»Sword Art Online II« Anime-Review

Heiß erwartet von den Fans, wurde in Japan sehr viel Wirbel zum Start der zweiten Staffel von Sword Art Online veranstaltet. Die große Aufmerksamkeit ist nicht verwunderlich, schließlich hat sich um das Franchise weltweit eine riesige, stetig wachsende Fangemeinschaft aufgebaut und dementsprechend kann sich der Erfolg sehen lassen. Der Hype von 2012 ist noch lange nicht abgeflaut und jetzt in diesem Sommer von Neuen entfacht. Und wie es dazugehört, bleibt Sword Art Online weiterhin umstritten. In Deutschland könnt ihr euch die neuen Folgen zeitnah nach japanischer TV-Ausstrahlung im Simulcast-Angebot von peppermint anime anschauen. Zudem gibt es erstmals jeden Freitag die aktuelle Episode als TV-Premiere auf Animax zusehen. Die Fortsetzung adaptiert den sogenannten Phantom Bullet Arc  aus dem fünften und sechsten Band von Reki Kawaharas Light-Novel-Serie. Geläufiger für diesen Handlungsbogen ist der Titel Gun Gale Online, so wie der Name der neuen virtuellen Spielwelt lautet, in die wir diesmal eintauchen.

Knapp ein Jahr ist nach den einschneidenden Erlebnissen in Sword Art Online vergangen und die gefangenen Spieler haben wieder zurück in den normalen Alltag gefunden. Zwar glaubt Kazuto Kirigaya, besser bekannt unter seinem Pseudonym Kirito, die Erfahrungen hinter sich gelassen zu haben, aber seine Leidenschaft für die virtuelle Welt ist nach wie vor nicht abgeklungen. Im Bereich der Entwicklung möchte der Junge bald schon Fuß fassen. Schließlich ist der Markt für die VR-Software aufgeblüht und der Basis von Sword Art Online sind jede Menge weitere Spielewelten entsprungen. Eine davon mit dem Titel Gun Gale Online (kurz GGO) lässt die Gerüchteküche brodeln. So ereignen sich in dem populären VR-Multiplayer-Shooter mysteriöse Vorfälle. Scheinbar soll es einem Spieler möglich gewesen sein, eine andere Person zu erschießen, die daraufhin in der realen Welt tot aufgefunden wurde. Auf seinem Kopf trug die Leiche einen AmuSphere. Doch das neue Gerät, welches das NerveGear ablöste, bedient sich nicht mehr derselben Technologie und sollte den Nutzern daher höchstmögliche Sicherheit bieten. Zumindest hat man sich das bis dato versprochen. Seijiro Kikuoka, ein Regierungsbeauftragter und ehemaligen Mitarbeiter des SAO-Projekts, konfrontiert Kirito mit den unerklärlichen Todesfällen. Er bittet Kirito darum sie bei den Ermittlungen zu unterstützten, denn die Verantwortlichen tappen derzeit im Dunkeln. Ihr einziger Anhaltspunkt ist ein in einen Mantel gehüllter Avatar, der sich unter den Namen Death Gun vorgestellt hat. Auch wenn Kirito anfangs seine Bedenken hat, lässt ihn ein unwohles Gefühl nicht los, ganz so, als ob ihn ein Schatten aus der SAO-Vergangenheit verfolgt. Um sich Gewissheit zu verschaffen, zieht es Kirito erneut in eine fremde Welt.

Der Einstieg in die zweite Staffel von Sword Art Online gestaltet sich nicht so rasant wie vergleichsweise in der ersten Serie. Es wird sich Zeit genommen, das neu aufgeschlagene Kapitel sorgfältig einzuführen. Mir persönlich gefällt es, dass Kirito sich nicht schon wieder Hals über Kopf ins nächste Abenteuer stürzt, sondern zurecht zögert. Wieso sollte er den kursierenden Gerüchten glauben schenken? Und für den unwahrscheinlichen Fall, dass an der Sache doch etwas dran ist, warum sollte Kirito das Risiko eingehen? Zumal der junge Mann die ruhige Zeit mit seiner Freundin Asuna genießt, die in einer idyllischen Szene mit dem Pärchen im Park angeschnitten wird. Schließlich würde Asuna der Gedanke nicht gefallen, dass Kirito sein Leben unnötig aufs Spiel setzt, weshalb er die Vorfälle in GGO ihr gegenüber erst mal verschweigt. Wie wir Kirito kennen, wird ihn die Sache dennoch beschäftigen und es ihn zwangsläufig in die neue Welt verschlagen. Die Neugierde konnte man Kirito in dem Gespräch Herrn Kikuoka anmerken, so wie die Schlussfolgerungen aus ihm heraus sprudelten.

Die Action kommt auch nicht zu kurz. In der zweiten Folge steht ein spannendes Gefecht in Gun Gale Online im Fokus, das auch lang und breit geschildert wird. Hier wird auch die neue Protagonistin Sinon vorgestellt. Miyuki Sawashiro leiht der Heldin hre Stimme, die seit ihren Parade-Rollen als Inaba in Kokoro Connect und Hakaze in Blast of Tempest in der letzten Zeit häufiger zu hören ist. Die erstklassige Scharfschützin hat sich einen Namen in Gun Gale Online gemacht. Durch ihre coole Ausstrahlung und die Fähigkeit, im Gefecht einen kühlen Kopf zu bewahren, erntet Sinon viel Bewunderung unter den Mitspielern. Hoffentlich schafft sie es eine starke Heldenrolle einzunehmen, wo Asuna doch irgendwann innerhalb der ersten Staffel zur Damsel in Distress verkommen ist, wie ich es in meiner Review zum Fairy Dance Arc angebracht habe. Ein interessanter Kontrast besteht in Sinons Persönlichkeit, denn in der Realität mangelt es ihr an Selbstbewusstsein, wie es in der dritten Episode aufgezeigt wird. Das Mädchen hatte sich erhofft mit diesem Alter Ego, welches sie sich in dem Spiel aufgebaut hat, im echten Leben über ihre Ängste hinaus zu wachsen. Ob ihr das bisher gelingt, sei mal dahingestellt. Daneben wäre erfreulich, wenn Kirito auf Sinons Unterstützung angewiesen ist, sodass dieser keine One-Man-Show mehr abziehen muss, wie es gerne der Serie angekreidet wird.

Mehr Bedenken habe ich bei dem Bösewicht Death Gun, der ausgesprochen platt für den Anfang wirkt.  Steckt ein höheres Motiv hinter seinen Taten, als einfach nur seine Macht zu demonstrieren? Vielleicht zieht eine zwielichtige Organisation ihre Fäden im Hintergrund, die damit eine Botschaft hinterlassen möchte. Die Hauptfrage, welche es innerhalb der Serie zu beantworten gilt, lautet: Wie hat der Täter es angestellt, dem anderen Spieler tatsächlich das Leben zu nehmen? Wie konnte sich die virtuelle Welt derart auf die physische Realität auswirken? Immerhin, weil der Tod wieder ein im Schatten lauernder Begleiter ist, könnte wieder die fesselnde Anspannung kreiert werden, die den Anime meiner Meinung nach auszeichnete und in Alfheim Online verloren ging.

Gun Gale Online ist eine Mischung aus einem First-Person-Shooter mit Rollenspiel-Elementen. Jeder Spieler kann nämlich seinen Avatar mit seiner Erfahrung individuell anpassen. Die Statuswerte bestimmen nicht nur die Waffenauswahl, sondern wie die Figur sich bewegt und wie widerstandsfähig sie ist. Hier fällt auch zum ersten Mal das Metagaming ins Gewicht – bei Onlinespielern sollte es klingeln – entsprechend der vorgegebenen Balance von GGO die optimale Linie zu finden, um möglichst effektiv zu sein. Essenziell ist auch, dass die Entscheidung endgültig ist. Eine falsche Wahl führt dazu, dass man eventuell nicht mehr in der oberen Liga mitmischen kann. Denn anders als in den bisherigen MMORPGs wimmelt es in Gun Gale Online nur so von Profispielern. Grund dafür ist die Tatsache, dass virtuelles Geld in reales umgetauscht werden kann und dementsprechend jeder mehr Zeit und Leidenschaft investiert. Wie wird es da Kirito als vollkommener Anfänger ergehen? Ein interessanter Ansatz in der Spielmechanik ist, dass jeder Schütze die Schussbahn des Gegners sehen kann. In dem Gefecht gilt also nicht nur die Treffsicherheit, sondern die Bewegung des Gegenübers zu antizipieren und wiederum den feindlichen Schüssen auszuweichen. Es ist erfreulich, wie viel Taktik in dem Shooter schon so früh zum Tragen kommt. Ihr könnt gespannt darauf sein, welche Dynamik das Ganze entwickelt, wenn Nahkampfwaffen hinzukommen, wie es im Intro angeschnitten wird. Diese Vielfalt könnte auch in bei den Schauplätzen in GGO auftreten, um eventuell das Shooter-Genre in seiner ganzen Breite zu präsentieren. Tauchten zu Beginn Cyberpunk-Merkmale auf, findet man sich in der zweiten Episode in einem ab­ge­schie­denen Ödland wieder, das an eine Postapokalypse erinnert.

Die Aufmachung vom Sword Art Online II kann sich wieder sehen lassen, schließlich hat sich erneut das gleiche Team aus der ersten Serie im Studio A1-Pictures versammelt. So können sich Fans wieder auf saubere, geschliffene Zeichnungen und vor allem butterweiche Animationen freuen. Die Macher wissen, dass der Erfolg vorprogrammiert ist, deshalb gibt es keinen Grund an einer Ecke zu sparen. Außerdem kennen sie einfach die Kniffe für die Fanservice-Einlagen, um die SAO-Liebhaber an den Haken zu bekommen. Tomohiko  Itou hat es sich ein weiteres Mal auf dem Regiestuhl bequem gemacht und Shingo Adachi verpasst den Charakteren ihr vertrautes Gesicht. Insbesondere die schicken Kamerafahrten verstehen es, dem Zuschauer den Atem zu rauben. Die Musik von Yuki Kajiura weiß die Stimmung blendend aufzubauen. In der finalen Szene fühlte man sich durch die schnell pulsierenden Klänge und dem chorartigen Gesang an ihr bekanntes Stück Salva Nos aus dem Girls-with-Guns-Klassiker Noir erinnert. In der Tat kommt die Action-Sequenz ähnlich übertrieben und zeitgleich erhabenen daher. Wo wir bei dem Genre sind, auch in diesem Anime werden die Schusswaffen realen Modellen nachempfunden, namentlich der Blickfang,  Sinons Scharfschützengewehr, die PGM Ultima Ratio Hécate II. Diese können auch äußerst wuchtig und unterschiedlich klingen. Die Themen-Songs werden erneut von den Künstlerinnen Luna Haruna und Eir Aoi performt. Ob dies solche Dauerbrenner sind wie in Staffel eins, muss sich für mich noch zeigen.

Der Start in Sword Art Online II bietet einige vielversprechende Ansätze für den weiteren Verlauf der 24 Episoden umfassenden Serie. Die Spielwelt von Gun Gale Online wartet durch den Shooter-Aspekt mit einer Menge frischen Ideen auf. Ebenso gehen die RPG-Elemente ein ganzes Stück mehr in die Tiefe. Die neue Protagonistin Sinon macht einen starken Eindruck und könnte genau das sein, was der Serie gefehlt hat. Charakterzeichnung war eines der Mankos der ersten Serie, vielleicht kann dies hier ausgebügelt werden. Natürlich steht und fällt alles mit der Umsetzung der Handlung um die mysteriösen Todesfälle. Wird es den Machern gelingen, dies mit genügend Spannung aufzuziehen, ohne im Verlauf den Fokus darauf zu verlieren.

Die zweite Staffel schafft es stimmig, an die erste Serie anzuknüpfen und damit die SAO-Liebhaber wieder abzuholen. Zeitgleich erschließt sie die Shooter-Fraktion und könnte neue Anhänger dazu gewinnen.

© 2014 Reki Kawahara/ASCII Media Works/SAOII Project
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