»Ruinenmärchen« – Manga-Test

Ruinen, die Überbleibsel aus vergangenen Tagen, faszinieren viele Menschen. Auch Mangaka Tsukiji Nao (Adekan) fand Gefallen an den mysteriösen Orten und schuf daraus dieses Buch. Gleich vier Kurzgeschichten erwarten den Leser hier. Welche Storys dabei erzählt werden, erfahrt ihr in unserem Test.

Das Mädchen in der Ruine

Kazeko hat erst kürzlich die Schule gewechselt, doch auch hier verbreitet sich schnell das Gemunkel über ihre Vergangenheit. Vor drei Jahren hielt ein Mann sie mehrere tage in einer Fabrikruine fest. Der Täter wurde niemals geschnappt. Ihre Erinnerungen an die Zeit hat das Mädchen großteils verdrängt. So ist es verständlich, dass Kazeko nicht gerne über den Schrecken spricht und gereizt auf das Thema reagiert. Einzig bei ihrer oft kränklichen Freundin Momoka bleibt ihr das erspart, zumindest bis sich der Horror wiederholt.

Eigentlich wollte Kazeko nur bei ihrer Schulkollegin übernachten, um deren Entlassung aus dem Hospital zu feiern, doch es kommt anders. Nachdem sie ihren Eltern Bescheid gegeben hat, erhält das Mädchen einen Schlag auf den Hinterkopf. Als sie ihr Bewusstsein wieder erlangt, befindet sich Kazeko an den Ort des Schreckens. Diesmal hat Momoka sie in der Ruine eingesperrt. Um befreit zu werden, gilt es das Geheimnis der Vergangenheit zu entschlüsseln. Doch die Zeit drängt, in drei Tagen wird die Fabrik gesprengt. Es beginnt ein Spiel auf Leben und Tod.

Die Geschichte spielt sich fast zur Gänze nur zwischen den beiden Mädchen ab, welche auch auf dem Cover abgebildet sind. Während Kazeko sichtlich gestresst und überfordert ist, bleibt Momoka gelassen. Solange sie nicht ihren starren Horrorblick aufsetzt, könnte niemand glauben, zu was die süße Schülerin fähig ist. In der düsteren Erzählung leidet man mit den Jugendlichen mit bis zum bitteren Ende.

Der Mann, der die Musik sehen konnte

Herr Sumida ist ein alter Musiklehrer, die Freude an seinem Beruf hat er schon längst verloren. Sein Leben verändert sich dramatisch als Sumida einem seltsamen jungen Mann begegnet. Seit dieser den Bildungsbeauftragten zur Aufmunterung einen Gefallen anbot, kann Sumida Töne sehen. Auch wen die Gabe zunächst harmlos klingt, so können diese Illusionen schnell gefährlich werden. Der Schlüssel, um sich von dem Fluch der mörderischen Melodien zu befreien, scheint in einer Ruine verborgen zu sein.

Das zweite Märchen unterscheidet sich vor allem durch das hohe Alter der Hauptperson von den anderen Geschichten. Sumida ist vom Selbsthass zerfressen, er trauert den vergangenen Tagen, wo sein Leben noch schön war, nach. Hinzu kommt die Eifersucht auf seinen hoch angesehenen Konkurrenten Kurokawa. Zwar gibt es in diesem Kapitel wundervolle Zeichnungen, doch wird es einigen Lesern schwerfallen sich mit Sumida anzufreunden. Sein Selbstfindungstrip bleibt im direkten Vergleich zu den weiteren Storys des Mangas vom Spannungsaufbau etwas zurück.

Das Mädchen in der Kommode

Toru stand bis zum Tod seines Zwillingsbruders immer in dessen Schatten. Dieser feierte Erfolge als Arzt, während Ersterer nicht mal das Medizinstudium schaffte. Vor einer Woche erlag er jedoch seiner schweren Krankheit, seltsamerweise wurde der Leichnam des Doktors in der Schrankschublade aufgefunden. Bei Geschwistern, die sich optisch so ähneln, kommt es schon zu Verwechselungen. Die schöne Kozue hält Toru für ihren Arzt.

Da das Mädchen dermaßen glücklich über das Wiedersehen ist, konnte Toru ihr nicht so einfach das Herz brechen, indem er ihr die Wahrheit sagt. So spielt Toru die Rolle seines Bruders. Die Patientin hat eine seltsame Krankheit, sie leidet unter furchterregenden Halluzinationen. Nur in einer Kommode erlangt die junge Frau Ruhe. Kozue wohnt in einer Ruine aus den Überresten des Einkaufsviertels. Sie schläft nicht nur in den Möbelstücken, sondern verbringt auch die meiste Zeit in diesen. Toru erkennt die Parallelen zwischen ihrer Lebensweise und dem Tod seines Bruders, geht der Spur nach bis die schreckliche Wahrheit ans Licht kommt.

Die Mystery/Love-Story kann mit unerwarteten Wendungen punkten, wodurch wohl niemand zuBeginn das Ende erahnt. Toru plagen die Gewissensbisse bei seinem Täuschungsmanöver, doch er taucht immer tiefer in Kozues Welt ein. Das ständige Lügen und die Gefahr entlarvt zu werden, machen ihm zu schaffen. Von den Motiven und Gefühlen des süßen Mädchens bekommt der Leser erst im Verlauf der Handlung nähere Einblicke.

Der Hügel auf dem Hut

In der königlichen Hauptstadt Aurili lebt Toma, ein Meister der Kopfbedeckungsherstellung. Seine Schöpfungen werden vom Adel und anderen Menschen der Oberschicht getragen. Ihm sind hohes Ansehen sowie Reichtum äußerst wichtig, als ihn der Herrscher Toma zu sich ruft, könnte es der Höhepunkt seiner Karriere werden. Zusammen mit dem Lehrmädchen Dolcile macht er sich auf dem Weg zum Schloss. Durch ein Missgeschick müssen sie bei einem verfallenden Gebäude übernachten. Doch die beiden wissen nicht, dass sie eine »unendliche Ruine« betreten haben. Um wieder raus zukommen, gilt es, einen Deal mit den dort lebenden Geistern zu schließen. Toma bekommt eine Aufgabe,die nicht nur schwierig erscheint, sondern auch mehr Leidenschaft erfordert als seine Hüte für die Reichen.

Hier geht es deutlich lustiger zu als bei den vorherigen Erzählungen. Der schöne und eingebildete Hutmacher lässt sich äußerst leicht provozieren, wodurch oft Scherze auf seine Kosten gemacht werden. Als perfekten Ausgleich dazu dient Dolcile, die wenig Respekt vor ihrem Chef hat. Sie interessiert sich für Schwarze Magie und hat ein freches Mundwerk. Zusammen ergeben sie ein komisches Duo, welches einem schnell ans Herz wächst.

Der Einzelband erschien 2012 in Japan, im Januar dieses Jahres brachte Egmont Manga das Buch zu uns. Der Verlag publizierte auch schon Adekan und Golden Tales vom selben Mangaka. In allen drei Werken von Tsukiji Nao macht sich der detailliert Zeichenstil bemerkbar.

Mit Ruinenmärchen erwartet dem Leser eine schöne Sammlung an abwechslungsreichen Geschichten. Zwar dreht sich immer alles um eine Ruine doch das herum unterscheidet sich ziemlich. In der ersten Erzählung gibt es ein packendes Psychoduell zwischen den beiden Mädchen. Nummer Zwei kann optisch mit eindrucksvollen Gemälden, die aus schöner Musik hervorgehen, punkten. Bei der Kommoden-Story geht es romantisch zu. Die Dialoge zwischen Tomas und Dolciles sind mit viel Humor geschmückt. Somit bietet der Manga vielseitige Unterhaltung mit wundervollen Zeichnungen. Sollte euch bereits das Coverbild zusagen, raten wir euch den Einzelband auf jeden Fall genauer zu begutachten.

Details

Titel: Ruinenmärchen
Originaltitel: 廃墟少女 (Haikyo Shojo)
Mangaka: Tsukiji Nao
Erscheinungsjahr: 09. Januar 2014
Verlag: Kodansha (JP), Egmont (DE)
Genre: Mystery
Preis: 7,50€ (DE), 7,80€ (AT)
Bestellen: [amazon text=ISBN-10 3770481496&chan=animey&asin=3770481496]

Wir bedanken uns bei Egmont Manga für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Ruinenmärchen.

Haikyo Shojo © 2013 Tsukiji Nao/Kodansha Ltd.
Ruinenmärchen © 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH