Top 10 Klischees in Boys-Love-Manga

Boys Love ist ein beliebtes Manga-Genre, aber auch voller Klischees. Zehn davon nimmt dieser Artikel näher unter die Lupe.

Seit zehn Jahren lese ich schon Manga. Boys Love war von Anfang an ein ständiger Begleiter. Es begann, auf Empfehlung einer Freundin, mit Maki Murakamis zwölfbändigem Werk Gravitation. Mein Herz erst richtig zum Schlagen für Boys Love brachte jedoch Yuki Shimizus Titel Love Mode. Man kann mir ohne Bedenken glauben, wenn ich behaupte, dass in dieser Dekade so mancher Titel des populären Genres rund um homosexuelle Männer und ihre Beziehungen, meist auf den romantisch-erotischen Aspekt ausgelegt, durch meine Finger gingen.

Dabei sind mir in den Werken, welche – so kurios es für Außenstehende auch klingen mag – vor allem von Frauen für Frauen gezeichnet werden, oftmals ähnliche Storyelemente aufgefallen. Diese möchte ich folgend in Form einer Top 10 Klischee-Liste beleuchten, die stellenweise zugegeben etwas überspitzt formuliert ist.

Es handelt sich dabei um eine rein persönliche Auswahl ohne komplexes Bewertungsschema für die Platzierungen, die ganz im Gegenteil ohne große Überlegungen aus einem Bauchgefühl heraus entstanden. Leser dürfen sich daher gerne dazu aufgefordert fühlen, in den Kommentaren ihr Ranking mitzuteilen.

Kleine Anmerkung: Wer gerne gute Boys-Love-Titel lesen möchte, sollte sich mal diese Empfehlungsliste anschauen, in der zehn glaubwürdige, klischeearme Werke vorgestellt werden.

10. Verzerrtes Frauenbild

Es ist wenig verwunderlich, dass weibliche Charaktere in Geschichten über Liebesbeziehungen zwischen Männern bei der Aufmerksamkeit leer ausgehen. Wenn überhaupt vorhanden, sind sie mehr Füllelement für die Handlung als wichtige tragende Nebenrollen. So übernimmt das holde Geschlecht oftmals nur eine unterstützende Position, etwa in Form von Töchtern, Schwestern, Arbeitskolleginnen oder Freundinnen. Diese reagieren vollkommen positiv darauf, dass sich zwei Männer lieben und geben eventuell sogar einen kleinen Schubs in die richtige Richtung, damit in der Beziehung endlich mal etwas vorangeht.

Ace aus „Lupus in Fabula“ © 2016 Kamineo

Auf der anderen Seite haben wir aber, wenn auch eher selten vertreten, Liebesrivalinnen – Ehefrauen, Verlobte, Partnerinnen oder einfach Mädchen/Frauen, die für einen der Protagonisten schwärmen. Wie bei den vorher erwähnten weiblichen Figuren wird auch hier nicht auf Komplexität in der Darstellung geachtet, sondern vor allem eindimensionale Merkmale hervorgehoben: Eifersucht, Wut und eventuell Abscheu. Es wird ein sehr einseitig negatives Bild präsentiert, um die Spannung der Story zu heben.

Natürlich steht im Zentrum von Boys-Love-Manga das männliche Geschlecht. Die beiden meist halbnackten Männer, die sich verführerisch auf dem Cover rekeln, sollten das mehr als genug verdeutlichen. Ich sehe darin aber keinen Grund, halbherzige Nebencharaktere einzubauen, speziell bei den weiblichen Figuren, wo doch das Genre, um noch mal daran zu erinnern, von Frauen für Frauen gezeichnet wird. Da müsste doch eigentlich die Darstellung des eigenen Geschlechts locker von der Hand gehen.

Beispiele für richtige Badass-Frauen in Boys-Love-Manga sind Maria/Bihan aus Blue Sheep Dream von Makoto Tateno oder FBI-Special-Agent Ace aus Lupus in Fabula der deutschen Manga-Zeichnerin Kamineo.

9. Auf einen Schlag plötzlich schwul

So kann’s gehen im Leben: Da hat man die Pubertät hinter sich, vielleicht sogar schon seit mehreren Jahren schon, und ist sich seiner eigenen Sexualität eigentlich ziemlich sicher. Mann steht auf Frauen und hat eventuell  sogar schon ein Kind wie die Figur Osawa in Kai Asous Zweiteiler Trau dich. Punkt. Kerle lassen einen kalt. Erregung gleich null. Selbst denkt man gar negativ über Homosexualität – man nehme nur einmal als Beispiel Soichi Tatsumi aus Hinako Takanagas Verliebter Tyrann oder Ein Lehrer zum Verlieben-Protagonisten Komori, gezeichnet von Nase Yamoto.

Trau dich 1

Bis schließlich dieser eine Typ auf der Bildfläche erscheint.

Bei Boys-Love-Manga ist die Chance eher klein, dass sich beide Protagonisten von Anfang an ihrer eigenen Sexualität bewusst sind und sich damit in der Vergangenheit bereits auseinandergesetzt haben. Was der realistischere Zugang wäre. Öfters kann es dagegen passieren, dass da ein nichts ahnender Hetero-Mann um die Ecke kommt und – spät, aber doch – sein bi-/homosexuelles Erwachen feiert, da die aufdringlichen Avancen des hartnäckigen Gegenübers mit der Zeit doch ganz nett werden. So muss sich etwa Polizist Ryo in Sanami Matohs siebenbändigem Fake immer wieder fragen, wie er denn nun über seinen bisexuellen und an ihn interessierten Arbeitskollegen Dee denkt und dabei empfindet.

Aber natürlich schlägt das Herz dann nur für diesen einen speziellen Typen. Was die Welt sonst so an schmackhaftem Frischfleisch zu bieten hat, wird weiterhin, ohne mit der Wimper zu zucken, ignoriert. Das ist Liebe. Realität hat da nicht immer ihren Platz.

Auf der anderen Seite gibt es auch Boys-Love-Geschichten mit Jugendlichen in der Pubertät oder gerade erst daraus entwachsen, die noch zu unerfahren und bezüglich ihrer Orientierung unsicher sind. Da wirkt so ein Meinungswechsel um 180° schlüssiger.

8. Der ebenfalls schwule Bruder

Okay, das macht durchaus einen Sinn, wenn zwei Brüder beide homosexuell sind, schließlich geht die Theorie davon aus, dass Genetik bei der sexuellen Ausprägung eine Rolle spielt. Aber wir wissen doch alle, dass Boys-Love-Mangaka beim Zeichnen ihrer Werke nicht nebenbei in wissenschaftlichen Lektüren blättern und Wahrscheinlichkeiten aufstellen, um zu eruieren, ob der Bruder vom Protagonisten nun auf Brüste oder Penisse steht. Stattdessen denkt man sich wahrscheinlich: Das ist ein Boys-Love-Manga, und dort haben wir einen nicht vergebenen jungen Mann, der genug Potential für ein Sequel und damit noch mehr Fanservice mit sich bringt. Dabei muss es dafür nicht zwangsläufig ein Blutsverwandter vom ursprünglichen Protagonisten sein. Ebenso gerne werden Arbeitskollegen, Freunde oder andere Nebencharaktere in der Fortsetzung näher ins Licht gerückt und der Liebe ihres Lebens zugewiesen.

Das ist nicht einmal ein negatives Klischee. Schließlich ertappe ich mich meist persönlich dabei, die zweite Geschichte mit dem neuen Pärchen mehr zu mögen und stärker mitzufiebern. Das kann daran liegen, dass man die Personen schon als Nebencharaktere aus der Vorgeschichte kennt oder die Zeichnerin nun einen größeren Erfahrungsschatz punkto Storytelling hat und sich die Zeit für eine etwas ausführlichere Handlung nimmt. Die Gründe können vielseitig sein. Mein Geld landet so oder so auf dem Tresen.

© Tokyopop

Als regelrechte Fundgrube erweisen sich Werke von Hinako Takanaga. So widmen sich folgende Titel dem Bruder-Klischee: Küss mich, Student! und Verliebter Tyrann (Brüder: Tomoe und Soichi Tatsumi, Tetsuhiro und Kunihiro Morinaga), Gezielte Verführung und Gezieltes Verlangen (Brüder: Reiichiro und Tsukasa Shudo) sowie Des Teufels Geheimnis (Brüder: Raoul und Baldur).

Als Spezialfall sei noch aufgeführt, dass es durchaus Boys-Love-Manga gibt, in denen sich Brüder ineinander verlieben (Brother x Brother von Hirotaka Kisaragi, Cool as you von Kae Maruya), wobei Zeichner dabei zum Glück hauptsächlich über Adoptiv- beziehungsweise Stiefbrüder erzählen, anstatt wirklichen Inzest ins Spiel zu bringen.

7. Beim ersten Mal gleich quer durchs Kamasutra

Der Titel mag übertrieben klingen, aber so sind auch manche Sexszenen, welche einem im Laufe seines Lebens als Boys-Love-Fan unter die Augen kommen. Gerade bei expliziten Werken, welche unter dem Begriff Yaoi bekannt sind, muss man generell nicht lange auf das erste Mal zwischen dem frisch gefundenen Liebespaar warten, wenn sie zu dem Zeitpunkt überhaupt zusammen sind – oder wenigstens ineinander verliebt. Das ist nämlich nicht immer der Fall.

Oftmals tritt dabei auch gleich noch die Konstellation auf, dass einer der beiden Protagonisten auf dem Gebiet noch recht unbedarft und gar „unschuldig“ ist, während der andere weitaus mehr Erfahrung mit sich bringt. Statt jedoch behutsam aufeinander einzugehen und erst einmal herauszufinden, was der andere mag und was nicht, wird gleich von Anfang an volles Programm mit gleich mehreren Stellungen gefahren. Jeder Stoß ein Treffer, der den Partner vor Ekstase Sterne sehen lässt. Was da für eine Ausdauer an den Tag gelegt wird, ist unglaublich. Da darf man Sex zu Recht als „Bettsport“ bezeichnen, wobei das Bett optional ist (siehe Klischee 2).

So etwas wie unbefriedigenden Sex scheint es im Boys Love gar nicht zu geben, und falls doch, bin ich noch nicht darauf gestoßen.

6. Sex wie die Karnickel
© Egmont Manga

Wenn wir zuvor die Qualität erwähnt haben, darf auch die Quantität nicht unter den Tisch fallen, wobei wir wieder in den Yaoi-Bereich des Boys-Love-Genres abdriften. Und da sind so manche Titel klar auf Fanservice ausgerichtet, wenn gerade mal ein paar Seiten mit Bekleidung vergehen, bevor die Klamotten auch schon wieder runter müssen. Jederzeit bereit lautet hier klar die Devise. Speziell Mika Sadahiros Under Grand Hotel und Band 1 von Ayano Yamanes Crimson Spell legen bei der Häufigkeit die Messlatte ziemlich hoch.

So etwas wie Nein, „Ich mag nicht“, „Ich habe Migräne“, etc. scheint es im Boys Love gar nicht zu geben. Da ist es auch irrelevant, wenn einer der beiden Partner kränkelt, was zum Beispiel mal in Liebesskizzen von Aya Sakyo der Fall ist. Sorgen richten sich zu allem Überfluss dann eher an den Gesunden, der sich ja eventuell anstecken könnte, als an den Patienten mit dem schwächelten Immunsystem und Bedarf an Ruhe sowie Fürsorge. Ich bin mir nicht sicher, was Zeichner mit solchen Szenen übermitteln wollen. Sexy oder erotisch sind sie jedenfalls nicht.

Meine Top 5 Klischees in Boys-Love-Manga gibt es auf der nächsten Seite.

2 KOMMENTARE

  1. Habe einige der angeführten oder bildlich dargestellten Mangas zu Hause.bin ein absoluter Liebhaber dieser Mangas.
    Reise anfang August nach Japan. Freue mich schon sehr darauf

    • Dann hast du einen guten Manga-Geschmack 😉
      Und mit Japan machst du mich gerade voll neidisch. Ich wünsche dir viel Spaß dort.

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