Bleach: ein Rückblick auf 60 Bände – Manga-Test

Mit mittlerweile 61 Bänden hält Tite Kubos Bleach durchaus mit Dauerbrennern wie One Piece oder Naruto mit. Hierzulande publiziert TOKYOPOP das Werk – aktuell steht Volume 59 in den deutschen Bücherläden. In Japan debütierte Bleach 2001 in Shueishas Shonen Jump. Die Serie befindet sich aktuell in der »Endphase« – wie lange die noch andauern wird, sei mal dahingesagt. Trotzdem ist das für uns ein Anlass, diesen populären Shonen-Titel von damals bis heute etwas näher unter die Lupe zu nehmen.

Ichigo Kurosaki besitzt schon seit seiner Kindheit die Fähigkeit Geister zu sehen. Eines Tages begegnet er Rukia, einem Shinigami (Todesgott). Es dauert nicht lange, da wird Ichigo auch noch in einer Auseinandersetzung mit einem sogenannten »Hollow« verwickelt. Infolgedessen macht Rukia ihn zu einem Aushilfe-Shinigami, damit er seine Familie und Freunde vor der Bedrohung beschützen kann. Dabei verlor das Mädchen allerdings ihr Kräfte, worauf Ichigo eigentlich nur für eine Weile ihre Aufgaben in der realen Welt erledigen sollte. Diese bestehen darin, Hollows zu reinigen, da diese sonst menschliche Seelen verschlingen, und in die »Soul Society« – die in der Geschichte den Himmel symbolisiert – beziehungsweise Hölle zu führen.

Es stellt sich schnell heraus, dass der Junge sehr lernfähig ist und anscheinend auch selber potenzielle Kräfte in sich trägt. Des Weiteren haben Ichigos Veränderungen auch Auswirkung bei zwei seiner Mitschüler – so erwachen dank seiner spirituellen Energie auch in Orihime Inoue und Chad mysteriöse Fähigkeiten. Nicht nur diese beiden werden Ichigos Gefährten, auch Uryuu Ishida – ein sogenannter »Quincy«. Und Unterstützung hat der Schüler in absehbarer Zeit dringend nötig. Denn Rukia soll in der Soul Society hingerichtet werden, weil sie Ichigo verbotenerweise ihre Kräfte gegeben hat. Um sie davor zu bewahren, absolviert der Junge ein Training bei dem mysteriösen Urahara Kisuke und wird schließlich selbst zum Shinigami, bekommt dadurch sein eigenes Schwert: das »Zanpakuto«. Während es Ichigo in seiner Heimatstadt Karakura noch mit halbstarken Hollows zu tun bekam, erwarten ihm und seinen Freunden in der Soul Society jeweils 13 Shinigami-Kommandanten und deren Vize sowie jede Menge hochrangige andere Vertreter. Welche Überraschungen sie dort noch erleben, lest selbst …

Tite Kubo erschuf in Bleach eine gigantische Seelengemeinschaft mit zahlreichen Rassen und Unterarten sowie Parallelwelten. Das sorgt für jede Menge unterschiedliche Charaktere, von denen der Manga auch tatsächlich lebt! An Figuren fehlt es dem Werk nicht, da ist für jedermann etwas dabei. Für reichlich Humor ist dadurch ebenso gesorgt. 

Zu Beginn der Bleach-Geschichte bekämpft unser Held Ichigo Kurosaki lediglich kleine Hollows in der realen Welt und der Leser bekommt vorerst nur einen kleinen Einblick in das Leben eines Shinigamis. Die Story mag am Anfang noch durchschnittlich daherkommen und ein wenig vor sich hinplätschern, doch es dauert nicht lange, da kommt die Erzählung so richtig in Pfad. Nach dem Eintritt Ichigos in die Soul Society, mit der Zielsetzung, Rukia zu retten, zieht der Plot größere Kreise und nach den vielen Prügeleien, steht dann schließlich fest, dass in den Reihen der Shinigamis ein Verräter mit zwei Komplizen lauert. Fortan ziehen natürlich alle an einem Strang. So werden aus den zunächst feindlichen Todesgöttern Freunde. 

Aizen Sousuke bleibt für eine sehr lange Zeit Feind Nummer 1. Wo Ichigo und seine Freunde erst noch auf sich gestellt waren, bekommen sie fortan im Kampf gegen die sogenannten »Arrancar« auch Unterstützung vonseiten der Shinigami. So schön das alles klingt, bei der gigantischen Anzahl an Protagonisten bleibt für viele Figuren nur wenig Showtime. Des Weiteren tut sich Kubo-sensei schwer, auch mal loszulassen. Bei den zahlreichen Kämpfen steht so manch ein tot geglaubter Fanliebling auch gerne mal wieder auf. Power-Schübe erwarten dem Leser zukünftig von zahlreichen Figuren der Serie – insbesondere aber wohl Ichigo, der inzwischen mehrere Seelenrassen in sich vereint und dadurch viele Grenzen überschreiten kann.

Positiv sind allerdings die Hintergrundgeschichten und die Verknüpfungen der vielen Protagonisten, die oftmals sehr dramatisch ausfallen. Die Geschichte an sich ist shonentypisch, und sicherlich, der Autor verliert bei der Länge des Mangas auch gerne mal den Faden, wodurch sich kleine Logikfehler einschleichen. Trotzdem entwickelte Kubo-sensei sehr spannende Plots – sein bester dürfte dennoch der Soul-Society-Arc sein. Der Leser braucht viel Geduld, durch die vielen Kämpfe wird die Story sehr gestreckt. Viele Details erfährt man erst weitaus später.

Wer denkt, dass es bei Aizen als Antagonist bleibt irrt sich ebenso. Mit Yhwach ist im finalen Storyabschnitt ein weiterer mächtiger Feind aus Quincy-Reihen vorgestellt worden. Aber keine Sorge, Aizen-Fans kommen in diesem Part auf ihre Kosten, denn seine gesponnenen Fäden durchziehen sich auch hier. Der finale Handlungsbogen kehrt zu den Wurzeln der Bleach-Serie zurück: Wie schon zu Beginn des Werkes bekannt wurde, dreht sich zu guter allerletzt alles um die Erzfeindschaft zwischen Shinigami und Quincy. Man darf durchaus gespannt sein, wie der Manga demnächst endet. Sicherlich wird in Fan-Kreisen darüber diskutiert, dass Kubo-sensei seinen Bleach-Manga bereits nach dem Sieg über Aizen hätte beenden sollen. Meiner Meinung nach wäre das Werk in dem Fall jedoch irgendwo unvollständig, wenn man die sehr vielen offenen Fragen bedenkt, die dadurch entstünden.

Neben den bisher 61 Manga-Bänden existieren in Japan drei Character Books, wovon bisher zwei hierzulande herausgegeben wurden, und ein Artbook, welches TOKYOPOP ebenso im deutschsprachigen Raum publiziert hat. Auch produzierte Studio Pierrot (Naruto) eine Anime-Serie, welche mit 366 Episoden abgeschlossen ist und beim 54. Manga-Volume endet, sowie vier Kinofilme. Zu Letzteren publizierte Kaze die ersten beiden hierzulande. Auch können Interessierte die erste Anime-Staffel im deutschsprachigen Raum erwerben, wobei die Fortsetzung der DVDs aktuell unwahrscheinlich ist.

Für Shonen-Fans ist Tite Kubos Bleach definitiv ein Pflicht-Titel! Das Werk lebt von seinen vielen attraktiven Protagonisten, deren Geschichten für Dramatik sorgen. Auch sind ihre Charakterzüge dermaßen unterschiedlich, dass euch jede Menge Humor garantiert wird. Die Erzählung wartet ebenso mit viel Fanservice auf und einen winzigen Hauch an Romantik – es dürfte wohl auch viele Leser geben, die bei den zahlreichen attraktiven männlichen Protagonisten Shonen-Ai-Elemente entdecken. Natürlich kommen die Herren der Schöpfung bei dem Kauf des Mangas ebenso auf ihre Kosten: So fällt die Oberweite von so manch einer Schönheit oftmals sehr groß aus und man erhascht Blicke in ein weites Dekolleté. Wie für einen Shonen-Titel üblich erwartet euch ein beachtlicher Anteil an Kampfszenen, wodurch die Story sehr langsam voranschreitet. Des Weiteren ist Kubo-senseis Zeichenstil erwähnenswert: Dieser hat sich im Laufe der Zeit stark verbessert, zumindest was das Charakterdesign angeht. Der Mangaka legt allerdings weniger Wert auf detaillierte Hintergründe – der Fokus liegt auch hier, wie in der Geschichte, eindeutig auf die Protagonisten. Nichtsdestotrotz, Bleach mag Storyabschnitte besitzen, die man durchaus als einen Schuss in den Ofen bezeichnen kann, dennoch fesselt die Erzählung den Leser ans Geschehen, weil er die zahlreichen Beziehungen unter den Charakteren beziehungsweise deren Hintergründe oder gar Zanpakuto-Fähigkeiten in Erfahrung bringen möchte. Tite Kubos Bleach gehört verdienterweise zu einer der Top-Shonen-Titel weltweit!

Bleach © 2001 by Tite Kubo/Shueisha Inc.
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