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»Prophecy« Band 1 – Manga-Test

Mit Prophecy brachte CARLSEN MANGA! am 23. Dezember 2014 noch einen höchst interessanten Titel aus der Feder Tetsuya Tsutsuis heraus. In Japan ist die Reihe mit drei Bänden abgeschlossen und soll eine Live-Action-Adaption erhalten (wir berichteten). Für den Zeichner stellt dies nicht die erste Veröffentlichung auf Deutsch dar. 2012 sicherte sich CARLSEN MANGA! bereits den ebenfalls dreiteiligen Mystery-Thriller Manhole. Ob sich für Fans jenes Werkes auch Prophecy lohnt, gehen wir in diesem Artikel auf die Spur.

Die »Abteilung Cyberkriminalität« hat es sich zur Aufgabe gemacht, gegen illegale Machenschaften im Internet vorzugehen. Kommissarin Erika Yoshino greift hart durch und zeigt wenig Mitgefühl für die Täter. Doch die 26-jährige Frau jagt mit ihren Kollegen nicht nur Jugendliche, die illegal Spiele hochladen und damit das Urheberrecht verletzen. Für das Team rund um Yoshino gilt es, einen schwierigen Fall zu übernehmen, der im Internet schnell ein großes Publikum anspricht.

Mit einer Maske aus Zeitungspapier verbreitet ein Mann namens »Paperman« Videos auf YouTube, in denen er ankündigt, am jeweils nächsten Tag Rache an Personen zu üben, die trotz ihrer Taten einer rechtlichen Strafe entkommen sind. Der Ernst der Lage wird den Ermittlern sofort klar, als eine Lebensmittelfirma in Flammen steht. Ein Rennen gegen die Zeit beginnt …

Tetsuya Tsutsui trifft mit Prophecy den Nerv der Zeit. Schon längst ist das Internet mit all seinen Reizen in der modernen Gesellschaft ein wichtiger Bestandteil des Alltags geworden, der Jung wie Alt anspricht. Mit wachsender Beliebtheit haben sich aber auch immer mehr fragwürdige Webseiten etabliert. Manche Benutzer legen sich regelrecht eine bis mehrere neue, virtuelle Identitäten zu. Besonders das unrechtmäßige sowie massenhafte Uploaden von Medien erntet immer mehr Kritik. In Prophecy wird die Thematik am Anfang leider nur kurz aufgenommen und etwas klischeehaft dargestellt, besonders da es sich dabei sicherlich um einen Hauptbereich für die Abteilung Cyberkriminalität handelt.

Papermans Taten wirken eher wie eine Aufgabe für andere Polizeibereiche, da nur die Ankündigungen übers Internet verbreitet werden. Seine Racheakte, wie etwa Brandstiftung und Entführung, verübt er dagegen außerhalb des Netzes an seinem Opfer direkt. Aus dieser Perspektive betrachtet, steht die Grundidee daher auf etwas holprigen Beinen, obwohl Tetsuya Tsutsui mit dem Kampf gegen Cyberkriminalität und dem Verbrecher Paperman zwei gute Ansätze zu bieten hat, die beide für sich schon Interesse wecken. Aber wer weiß, vielleicht wächst das Einsatzteam in den verbleibenden zwei Bänden noch. Wenn man beobachtet, was für Kreise Paperman in der Online-Community bereits zieht, wäre das keine schlechte Gegenmaßnahme.

Schon im ersten Kapitel nach der Einleitung beginnt der Mangaka, den Spannungslevel zu steigern. Das Mysterium rund um Paperman und dessen unbarmherzige Vergeltungsschläge laden dazu ein, die vorliegende Handlung in einem Rutsch durchzulesen. Ich habe mich schnell dabei ertappt, mit den Ermittlern zu rätseln, wie das Senden der Ankündigungen und die Verbrechen genau ablaufen mögen. Gleichzeitig kommt die Frage nach dem Warum auf. Hauptsächlich wird aus der Sicht von Kommissarin Yoshino und ihren Kollegen erzählt. Mit der Zeit flechten sich aber immer mehr Szenen mit Paperman ins Geschehen ein, zuerst nur in Verkleidung, aber mit der Zeit auch persönlichere Ereignisse und Rückblicke, die Licht ins Dunkel bringen.

Tetsuya Tsutsui achtet darauf, bei seinen Charakteren unterschiedliche Typen einzubringen. Die Designs fallen jeweils sehr individuell aus. Der Zeichner verfolgt dabei einen realistischen Stil. Eine Fülle an Figuren bringt zusätzliches Leben und Abwechslung in den Manga. Aufgrund des Storyverlaufs sticht Erika Yoshino auf Seiten des Gesetzes am meisten hervor. Sie ist eine junge und schöne Frau, doch das vergisst man manchmal leicht wegen ihrer Strenge. Ein Lächeln auf ihrem Gesicht ist eine Seltenheit. Ihren Beruf nimmt sie ernst. Yoshino zeigt keine Gnade und wird richtig bedrohlich, gar furchterregend, wenn sich jemand versucht, aus seiner Schuld herauszureden. Trotz allem bleibt Yoshino ein nur oberflächlich angetasteter Charakter, da nichts Persönliches oder Privates von der Frau übermittelt wird. Um Spoiler zu unterbinden, gibt es zu Paperman selbst keine weiteren Beschreibungen von mir. Hier sind alle Interessierten eingeladen, zu Prophecy zu greifen und sich ein eigenes Bild zu machen.

Tetsuya Tsutsui beweist in so mancher Szenerie, dass er durchaus dazu in der Lage ist, aufwendige Hintergründe zu kredenzen. Bei Dialogen und kleineren Panels kann es dagegen schon einmal vorkommen, dass die Umgebung komplett weiß bleibt. Die Atmosphäre fällt ernst und dicht aus. Verschiedene Perspektiven bringen zusätzliche Dynamik aufs Papier. Bei der Panelaufteilung verwendet der Mangaka ein meist schlichtes Design. Zwei Farbseiten leiten die Handlung ein. Da das Internet eine zentrale Rolle spielt, baut Tsutsui auch Chats, Webseiten, Icons, Kommentare, bekannte Funktionen und Begriffe ein. Bei Letzterem werden manche sogar noch grob erklärt. Für die meisten Leser dürften es aber bereits gewohnte Bezeichnungen aus dem Alltag sein.

Prophecy legt im ersten Band einen spannungsvollen Start hin. Es ist nichts Neues, wenn sich Menschen dazu auserkoren fühlen, als private Rächer eigene Maßstäbe und dementsprechende Taten walten zu lassen, falls sie wo Unrecht vermuten. Die Verbindung mit Online-Medien inklusive all derer Vor- und Nachteile verleiht der alten Handlungskarosserie jedoch einen neuen Anstrich, der sich sehen lassen kann. Ganz an die prickelnde Story von Manhole, die mehr zu schocken wusste, kommt Prophecy zwar bisher nicht heran, einen lesenswerten Thriller legt Tetsuya Tsutsui aber dennoch damit hin, der zwischen den Zeilen durchaus zur Gesellschaftskritik aufruft und vor fahrlässiger Nutzung des Internets warnt.

Wir bedanken uns bei CARLSEN MANGA! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Prophecy, Band 1.

Details

Titel: Prophecy, Band 1
Originaltitel: 予告犯 (Yokokuhan), Vol. 1
Mangaka: Tetsuya Tsutsui
Erscheinungsjahr: 2012 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Shueisha (JP), CARLSEN MANGA! (DE)
Genre: Drama, Mystery, Seinen, Psycho, Thriller
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 7,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 355179801X&chan=animey&asin=355179801X]

Yokokuhan, Vol. 1 © 2012 Tetsuya Tsutsui/Shueisha
Prophecy Vol. 1 © 2012 Tetsuya Tsutsui/Ki-oon
© Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2014

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