Special: Mein Weg zum Manga – Nelli Libelli

Weiter geht es mit unserer Redakteursreihe, diesmal über Nellis Begegnung und Jugend mit Manga.

Heute erzähle ich (1990er Jahrgang) euch, wie meine Anfänge in der Mangaszene aussahen. Wie so viele kam auch ich zuerst mit Animes in Berührung. Allerdings war es meine sechs Jahre ältere Schwester Corny, die mich mit der Leidenschaft ansteckte und 1997/98 die AnimaniA für uns »entdeckte«. Darüber wurden wir auf den Manga zu Sailor Moon aufmerksam, der kurz darauf bei Egmont Manga startete. Bereits in den Anime verliebt, waren wir also neugierig!*-*

Mein Taschengeld fiel damals noch marginal aus und deshalb konnte ich anfangs nur Cornys Mangas (u. a. Sailor Moon, Ranma 1/2, Neon Genesis Evangelion und Oh! My Goddess) lesen – ach was, eigentlich durften meine Kinderhände sie damals noch gar nicht berühren. Weil die Bände ja wie Schätze gehütet werden mussten, las mir Corny daraus vor xD.

Card Captor Sakura Vol. 1 © 1997 CLAMP / Kodansha Ltd., Tokyo. © Egmont Manga & Anime Europe GmbH, Stuttgart 2000

Schließlich schwatzte sie mir dann 2000 Card Captor Sakura auf und überredete unsere Mutter dazu, mir den ersten Band zu kaufen. Den zweiten ließ ich mir von einer Freundin schenken – beim Weihnachtswichteln in der Schule :P. Während für andere Sailor Moon die Heldin der Kindheit ist, ist es für mich Sakura. Ich ließ mir auch einmal ihre Frisur schneiden, sah dann jedoch wie Angela Merkel aus x’D. Eine schlimme Erfahrung! Irgendwann kaufte ich meiner Schwester u. a. Ranma 1/2 ab und wir begannen zusammen Einkaufslisten zu erstellen, in denen wir unser Taschengeld auf die monatlichen Publikationen verplanten, und versuchten, den Zeichenstil verschiedener Serien (bspw. Sailor Moon, Chobits, Kamikaze Kaito Jeanne, xxxHolic) nachzuahmen.*-*

Meine Leidenschaft für Mangas habe ich heimlich ausgelebt, weil ich zu ängstlich war, gegen meinen Vater aufzumucken. Ich hätte meine Errungenschaften gerne mega stolz in den Schränken aufgestellt, aber weil unser Vater gegen die Figuren mit den großen Augen war, schloss ich sie in einem Fach meines Schreibtisches weg. Als ich eines Tages alle 38 Bände von Ranma 1/2 besaß, stellte ich sie dann doch blauäugig in einem meiner Kinderschränke auf. Was passierte: Mein Vater fragte, wie viel ein einzelner Manga kostet, und verlangte, dass ich sie auf der Stelle loswerde. Daraufhin versteckte ich sie wieder.

Ranma 1/2 © Sumikai

Ich erinnere mich auch noch gut, wie ich mit 14 Jahren die ersten vier Bände von Chobits im Thalia erstehen wollte, mich die Verkäuferin jedoch abblitzen ließ, da der Manga damals noch ab 16 Jahren verkauft wurde. Von da an habe ich lieber meine Mangas aus Comicläden bezogen ;).

Unsere Manga-Anlaufstelle in Cottbus war das Dragon’s Nest mit den netten Verkäufern Roman und Alex, bevor daraus dann das Komori wurde, welches schließlich aber mitsamt seinem Inhaber aus der Stadt (nach Bayern?) verschwand. Von da an, könnte man vermuten, hielt mich nichts mehr dort xD. Nein, ich bin zum Studieren nach Leipzig gezogen und hier bestens versorgt mit Comic Combo und City Comics. Und nun habe ich meinen eigenen Mangaschrein … äh -schrank (mit einem »Schmuddelfach«) und präsentiere offen, was immer ich will!

Eiji aus Bakuman. © Sumikai

Warum mich die schwarz-weißen Comics aus Japan so faszinieren und nicht mehr loslassen? Klar, ich finde auch die farbigen Illustrationen wunderschön, aber mir gefallen besonders diese reduzierten Zeichnungen und die simple Art und Weise, mit der z. B. Gags rübergebracht werden. Die Figuren werden mit einfachen Mitteln so wahnsinnig ausdrucksstark und dynamisch gezeichnet. Komplett farbige Comics wirken auf mich i. d. R. zu überladen (und sind außerdem teurer xD). Ich liebe auch die vielfältigen Charaktere mit ihren (charmanten) Eigenarten. Doch das wichtigste sind für mich die Story und die Erzählweise. Ich behaupte, dass Mangas überaus lehrreich sind. Nein, eigentlich habe ich das sogar schon in meiner Bachelorarbeit zum Identifikationspotenzial von Manga- und Animefiguren empirisch nachgewiesen ;).

Nika aus Switch Girl!! © Sumikai

Die Geschichten warten mit Geschehnissen auf, die der eine mehr, der andere weniger aus seinem eigenen Leben kennt: Schulstress, die erste Liebe, wunderbare Freundschaften, Streitigkeiten, Mobbing, Probleme in der Familie, Erfahrungen mit dem Tod. Dabei bilden die Charaktere für den Leser Identifikationsfiguren, mit denen man aufwächst, die ähnliche Macken, Ängste oder Komplexe haben, zum Teil über sich hinauswachsen, zum Vorbild werden und einen selbst ermutigen. Warum wohl sind Bunny Tsukino/Sailor Moon, Naruto und Maron Kusakabe/Kamikaze Kaito Jeanne so beliebt? (Ich bin zu, sagen wir, 60 % ein Switch Girl wie Nika!)

So viel zu meinem Otaku-Weg rein zum Bereich Manga. Das Kapitel Anime mit u. a. VHS-Aufnahmen, Abpausen vom Fernsehr und der Entdeckung von Merchandise auf Ebay – es ist so verdammt praktisch eine ältere Schwester zu haben – ist eine andere Geschichte :D.