Special – Mein Weg zum Manga: Iliana

Nachdem bereits einige meiner Mitredakteure eine Reise in ihre Vergangenheit antraten, habe auch ich mal ein wenig in meinem Gedächtnis gewühlt, wie das bei mir denn damals so war.

Wie wahrscheinlich einige meiner Altersklasse, bin ich über den Sailor Moon Anime auf RTL 2 zum ersten Mal so in die Richtung Anime/Manga gestoßen worden. Von Anfang an war ich sowohl von der Story als auch der zeichnerischen Umsetzung fasziniert. Endlich gab es mal eine längere Serie mit zusammenhängender Handlung, nicht nur immer diese kurzen Trickfilm-Storys, die nach 20 Minuten, natürlich mit Happy-End, ausgelutscht sind.

Irgendwann bin ich dann beim Einkaufe zufällig über meinen ersten Sailor Moon Manga gestolpert. Es war der vierzehnte, mit den vier Outer Senshis drauf, das weiß ich noch wie heute. Gleichzeitig zum Anime gab es bei uns ja auch das Sailor Moon Magazin, wovon ich natürlich ebenfalls die Finger nicht lassen konnte. Vor allem weil es so ziemlich das Einzige war, wo ich rangekommen bin. Ich habe damals noch in einem kleinen Dorf gelebt, deren einzige Einkaufsmöglichkeit in einem kleinen Konsum bestand, dessen Angebot allerdings mehr auf die einheimischen Rentner und Klatschtanten ausgelegt war, als auf Neu-Manga-Infizierte. Da wohne ich heute noch und ob ihr es glaubt oder nicht, das Zeitschriftenregal hat sich inhaltstechnisch in den letzten 15 Jahren kaum verändert, nur dass das Sailor Moon Magazin halt irgendwann eingestellt wurde.

Jedenfalls war das Magazin erst mal meine einzige Informationsquelle. Das Internet war damals noch dieses seltsame Ding, mit dem keiner so richtig was anfangen konnte. Es hieß zwar, dass damit wohl ziemlich coole Sachen möglich waren, aber was genau, war damals noch ein Buch mit drei wasserdichten Siegeln.

Allerdings war das Magazin gar nicht mal so schlecht, was die Erweiterung meines persönlichen Manga-Horizonts anging. Dort fand ich die Werbung für Manga wie  Kamikaze Kaito Jeanne von Arina Tanemura und The Cherry Project, welches ebenfalls von Naoko Takeuchi gezeichnet wurde. Damit bin ich dann so richtig süchtig geworden. Jeanne sowie Cherry Project waren dann auch die ersten Serien, die ich mir vollständig zulegte. Ich liebe die Geschichte von Jeanne und auch die Zeichnungen sind immer noch superschön, Arina Tanemura halt. Auch wenn die Bände inzwischen ziemlich abgegriffen sind, lese ich den Manga immer noch sehr gern, auch wenn ich die Dialoge inzwischen auswendig kann. Das Cherry Project ist zwar nicht an die Bekanntheit von Sailor Moon herangekommen, trotzdem ist es einer meiner Favoriten geblieben. Die eingebaute Werbung für Sailor Moon am Rand mit den Sailor-Chibis ist immer noch zu niedlich.

Meiner neu entdeckten Sucht Futter zu geben, stellte zu jener Zeit für mich allerdings eine finanzielle und logistische Herausforderung dar. Zum einen floss das Taschengeld bei mir nicht so üppig, zum anderen war der nächste potentielle Manga-Dealer eine halbe Autostunde weit entfernt. Was also machen, als fahrunfähige Dorf-Pommeranze, mit eher eingeschränktem Budget. Mein Plan damals, bei den Nachbarn, alles nette ältere Leute, im Haushalt helfen und die Eltern so lang nerven, bis einer mit mir fährt. Hat seltsamerweise sogar ganz gut geklappt, auch wenn die mich damals für bescheuert gehalten haben. Halten sie zwar heute teilweise auch noch, aber was soll´s, ich habe mich inzwischen dran gewöhnt. Und mal ehrlich, es gibt Leute mit schlimmeren Macken.

Inzwischen sorgen Amazon und mein Arbeitsplatz in Berlin für einen stetigen Nachschub an Lesefutter. Des Weiteren kümmern sich auch die Verlage darum, dass meine Faszination nicht verloren geht. Während ich anfangs die typische Shojo-Leserin war, ist mein Interesse heute weiter gefächert. Ja ich stehe auch immer noch auf Hellsing, die Figuren sind so herrlich schräg. Sowas mag ich total. So ziemlich jeder Manga, der gut gezeichnet ist, und eine interessante Geschichte vorweisen kann, landet in meiner Sammlung. Inzwischen lese ich auch Serien wie The Breaker oder Samurai Drive sehr gern. Bloß muss ich langsam anfangen anzubauen, meine Regale sind einfach inzwischen so voll, dass da viel nicht mehr geht.

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