfallsreichtum, Individualität und dem futuristisch-spacigen Setting. Die Macher haben sich in der Tat ausgetobt und Disco-Feeling mit einfließen lassen, was besonders am Opening auffällt. So ist die Musik poppig, flott und macht gute Laune. Bei der Eingangssequenz mit den Weltraum-Standbildern, dem Off-Sprecher und dem Frauengesang muss man unweigerlich an Raumschiff Enterprise denken.

Auf der Disc Volume 1 befinden sich die vier Startepisoden der 13-teiligen ersten Staffel. Jede hat eine Laufzeit von etwa 25 Minuten. Die Vertonung umfasst Deutsch und Japanisch in Dolby Digital 2.0. Für Letztere können Untertitel in unserer Sprache zugeschaltet werden. Bei der Synchronisation wurden sehr treffend charakteristische Stimmen im Japanischen wie auch im Deutschen gewählt. Beide Fassungen sind sehr gelungen, wobei Dandys hierzulande, noch tiefere Stimme für mich meist wie aus dem Off gesprochen klingt. Eine kleine Besonderheit ist der Dialekt der Alien in der dritten Folge, der zur Situation einfach klasse passt.

Verpackung & Bonus

Volume 1 von Space Dandy kommt mit einem stylischen Schuber für alle vier Amaray-Hüllen daher. Dieser zeigt Dandy und Meow tanzend in Siegerpose und umgeben von Disco-Licht. Oberhalb befindet sich eine Disco-Kugel und unten links ein Mischpult, welches von QT bedient wird. Auf der Rückseite ziert eine der BooBies-Kellnerinnen das abziehbare Blatt. Darunter ist ein Bild mit allen Charakteren der Staffel zu finden. Der Rest ist in Weltraum-Optik, das heißt schwarz mit Sternen gehalten. Das Wendecover der ersten Amaray-Hülle wiederholt die Vorder- und Rückansichten der Box.

Zusätzliches Material zum Anime liegt der Hülle leider nicht bei. Als Bonus auf der Disc gibt es das Clear Opening, Clear Ending und eine Image Gallery mit Skizzen der Locations, der technischen Geräte und der Charaktere inklusive aller wichtigen Alien. Außerdem enthält das Menü die Trailer zu He is my master, Sekirei, Kämpfer und Redline. Das komplette Paket gibt es auch auf Blu-ray.

Fazit

Den snobistischen Dandy kann man entweder ablehnen oder auf seine Art unterhaltsam finden. Wer den Anime aus dem Studio BONES anschaut, muss sich auf Quatsch gefasst machen und sollte seine Erwartungen an den Plot zurückschrauben, wenn nicht sogar begraben. Was aber nicht heißt, dass die Story nichts taugt. Ganz im Gegenteil: Die Macher brachten viele kreative Ideen mit ein und können sich ein solches Experiment durchaus leisten, haben sie doch schon in Produktionen wie Cowboy Bebop oder Samurai Champloo ihr Können bewiesen. Das Ergebnis ist ein bunter, poppiger Space-Trip und – was vielleicht das Beste an der Serie ist – keine vorhersehbare Wir-retten-die-Welt-Geschichte.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Space Dandy, Volume 1.

© BONES/Project SPACE DANDY
© 2014 VIZ Media Switzerland SA

4 KOMMENTARE

  1. Mich hat die Synchro zu Beginn total abgeschreckt, aber ehrlich gesagt find ich die mittlerewile richtig geil. Sie passt meiner Meinung nach doch sehr zum Dandy und seiner herrlich bekloppten Art! <3

  2. ich lese überall ebenfalls nur gutes über die deutsche synchro… dabei finde ich sie, wie du, auch nicht so gelungen. die stimme von dandy klingt absolut nicht “synchron”, eher wie ein voice-over und irgendwie ist sie ein 1:1-imitat des japanischen pendants. das ist ja langweilig.

    • Oha, das geht also nicht nur mir so. Ich habe mich wirklich über Dandys deutsche Stimme “gewundert” und probeweise den Bass runtergedreht…^^

      • Oha, wollen sonst nicht alle Sprecher, “die wie die Japaner klingen”? Irgendwie kann man es echt niemandem irgendwie recht machen x’D

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