In Kürze erscheint mit ToxiCC ein neuer Boys-Love-Manga der österreichischen Zeichnerin Nightmaker. Für Sumikai stand sie daher in einem Interview Rede und Antwort zum Thema Selbstvermarktung und Werbung.

ToxiCC by Nightmaker
ToxiCC © 2017 Nightmaker

Nightmaker, die 2015 den Boys-Love-Manga Fading Colors bei TOKYOPOP veröffentlicht hat, verlegt die neue Serie komplett in Eigenregie. In ToxiCC spielen ebenfalls Catboys eine zentrale Rolle.

Doch das ist noch lange nicht alles: in Zusammenarbeit mit Sumikai hat sich Nightmaker ein paar ganz besondere Dinge überlegt, die wir in den kommenden Wochen und Monaten enthüllen werden. Zuerst werden wir Nightmaker aber in einem Interview auf den Zahn fühlen.

Sumikai: Dein Debüt hast du mit dem Verlagsmanga Fading Colors gefeiert. Danach bist du in die Dojinshi-Szene gewechselt und veröffentlichst nun Selbstpublikationen. Was für einen Mehraufwand bedeutet das für dich?

Nightmaker: Wenn man bei einem Verlag zeichnet, dann ist das einzige, womit man sich beschäftigt, das Zeichnen. Im Self-Publishing-Bereich übernimmt man alles, was ein Verlag sonst für den Autor macht.
Das bedeutet im Klartext: ich kümmere mich darum, dass der Manga gelettert wird, die Daten für den Druck in Ordnung sind, übernehme das Marketing, sowie den Vertrieb und investiere selbstverständlich selbst Geld in meine Projekte.
Um mich zu entlasten, arbeite ich im Moment aber mit einigen Freelancern zusammen, die Dinge wie Lettering, Vertrieb und Druckdatenaufbereitung für mich übernehmen.

Sumikai: Hat es Vorteile, selbst für die Werbung verantwortlich zu sein, anstatt alles einem Verlag zu überlassen?

Nightmaker: Es hat alles Vor- und Nachteile. Werbung machen ist teuer und man muss die richtigen Leute kennen, beziehungsweise Connections zu ihnen herstellen. Allerdings ist es sehr angenehm, dass ich nun niemanden fragen muss, wenn ich etwas machen will.

Sumikai: Sollten bei Verlagsveröffentlichungen Zeichner dennoch privat Werbung für ihren Titel machen, oder darf man sich da getrost zurücklehnen?

Nightmaker: Ich bin der Meinung, dass es besser laufen wird, je mehr Werbung gemacht wird. Natürlich muss man darauf achten, dass die Werbung auch die richtige Zielgruppe erreicht.

Sumikai: Was für einen Anteil nimmt der Aspekt der Werbung für deine Produkte in deinem Zeichner-Dasein ein?

Nightmaker: Natürlich zeichne ich einige Bilder spezifisch für Werbezwecke, aber eigentlich läuft es darauf hinaus, dass ich einfach immer nur darauf achte, dass ein Bild ein bestimmtes Druckformat hat, damit ich es gegebenenfalls für Werbung verwenden kann.

Sumikai: Wie wichtig ist sorgfältig geplante Werbung?

Nightmaker: Meiner Meinung nach ist so etwas sehr wichtig. Viele erinnern sich bestimmt noch daran, dass zum Erscheinen von „Fading Colors“ viele Künstler Fanarts dazu gemacht habe. Dazu kam es, weil ich das Ganze organisiert habe. Ich habe meine Freunde gefragt, ob sie nicht eventuell Lust haben, ein Fanart zu machen und das zu einem bestimmten Zeitpunkt hochzuladen.
Ich bin mir sehr sicher, dass dies ein großer Grund war, warum die erste Auflage von „Fading Colors“ nach nur zwei Wochen schon ausverkauft war.

Sumikai: Wenn du dir die deutschsprachige Dojinshi-Szene so ansiehst: Vermarkten Zeichner ihre Selbstpublikationen im Allgemeinen angemessen konsequent oder gibt es in dem Punkt Aufholbedarf?

Nightmaker: Viele Zeichner machen überhaupt kein Marketing für ihre Produkte. Außer vielleicht ein bis zwei Illustrationen zum Release zu veröffentlichen. Das ist leider einfach zu wenig. Ich kann nur vom Mangazeichnen leben, weil ich mir sehr viele Gedanken über Marketing mache und es auch so umsetze.

Sumikai: Wann sollten Zeichner bei ihren Manga-Projekten mit der Werbung beginnen? Was sind die wichtigsten Punkte, die zu beachten sind?

Nightmaker: Am besten so früh wie möglich. Man muss auch nicht einmal spezifische Illustrationen für das Marketing machen, sondern einfach aktiv sein und ganz viele Skizzen und Arbeitsschritte hochladen. Leute lieben Work-In-Progress-Bilder. Das Wichtigste ist aber, dass die Zeichner und deren Figuren präsent sind.

Sumikai: Dein erster selbst publizierter Manga war Best Friends Band 1, der zur Leipziger Buchmesse 2016 erschienen ist. Wie hast du damals Werbung für deinen Titel gemacht?

Nightmaker: „Best Friends“ war eine große Ausnahme für mich. Zu der Zeit, als dieser Manga entstanden ist, hatte ich ein paar sehr schwere Monate. Ich wusste nicht genau, ob ich weiter Manga zeichnen wollte. Dementsprechend war „Best Friends“ ein Test für mich selbst, ob ich noch Spaß an der Sache habe.
Das Einzige, was ich damals an Werbung gemacht habe, waren Ankündigungen auf meinen Social-Media-Seiten wie Facebook, Twitter und Tapastic. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass es sich trotzdem so gut verkauft hat.

Sumikai: Was machst du für ToxiCC nun anders?

Nightmaker: „ToxiCC“ ist in jeglicher Hinsicht anders. Für „ToxiCC“ habe ich Abertausende an Previewheften drucken lassen, die ich kostenlos verteile. Außerdem wird „ToxiCC“ auch als Online-Manga verfügbar sein.

Sumikai: Wie wichtig sind Online-Leseproben oder gar parallel laufende Online-Versionen?

Nightmaker: Ich bin der Meinung Online-Versionen sind ein Muss. Viele haben Angst, dass die Leser ihre Werke nicht kaufen, wenn sie kostenlos online sind, aber solange der Manga gut ist, hat man den gegenteiligen Effekt. Es ist super Mundpropaganda, die potenzielle Käufer anlockt.

Sumikai: Bei ToxiCC hast du schon früh mit der Werbung in Form von einem Print-Preview im Juli 2016 begonnen. Warum so eine zeitliche Distanz zum Release der Druckversion?

Nightmaker: Es ist ziemlich wichtig, schon einige Monate vor Erscheinen eines Printprodukts Werbung zu machen, sonst kann es sein, dass es zu wenig Leute mitkriegen und es dann weniger kaufen werden. Auch Verlage kündigen ihre Projekte in der Regel mindestens vier Monate vor Erscheinungstermin an.

Sumikai: Wie kann man als Zeichner Leute auf sich und seine Projekte aufmerksam machen? Und darf man sich auf seinen Stammlesern „ausruhen“, oder sollte man stets bestrebt sein, neue Leser zu gewinnen?

Nightmaker: Viel Content generieren, viel mit den Lesern interagieren und immer auf gute Qualität achten. Man darf sich niemals auf Stammlesern ausruhen. Stammleser sollte man mit gewissen Aktionen belohnen, aber man sollte immer versuchen, neue Leser zu gewinnen.

Sumikai: In der Dojinshi-Szene müssen Fans oftmals relativ lange auf die Fortsetzung einer Story warten. Was kann das für negative Effekte haben?

Nightmaker: Das Schlimmste, was man machen kann, ist Fans zu lange warten zu lassen, ohne dass neue Work-In-Progress-Bilder oder Illustrationen hochgeladen werden. Leute neigen dazu Manga und Projekte zu vergessen, wenn sie nicht ständig damit konfrontiert werden.
Am besten ist es also vorzuarbeiten. Lieber vor einem Projekt ein bis zwei Wochen weniger hochladen als sonst und dafür danach richtig loslegen und kontinuierlich viele neue Illustrationen präsentieren.

Sumikai: Was sollte man gerade bei längeren Geschichten beachten, damit Leser nicht mit der Zeit das Interesse am Werk verlieren?

Nightmaker: Regelmäßig updaten. Mindestens ein- bis zweimal pro Woche. Ich persönlich finde es aber besser, jeden Tag oder jeden zweiten Tag etwas hochzuladen.

Sumikai: Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview!

Nightmaker: Ich danke ebenfalls! Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid und einmal in „ToxiCC“ hineinlesen wollt, könnt ihr dies auf Animexx tun. Dort lade ich im Moment regelmäßig neue Seiten hoch, um euch die Wartezeit auf den Druck zu verkürzen.

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