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»Tokyo Ghoul« Band 5 – Manga-Test

Seit 15. Januar geht mit dem fünften Band auch dieses Jahr Sui Ishidas Hit-Manga Tokyo Ghoul auf Deutsch weiter. Die meisten Fans haben sicherlich schon sehnlichst darauf gewartet, schließlich hat der Zeichner zuletzt einen neuen Handlungsabschnitt begonnen und uns den »Gourmet« Shu Tsukiyama vorgestellt. Gleichzeitig lernten wir durch den Ghul Nishiki und seine menschliche Freundin Kimi, dass eine Liebesbeziehung trotz der Widersprüche möglich ist. Im Gegensatz dazu gibt es unter den Menschenfressern durchaus Kannibalismus. Das verspürte Ken um Haaresbreite fast am eigenen Leib. Doch auch wenn er noch gerade so von der Speisekarte des Ghul-Restaurants springen konnte, muss Ken wachsam bleiben. Der Gourmet sieht nämlich im Mischling aus Mensch und Ghul eine wahre Delikatesse.

Nishikis Zustand verschlimmert sich stetig. Kimi sucht Rat bei Ken, der ihr Hilfe verspricht. Kurz darauf wird sie jedoch von Shu entführt, und Ken erhält eine mehr als eindeutige Einladung. Kimi schwebt in Lebensgefahr. Auch wenn Shu es auf Ken abgesehen hat, geht dieser auf den Köder ein, bleibt aber nicht ohne Begleitung. Nishiki schließt sich ihm trotz miserabler körperlicher Verfassung an.

Als Treffpunkt hat sich Shu für eine Kirche entschieden. Kimi liegt bewusstlos auf dem Altar. In Shus perverser Vorstellung soll Ken die junge Frau fressen, während er selbst vom Fleisch des Antik-Kellners kostet. Ein Kampf entbrennt zwischen den drei Männern, bei dem der Gourmet anfangs leichtes Spiel hat. Doch dann taucht noch jemand am Schauplatz auf, der das Blatt wenden könnte.

Thematisch knüpft die Story nahtlos an den vorigen Band an, auch wenn man sich zu Beginn erst einmal hineinfinden muss. Shu hat zwar im vierten Volume Ken letztendlich das Leben gerettet, doch auch nur weil er feststellen musste, dass es sich bei seiner Beute um einen einäugigen Ghul handelt – eine Seltenheit, die der »Delikatessenjäger« mit niemandem sonst teilen möchte. Aber warum ließ Shu Ken danach einfach von dannen ziehen? Selbst wenn der Gourmet für sein »Dinner« gewisse »Vorbereitungen« treffen musste, wäre es meiner Ansicht nach klüger gewesen, Ken bis dahin irgendwo gefangen zu halten, anstatt auf so ein Risiko zu setzen. Ken hätte sich schließlich verstecken oder anderweitig Schutz suchen können. Andererseits besitzt Shu ein sehr überhebliches, von sich überzeugtes Wesen, sodass er aus solch waghalsigen Plänen, die am Ende dennoch problemlos aufgehen, zusätzliches Vergnügen schöpft. Dieser holprige Anschlussfehler sei verziehen.

Im letzten Handlungsbogen rund um Hinami sowie die Ermittler brachte Sui Ishida uns Lesern den Zwist zwischen den Ghulen und Menschen näher. Dieses Konfliktpotential ruht momentan, obwohl sich im Hintergrund eine Bedrohung – für beide Seiten – zusammenbrodelt. Vielmehr erweitert der Mangaka das Universum um neue Aspekte: Kannibalismus, Beziehung mit einem Menschen sowie Kens Sonderstellung als einäugiger Ghul und den damit verbundenen Unterschieden zu den anderen. Das Verhältnis zwischen Nishiki und Kimi ist dabei in mehrerlei Hinsicht interessant zu beobachten. Sui Ishida verdeutlicht schnell, dass es sich hier um eine große Liebe mit tiefer, ehrlicher Zuneigung dreht. Ein Rückblick erklärt, wie es dazu kam. Nishiki wird dadurch auch von einer vollkommen anderen Seite beleuchtet. Bei seinem ersten Auftritt wollte er noch Kens Freund Hide fressen und den Protagonisten töten (siehe Band 1). Seitdem hat Nishiki eine 180-Grad-Wendung erlebt und wohl endgültig sein Label als Bösewicht verloren – eine sehr begrüßenswerte Entwicklung, wie ich finde.

Die Rolle des Schurken verleibt sich dagegen momentan Shu komplett ein und macht darin eine gute Figur. Im fünften Band dominiert der Kampf unter den Ghulen, welcher länger als das Gefecht gegen die Ermittler im dritten Teil ausfällt. Zudem konzentriert sich die Handlung auf einen Schauplatz statt zwei. Leser müssen sich auf viel Gewalt und Blut einstellen. Ishida setzt die einzelnen Figuren sowie ihre Emotionen spannungsvoll in Szene. Man merkt, dass Shu ein erfahrener, sogar überlegener Kämpfer ist. Es tun sich Ähnlichkeiten zu Mado auf, welcher es ebenfalls mit zwei Ghulen aufnehmen musste. Der Ermittler blickte auf jahrelange Erfahrung zurück, aber wurde gleichzeitig von seiner geradezu wahnsinnigen Faszination für Ghule daran gehindert, die Lage richtig zu sondieren und seine Gegner ernst zu nehmen. Auch Shu spielt mit den offensichtlich schwächeren Kontrahenten, um seinen vermeintlichen Triumph vorzeitig auszukosten, bevor der Gourmet die gejagte und eingefangene Delikatesse verspeisen möchte.

Zeichnerisch bietet Sui Ishida bei den Kampfszenen großes Kino. Der Wille, nicht verlieren zu wollen, steht auf beiden Seiten ins Gesicht geschrieben. Die jeweilige Motivation dafür geht klar und deutlich aus dem Verhalten hervor. Extreme Situationen erfordern dementsprechende Handlungen. Besonders gut gefallen mir die überkochenden Emotionen, die von untrennbaren Verbindungen bis hin zu wahnsinnigen Perversionen getrieben werden. Diese bringt Sui Ishida auf den Punkt. Andererseits gibt es noch immer das gewohnte Problem bei den Proportionen, welches wir schon aus den früheren Bänden kennen und sich sicherlich noch durch den Rest der Reihe ziehen wird. Der Schwachpunkt beeinflusst das Lesevergnügen zum Glück aber kaum. Auf dem Cover ist übrigens mit Liz – ohne Brille – ein Tokyo Ghoul-Charakter der ersten Stunde zu sehen, der trotz seines Ablebens immer noch eine wichtige Rolle fürs Geschehen spielt.

Der vierte Band brachte gegen Ende hin mit Kens beinahe stattgefundener Tötung im Ghul-Restaurant bereits einen ersten spannungsvollen Höhepunkt in den neuen Handlungsbogen ein. Das fünfte Volume startet dagegen von Anfang an auf einem hohen, actionreichen Level und hält dieses im Wesentlichen bis zum Schluss. Neue Informationen bringen Licht in die Vergangenheit und lassen die Konturen der Zukunft vage in einem verschwommenen Nebel aus Fragezeichen erahnen. Neugierde, wie es hierzulande ab 5. März 2015 weitergehen mag, wird definitiv hervorgerufen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Tokyo Ghoul, Band 5.

Details

Titel: Tokyo Ghoul, Band 5
Originaltitel: トーキョーグール (Tokyo Ghoul), Vol. 5
Mangaka: Sui Ishida
Erscheinungsjahr: 2012 (JP), 2015 (DE)
Verlag: Shueisha (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Dark Fantasy, Drama, Horror, Action, Seinen, Psycho, Supernatural
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889212092&chan=animey&asin=2889212092]

TOKYO GHOUL © 2011 Sui Ishida, SHUEISHA Inc., Tokyo
© 2015 VIZ Media Switzerland SA

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