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»Tokyo Ghoul« Band 10 – Manga-Test

Der neunte Band von Tokyo Ghoul hielt zuletzt mit einem unglaublichen Cliffhanger die größte Überraschung der bisherigen Handlung bereit, mit der ich niemals gerechnet hätte: Liz ist noch am Leben und wird von Dr. Kano für miese Experimente missbraucht, um aus Menschen Ghule zu machen. Zwei von seinen Resultaten, die Schwestern Kuro und Shiro, lernte Ken – damit auch wir – im Ghul-Restaurant kennen. Mit so einer Wendung greift man nur zu gern zu Band 10 der Reihe, den Kazé Manga am 5. November 2015 veröffentlichte. Wieder mit von der Partie: der Phönixbaum – und das mit neuen Gesichtern. Eines davon, der Ghul Naki, vereinnahmt bereits das Cover. Das komplette Motiv, mit der zweiten Hälfte auf der Rückseite, zeigt ihn mit Gecko (alias Jason). Was für eine Verbindung wohl zwischen den beiden besteht? Wir werfen einen Blick in den Band …

Auf der Jagd nach dem untergetauchten Dr. Kano möchte Ken die unter ihm arbeitende Krankenschwester Taguchi entführen und befragen. Bei dem Versuch bekommt seine Gruppe jedoch unerwartete Konkurrenz durch den Phönixbaum, verkörpert durch die kürzlich befreiten Gefängnisinsassen Naki und Orca. Ersterer möchte dabei eine besondere Rechnung mit Ken begleichen, da dieser seinen angehimmelten Gecko getötet hat. Orcas überwältigende Fähigkeiten im Kampf wenden das Blatt zugunsten des Phönixbaums, doch Ken bekommt dennoch eine entscheidende Spur in die Finger.

Das CCG enträtselt in der Zwischenzeit das Rätsel hinter dem Verschwinden des Vielfraßes vor einem Jahr. Ein Zeitungsartikel führt die Ermittler auf die Fährte von Dr. Kano und dessen Patient Ken Kaneki. Hide, der Amon und Akira assistiert, kann ein paar Informationen zu seinem verschollenen Freund liefern, womit das Café Antik ins Visier des CCG gerät. Hinweise zum Aufenthalt des Arztes bringen die Ermittler noch weiter voran, doch andere sind ihnen da schon zuvorgekommen.

Sui Ishida hat mich bereits beim letzten Band mit dem Cover-Artwork überrumpelt, das eine bis dahin wildfremde Person zeigte, während mein Hirn versuchte, das Gesicht mit den bekannten Charakteren abzugleichen. Mittlerweile wissen wir natürlich, dass es sich dabei um Akira handelt, die in eben dem Volume vorgestellt wurde. Genauso läuft es auch dieses Mal mit »Covermodell« Naki ab, dessen Äußeres teilweise an Gecko erinnert: die zurückgekämmten, weißen Haare und der Anzug. Wie Fans bei seinem ersten Auftritt zudem schnell lernen, liebt er Folter und verehrt den verstorbenen Hünen. Dabei möchte ich an dieser Stelle noch einmal feststellen, dass Naki ein wenig fehlinformiert ist. Ken mag Gecko damals zwar schwer zugesetzt haben, der Todesstoß stammt aber von Juzo.

Charakterlich kann man Naki dagegen wohl am kürzesten mit einem Augenzwinkern als einen emotionalen, temperamentvollen Doofkopf beschreiben – und da sage einer noch, Nico wäre ein komischer Partner für Gecko gewesen (Wenn dieser nicht so eine miese, gewalttätige Persönlichkeit vorwiese, hätte ich bei so einem Gefolge schon fast Mitleid mit ihm). Besonders empfehlen möchte ich Lesern die Dialoge sowie Szenen mit Naki und Shu. Die beiden Ghule verbindet ein eleganter Kleidungsstil inklusive gepflegter Frisur (wobei ich bei Naki eher eine tiefe Verehrung für Gecko in seinem Äußeren sehe, als wirkliches Interesse an einem eleganten Auftritt) sowie derselbe Kampfstil. Das wären so weit aber auch schon alle Ähnlichkeiten. Vom Wesen her sind die zwei doch eher wie Tag und Nacht. Ich kann verstehen, wenn Shu den neu aufgetauchten Opponenten nicht ganz ernst nimmt und etwas an der Nase herumführt.

Weniger verscherzen sollte man es sich mit Orca, welcher ein Vieh von einem Muskelprotz und ein Meister der Kampfkünste ist, bei dem selbst unser neu erweckter Ken, der seine dunkle Seite als Ghul vollkommen akzeptiert, aufpassen muss. Orcas traditionell chinesischer Bart und ein verschlossenes Wesen, das sich im Duell schnell zu einer unzähmbaren Naturgewalt wandelt, unterstreichen dieses Bild. Seinen Namen kennen wir bereits aus dem letzten Band, als Ken versuchte, mehr über ihn, den Ex-Boss des 6. Bezirks, der in Wirklichkeit Matasaka Kamishiro heißt, herauszufinden, um dadurch mehr über Liz zu erfahren. Dass zwischen den beiden eine Verbindung besteht, bestätigt sich noch einmal im vorliegenden Teil. Ebenso klären sich weitere Beziehungen auf, was Dr. Kano, Madame A und die beiden Mischlinge Kuro beziehungsweise Shiro betrifft. Aber keine Angst, Leute: Sui Ishida löst nicht nur ein paar Mysterien, sondern gibt gleichzeitig neue Rätsel auf – Cliffhanger wieder inklusive.

Die Informationsflut erfreut das Fanherz, während mein Hirn erst einmal verarbeiten muss, dass Liz am Leben ist. Je länger ich darüber nachdenke, desto logischer erscheint es mir. Vor ein paar Bänden erfuhren wir bereits, dass der vermeintlich tödliche Unfall im ersten Band nicht so aus Versehen passiert war, wie geglaubt. Mit der unglaublichen Kraft der Ghule, besonders was Regeneration betrifft, sollten die heruntergefallenen Stahlträger kein Problem für eine als stark verschriene Kämpferin wie Liz sein. Aber als Leser kann man das leicht übersehen, da Sui Ishida mit den Details erst lange nach dem Vorfall rausgerückt ist und diese zudem nur portionsweise offenbart hat. Der Mangaka verfolgt damit einen sehr geschickt gewählten Erzählstil, welcher den Leser stets auf Trab hält und es lohnenswert macht, die Manga-Reihe nochmals zu lesen. So manche Szene weiß man erst im Nachhinein richtig zu deuten.

Sui Ishidas Zeichenstil unterstreicht die angsteinflößende Stimmung mit ausdrucksvoll dynamischen Kämpfen in übersichtlich groß eingeteilten Panels und kräftiger Strichführung mit kontrastreichen, plastischen Schattensetzungen. Emotionsgeladene Mimik, die in höchster Kampfekstase geradezu bestialisch bizarre Züge annimmt, stellt das liebevolle i-Tüpfelchen dar. Man mag den Blick gar nicht mehr von den Seiten abwenden, auch wenn einem ein unheimlich mulmiges Gefühl bei den geradezu albtraumhaften Szenen überkommt, in denen zersplitterte Knochen und blutende Wunden, welche im Handumdrehen geheilt sind, zum Alltag gehören. In den Auseinandersetzungen und Dialogen verrät Sui Ishida manchmal offensichtlich oder in kleinen Details, wie sich die Charaktere weiterentwickeln. Nehme man nur einmal Hinami her, die bei ihrem Debüt in Band 2 ein schüchternes, verängstigtes Mädchen war, dem Ken das Lesen beibrachte, und ihm nun mit einer ernsten Miene bei seinen Missionen unterstützt. Hin und wieder gilt es für den Betrachter, zwischen den Zeilen zu lesen oder Vermutungen anzustellen, bis der Zeichner nähere Erklärungen einfließen lässt.

Die geliebten, humorvollen Strips fehlen dieses Mal. Dafür versorgt uns Sui Ishida zwischen den Kapiteln mit witzigen Smalltalk-Momenten mit den verschiedensten Charakteren. Zum Abschluss gibt es als Bonus zudem Skizzen (Toka, Orca) und Profile (Naki, Maiko Abe alias Madame A).

Fans mussten nicht lange auf den nächsten Aufprall mit dem Phönixbaum warten, schon erscheint er wieder auf der Bildfläche – und das mit aufgestockter Besetzung. Die Atmosphäre lädt zum angespannten Luftanhalten ein, um bloß keinen falschen Mucks zu machen. Kämpfe und die Jagd nach Informationen wechseln sich ab, sodass der Leser sowohl mit Action als auch wichtigen Details ausgestattet wird. Neue Gesichter fügen sich sofort ins Tokyo Ghoul-Universum ein und erweitern damit das komplexe Gefüge um zusätzliche Ebenen. Die rasanten Wendungen und Charakterentwicklungen machen das Warten auf Band 11, der am 14. Januar 2016 auf Deutsch herauskommt, zur Geduldsprobe.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Tokyo Ghoul, Band 10.

Details

Titel: Tokyo Ghoul, Band 10
Originaltitel: トーキョーグール (Tokyo Ghoul), Vol. 10
Mangaka: Sui Ishida
Erscheinungsjahr: 2014 (JP), 2015 (DE)
Verlag: Shueisha (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Dark Fantasy, Drama, Horror, Action, Seinen, Psycho, Supernatural
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889214389&chan=animey&asin=2889214389]

Tokyo Ghoul © 2011 Sui Ishida/SHUEISHA
© 2015 VIZ Media Switzerland SA

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