Sumikai Picks: Serien, die sich wie Kaugummi ziehen

Das heutige Sumikai Picks ist frustgeladen! Denn manche Serien treiben uns schier in den Wahnsinn – genauso wie zu lang gekauter, zäher, langweiliger Kaugummi.

Wir präsentieren euch daher unsere längsten Albträume, die in knapperer Fassung eigentlich so gut hätten sein können. Bei unserer Listung spielt die Reihenfolge der Beiträge keine Rolle.

Nelli würde gern 50 Bände an reinen Filler-Storys in Detektiv Conan streichen
Meitantei Conan 88 © 2015 Aoyama Gosho / Shogakukan Inc.

Ursprünglich sollte die Serie um den wohl bekanntesten Meisterdetektiv der Anime- und Mangawelt gar nicht so endlos lang ausfallen. Edogawa Conan alias Kudo Shinichi ist seit Band 1 auf der Suche nach den Mitgliedern der Schwarzen Organisation, die ihn mithilfe einer Droge töten wollten, ihn stattdessen aber geschrumpft haben. Eigentlich ist es nur realistisch, dass Conan die Bösewichte nicht schon nach ein paar Bänden schnappt und diese vielleicht auch erst nach Jahren wieder aufspürt – aber deshalb sollen die Leser 88 Bände (derzeit in Japan) und mehr ausharren?

Klar gibt es zwischendurch auch immer mal wieder Geschehnisse und neue Charaktere, die die Handlung vorantreiben. Und für mich ist es jedes mal ein Highlight gewesen, wenn Conan für kurze Zeit wieder in den Körper des Oberschülers Shinichi schlüpfen durfte. Aber diese ganzen Filler-Folgen (vor allem um die Detective Boys) sind mittlerweile so gääähnend langweilig und einfach nur noch nervtötend. Wenn Conan z. B. wenigstens über die Zeit hinweg mal etwas wachsen würde oder zumindest seine Spielkameraden, die ja schließlich nicht unter dem Einfluss des Medikaments stehen. Auch dass die Moris und Conan permanent in Morde involviert werden, ist einfach nur unrealistisch.

Bitte, Aoyama-sensei, erlöse uns endlich! Lass Conan das Oberhaupt der Männer in Schwarz stellen und wieder groß werden. Wenn die im Netz kursierenden Gerüchte stimmen, dass der geheimnisvolle Anführer Anokata in Wahrheit einer der Moris sein soll (wenn nicht gar Ran), dann sei es so und wir hätten ein würdiges Ende. Aber bitte komm endlich zum Schluss!

Fallenshadow gab bei Inu Yasha beinahe auf
Inu Yasha New Edition © 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH

Um eines sofort vorwegzunehmen: Ich liebe Inu Yasha. Mangaka Takahashi Rumiko hat sich da ein wundervolles Setting mit dem japanischen Mittelalter voller Dämonen, das durch einen mysteriösen Brunnen mit der modernen Gegenwart verknüpft ist, einfallen lassen. Die Charaktere wachsen einem schnell ans Herz und haben mir besonders in ihrer Anime-Version schöne Stunden meiner Kindheit beschert. Sei es der titelgebende Halbdämon Inu Yasha, der durch das Juwel der vier Seelen endlich ein vollwertiger Dämon werden möchte, Protagonistin Kagome, welche als Reinkarnation der mächtigen Priesterin Kikyo erst einmal in ihre plötzlich übertragene Position hineinwachsen muss, der freche Fuchs-Dämon Shippo, der verfluchte Mönch Miroku mit den Grapschhänden oder die coole Dämonenjägerin Sango, die so viel Leid ertragen musste – sie bleiben in Erinnerung. Mit den immer wiederkehrenden Nebencharakteren wie Inu Yashas Bruder Sesshomaru, der alten Kaede, Wolfsdämon Koga oder Kagomes ulkiger Großvater möchte ich erst gar nicht anfangen.

Das alles ändert aber nichts daran, dass sich Inu Yasha streckenweise gewaltig zieht. Dies liegt dabei weniger an der simplen Grundstory: Kagome macht das Juwel der vier Seelen kaputt, und die Splitter verteilen sich über das ganze Land. Unseren Helden fällt die Aufgabe zu, die Einzelteile zurückzuerlangen. Das Hauptproblem liegt am bald auftauchenden Oberbösewicht Naraku, der seine düsteren Verbindungen zu den meisten Hauptcharakteren aufweist. Andauernd kommt er den Helden in die Quere, und diese wiederum jagen ihm nach, während Naraku gleichzeitig einen seiner dämonischen Abkömmlinge nach dem anderen auf die Truppe hetzt. Alle haben sie ihre besonderen Fähigkeiten, mit denen Kagome, Inu Yasha und Co. zurechtkommen müssen. Schlimmstenfalls gibt es eben für Inu Yashas Schwert Tessaiga – ein regelrechter Mary-Sue-Gegenstand – ein kleines Upgrade, mit dem Inu Yasha noch eindrucksvollere Angriffe ausüben kann. Yeah … oder nein, doch nicht. Bei so einem repetitiven Muster ist man erleichtert, wenn man mit Band 56 endlich das Finale in Händen hält.

Mangakanias Kaugummi heißt Naruto
Naruto © 2014 Masashi Kishimoto / Shueisha © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2016

Den riesen Wirbel, den Naruto verursacht hat inklusive dem Aufleben des Ninja-Hypes kann man eigentlich sehr gut nachvollziehen. Die ersten Bände sind fesselnd, lustig, mitreißend und einfach herrlich abwechslungsreich. Doch mit jedem weiteren »unbesiegbaren« Gegner Narutos und jedem weiteren Zurückweichen Sasukes (aus absolut unerklärlichen Gründen, wie sich letztlich herausstellt) wird die Begeisterung immer lascher. Auch die andauernden pornografischen Gags, die sich bis zum historisch interessanten Endkampf durchziehen, verstumpfen immer mehr. Daher freue ich mich wirklich wie ein Kleinkind an Weihnachten auf das Ende der Naruto-Hauptgeschichte in ein paar Monaten, wenngleich noch viele Sequels und Prequels sowie Extras und Kurzgeschichten folgen werden …

Nelli kann die Massenproduktion Pokémon nicht mehr sehen
© 1995 – 2016 Pokémon

Ich glaub’s ja nicht: Pokémon hat inwischen über 900 Folgen, zählt man alle 19 (!) Staffeln seit 1997 zusammen. Ich habe schon bei knapp über 100 aufgehört, den Anime zu verfolgen. Die neuen Pokémon nach den ersten 151 (die ich früher mal wie jeder Fan alle auswendig konnte) haben mich nicht mehr interessiert und nachdem Ash selbst eigentlich keine der sagenumwobenen, richtig coolen Arten fangen konnte, habe ich auch resigniert. Als Zuschauer will man doch auch mal mehr von den Vertretern, die man nur in den Filmen bestaunen kann, sehen.

Eine Entwicklung konnte ich ebenfalls nicht ausmachen. Immer wieder dieselbe Leier: Unsere Helden besuchen eine neue Stadt, finden wieder eine Polizistin Rocky sowie eine Krankenschwester Joy aus der unmenschlich großen Brutstätte der Rocky- und Joy-Familien vor und müssen sich erneut mit dem lächerlichen Schurkentrio des Team Rockets rumschlagen. Die Animeserie ist zu einer Massenproduktion verkommen, bei der nur gelegentlich die Charaktere und Pokémon erneuert werden.

Was mich neben der fehlendenden Entwicklung der Story und Charaktere auch noch frustriert, ist, dass einfach kein Ende in Sicht ist. Anfangs war es noch das Ziel, der allerbeste Pokémon-Trainer zu werden – die Serie basiert ja auch auf den seit 1996 veröffentlichten Videospielen. Aber die Trainer sind in dieser Welt anscheinend ihr Leben lang auf Reisen, ohne vielleicht mal zur Schule zu gehen oder einen richtigen Beruf zu lernen und um Tiere gegeneinander kämpfen zu lassen. Schließlich spielt das ganze ja in der realen Welt, nicht so wie z. B. Digimon. Damit will ich sagen, dass der Anime selbst mit geringerer Folgenanzahl völlig daneben wäre. David Fülekis böse Parodie auf das Fangen von Pokémon (zu finden in seinem Manga 78 Tage auf der Straße des Hasses 1) finde ich übrigens sehr passend.

Gina meint, Bleach hätte kürzer sein können
Bleach © Kubo Tite/Shueisha Inc.

Kubo Tites Bleach gehörte Jahre lang zu meinen Top Favoriten im Shonen-Bereich. Mit Aizen Sosuke als »Hauptfeind« war die Bleach-Welt noch irgendwo in Ordnung. Mittlerweile verrennt sich der Mangaka jedoch mit all seinen neu integrierten Charakteren und den Dauerauseinandersetzungen im finalen Storyabschnitt. Der Plot lässt leider seit Band 49 immer mehr ab.

Deshalb sehne ich mich nach einem baldigen, würdevollen Abschluss – besonders der »finale Arc« zieht sich einfach zu sehr in die Länge.

Grim kann nicht die anfänglich Hürde von Katekyo Hitman Reborn überwinden

Manche Serien ziehen sich unnötig in die Länge und manche wiederum brauchen viel zu lange, bis sie endlich in Fahrt kommen. Zu Letzterem gehört für mich definitv Katekyo Hitman Reborn. Gerade beim Einstieg habe ich mich unglaublich schwer getan, mit den Figuren warm zu werden. Vor allem Tsuna, der zu der Sorte Protagonisten gehört, um die sich alles dreht und denen alles wie aus dem Nichts zufliegt, obwohl er selbst eher ein wehleidiger und zurückhaltender Teenager ist, der mit alledem eigentlich nichts am Hut haben wollte.

© AKIRA AMANO/SHUEISHA, TV TOKYO, REBORN! PRODUCTION COMMITTEE

Das Geschehen in den ersten Episoden wirkt dann so belanglos und die Running Gags nutzen sich in Windeseile ab. Da bringt es mir nichts, wenn man mich hinhält: »Warte, bis noch jener Charakter auftaucht oder bis jener Handlungsstrang beginnt.« Letztlich ist der Einstieg so zäh und was mich noch dazu abgeschreckt hat, ist allein die Vorstellung, dass Tsuna auch nach hunderten Episoden immer noch derselbe Charaktertypus bleibt, egal was für coole Techniken er inzwischen lernt, wie Badass Tsuna auf den Covern dargestellt wird oder was für einen Status der Junge in der Mafiosi-Riege noch erreichen mag.

Juu meint, dass xx me! auch deutlich kürzer sein könnte
© Kodansha Ltd.

Jeder kennt diese sogenannten Shojo-Manga, die einfach nicht enden wollen. Ob es nun Perfect Girl mit sage und schreibe 36 Bänden ist oder xx me! mit 19 Ausgaben – eins haben sie alle gemeinsam. Sie ziehen sich in die Länge.

Immer und immer wieder geht es um dasselbe und die Storyline dreht sich im Kreis. xx me! schafft es auf erstaunliche Weise, eine gute Grundgeschichte in ein langweiliges Fünf-Ecks-Beziehungs-Drama zu verwandeln. Eigentlich geht es um Yukina, die ihrem Klassenkameraden Shigure immer neue Missionen gibt, um die Liebe kennenzulernen. Freiweillig macht er das sicherlich nicht. So weit so gut, doch nun kommen viele neue, unnötige Liebesrivalen hinzu. Meiner Meinung nach hat Toyama Ema sich damit keinen Gefallen getan. Gott sei Dank endet die Serie bald in Deutschland! Trotz der doch recht kurzen Bandzahl zieht sich der Manga lang wie Kaugummi.

Nelli hat frühzeitig die Lust an Dragon Ball verloren
Dragon Ball © 1984 Toriyama Akira / Shueisha © Carlsen Comics 1997

Bis zum Ende des allerersten großen Turniers fand ich Dragon Ball super. Ich liebte den Zeichenstil und den naiven herzensguten Protagonisten sowie die Nebenfiguren (insbesondere den Herrn der Schildkröten). Außerdem gefiel mir die Mischung aus Kampfaction, Alltagsszenen und der Suche nach den Dragon Balls. Auch das Geheimnis um Son Gokus Herkunft interessierte mich, weshalb ich dann wieder besonders gespannt die Folgen ab der Z-Staffel rundum die Saiya-jins verfolgte. Aber was mit einer tollen Reise und den Dragon Balls begann, mündete immer mehr in ein reines Spektakel des Kräftemessens und zig Stärkelevels.

Es wundert mich daher nicht, dass die Serie in der deutschen Presse wie auch der Medienforschung so gern als Negativbeispiel für Gewalt in Animes genannt und untersucht wird. Im neuesten Film Dragon Ball Z: Kampf der Götter geht es Son Goku und Beerus, dem Gott der Zerstörung, tatsächlich nur noch darum herauszufinden, wer der Stärkere von ihnen ist. Wenn unser Held dann bspw. bei seinem Training »aus Versehen« den Mini-Planeten von Meister Kaio fast zerstört, heißt es nur: »Huch, hahaha, sorry, das war nicht meine Absicht!« Bei Dragon Ball definiert man »Stärke« halt anscheinend nur noch über Energielevel und Zerstörungskraft. Und das alles wird wohl ewig so weitergehen, bis Son Goku alle Haarfarben und -längen durch hat. Man kann eine Kuh eben auch zu Tode melken.

Para verlor bei Bastard!! den Faden
Bastard!! © 1988 Hagiwara Kazushi / Shueisha © Carlsen Comics 2000

Die Prämisse von Bastard!! ist im Grunde so simpel wie genial. Vier mächtige Generäle wollen das Heimatland erobern, also wird mittels eines Rituals aus dem kindlich naiven Renren Luzi der uralte, mächtige und ebenso lüsterne wie selbstsüchtige Magier Dark Schneider erweckt. Vor seiner Verbannung hatte dieser selbst mit genau diesen vier Gegenspielern versucht, die Welt zu erobern. Nun stehen sich die ehemaligen Verbündeten als Gegner gegenüber, wovon ein jeder seine eigene persönliche Vergangenheit mit Dark Schneider teilt – sei es als Freund, Schüler oder Geliebte. Die Anspielungen auf zahlreiche Metal- und Rock-Bands wie Metallica, Judas Priest und Deep Purple sowie Darks überhebliches Auftreten geben dem Manga eine düstere Atmosphäre, wobei der schwarze Humor nicht zu kurz kommt.

So weit, so gut.
Doch irgendwann geht es dann in den Kampf gegen die Göttin Anthrax, der jedoch kein Ende zu nehmen scheint. Von da an durchziehen die Bände nur noch Kämpfe, was für sich ja nicht so schlimm wäre. Aber wenn die Handlung plötzlich nur noch aus Gemetzel besteht, ahnt man, dass sowas nicht gut ausgehen kann. So kommen nach und nach ein Dutzend neuer Charaktere mit eigener Agenda, ob Freund oder Feind, hinzu. Zwischendurch werden auch mal die Seiten gewechselt. Wir erfahren jedoch nur wenig über die Hintergründe und Motive der Personen, da diese Szenen durch ständige Kämpfe in den Hintergrund geraten. Auf wessen Seite waren gleich die Engel? Welcher General hat die Seite gewechselt und warum befindet sich Dark Schneider plötzlich in der Hölle im Kampf gegen Satan und dessen Generälen?

Weniger ist eben manchmal mehr.

Nun seid ihr dran: Was ist euer Dauerrenner-Albtraum, von dem ihr eigentlich keinen weiteren Band sehen wollt und euch nur noch ein schönes Ende herbeiwünscht? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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