Tokyo Ghoul
wird derzeit in der Animenacht bei ProSieben MAXX ausgestrahlt, während Kazé die erste Staffel für Heimkino-Freunde bereits in den Handel brachte. Wir werfen einen Blick in die zweite Blu-ray. Der äußere Schein kann trügen, eine Lektion die Ken wohl mehrmals lernen muss, bis er sie beherzigt. Obwohl seine Naivität ihn erst in den Ghulkörper befördert hat, tappt er nichts ahnend in die nächste Falle …

In der Haut eines Ghuls neugeboren muss sich Ken in seinen neuen Lebensumständen einfinden. Im Café Antik hat der Teenager die Bekanntschaft mit etlichen friedlich lebenden Artgenossen gemacht. Nicht alle Ghule sind solche blutrünstigen Kreaturen, wie sie die Menschen sehen wollen. Allerdings sollte sich der Junge  in seinem Unterschlupf nicht ganz sorgenlos fühlen, denn die Gefahr ist näher als ihm lieb ist. Als ein elegant gekleideter Fremder das Café betritt, hat er von der ersten Begegnung an einen Narren an Ken gefressen. Shu Tsukiyama, auch berüchtigt als der Gourmet, gehört zu den gefährlichsten Ghulen des 20. Bezirks. Trotz Vorwarnung lässt sich Ken auf den Mann ein, denn sie teilen sich die Begeisterung für ansprechende Literatur. Zudem scheint Shu einer der wenigen zu sein, die Liz gekannt haben. Ken erhält die Einladung in ein geheimes Feinschmeckerrestaurant, in das normalerweise nur die High Society Zutritt hat. Hinterhältig hat Shu den Teenager damit in eine Falle gelockt, denn Kaneki steht nämlich ganz oben auf seiner Speisekarte.

Das ist aber nicht das einzige Unheil, dass sich über Ken zusammenbraut: Im 20. Bezirk sind neuerdings die Tauben aufgetaucht – Sonderermittler, deren Ziel es ist, die Ghule aus dem Schatten der Gesellschaft zu zerren. Hinami und ihre Eltern stehen gegenwärtig auf ihrer Abschussliste.

Im zweiten Volume von Tokyo Ghoul haben sich die Macher die ersten Änderungen gegenüber der Manga-Vorlage erlaubt. Das Gourmet-Kapitel wurde nach vorne gezogen, sodass die Tauben etwas später auf der Bildfläche erscheinen. Ich halte dies für eine gute Entscheidung, da dramaturgisch die erste Auseinandersetzung mit dem Sondereinsatzkommando einen besseren Höhepunkt darstellt. Das zentrale Thema bleibt der schmale Grad zwischen Mensch und Monster und da gibt der kommende Handlungsabschnitt mehr Konfliktpotenzial her. Bei der veränderten Erzählreihenfolge wurde daneben darauf geachtet, dass keine inhaltlichen Ungereimtheiten auftreten. Erzählerisch ist es trotzdem nicht so rund, wie es sein sollte. Nachdem wir am Ende der vierten Episode einem bizarren Bankett beiwohnen, macht die nächste Folge einen Schnitt und wir befinden uns wieder in der Alltagsidylle des heimischen Café Antiks. Außerdem finde ich schade, dass das Finale des Gourmet-Arcs noch in der gleichen Folge schnurstracks zum nächsten Handlungsabschnitt überleitet, anstatt dem Geschehen um die Charaktere erstmal Ruhe zu gönnen. In diesem Punkt macht es den Eindruck, als wenn die Macher noch möglichst viel vom Manga in die kurze Laufzeit der TV-Serie hineinstopfen wollten.

Shu Tsukiyama ist vom ersten Eindruck ein vornehmer Gentleman, den eine unheimliche Aura umgibt. Er besitzt einen feinen Sinn für Ästhetik und trägt gerne nach außen, was für einen erlesenen Geschmack er doch hat. Allerdings ist die affektierte Art nur das kleinste Problem an dem Gourmet. Dahinter versteckt Shu eine verstörende Seite, wie man an der Szene sieht, als er seine Nase erregt in dem blutigen Taschentuch von Ken vergräbt. Der Ghul betreibt eine Geheimgesellschaft, die perverse zuschaustellende Mordspiele veranstaltet. Das ist schon die Kehrseite zu den friedliebenden Ghulen, die nur fürs Überleben Menschenfleisch verspeisen.

Ein anderer Fokus legt der Anime auf die Darstellung, dass die Koexistenz zwischen Menschen und Ghulen erstrebenswert ist. Touka verspeist das angebotene Essen ihrer Klassenkameradin Yoriko, obwohl es absolut ungenießbar für sie ist. Und das macht das Mädchen nicht nur weil sie unter den Leuten untertauchen möchte, Touka verdrückt den Eintopf selbst dann, wenn keine Menschenseele zuschaut. Genauso überrascht Nishiki, der eine sehr innige Beziehung mit einer Menschenfreundin pflegt und das Mädchen ist sogar in seine Identität eingeweiht. Hinami und ihre Mutter beweisen wiederum, dass Ghule ebensozwischenmenschlicher Beziehungen bedürfen, auch wenn die Behörden ihnen diese Gefühle aberkennen.

Disc

Das zweite Volume von Tokyo Ghoul enthält die Episoden 4 bis 6 mit einer Laufzeit von 75 Minuten. Das Bild in der Full-HD-Auflösung stellt mit der Schärfe und den starken Kontrasten das ansprechende Charakterdesign heraus. Insbesondere bei den schonungslosen Kämpfen, in denen die Ghule ihre prächtige (und oftmals tödliche) Kralle zum Vorschein bringen, machen sich der Detailgrad und die satten Farben positiv bemerkbar. Der Ton erklingt in japanischer und deutscher Sprachfassung im DTS HD Master 2.0. Im Original lassen sich die deutschen Untertitel weiterhin nicht ausschalten.

Die deutsche Synchronisation vom Studio VSI Berlin überzeugt mit einer passenden Sprecherbesetzung. Ausnahme bildet für mich Dirk Stollberg (Usui in Maid-sama!), der etwas zu jung für die Rolle des exzentrischen Gourmets wirkt. Er spielt zwar die verschiedenen Facetten des Charakters akzeptabel aber ich finde, da wäre noch mehr Spielraum gewesen. Mit einem französischen Akzent – gerade wo Shu oft einzelne Wörter aus der Sprache hineinwirft – hätte man der Figur mehr Charisma verleihen können. Und im Vergleich zu dem einzigartigen Sprecheinsatz von seinem japanischen Pendant, Mamoru Miyano, spielt der deutsche Sprecher die Rolle weniger überdreht. Positiv hervorheben möchte ich Dirk Petrick als Nishiki, der mich in dem emotionalen Ausbruch in den letzten Episoden erreichen konnte, was ich ihm ehrlich gesagt nicht zugetraut hätte. Axel Lutter (Nakai in BTOOOM!) trägt sowieso viel Charakter in seiner Stimme und für den irren Senior-Ermittler Mado passt seine Stimme wie angegossen. Und an anderer Stelle muss ich die Sprecherbesetzung von Hinami und ihrer Mutter Ryouko positiv hervorheben. Beide bringen die Eltern-Kind-Beziehung sehr glaubhaft und stimmig herüber, insbesondere bei Kinderstimmen kommt das im Anime-Bereich nicht all zu oft vor.

Verpackung und Bonus

Die zweite BD-Ausgabe kommt wie gehabt in der standardisierten Amaray-Hülle. Wie bei dem ersten Volume finde ich das Covermotiv fragwürdig gewählt, da der Maskenbildner Uta in den Folgen wirklich kaum relevant war. Shu, Touka oder selbst Nishiki hätten es mehr verdient, das Cover zu zieren. Da hilft auch nicht, dass auf dem Wendecover nochmal Uta mit seiner Voodoomaske zu sehen ist. Als Bonus gibt es wie bei der vorherigen Ausgabe ein Booklet mit Kommentaren des Regisseurs, Charakterprofilen und Konzeptzeichnung (der Illustrator hat wirklich ein tolles Gespür für Mode!). Zudem liegt wieder ein Streaming-Code für alle drei Episoden für das AoD-Videoportal bei.

Tokyo Ghoul bietet nicht nur ein bizarres Action-Fest mit Gewalt und Blut in einem düsteren Setting. Die Geschichte legt auch ein großes Augenmerk auf das innere Befinden der Figuren und stellt die Konflikte behutsam heraus, worunter mitunter Existenzfragen gehören. Leider ist die Struktur der Serie durch die kurze Laufzeit etwas unausgegoren. Dafür schafft der Anime in einzelnen Momenten, die emotionalen Momente durch gute Inszenierung aufzubauen und den Zuschauer zu involvieren. Die angemessene deutsche Synchronisation steht dem ebenso nicht im Wege. Zu all dem gibt es sehr groteske und überdrehte Figuren, die Tokyo Ghoul nebenher ganz unterhaltsam machen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitsstellung eines Rezensionsexemplar zu Tokyo Ghoul Vol. 2

Details

Titel: Tokyo Ghoul Vol. 2
Originaltitel: 東京喰種トーキョーグール
Animationsstudio: Studio Pierrot
Regisseur: Shuhei Morita
Publisher: Kazé
Länge/Episoden: 75 Minuten/Folge 1 bis 3
Sprachen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Ton: DTS-HD Master 2.0
FSK: ab 16 Jahren
Preis: UVP 30,95 €
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© Sui Ishida/Shueisha,Tokyo Ghoul Production Committee
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