»Mimic Royal Princess« – Manga Test

Ende Februar startete CARLSEN MANGA! die Serie Mimic Royal Princess (Originaltitel: Shounen Oujo), welche in Japan im Magazin Sylph fortlaufend erscheint. In einer matriarchalischen Gesellschaft wächst das Findelkind Albert, mittlerweile elf Jahre alt, zusammen mit seinem Freund Theodor (13) im armen Hafenviertel auf. Seine Aufmüpfigkeit und Neugier bringen ihn jedoch rasch in eine gefährliche Situation…

…denn er wird auf einem Botengang von skrupellosen Sklavenhändlern mitsamt seinem Freund entführt und postwendend an vermeintliche Aristokraten verkauft. Jungen – beziehungsweise Männer allgemein – haben in dem kleinen Königinnenreich keine Rechte und müssen das tun, was die Frauen von ihnen verlangen, was die Käuferin Alberts von ihm verlangt, erfahrt ihr im folgenden Review!

So gerät Albert als eingekaufter Diener in den Palast der streng regierenden Königin, die keine Widersprüche duldet und selbst für Mitglieder ihrer eigenen Familie keine Gnade kennt. Dort lernen Albert und Theodor zunächst den exzentrischen Guy Schwarzwald kennen, seines Zeichens persönlicher Leibwächter der einzigen Prinzessin und Thronfolgerin im Reich, Alexia Lumier. Mit Erstaunen stellt die vorpubertierende Prinzessin fest, dass ihre neue Errungenschaft, Albert, ihr wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Das war auch der hauptsächliche Kaufgrund, denn sie sucht schon länger ein Kind, das ihr ähnlich sieht, damit sie sich bis zu ihrem zwölften Geburtstag – und der damit eintretenden Volljährigkeit inklusive royaler Verpflichtungen – mit ihrem Hobby, dem Reiten, vergnügen und die Stadt kennen lernen kann.

Theodor entschließt sich nach einem kleinen Disput mit Alexia und Guy in die Welt zu ziehen, um ein starker Mann zu werden, der Albert später beschützen kann. Dieser indes verbleibt im Palast und wird gezwungen Kleider anzuziehen, sich wie eine Prinzessin zu betragen und ebenso viel zu lernen,  um als Doppelgänger(in) nicht schlecht dazustehen.

Im Laufe der Zeit gewöhnt sich Albert an seine neue Rolle, ändert seine Sprache, sein Verhalten und beginnt, sich immer freiwilliger für die Belange des Hofes zu interessieren. In Guy wachsen Zweifel, ob Albert nicht sogar ein legitimes Mitglied der königlichen Familie sein kann. Gerade als diese Frage sich beantwortet, geschieht ein tragisches Ereignis, das alle naiven Pläne von Alexia umwirft und Alberts Schicksal dramatisch verändert.

Das Szenario in Mimic Royal Princess stammt von  Zenko Musashino und wird durch die Zeichnungen sowie textliche Ausgestaltung von Utako Yukihiro dramaturgisch ausgearbeitet. Diese Umsetzung präsentiert sich in vorwiegend harten Linien, die dennoch weiche Gesichter formen. Die Anfangs bedrückende Atmosphäre des ungewohnten Settings eines Matriarchats wird stilistisch durch sehr viele dunkle Kontraste bildlich transportiert. Große schwarze Flächen nehmen das Bild ein und erwecken das beklemmende Gefühl, welches Albert im Königinnenhaus erlebt, auf greifbar packende wie beeindruckende Weise.

Die Charaktere – besonders die in den vorliegenden ersten sieben Kapiteln wichtigen Figuren Albert, Alexia, Guy, Theodor und Alexias Mutter, die Königin – erhalten ausgearbeitete Profile und ein wiedererkennbares Design. Wieso sich Alexia und Albert so ähnlich sehen, wird im Laufe der Erzählung deutlich. Diese Ähnlichkeit ist auch grafisch präzise umgesetzt und die beiden sind optisch lediglich durch die etwas unterschiedlichen Frisuren zu unterscheiden. In den Dialogen kristallisieren sich die jeweils zugehörigen Passagen durch die gut herausgearbeiteten individuellen Merkmale heraus.

An dieser Stelle macht die deutsche Übersetzung dem Leser die Lektüre jedoch schwieriger als sie sein müsste, denn zu Beginn des Mangas ist vom Geburtstag der Königin selbst die Rede, welche in der Mitte des Bandes kurzerhand zu Alexias Geburtstag wird, welcher jedoch erst am Ende der zusammengefassten sieben Episoden eine Rolle spielt. Darüber hinaus wurde möglicherweise ein schon im Original vorkommender Logikfehler bezüglich der Ähnlichkeit Alberts zu Alexia nicht ausgebessert.

Obwohl die Bild- und Textsprache von Mimic Royal Princess gegen Abschluss der ersten Ausgabe sehr stringent und gut ausgearbeitet sind, gestaltet Utako Yukihiro den Erzählfluss in den einsteigenden zwei bis drei Abschnitten holprig, hektisch und aufgrund der häufigen Orts- sowie Szenenwechsel verwirrend. Hat der Leser diese rasche Einführung in den Plot jedoch nachvollzogen, liest sich die erste Ausgabe von Mimic Royal Princess spannend und fließend. Die abschließende dramatische Wendung spannt einen fesselnden Bogen zum zweiten Band, der zwei Jahre in der Zukunft spielt. Fans von dramatisch-außergewöhnlichen Geschichten in ausdrucksstarken Bildern mit einem Hang zur Tragik sowie einer Prise Humor (hier in Form von Guy) werden an Mimic Royal Princess ihr Vergnügen haben.

Wir bedanken uns bei CARLSEN MANGA! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Mimic Royal Princess, Band 1.

Details

Titel: Mimic Royal Princess Band 1
Originaltitel: Shounen Oujo (少年王女)
Mangaka: Utako Yukihiro & Zenko Musashino
Erscheinungsjahr: 2011 (JP) 2014 (DE)
Verlag: Kadokawa (JP), Carlsen Manga (DE)
Genre: Fantasy, Mystery
Altersempfehlung: 14+
Preis: 6,95€
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 3551740623&chan=animey&asin=3551740623]

Shounen Oujo  © 2011 Utako Yukihiro/Zenko Musashino, Kadokawa
Mimic Royal Princess © Carlsen Verlag GmbH, Hamburg 2014