»Sword Art Online« Vol. 3 – Blu-ray Test

Mit der zweiten Hälfte der Serie beginnt auch ein ganz neuer Handlungsbogen, der sogenannte Fairy Dance Arc. Nach der überraschenden Wendung sowie dem etwas übereilten Finale in den letzten Episoden wurden auch kritische Stimmen lauter und die Zuschauer teilten sich regelrecht in zwei Lager auf. Überbewertet oder nicht, dem Erfolg von Sword Art Online tat es keinen Abbruch. Vielleicht haben auch die hitzigen Diskussionen zur Ausstrahlung 2012 dazu geführt, dass das Franchise so viel Aufmerksamkeit zur teil wurde und letztlich solche Verkaufsrekorde erzielte. Seit Ende Januar könnt ihr euch das dritte Volume mit den Episoden 15 bis 20 ins Regal stellen, denn da veröffentlichte peppermint anime die Ausgabe hierzulande auf DVD und Blu-ray. Was für Vorzüge und Mängel das veränderte Szenario mit sich bringt, beleuchten wir unter anderem in diesem Beitrag.

Nachdem Kirito das Death-Game gemeistert hat, kehren die Gefangenen ins reale Leben zurück. Zwei Jahre hat der Albtraum namens Sword Art Online angedauert. Wegen all der Erlebnisse, Strapazen und Opfer war diese Zeit eine gefühlte Ewigkeit für die Spieler. Allerdings hat das Ganze noch kein Ende für den Helden gefunden. Nicht alle Spieler haben ihr Bewusstsein zurück erlangt. 300 Personen sind auf unerklärliche Weise nicht aus dem Schlaf aufgewacht und darunter zählt auch seine Liebste Asuna. Machtlos und sichtlich mitgenommen sitzt Kazuto vor ihrem Krankenbett. Obendrein gibt es unerfreuliche Neuigkeiten für den Jungen. Nobuyuki Sugou, ein Vertrauter von Asunas Vater und ehemaliger Mitarbeiter einer Forschungsgruppe für virtuelle Realität, möchte ihm das Mädchen endgültig wegnehmen. Ein Hinweis in Form eines Screenshots aus einem anderen Online-Rollenspiel gibt Kazuto wieder neue Hoffnung. Darauf ist nämlich ein Mädchen, das vom Aussehen Asuna ähnelt, abgebildet. Um Asunas Bewusstsein zurückzuholen, setzt er das NerveGear auf und taucht als Kirito erneut in die virtuelle Realität ab.

In Alfheim Online, wie das neue Game sich titelt, ist es das oberste Ziel, die Krone des Weltenbaum Yggdrasil zu erreichen und dem Feenkönig auf seinem Schloss zu treffen. Kirito vermutet, dass dort darüber hinaus Asuna gefangen gehalten wird. Das Spiel unterscheidet sich in wesentlichen Aspekten von Sword Art Online und deswegen wird es kein Spaziergang sein, die Spitze des Baumes zu erklimmen. In einem Wald abgelegen vom Startgebiet begegnet Kirito Lyfa, einer Sylphe und Veteranin in Alfheim Online. Lyfa führt den Neuling in einige grundlegende Elemente des Rollenspiels ein, insbesondere dem Hauptfeature des Games: das Fliegen. Auch wenn es keinem Spieler bislang gelungen ist, den Wipfel des Baumes zu erreichen, wird Kirito nicht eher ruhen, bis er Asuna aus ihrem tiefen Schlaf befreit hat.

Der Fairy Dance Arc erstreckt sich über die Folgen 15 bis 25 und adaptiert die gleichnamige dritte sowie vierte Ausgabe von Reki Kawaharas Light-Novel-Reihe. Es wird kaum auf die letzten Geschehnisse in Aincrad eingegangen, wo gerade die Serie den Zuschauern einige Antworten schuldig ist. Zudem verschenkt die Geschichte viel Potenzial durch den schnellen Einstieg in das nächste Game. Wie finden die anderen Spieler zurück ins Leben? Gibt es nach dem SAO-Zwischenfall einen Einstellungswandel der Gesellschaft gegenüber solchen Games? Schade ist ebenso, dass die Rückkehr von Kirito in den normalen Alltag mit einem Zeitsprung abgehandelt wird. Vieler dieser Themen werden zu wenig beleuchtet, wo der Zuschauer nach jedem Brocken an Information gierig schnappt. Es ist schon erschreckend, dass nach so einem Tumult, der zahlreiche Opfer forderte, nach wie vor solche Games gespielt werden, sogar noch, während die SAO-Spieler gefangen waren. Selbst wenn sich die Sicherheitsstandards verbessert haben sollen, muss der Zuschauer vieles hinnehmen. Das Kirito sich gleich ins nächste Spiel stürzt, ist wiederum nachvollziehbar, schließlich kann der Junge seine Freiheit nicht genießen, solange er sich um Asunas Wohlbefinden Sorgen macht. Die Serie nimmt sich dafür die Zeit die Welt von Alfheim Online ausreichend zu präsentieren, wo sich die Handlung der zweiten Hälfte vorrangig abspielt. Auch das Zeitverhältnis ist ein ganz anderes, wo die ersten 15 Folgen sich über zwei Jahre erstrecken, finden die Geschehnisse vom Fairy Dance Arc innerhalb einer Woche statt. So besteht die Erzählung nun vorrangig aus einer großen Quest und nicht aus kurzen einzelnen Geschichten.

Hier kann die Spielwelt von Alfheim Online mit vielen neuen Elementen punkten. Sie wartet mit verschiedenen Rassen auf, die sich feindlich gesinnt sind. Zwar handelt es sich bei allen um Spitzohren, aber es gibt dabei genügend Variation und dementsprechend sind die Designs schön ausgefallen. Jede der Rassen besitzt ein eigenes Territorium, daher gibt es eine Menge fantastischer Orte zu entdecken. Die Welt mit seinen beeindruckenden Hintergründen weiß zu verzaubern und zeigt, wie Sword Art Online ohne Kayabas Eingriffe hätte sein können. Auch die Spielmechanik hat sich verändert. Man muss sich nicht mehr länger nur auf das Schwert verlassen und der Einsatz von Zaubersprüchen sowie Heilungsmagie ist nun möglich. Die Effekte hierbei bieten auch etwas fürs Auge. Jede Rasse besitzt ebenso unterschiedliche Fähigkeiten und das Level-System ist ein anderes. Das herausstechende Feature bleibt allerdings das Fliegen. Wie sich die Charaktere durch die Lüfte schwingen, ist schön zu bestaunen und weckt die Abenteuerlust. Wo jedes Volk darum konkurriert die Krone des Baumes als erstes zu erreichen, bilden sich Feindschaften und Bündnisse. Alfheim Online biete jede Menge solcher spielerisch interessanten Ansätze. Natürlich hat die Serie nicht viel Zeit jeden dieser Aspekte zu entfalten. Witzig sind auch solche Momente, in denen Kirito sich zum Beispiel von seinen gesammelten Items trennen muss und es ihm in der Seele wehtut. Abermals spricht der Anime die Videospiel-affinen Zuschauer an. Das Kirito sich austoben kann und mal eine andere Seite zeigt, ist ebenso eine willkommene Abwechslung.

Der größte Unterschied besteht darin, dass die Spieler in dieser Welt nicht mehr endgültig sterben können und das macht sich vor allem an der Stimmung bemerkbar. Wo man in Sword Art Online bei dem Überlebenskampf der Charaktere mitgefiebert hat, eben weil die Figuren sich keinen Fehler erlauben durften, ist die Anspannung nun völlig verflogen. Wobei die Serie auch bewusst damit spielt, wenn sich Feinde nach einem Kampf die Hände schütteln und das Ganze belächelt wird. Die vereinzelten Auseinandersetzungen sind dennoch packend und überzeugen durch butterweiche Animationen sowie dynamischen Kamerafahrten. Schließlich hat Kirito seine Erfahrungen aus Sword Art Online mitgenommen und so den Ernst sowie die Entschlossenheit, was ebenso wichtig für die Wirkung dieser Szenen ist. Was auch nicht verflogen ist, Kirito bleibt der Magnet für die süßen Mädels und das obwohl Spriggan, doch die unbeliebteste Rasse sein sollte.

Im Gegensatz zur ersten Hälfte gibt es nur wenig Fokus auf die Nebencharaktere. Wo gerade Asuna als starke Kriegerin beeindrucken konnte, wurde sie nun in die Rolle der hilflosen Prinzessin gepresst. Ein Wiedersehen gibt es mit Yui, die nun als kleine Fee mit nützlichen Informationen an Kiritos Seite ist. Eigentlich steht neben unserem Haupthelden Kirito nur ein Charakter im Rampenlicht, nämlich seine Schwester Suguha. Was man sowieso an der Stimme erkennt, erfährt der Zuschauer recht früh. Bei Suguha handelt es sich um Lyfa. Eben hier schafft es die Serie, die Gefühlswelt des Mädchens ausreichend darzustellen, auch der Punkt, was sie in der Zwischenzeit durchgemacht hat, als ihr Bruder in SAO gefangen war. Suguha leidet unter dem Gewissenskonflikt, dass sie romantische Gefühle für ihren Bruder entwickelt hat, die das Mädchen versucht zu überwinden. Um darüber hin wegzukommen, versucht sie eine Beziehung zu dem Spieler Kirito aufzubauen. Was Suguha aber nicht weiß, dass es sich ausgerechnet bei dem Avatar um ihren Bruder handelt. So nimmt das vorhersehbare Drama seinen Lauf. Es ist nicht so, dass der Konflikt schlecht präsentiert wird, gerade ihre Emotionen werden überzeugend in Szene gesetzt, nur kann nicht jeder Zuschauer etwas mit dem Thema Geschwisterliebe anfangen. Musikalisch sind die dramatischen Momente abermals durch den Soundtrack von Yuki Kajiura gelungen untermalt. Und da wäre noch der Antagonist Nobuyuki Sugou, ein widerlicher Zeitgenosse. Er schafft es auf dem ersten Blick, den Zuschauer wütend zu machen, ein sehr flacher aber äußerst hassenswerter Bösewicht. Gerade wenn man ihn mit Kayaba vergleicht, der förmlich eine omnipräsente Rolle eingenommen und undurchsichtige Ambitionen hatte, macht Sugou wirklich einen schwachen Eindruck.

Disc

Weil die zweite Hälfte nur aus elf Episoden besteht, befinden sich auf dem dritten Volume sechs Folgen mit einer Laufzeit von 150 Minuten. Schade, dass der Publisher zum Ausgleich das nicht mit zusätzlichen Extras aufgewogen hat. Auf der blauen Scheibe lässt sich zwischen deutscher und japanischer Sprachausgabe schalten, wobei die entsprechenden Untertitel bei der Auswahl integriert sind. Der Ton kommt dabei im LPCM 2.0 Format und bietet ausgesprochen guten Klang. Auf einer 50GB-Blu-ray sind die sechs Episoden untergebracht und präsentieren ein hochwertiges Bild in einer Full HD-Auflösung, zumindest für eine deutsche Veröffentlichung. Die Produktion von A1-Pictures bleibt auf einem hohen Qualitätsstandard und überzeugt mit sauberen Konturen, einem kontrastreichen, farbenfrohen Design und runden Animationen. Im DVD-Menü, das dieses Mal mit dem schönen Covermotiv gestaltet wurde, läuft der neue Opening-Song Innocence von der J-Pop-Sängerin Eir Aoi. Die Künstlerin gab sich in der vergangenen AnimagiC den deutschen Fans zum Besten. Interessanterweise gibt es in der diesjährigen Bonner Convention zwei Konzerte von der Sängerin Haruna Luna, welche die rührende Ballade Overfly für den Abspann beisteuerte.

Die deutsche Synchronisation bewegt sich wie gehabt auf einem zufriedenstellenden Level. Zum Cast neu hinzugekommen ist Julia Meynen, welche ihr vielleicht schon als Dummerchen Yui in K-ON! lieb gewonnen habt. Die Berliner Sprecherin passt meiner Meinung nach von der Stimmfarbe sehr gut zu dem Charakter Suguha. Ayana Taketatsu, das japanische Pendant, hat einen äußerst angenehmen Klang und ihre Aufreger hat man schon als Azusa (wieder K-ON!) lieben gelernt. Wiederum schafft die Seiyu hier bemerkenswert gut die emotionalen Szenen rüberzubringen. Peter Lehn als Feenkönig Oberon klingt nicht so übertrieben wie im Original, hat aber auch eine fiese Lache drauf und macht die Figur genauso hassenswert (im positiven Sinne). Wo sich der Charakter Yui nicht mehr im Zustand eines Kleinkindes befindet und auf normaler Weise mit den anderen unterhält, wirkt Christiane Werk weniger stark gekünstelt und kann auch stellenweise mit ihrer Niedlichkeit überzeugen.

Bonus

Auf der dritten Disc befinden sich zwei weitere Mini-Episoden von Sword Art Offline. Zum Abklingen eignet sich das Spezial ganz gut und die Sendung ist sehr unterhaltsam von den Charakteren aufgezogen, wenn da einige Ausschnitte aus der Serie parodiert oder die Spielerlebnisse kommentiert werden. Ansonsten sind erneut drei Postkarten beigelegt. Es handelt sich wieder nur um bloße Screenshots. Die auf Amazon angegebenen Clear Opening und Ending sind nicht enthalten.

Verpackung

Auf dem Cover der dritten Ausgabe schwingen sich Lyfa, Kirito und Yui spielerisch durch die Lüfte, ganz getreu dem Titel Fairy Dance. Mir persönlich gefällt das farbenprächtige Motiv mit den ganzen Details, den Blättern und dem Feenstaub, bislang am Besten. Es ist dem siebten Volume der japanischen Veröffentlichung entliehen. Die Rückseite wirkt im Kontrast dazu mit den vier Screenshots auf weißen Grund ziemlich leer. In dem sehr schmalen Pappschuber befindet sich das vierseitige Digipack, auf dem erneut zwei Szenerien aus der Handlung abgebildet sind: Zum einen der Wald und zum anderen die Heimatstadt der Sylphen. Wieder ist das FSK-Logo abgedruckt, aber sticht auf dem saftigen Grün der Lichtung nicht hervor. Auf dem Pappschuber ist es bloß auf der äußeren Folie versehen. Eine Silhouette ist wieder auf der Disc zu sehen, dieses Mal von Lyfa.

Die zweite Hälfte von Sword Art Online hat definitiv ein paar inhaltliche Schwächen. Zum einen finde ich es übereilt direkt ins nächste Abenteuer zu stürzen und zum anderen hätten einige wesentliche Auswirkungen des SAO-Zwischenfalls vorher näher beleuchtet werden müssen, wodurch einiges an Potenzial verschenkt wurde. Es wird sich dafür genug Zeit genommen Alfheim Online in seiner Fülle zu präsentieren und auch in dieser zauberhaften Welt möchte man sich glatt verlieren. Da wartet der Anime zudem wieder mit frischen, spielerischen Ideen auf, die jeden MMORPG-Fan erfreuen. Die Haupthandlung hat einen klischeehaften Aufbau und reduziert Asuna unverdient auf eine schwache Rolle. Stattdessen stiehlt ihr Lyfa das Rampenlicht, die ausgesprochen gut von Julia Meynen vertont ist. Der Charakterkonflikt, welcher ganz groß in Szene gesetzt ist, handelt von einer unerfüllbaren Geschwisterliebe, sodass manch ein Zuschauer es schwer hat, emotional abgeholt zu werden. An sich hat das Studio aber die Stimmung, sei es in den epischen Kämpfen oder dramatischen Szenen, gelungen eingefangen und auch musikalisch ist das Ganze wunderschön unterlegt. Wiederum bleibt das größte Manko tatsächlich der fehlende, endgültige Tod, eben weil dadurch das Herausstellungsmerkmal von Sword Art Online verloren geht, wodurch das ganze Abenteuer wesentlich lockerer angepackt wird. An dem Unterhaltungswert mindert es wenig, nur fiebert man nicht mehr mit derselben Intensität mit Kirito und den anderen Spielern mit. Bei gleichem Preis und weniger Laufzeit wäre eine bessere Ausstattung von Publisher wünschenswert gewesen. Auch wenn der zweite Handlungsbogen nicht an der ersten Hälfte heranreicht, ist es noch lange kein Grund, sich diesen Hit nicht ins Regal zu stellen.

Wir bedanken uns herzlich bei peppermint anime für das Rezensionsexemplar zu Sword Art Online Vol. 3.

Details

Titel: Sword Art Online, Volume 3
Originaltitel: ソードアート・オンライン
Produktionsjahr: 2012
Genre: Action, Fantasy, Abenteuer, Science-Fiction, Drama, Romantik
Animationsstudio: A1-Pictures
Regisseur: Tomohiko Ito
Publisher: peppermint anime
Länge/Episoden: 150 Minuten, 6 Episoden
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: LPCM 2.0
FSK: 12 Jahre
Preis: 35,99€
Bestellen: [amazon text=Amazon&chan=animey&asin=B00H1T06A2]

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