Mystische Göttergestalten, viele vertraute Spitzohren, ein geheimnisvoller Schwertkämpfer und eine legendäre Waffe verborgen in einer uneinnehmbaren Festung – Das klingt doch fast wie Material für ein fettes Update eines MMORPGs, aber das und Weiteres erwartet euch in dem dritten Volume von Sword Art Online II. Mit einer kleinen Verspätung stellte peppermint anime die DVD- bzw. Blu-ray-Ausgabe Anfang September in den Handel. In dieser befinden sich die Episoden 15 bis 19, in denen ein neues Kapitel aufgeschlagen wird.

Die neue Erweiterung des VRMMOs ALfheim Online verspricht neue Quests, Dungeons und Gebiete für die Spieler. Neuigkeiten machen schnell die Runde, dass das sagenumwobene Schwert Excalibur in ALfheim Online gesichtet wurde. Einst, als er noch Adminrechte innehatte, hielt Kirito die legendäre Waffe in seinen Händen. Nun reizt es den Teenager, Excalibur in seinem Besitz zu bekommen, bevor ihm jemand zuvor kommt. Für die Quest muss sich der Spieler zu einem unterirdischen Reich namens Jötunheim in den Tiefen des Weltenbaumes Yggdrasil begeben. Dort in der schwebenden Festung des Frostkönigs Thrym schimmert das Heilige Schwert die Abenteurer verlockend an. Da sich das Passieren des Dungeons als kein Honigschlecken erweist – als Wache ist ein Haufen riesenhafter, mystischer Kreaturen postiert – formt Kirito mit seinen Freunden eine Party. Zu den Kampfgefährten gehören Freundin Asuna und die üblichen Verdächtigen wie Kumpel Klein, Schmiedin Lisbeth und die Beast-Tamerin Silica. Außerdem hat sich ALO-Neuankömmling Sinon der Gruppe angeschlossen. Zusammen begeben sie sich zu dem eisigkalten Tal in die Festung am Himmel. Wie sich früh herausstellt, steht bei der Quest noch mehr auf dem Spiel als ein seltenes Item, denn eine KI hat autonom die besagte Quest kreiert, sodass jeder erdenkliche Ausgang möglich wäre. Sollte die Truppe es nicht rechtzeitig schaffen, Excalibur aus dem Stein zu befreien, könnte das ernste Konsequenzen haben, welche die virtuelle Welt zum Erschüttern bringen …

Nach dem düsteren, futuristisch angelegtem Gun Gale Online begeben wir uns in der zweiten Hälfte von Sword Art Online II wieder zurück ins vertraute Fantasy-Elfenreich ALfheim Online. Als Vorlage hierfür diente eine Nebengeschichte aus dem achten Light-Novel-Band und der Mother’s Rosario-Arc aus dem siebten Band. Während sich die Quest um das legendäre Schwert Excalibur im Anime bloß über drei Episoden erstreckt, reißen schon die restlichen zwei Episoden der vorliegenden Ausgabe das nachfolgende Kapitel um die Begegnung mit dem berüchtigten Schwertkämpfer Zekken an. Auf den letzten Abschnitt möchte ich hier inhaltlich aber nicht weiter eingehen. Schade find ich, dass die Macher die Calibur-Story nicht ausgeweitet haben, selbst wenn die Vorlage nicht mehr Stoff geboten hätte. Wohlmöglich wollte man dann lieber doch den Raum für den nächsten Arc lassen.

Für mich persönlich zeigt aber diese Nebengeschichte gerade das, was der ersten Staffel etwas fehlte und die Serie reizvoller gestaltet hätte. Statt Kiritos Einzelgängertum ziehen hier unsere Helden als Gruppe in den Kampf und die Sidekicks rücken mehr in den Vordergrund, als die ganze Zeit bloß vom Seitenrand zuzuschauen. Das leichtherzige und humorvolle Miteinander, das den Zusammenhalt in Gruppe verstärkt und dem Zuschauer so die Figuren eher ans Herz wachsen lassen, kommt hier nicht zu kurz. Solche Atempausen fehlen etwas in den Abenteuern, in denen Kirito immer mit vollem Einsatz von einem aufregenden und zermürbenden Geschehen ins Nächste stolpert. Allerdings konnten die Schreiber es dieses Mal abermals nicht sein lassen und haben der Questsuche mehr Gewicht gegeben. Es muss nicht immer alles auf dem Spiel stehen – wobei es hier auch nur um den Fortbestand einer virtuellen Karte geht. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung grundlegend heiterer und ausgelassener als sonst. Da machen die Charaktere öfter Scherze – meistens auf Kosten von Trottel Klein – und nehmen sogar Kiritos Dasein als Frauenschwarm auf die Schippe. Bei den Interaktionen bekommen die Nebencharaktere ebenso etwas mehr Farbe und die Selbstironie tut der Serie zur Abwechslung gut. Die Gruppendynamik find ich dabei äußerst wichtig, nicht umsonst erfreuen sich die großen JRPG-Reihen wie Fanal Fantasy oder Tales of so großer Beliebtheit.

Daneben zeigen die Episoden schön, worauf es bei einem Online-Multiplayer-Game ankommt. Jeder in der Party nimmt seine Rolle ein, es werden Buffs für Element-Resistenzen verteilt, die Aggro zwischen den Mitgliedern hin und her gewechselt, ein Auge auf die Cooldowns behalten und im entscheidenden Moment dann die Heilungssprüche gecastet. All das lassen wieder eine waschechte Boss-Battle-Stimmung aufkommen. Elemente wie das Einbinden von nordischer Folklore, wie es gerne in dieser Sparte von Games gemacht wird (zum Beispiel das Freya-Update in Lineage II), sprechen den MMORPG-Fan an. Ebenso lassen solche Szenen, wo Kirito doppelt und dreifach nach seiner Questbelohnung schaut – während er tröstend seine Schwester im Arm hat – die Videospielaffinen unter uns schmunzeln. Obendrein sind die Kämpfe in dem Frostpalast der Riesen, was die visuelle Präsentation anbelangt, ein echter Augenschmaus. Bei einem Gefecht gegen ein überdimensionales Minotauren-Duo beweisen unseren Helden Teamwork. Die Angriffsserie der Party geht wunderbar ineinander über, ist umwerfend choreografiert und überzeugt abermals mit butterweichen Animationen. Hier hat das Produktionsteam rundum Animationsregisseur Shingo Adachi wieder aus den Vollen geschöpft.

Disc

Auf die dritte Volume von Sword Art Online II hat peppermint anime fünf der restlichen zehn Episoden der zweiten Staffel gepackt. Dabei ist noch nicht die Zusatz-Episode 14.5 mitgezählt, welche die Ereignisse des Phantom-Bullet-Arcs nacherzählt. Die Blu-ray-Fassung überzeugt mit gestochen scharfen Bildern in der Full HD-Auflösung im 16:9-Format. Die starken Kontraste und die satten Farben sind hier eine Wohltat. Trotz Effektgewitter an elementaren Zaubern, sprühenden Funken und zersplitterndes Eis gehen keine Details unter. Flächenbildungen oder anderweitige Bildstörungen sind in der vorliegenden Ausgabe nicht aufgetreten. Die flüssigen Animationen, dynamischen Kameraschwenks, der Einsatz von Tiefenschärfe – begleitet von dem treibenden bekannten Kajiura-Score – wissen den Zuschauer an den Bildschirm zu fesseln. Das ein paar Frames in den folgenden Episoden dabei wiederverwertet werden, kann man der Serie nachsehen. Und wenn das Bild mal ruhiger ist, bestechen die sauber ausgearbeiten Charakterzeichnungen (insbesondere die markanten Augenpartien aus der Feder von Shingo Adachi) sowie detailreichen Hintergründe mit reichlich Detailliebe.

Wie gehabt kommt die deutsche Synchronisation aus dem Offenbacher Metz-Neun-Studio mit der bekannten Sprecherbesetzung. Ich bin froh, dass Sprecher wie Nina Amerschläger (Lisbeth), Clara Dolny (Silica) und Isaak Dentler (Klein) mehr von ihrem Charakter zeigen können. Sie wirken nicht mehr so unsicher wie in ihren vergleichsweise wenigen Auftritten in Staffel 1 und gerade in dem vergnüglichen Zwischenspiel mit den anderen Figuren kommen sie mehr aus sich heraus. Wenn zum Beispiel Lisbeth mit ihrer frechen Art Klein aufzieht oder Klein sich daraufhin wehleidig an Kiritos Schulter ausheult. Julia Meynen verpasst Leafa mit ihrer Stimme erneut eine heiteres und entzückendes Wesen und trifft den Charakter des Spitzohrs damit äußerst gut. Gerade in den amüsanten Sword Art Offline-Episoden, die in der zweiten Staffel auch eine Synchronisation spendiert bekommen haben und mehr Variation im stimmlichen Schauspiel beinhalten, hat mich der Cast vollkommen für sich erwärmt. Wo Begriffe wie »respawn« und »Fullbuffs« den MMO-Kontext glaubhaft und ungezwungen herüberbringen, reißen die Suffixe den Zuschauer zum Teil wieder heraus. Vor allem bei den Stellen, wo es ein Nickname ist und man die Person noch gar nicht kennt (»Zekken-san«), finde ich den Gebrauch absolut unnötig.

Verpackung & Bonus

Die blaue Scheibe befindet sich im schmalen Digipack im fragilen Pappschuber. So wie bei den Menüs hat peppermint anime beim Artwork auf der Verpackung gespart. Bis auf die Originale-Cover-Illustration mit dem zarten Farbschema auf der Front finden sich nur die Silhouetten der Waffen auf dem golden gehaltenen Digipack. Im Menü scrollt lediglich das Excalibur langsam durch das Bild, während ein eher unauffälliges Stück im Hintergrund läuft. Dafür kann sich der Kunde bei den Extras nicht beklagen. Während die limitierte Edition mit einer weiter Soundtrack-Collection geliefert wird, befinden sich auf der Disc selbst das Creditless-Opening, das besagte GGO-Recap und zwei Bonus-Episoden von Sword Art Offline II.

Der Ausflug in die vertrauten und doch fremden Gefilde von Neu-Aincrad ist eine angebrachte Verschnaufpause für unsere Helden. Zwar ist die Calibur-Storyline schnell abgehandelt und bietet daher nicht so eine Tragweite – obgleich es SAO-typisch auf Biegen und Brechen versucht wird. Allerdings braucht es das auch nicht. Letztlich bleibt es eine spaßige Unternehmung unter Freunden, die Kirito etwas aus dem Rampenlicht zerrt und den Nebencharakteren etwas mehr Auftritt bescherrt. Besonders die Gruppendynamik hat mir persönlich zugesagt und hätte ich mir in solchem Maß viel eher gewünscht. Hier können auch die deutschen Sprecher der Nebenrolle etwas mehr von ihrer Stimmvielfalt zeigen. Darüber hinaus zeigt der Dungeon-Trip wieder ein paar Aspekte aus dem Rollenspiel-Kosmos mit etwas mehr Fokus auf dem Party-Geschehen, die das Nerdherz höher schlagen lassen. Nicht zuvergessen ist die Action mit der erstklassigen Inszenierung ein Spektakel, das man einfach gesehen haben muss.

Freundlicherweise wurde uns von peppermint anime ein Rezensionsexemplar zu Sword Art Online II Vol. 3 zur Verfügung gestellt.

Details

Titel: Sword Art Online II, Volume 3
Originaltitel: ソードアート・オンライン II
Produktionsjahr: 2014
Genre: Action, Fantasy, Abenteuer, Science-Fiction, Drama, Romantik
Animationsstudio: A1-Pictures
Regisseur: Tomohiko Ito
Publisher: peppermint anime
Länge/Episoden: 125 Minuten/Folge 15 bis 19
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: LPCM 2.0
FSK: 12 Jahre
Preis: 40,99€
Bestellen: [amazon text=Amazon&chan=animey&asin=B00Q8RQMTM]

© 2014 Reki Kawahara/ASCII Media Works/SAOII Project
© 2015 peppermint enterprises ltd und co kg

1 KOMMENTAR

  1. Wer will denn bitte mehr von Clara Dolny und Nina Amerschläger sehen/hören? -.-
    Die eine ist schon eine bescheidene Schauspielerin, hat aber als Sprecherin nullkommanada Erfahrung, und die andere wird abseits von Metz-Neun nur in Hentai-Anime besetzt. Warum wohl… Sorry, aber die sind beide sowas von talentfrei.
    Und die Synchro von Offline ist eine bodenlose Frechheit. So ein besch…eidenes Dialogbuch mit abgehackten Sätzen am Fließband musste ich noch niemals ertragen. Da passt es dann selbst ins Bild, dass man den Joke um Asunas Spitznamen völlig verhauen hat bzw. ist der bei der deutschen Tonspur gar nicht mehr existent.

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