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»Tales of Hearts R« im GameTest

Die PlayStation Vita ist noch lange nicht aufgegeben, sie wird immer noch mit neuen Titeln gefüttert. Allmählich wird das Handheld zum Zuhause für japanischen RPGs und Adventures. Auch Bandai Namco hat in den letzten Monaten einen Titel aus ihrer langlaufenden Rollenspielserie exklusiv für die PlayStation Vita herausgebracht, Tales of Hearts R. Seit Mitte November ist der Titel digital über PSStore und als Retail-Version im Handel erhältlich. Wieso Tales of Hearts R so eine große Nachfrage hatte und ob er an den umfangreichen Konsolen-Ablegern – wie zuletzt Tales of Xillia 2 – heranreichen kann? Wir haben uns in das Abenteuer gestürzt!

Spiria bezeichnet die Essenz der Seele und Gefühle eines Menschen. Eine reine Spiria sorgt für einen gesunden Köper und Geist. Doch seit geraumer Zeit wird das Land von einer Seuche namens Dispir heimgesucht. Ein fürchterlicher Fluch, der die Betroffenen, von Schwermut und Verzweiflung geplagt, in den Wahnsinn treibt. Einzig die Somatiker, die in das Innerste einer Person hinabtauchen, können die Spiria dieser verlorenen Seelen heilen. Eine solche Gabe hat der junge Bursche Kor Meteor in Form einer Soma-Waffe von seinem Großvater vererbt bekommen. Kor lebt in einem beschaulichen Dorf nahe der Küstenregion. Noch hat der Junge nicht viel von der Welt gesehen, weshalb er sich nach Abenteuern und Heldentaten sehnt.

Schon bald bietet ihm das Schicksal eine Gelegenheit, nämlich als Kor auf das Mädchen Kohaku Hearts und ihren Bruder Hisui trifft. Das Geschwisterpaar ist auf der Flucht vor einer mysteriösen Hexe. Kurz darauf schließt ihr Verfolger auf und liefert den Gefährten einen erbitterten Kampf. Es gelingt der Gruppe sich zur Wehr zu setzen, doch die Hexe belegt vor ihrem Verschwinden Kohakus Spiria mit einem Zauber. Kor wagt mit seinem Soma einen Versuch, das Mädchen von dem Fluch zu befreien. Allerdings fordern Übermut und Unerfahrenheit ihren Preis: Statt Kohaku zu retten, zersplittert ihr Spiria-Kern und verstreut sich in alle Himmelsrichtungen. Zurück bleibt eine seelenlose Hülle ohne jede Emotion. Was hat er nur angerichtet? Von Schuldgefühlen zerfressen, beschließt Kor mit den anderen nach den Splittern zu suchen, um Kohakus Spiria wiederherzustellen. Und so beginnt ihre Reise durch das Land, während der schwarze Mond unheilsam auf die Gruppe herabblickt.

Das ist auch schon der große Aufhänger von Tales of Hearts R, aus dem sich im weiteren Verlauf viele kleine Geschichten ranken. Überall, wo es die Fragmente von Kohakus Spiria hin verschlagen hat, passieren unnatürliche Vorkommnisse, welche die Despir-Krankheit als Ursache haben. Man kann sich das so ähnlich vorstellen, wie Inuyashas Suche nach den Splittern des Juwels der vier Seelen. Zudem gestalten sich die Zwischenfälle recht abwechslungsreich. Jeder der Splitter repräsentiert nämlich eine Emotion von Kohaku, welche verschiedene Symptome in den Orten hervorrufen. So treibt beispielsweise das Mut-Fragment die Bewohner dazu, sich dem Exzess und dem Glücksspiel hinzugeben. In einer anderen Stadt werfen sich die Leute Anschuldigungen an den Kopf und es brechen Familien auseinander – da kann wohl der Zweifel-Splitter nicht weit sein. Eine enorme Kraft geht von den Bruchstücken aus, die viel Chaos anrichten können, wenn der Träger kein starkes Herz hat. Schon bald reißen sich größere Mächte um die Fragmente und es bahnt sich erneut eine Geschichte mit noch mehr Tragweite an.

Ich find es etwas bedauerlich, dass man Kohaku anfangs nicht genug kennenlernt. Erst in relativ fortgeschrittenen Handlungsabschnitten bekommt der Spieler ihren Charakter nahegelegt, schließlich muss man zunächst ihre Spiria wieder zusammenflicken. Hätte das Mädchen ihre Gefühle zu einem späteren Zeitpunkt verloren, wenn der Spieler richtig emotional involviert ist, würde das Ganze eine größere Wirkung hinterlassen. Was die anderen Figuren anbelangt, wartet Tales of Hearts R eher mit einer typischen Zusammenstellung aus Stereotypen auf: Kor, der naive Held der Geschichte, der durch sein unbeherrschtes Verhalten die Gruppe in halsbrecherische Aktionen hineinzieht, Hisui, der streitsuchende Bruder, welcher sich überfürsorglich um sein Schwesterherz kümmert und sich fast ausschließlich über sie definiert, Beryl, eine hitzköpfige Göre, die davon träumt Hofmalerin zu werden und einen alten Veteranen, welcher den Ruhepol in der Truppe darstellt. Ich hätte es zu Beginn nicht gedacht, aber auch in diesem Tales of-Ableger geht die Formel auf. Mit den Dialogen und dem Zusammenspiel der Charaktere wachsen sie dem Spieler im Verlauf der Story ans Herz und man erkennt, dass doch mehr Tiefe in ihnen steckt. Eine Vielzahl an Skits, optionale Gespräche, die sich per Knopfdruck an bestimmten Stellen auslösen lassen, sind wieder enthalten.

Bei Tales of Hearts R handelt es sich um eine überarbeitete Portierung. Ursprünglich wurde das JRPG für den Nintendo DS entwickelt und verblieb lange Zeit in Japan. Die Neuauflage gab somit Bandai Namco die Gelegenheit, das Spiel auch im Westen herauszubringen. Vor diesem Hintergrund ist ersichtlich, wieso sich in dem PSVita-Remake neue und alte Aspekte mischen. So tauchen Elemente aus früheren Ablegern auf, die in der Reihe längst abgelegt wurden, wie die zufallsgenerierten Kämpfe, die festgestellte Kamera und die Weltkarte, welche die Gebiete voneinander trennt statt zusammenhängende Areale zu bieten. Dafür präsentieren sich die Spielwelt und die Figuren nun im 3D- und HD-Gewand.

Die besonderen Merkmale des neuen Echtzeit-Kampfsystems bestehen aus zwei Teilen, dem Schleudern des Gegners in die Luft und das unablässige Verfolgen. So jongliert ihr im späteren Verlauf den Feind mit einer hohen Kombo-Serie durch die Lüfte, ohne ihn zum Zug kommen zu lassen. Für ausreichend Spieltiefe ist durch die vielen Fertigkeiten und strategischen Kniffe gesorgt. Eine Kleinigkeit, die ich auch sehr schätzte: das freie Herumlaufen in der Kampfarena wurde auf den Analog-Stick gepackt, sodass man davon eher Gebrauch macht. Wie auch viele andere Titel in der PSVita-Bibliothek, werden auch in Tales of Hearts R die besonderen Steuer-Features des Handhelds kaum ausgereizt. Einzig durch Tippen auf den Bildschirm lassen sich im Verfolgungsmodus die Teamattacken der Verbündeten auslösen, was nicht gerade eine sinnvolle Einbindung ist.

An vielen Punkten der Handlung könnt ihr euch auf schicke, animierte Sequenzen freuen, welche das Animationsstudio Production I.G. beigesteuert hat. Das sind auch die Highlights in Sachen Optik, welche Tales of Hearts R vorzuweisen hat. An gewissen Stellen im Spiel müsst ihr in das Innere von Despir-befallenen Menschen eintauchen. Gerade bei einem solchen Hauptmotiv finde ich es schade, dass die Umgebungen immer gleich ausschauen und nicht die zerfressenen Gefühle der Person widerspiegeln, wie es zum Beispiel in Persona 4 Golden vorgemacht wurde. Generell bleibt das Rollenspiel in einigen Aspekten rückständig, so gehören karge Landschaften, wenig Leben in den Städten und zu kleine, lineare Gebiete zu den üblichen Makeln. Allerdings stellt das auf dem Handheld für mich persönlich kein Problem dar.

Über was allerdings nicht so einfach hinweggesehen werden kann, ist die dürftige Übersetzung der deutschen Untertitel. Mich verwundert das, wo Bandai Namco sonst immer einen zufriedenstellenden Job macht, was die Lokalisierung betrifft. Gerade, wo dieser Serienteil nur mit japanischer Sprachausgabe – wie oft von den Fans gewünscht – ausgeliefert wurde, ist eine einwandfreie Übersetzung noch viel wichtiger. An vereinzelten Stellen reißen fehlerhafte und unübersetzte Texte den Spieler aus dem Geschehen.

Mit Tales of Hearts R erwartet euch auf der PlayStation Vita ein solides Rollenspiel, das sich in Sachen Umfang und Tiefgang nicht hinter den Konsolen-Vertretern verstecken muss. Die Geschichte hat fantastische Ansätze und das Ganze nimmt zum Ende hin noch eine ganz andere Richtung. Zwar wirken die Charaktere wie aus dem Baukasten gegriffen, aber lasst euch davon nicht täuschen, auch hier schließt ihr sie bald schon ins Herz. Das rasante Kampfsystem sorgt für eine Menge Spaß, wobei ihr nur so den Kombozähler in die Höhe treiben könnt. Die Mängel in der Technik und Übersetzung müssen da in Kauf genommen werden. Nichtsdestotrotz bleibt Tales of Hearts R ein Muss für jeden JRPG-Fan, der das Handheld sein Eigen nennt.

Wir bedanken uns herzlich bei Bandai Namco für die Bereitstellung eines Downloadcodes zu Tales of Hearts R.

Details

Titel: Tales of Hearts R
Publisher: Bandai Namco Games
Entwickler: Bandai Namco Games
Erscheinungsjahr: 2013 (JP) 2014 (DE)
Genre: Rollenspiel
Altersempfehlung: 12 Jahre
Preis: 39,99 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=B00OYSCHIM]
Weiteres: Trailer , offizielle Webseite

© MUTSUMI INOMATA
TALES OF HEARTS™ R  © BANDAI NAMCO Games Inc.

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