Space Dandy Vol. 4
© BONES/Project SPACE DANDY © 2014 VIZ Media Switzerland SA

Mit Volume 4 endet die erste Hälfte der verrückten Weltraumserie um den titelgebenden Alienjäger Space Dandy, doch der Berliner Publisher Kazé legt bereits seit Ende Juli nach!

Zusammen in einer zweiten Box erscheinen die nächsten vier Discs von Space Dandy bis in den November hinein und werden von Sumikai fortan via Blu-ray-Review ausgewertet. Was die Crew der Aloha Oe jedoch noch in den Folgen 11 bis 13 so treibt, anrichtet und durchmacht, erfahrt ihr jetzt:

Folge 11: Dich vergesse ich niemals nicht

Dandy und Co. legen der Dame von der Alienregistrierungsbehörde diesmal eine rote Box vor, deren Inhalt sie vergessen haben. Was sie jedoch noch wissen, ist, dass der darin befindliche Alien sofort jedermanns Erinnerungen auslöscht. Doch ohne vorzeigbaren seltenen Alien gibt es keine Belohnung – das hätten sich die drei eigentlich denken können. Entgegen ihrer Warnungen wird die Box geöffnet und die verbotene Schrift »Geheimnisse des Weltalls für Anfänger« kommt zum Vorschein. Diese führt unsere Crew kurz darauf zum Bibliotheksplaneten Lagado. Doch steht jener derzeit unter Belagerung des Gogol-Imperiums, da Admiral Perry es nicht einsieht, Mahnkosten für ein geliehenes Buch zu begleichen, und stattdessen angeordnet hat, den Planeten lieber gleich zu erobern.

Folge 12: Unbekannter Chamäleonier

Unsere drei Helden haben bei der Registrierungsbehörde mittlerweile den Stempel der Loser vom Dienst. Um zur Abwechslung mal einen ordentlichen Fang zu präsentieren, rät Kontrolleurin Scarlet ihnen, sich auf die Suche nach einem Chamäleonier zu begeben. Und was ist sinnvoller, als einen »Planeten, wo es Chamäleons gibt« anzusteuern!? Durch Zufall gerät ihnen tatsächlich ein Exemplar der gesuchten Alienart in die Hände, mit dem sie allerdings jede Menge Ärger haben. Denn dieser macht sich einen Spaß daraus, das Chaotentrio an der Nase herumzuführen. Als der Chamäleonier schließlich die Gestalt von Dandy annimmt, kann nur noch ein Dandy-Quiz helfen, Original und Fake zu unterscheiden.

Folge 13: Auch Staubsauger haben Gefühle

Dandy ist erfolglos beim Anbaggern, und Meow sucht nun bequemer Weise online nach seiner Traumfrau. Über so viel unnützes Verhalten von Lebewesen kann QT nur den Kopf schütteln – bis er in einem Café sein Herz an eine hinreißende Kaffeemaschine verliert. Den Staubsauger hat es schwer erwischt und als seine Angebetete plötzlich verschwindet, macht er sich auf zu einer Rettungsmission geradewegs zur »Insel der Träume«. Dort wimmelt es von entsorgten Elektrogeräten, die Gefühle entwickelt haben und nun einen vernichtenden Revolutionszug gegen die »Lebewesen« starten wollen. Um einen Krieg zu verhindern, läuft der verliebte QT zur Höchstform auf.

Umsetzung

In der elften Folge machen Dandy und Co. Bekanntschaft mit einer Lebensform, die man auch ganz einfach mit einem gewöhnlichen Gegenstand verwechseln könnte. Das besondere an diesem Alien ist, dass es von der Energie anderer zerrt und sein Opfer für sich »denken lässt«. Konkret bedeutet das: Der Wirt zerbricht sich seinen Kopf, bevor der Parasit das erworbene Wissen einsackt. Wissenschaftler Dr. Gel ist davon wohl am schwersten betroffen. Einer gigantischen Energiequelle auf der Spur, tüftelt er an einer Formel, die dank eines Bugs nicht aufgeht und ihn fast in den Wahnsinn treibt.

Die Suche nach dem sogenannten Pyonium spielt in der Serie übrigens immer wieder eine Rolle, auch wenn dies eher neben den einzelnen Geschichten stattfindet. Somit lässt sich nun tatsächlich ein hauchdünner Faden erkennen, welcher sich durch die gesamte Geschichte zieht, die Verfolgung Dandys durch das Gogol-Imperium erklärt und auf ein Ende hinsteuert – das uns aber erst in Volume 8 erwartet.

Speziell bei dieser Folge möchte ich noch das besondere Design des Settings, sprich des Bibliotheksplaneten, hervorheben. Der Ort sieht aus, als wäre er mit schwarzer Kreide oder Kohlestiften gezeichnet und schraffiert worden. Überaus eindrucks- genaugenommen kunstvoll dominiert der starke Kontrast von Licht und Schatten die großen, alten Räumlichkeiten. Teilweise wurden die Hintergründe nur sehr grob strukturiert und marginal angedeutet. Dandy und seine Freunde bewegen sich an diesem Ort der Stille genauso animiert wie immer, jedoch mit deutlich ungesättigteren Farben.

Folge 12 fiel dagegen wieder durchweg albern aus. Das Dandy-Quiz bildete für mich den Höhepunkt. Die Verwandlungskünste des Chamäleoniers sind stets unterhaltsam, wobei sie für das Alien doch einen bitteren Nachgeschmack haben: Immerzu nur andere zu imitieren, birgt die Gefahr zu vergessen, wer man selbst eigentlich ist. Zum Schluss hinterfragt der Off-Sprecher sogar die Identität des Zuschauers und versucht, ihn gänzlich über sich selbst zu verunsichern. Wer mag, denkt vielleicht wirklich noch kurz darüber nach, ob er tatsächlich derjenige ist, für den er sich hält, und ob man es überhaupt realisieren könnte, wenn dem nicht so wäre – oder man geht einfach zur nächsten Episode über.

Und diese kommt mit einem häufig aufgegriffenen, heiklen Thema aus dem Bereich der Science Fiction daher: der künstlichen Intelligenz. In Folge 13 dreht sich nämlich alles um das alte Robotermodell QT und diverse entsorgte Maschinen, denen die Ausbildung von realen Gefühlen zum Verhängnis wurde. Eine Maschine solle ihren Zweck erfüllen, arbeiten und funktionieren. Emotionen seien dabei hinderlich. Das von Menschen konstruierte »Gerät« hat demnach unter den Folgen seiner entwickelten Persönlichkeit zu leiden und kann nur so weit existieren, wie es die Herrschaft der Menschen zulässt. Und wo kämen wir denn auch hin, wenn unser Smartphone zum Beispiel aus Liebeskummer seinen Dienst verweigern würde? Aber nein, ich muss wirklich zugeben, dass mich diese Folge auf den letzten Metern noch sehr berührt hat; vor allem vom finalen Kampf in Verbindung mit dem traurigen Lied »I should be« war ich überaus ergriffen.

Disc

Auf Volume 4 von Space Dandy finden wir die Episoden 11 bis 13 vor, womit die erste Hälfte der Serie abgeschlossen ist. Es wundert mich, dass das Opening mal deutsch und mal japanisch untertitelt ist – keine Seltenheit bei Kazé. Das stört mich persönlich jedoch nicht, da ich dann zum einen die Gelegenheit habe mitzusingen (oder es zumindest mal versuche »namida, namida sou nanda!«) und zum anderen die Übersetzung geliefert bekomme.

Bei den Sprechern sind mir keine qualitativen Unterschiede aufgefallen und ich kann die Auswahl der individuellen, sehr markanten wie auch charakteristischen Stimmen nur loben – im Deutschen und Japanischen. Was die Optik sowie die technischen Details angeht, müsste ich mich wiederholen, weshalb ich an dieser Stelle auf vorherige Rezensionen und die Detailbox verweise. Ebenfalls auf der Disc finden wir eine neue Image Gallery und die Trailer zu Kazés Lizenztiteln Ame & Yuki – die Wolsfkinder, Das Mädchen, das durch die Zeit sprang, Die Reise nach AgarthaChildren Who Chase Lost Voices sowie Summer Wars.

Verpackung & Bonus

Die vierte Amaray komplettiert die Box der ersten Staffel, welche es zusammen mit Volume 1 zu erwerben gab. Das melancholische Cover steht im Widerspruch zu den vorherigen Disco-Action-Adventure-Abbildungen, zeigt aber, was die Folgen schon lange bewiesen haben: dass die Serie auch mal nachdenklich sein kann.

Die Szenerie zeigt Dandy, Meow sowie Schlüsselanhänger-QT im Regen an einem Treppengeländer lehnend und mit Gitarren im Gepäck. Auf der Rückseite sehen wir eine durchnässte Honey, die einen leicht traurigen Eindruck macht. Auf die Story dazu habe ich mich sofort gefreut; leider gibt es sie gar nicht. Der Disc liegt wieder ein Booklet bei, welches ein Interview mit Designer Shingo Takeba und die Bug-verseuchte Formel aus Folge 11 enthält.

Fazit

Auch Space Dandy Volume 4 hat mich wieder gut unterhalten. Vom Schrägen bis zum Tiefsinnigen war wieder vieles dabei. Amüsant fand ich es, dass die junge Oberbibliothekarin ein Fan von Schundromanen zu sein scheint. Doch leider muss ich feststellen, dass Dandy etwas passiv geworden ist – war zumindest mein Eindruck. Und obwohl die Folgen wieder alle gelungen sind, bleiben sie mir nicht so eindringlich im Gedächtnis wie die bisherigen, was aber auch mit einer allmählich eintretenden Dandy-Müdigkeit meinerseits zu tun haben könnte. Der Wow-Effekt blieb bei mir diesmal aus. Trotzdem kann ich die DVD empfehlen, werde die ersten Folgen aber sicher noch öfter suchten als diese hier. 😉

Wir bedanken uns wie immer recht herzlich bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Space Dandy, Volume 4.

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