Midnight Wolf Band 7 – Manga-Test

Im neuen, siebten Band von Midnight Wolf erhält die bisher eher ruhige Beziehung zwischen Hisako und ihrem Wolfsfreund Yato eine Wendung. Die Handlung wird nach Deutschland verlegt, wo ihr Geliebter ursprünglich herkam. Somit ist Yatos Vergangenheit das Hauptthema des Volumes. Dies geht sogar so weit, dass die Ereignisse über alle Kapitel hinweg stattfinden – mit einem Cliffhanger am Ende. Ein Special schließt das Buch ab.

Es ist kurz vor Weihnachten. Hisako hat in letzter Zeit immer denselben Traum: Als Gefährtin in Wolfsgestalt läuft sie zusammen mit Yato durch die Wildnis und ist dabei unglaublich glücklich. Nach dem Aufwachen aber entsteht in ihr eine unsagbare Traurigkeit. Um dieser entgegenzuwirken, bemüht sich die junge Frau umso mehr, ein schönes Weihnachten zu garantieren. Yato kann Hisako aber davon überzeugen, dass die beiden zum Glücklichsein nur sich selbst brauchen. Auf der Weihnachtsfeier des Teeladens, in dem unsere Protagonistin ihre Schmuckstücke ausstellt (aus Band 5 bekannt), trifft sie ihren Chef. Dieser verkündet, mit den beiden nach Deutschland reisen zu wollen, da sein Großvater ihm dort ein Schloss geschenkt habe. Es liegt in der Nähe von Yatos altem Revier.

Nach vielen Vorbereitungen sind alle gut in Deutschland angekommen. Hisako gibt sich fröhlich, es plagen sie aber Zweifel und Angst: Wie wird ihr Freund auf seine alte Heimat reagieren, und kann sie damit umgehen? Das Schloss liegt versteckt im Wald. Kaum dort angekommen schwillt Nostalgie im Heimgekehrten auf. Durch seine neue, wilde Seite verfliegt erst Hisakos Angst, keimt dann aber wieder auf, als ein fremder Wolf mit Ohrring auftaucht.

Wie sich herausstellt, ist er Yatos Sohn, der geboren wurde, kurz bevor dieser das Rudel verließ. Der Mann hat die Kraft seines Vaters geerbt und kann sich auch in einen Menschen verwandeln. Allerdings findet er die Partnerwahl seines alten Herrn nicht passend und möchte ihn außerdem als Rudelführer mitnehmen. Yato lehnt zwar ab, lässt aber Hisako tagsüber alleine, um mit dem Jüngeren durch die Wälder zu ziehen.

Als wäre das nicht Unsicherheit genug für die Frau, taucht plötzlich ein ausgestopfter Wolf auf. Wie der Chef vermutet, wurde dieser von Herrn Soma, dem Yato-Sammler aus Band eins, geschickt. Zum Schrecken der beiden ist es genau das Tier aus dem Traum. Die Wölfin war Yatos letzte Gefährtin und wurde von Jägern geschossen. Nach einigem Überlegen zeigt Hisako ihrem Freund die Figur und bricht beim Anblick seines Schmerzes zusammen. Sie verzweifelt vollkommen, als dann noch sein Sohn dazukommt und ihn mitnimmt.

Im Special verbringt das Paar mit Minato und dem Okkultismus-Klub der Uni einen Abend lang in einem Spukschloss. Die Jungs wollen übernatürliche Phänomene beobachten. Dabei findet einer der Bewohner besonderes Gefallen an Hisako.

Die Geschichte erlebt in diesem Band eine unerwartete Wendung. Blieben die Erlebnisse der Protagonisten bisher ruhig und überschaubar, kommt nun neues Leben rein. Zum einen gibt es zum ersten Mal eine durchgehende Handlung, zum anderen endet das Volume sogar mit einem Cliffhanger und nicht mit dem gewohnten Happy End. Bisher haben vor allem kleinere Vorkommnisse im Alltag eine Rolle gespielt, die innerhalb von einem oder maximal zwei Kapiteln abgeschlossen waren. Nun holt Yato seine Vergangenheit ein, es hat sogar den Eindruck, als ob er von jener eingenommen wird und sich in ihr verliert. In dieser Situation stellt die Mangaka auch deutlich die Unsicherheit seitens Hisako dar. Schon in vorigen Bänden hat sie sich mit Ängsten um die Beziehung und mit Yatos Vergangenheit auseinandersetzen müssen. Aber diese Probleme scheinen eher unbedeutend zur aktuellen Darstellung.

Eine Andeutung auf diese Ereignisse gab es schon zwei Bücher zuvor, als das Paar die alte Wölfin im Zoo besuchte. Nun muss man auf den nächsten Band warten, um zu erfahren, wie sich Yato entscheidet. Gegen Ende schien der Wolfsmann deutlich hin- und hergerissen, zumal er seiner alten Gefährtin begegnet. Zudem ist es eine Abwechslung, dass das Volume in Deutschland spielt, wenn auch nicht genau gesagt wird, in welcher Stadt. Da aber von großen Wäldern die Rede ist, findet es eher im Osten bis Südosten statt. Tomu Ohmi erwähnt in ihrem Kommentar auch, dass sie zur Recherche sogar in Süddeutschland und Österreich war.

In der aktuellen Ausgabe wird also mehr Abwechslung als in den vorherigen geboten. Die Geschichte nimmt an Spannung zu, der Handlungsort ist geändert. Nur Hisakos Verhalten bleibt das gleiche wie zuvor auch. Yato wirkt dahingegen nachdenklicher. Dies lockert die Erzählung etwas auf. In den letzten Bänden haben sich die Probleme von Hisako oft stark geähnelt, was ein nur langsames Fortschreiten der Charaktere zur Folge hatte. Dies wird nun etwas aufgeholt.

Durch die Zentrierung der Problematik auf Yatos Vergangenheit treten die Sexszenen in den Hintergrund. Schlief das Paar vorher teilweise zweimal pro Kapitel miteinander, geschieht dies über mehrere nicht. Tomu Ohmis Stil bleibt unverändert. Die Personen sind weiterhin proportional richtig gezeichnet. Außerdem sieht man große Waldszenerien im Hintergrund, welche selbst in kleineren Panels teilweise schön detailliert dargestellt sind.

Die durchgehende Handlung mit Cliffhanger am Ende gibt der Geschichte um Yato und Hisako neue Dynamik. Dies frischt den Manga etwas auf, der durch sich wiederholende Probleme seitens Hisako nur langsam voranschritt. Ansonsten hält Tomu Ohmi ihr zeichnerisches Niveau. Fans der vorangegangenen Handlung sollten hier wieder zugreifen. Diesmal können sie aber mit mehr Spannung, dafür etwas weniger Erotik, im Verlauf des Bandes und zum nächsten hin rechnen.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Midnight Wolf, Band 7.

Details

TitelMidnight Wolf, Band 7
Originaltitel: 新禁断之恋; 禁断の恋でいこう (Kindan no koi de ikou), Vol. 7
Mangaka: Tomu Ohmi
Erscheinungsjahr: 2002 (JP), 03.04.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Romantik, Fantasy, Supernatural, Josei, Smut
Altersempfehlung: 16 Jahre
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 288921544X&chan=animey&asin=288921544X]

Kindan no koi de ikou © 2002 Tomu Ohmi, Shogakukan
Midnight Wolf © 2014 VIZ Media Switzerland SA