kuroko_no_basuke_coverIm Herbst 2012 machte Tadatoshi Fujimakis Sport-Manga Kuroko no Basuke weniger aufgrund der Serie an sich Schlagzeilen, sondern viel mehr wegen eines aggressiven Neiders, welcher Drohungen an Fernsehsender und Events rund um die Serie verschickte, welche teilweise mit gefährlichen Chemikalien versehen waren.

Weitaus positivere Neuigkeiten brachte die Bekanntgabe der meistverkauften Manga-Titel in Japan während der ersten Jahreshälfte 2013 ein, denn da ergatterte die Reihe Platz drei und musste sich damit nur gegenüber Eiichiro Odas One Piece sowie Shinobu Ohtakas Magi geschlagen geben. Für Anfang Oktober ist zudem eine zweite Staffel für die Anime-Adaption von Production I.G angekündigt. Wir werfen hier einen Blick in die Handlung des ersten Volumes von Kuroko no Basuke, auch bekannt unter den anderen Schreibweisen Kuroko no Basket, Kuroko’s Basketball oder im Original 黒子のバスケ. Tadatoshi Fujimaki startete das Werk im Dezember 2008 in Shueishas Shonen Jump. Es weist aktuell über 20 Bände auf.

Ein weiteres Jahr beginnt an der Seirin-Oberstufe. Wie wild versuchen die Schul-AGs bei den Erstklässlern Mitglieder zu erhaschen. Ebenfalls mit dabei wirbt der Basketballklub unter der Leitung der Schülerin Aida Riko, die auch als Coach fungiert. Zwei Neuzugänge fallen sichtlich aus dem Rahmen. Der frisch aus Amerika heimgekehrt Kagami Taiga ist ein talentierter und ehrgeiziger Spieler, welcher Herausforderungen nicht scheut und kein Blatt vor den Mund nimmt. Sein Ziel stellt es dar, Japans Nummer eins in dem Ballsport zu werden. Große Hoffnungen setzt Riko anfangs auch auf Kuroko Tetsuya von der Teikou-Mittelschule, da diese berühmt für ihre starke Mannschaft mit über hundert Mitgliedern ist. Insbesondere im Vorjahr machten sich fünf Personen in den Meisterschaften verdient, welche aufgrund ihrer überragenden Fähigkeiten auch als »Generation der Wunder« bezeichnet wurden. Doch neben diesen gab es gerüchteweise noch einen bedeutenden Teamkameraden, von den es kaum Informationen gibt: der sechste Phantomspieler – Kuroko Tetsuya. Leider entpuppt sich der Jugendliche in einem eins gegen eins als Niete, sodass Kagami ihm rät, den Sport besser aufzugeben.

Aber Kuroko bleibt im wahrsten Sinne des Wortes am Ball und offenbart in einem Trainingsmatch sein spezielles Können. Basierend auf einer geringen Präsenz, wodurch er selbst im Alltag gerne einmal übersehen wird, gelingt es ihm, Pässe vom Gegner unbemerkt umzuleiten. Diese Taktik der Irreführung bringt das andere Team durcheinander und ermöglicht den eigenen Mitgliedern ein schnelles Vorpreschen. Kagami hat Blut geleckt, der heißblütige Rotschopf möchte unbedingt gegen die »Generation der Wunder« antreten und sie besiegen. Eine erste Chance erhält der Hitzkopf in einem Match gegen die Kaijou-Oberstufe, die Kise Ryouta besucht. Zwar spielt das Model nur seit zwei Jahren Basketball, doch besitzt Kise die außergewöhnliche Fähigkeit, durch bloßes Beobachten die Techniken seines Gegners zu kopieren. So beeindruckend diese Eigenschaft auch ist, verleitet sie Kagami noch lange nicht zum Aufgeben. Ganz im Gegenteil spornt ihn das überlegen erscheinende Gegenüber so richtig an. Zusammen mit Kuroko überlegt er sich einen Plan, um das Kaijou-Team doch noch zu Fall zu bringen.

Während Sport-Manga hierzulande eher eine stiefmütterliche Behandlung erhalten, erfreuen sich diese in Japan großer Beliebtheit, wie man auch an Kuroko no Basuke feststellen kann. Statt des typischen Jungtalents, das sich langsam an die Spitze hocharbeitet, hat sich Tadatoshi Fujimaki als titelgebenden Charakter für die komplett andere Richtung entschieden. Kuroko vermag nicht einmal einen Korb zu erzielen, allein wäre er in einem Match schnell erledigt. Als Tochter eines Trainers besitzt Riko geschulte Augen, die jedem Körper sofort seine Statuswerte ansehen. In dieser Hinsicht erweist sich der 166 cm große Kuroko als sehr schwach und nahe am Limit seines geringen Potentials, während der unermüdliche Kagami diesbezüglich einem bodenlosen Fass mit unendlich vielen Möglichkeiten gleicht. Was Kuroko dennoch über Wasser hält, ist die Technik der Irreführung. Seine natürliche kaum wahrnehmbare Präsenz liefert in der Handlung in Alltagsszenen ein paar Comedy-Einlagen ab, auf dem Spielfeld entwickelt sie sich jedoch schnell zur zentralen Stütze im Angriff. Der Junge beschreibt sich selbst als Schatten, um noch mehr in der Dunkelheit unterzugehen und auf dem Platz fast unsichtbar zu interagieren, benötigt er ein helles Licht, welches Kuroko in Form von Kagami sieht.

Volume eins von Kuroko no Basuke umfasst die Story bis Kapitel sieben, das erste weist dabei eine Überlänge von mehr als 50 Seiten auf, in denen das Protagonisten-Duo eingeführt wird. Vom restlichen Seirin-Team erfährt man in diesem Band dagegen nur wenig. Der Leser bekommt so weit nur mit, dass dieses erst vor einem Jahr gegründet wurde, es eine spezielle Aufnahmeprüfung gibt, welche bei Nichtbestehen in einer für den Betreffenden höchst peinlichen Situation endet, der Coach im Gegensatz zu den üblichen Normen kein Erwachsener, sondern die Zweitklässlerin Aida Riko ist, und dass jenes alte Team unter Captain Hyuuga Junpei es in der Liga unerwartet weit geschafft hat.

Tadatoshi Fujimakis Zeichenstil ist geprägt durch realistische, dynamische Körper, die in den Spielen aus den verschiedensten Perspektiven in Szene gesetzt werden. Gerne darf dabei in einer spannungsgeladenen Situation ein wichtiger Augenblick über eine Doppelseite reichen. Ein einfacheres Design besitzen dagegen die Gesichter. Mit simpel erscheinenden Zügen ohne viel Schnickschnack sind diese schnell hingezaubert. Eine Brille, Haarspangen oder ein Ohrring sind dabei das höchste an Gefühlen, was als Detail eingearbeitet wurde. Selbst die Frisuren erweisen sich als schlicht und in ein paar Fällen sehr ähnlich. Dennoch können die einzelnen, namentlich genannten Personen gut auseinandergehalten werden. Ein Hauptverdienst dabei sind die verschiedenen Charakterzüge. Kurokos Mimik ist meist emotionslos, sein Gesicht wirkt oft sehr puppenhaft. Der einzelgängerische Kagami, welcher am liebsten die »Generation der Wunder« alle auf einmal plattmachen will, besitzt einen intensiven, bedrohlichen Blick und strahlt in Momenten der höchsten Kampflust eine geradezu gefährliche, bestialische Aura aus. Noch einmal vollkommen anders präsentiert sich Hauptkontrahent Kise, der bei normalen Begegnungen eine heitere Miene aufzieht, aber auf dem Spielfeld plötzlich ernst wird und sich als der Überlegene bezeichnet.

Bei Kuroko no Basuke bleiben selbst Leser an den Seiten kleben, die dem Ballsport sonst kaum etwas abgewinnen können. Mangaka Tadatoshi Fujimaki zeigt neben den spannungsvoll inszenierten Matches, welche besonders durch die speziellen Fähigkeiten mancher Personen hervorstechen, auch interessante Charaktere mit individuellem Design. Die Handlung lebt durch den Gegensatz zwischen dem unscheinbaren Kuroko und dem wilden Kagami auf, welche im Duo über das Spielfeld fegen, um es nicht nur mit der »Generation der Wunder« aufzunehmen, sondern eines Tages auch in guter alter Sport-Manga-Manier an der Spitze Japans zu stehen. Der erste Band bietet einen wahrlich guten Einstieg, sodass einem schnell die zwei Protagonisten näher gebracht werden, teils in humorvollen Szenen, ein anderes Mal in bitterernsten Auseinandersetzungen. Storymäßig wird auch nicht viel um den heißen Brei herumgeredet, sondern mit Kise Ryouta als ersten Gegner sofort auf das große Ziel hingearbeitet. Bei so einem Werk kann man definitiv nachvollziehen, warum das Genre in Japan so populär ist.

© 2008 Tadatoshi Fujimaki, Shueisha

fallenshadow
Passionierte Liebhaberin der deutschen Manga-Zeichner-Szene, Manga über Anime Stellerin, es darf auch mal ein amerikanischer Comic sein, Avocado Makis sind lecker, liebt Regentage, zu faul Haare schneiden zu lassen, Mathe ist easy, Tofu ist mein Fleisch