»Heimliche Blicke« Band 10 – Manga-Test

Am 2. Oktober 2014 brachte Kazé Manga den zehnten Band von Wakoh Honnas Erotik-Titel Heimliche Blicke heraus. Somit ist das schlüpfrige Werk hierzulande in den zweistelligen Bereich vorgedrungen. Drei weitere Volumes kommen noch auf die Fans zu. Zuletzt mussten Tatsuhiko und Emiru Ries böswilligen Schikanen ertragen. Ihnen gelang es zwar, die junge Frau zu vertreiben, doch zu einem hohen Preis. Nicht nur Yoneyama weiß nun über das Loch in der Wand Bescheid, sondern auch Madoka, die in Emiru die Schuldige für alles sieht. Kann der Student seine Beziehung retten?

Tatsuhiko wird vom schlechten Gewissen geplagt. Madoka kennt nun das Geheimnis. Statt jedoch böse zu sein, turtelt sie fröhlich mit ihm herum. Das Loch in der Wand bleibt auf ihren Wunsch hin dennoch weiterhin offen. Emiru ist in ihren Augen die Täterin, Tatsuhiko das Opfer. Obwohl Madoka ihrem Freund daher verzeiht, merkt Tatsuhiko, dass sie den langen Betrug nicht wirklich verkraftet. Doch anstatt sich endlich um seine Partnerin kümmern zu können, prescht plötzlich ein anderer Mensch in sein Leben.

Als Tatsuhiko eines regnerischen Abends nach Hause kommt, steht vor Emirus Wohnungstür eine fremde Frau, die sich ihm als ihre Schwester Tsugumi vorstellt. Als die vermeintlichen Geschwister aber aufeinandertreffen, erleidet die fiebrige Emiru einen Schwächeanfall und bricht zusammen. Tsugumi verschwindet, spricht zuvor aber eine Drohung aus, die Unheil für Emiru und Tatsuhiko bedeutet.

Sage und schreibe zehn Bände hat es »nur« gedauert, bis Wakoh Honna den Lesern erste Hinweise zur Vergangenheit der mysteriösen Emiru preisgibt. Im Vergleich dazu weiß man von Tatsuhikos Zeit vor dem Studium seit dem Auftritt seines früheren Schwarms Tamako im dritten Volume zumindest ein wenig. Andererseits wirkt Emirus Vergangenheit schon jetzt interessanter, da sich die perverse Schönheit so lange gekonnt in Schweigen hüllte. Statt Antworten kommen mehr Fragen auf. Zumindest eines ist klar: Bevor sich Tatsuhiko und Emiru kennenlernten, muss etwas Schreckliches in ihrem Leben passiert sein. Worum es sich dabei genau handelt, deutet die junge Studentin zwar an, aber als Betrachter kommt man nicht umhin, darüber zu grübeln, wie genau sie diese Worte meint.

Den Stein ins Rollen bringt das unerwartete Auftauchen der hübschen, aber anscheinend auch sehr kaltherzigen Tsugumi, die offensichtlich eine alte Rechnung mit Emiru begleichen will. Der kurze Abriss der Handlung weiter oben signalisiert bereits, dass Tsugumi heimtückisch genug ist, um sich vor Tatsuhiko als Emirus Schwester auszugeben, obwohl nicht im geringsten eine äußerliche Ähnlichkeit zwischen den beiden besteht. Die Rachsucht muss groß sowie sehr persönlich sein, um so eine Lüge unschuldig über die Lippen zu bringen und Fremde in die Angelegenheit mit reinzuziehen. Tsugumi erzeugt mit ihrem tiefen Groll auf Anhieb eine düstere und bedrohliche Stimmung in Heimliche Blicke. Wer glaubt, Rie wäre zuvor ein Problem gewesen, wird hier eines Besseren belehrt.

Wieder einmal die zweite Geige spielen darf Madoka. Der Haussegen beim Paar hängt definitiv schief, auch wenn Tatsuhikos Freundin auf heile Welt macht. Die Szenen offenbaren einem sofort die Wahrheit. Aus Band neun wissen wir, dass sich Emiru absichtlich vor Madoka als ruchlose Böse gebrüstet hat, der Tatsuhiko hilflos ausgeliefert war, und kassierte dafür Schläge. Damals ist Madoka ohne großes Nachdenken auf den Köder eingegangen. Auf der einen Seite will sie die Beziehung zum jüngeren Mann aufrechterhalten, auf der anderen quält die 22-Jährige der Vertrauensbruch.

Beim Erotik-Manga lässt es sich Wakoh Honna natürlich auch bei Band 10 nicht nehmen, nackte Haut ins Spiel zu bringen – und ist dabei wie gewohnt sehr großzügig. Betrachter sollten die Augen dieses Mal aber besonders offen halten, um mehr als nur die wohlgeformten Grazien zu bewundern. Hinter jedem Akt stehen verborgene Gefühle und Bedeutungen, die weit über die primitive Fleischeslust hinausgehen. Dem genauen Leser ist aber schnell ersichtlich, was für Motive die Charaktere vorantreiben. Nach zehn Bänden kennt jeder Wakoh Honnas Stil, welcher die Gefühle der Personen wunderbar einfängt, inklusive dessen Eigenart mit kleinen Frauenhänden sowie –mündern in- und auswendig.

Als Antagonistin ist Tsugumi von einer gefährlichen Aura umgeben. Sofort nimmt man sich vor ihr in Acht. Das Design bleibt wie schon bei früheren Neuzugängen individuell, sodass es schade ist, wie rasch die einzelnen Nebencharaktere immer von der Bildfläche verschwinden. Wakoh Honna könnte es sich mühelos leisten, mehr Personen in einen Handlungsbogen zu stopfen, ohne die Leser mit äußerlichen Ähnlichkeiten zu verwirren. Bei den Größenverhältnissen steckt dieses Mal jedoch hin und wieder der Wurm drin. Obwohl in ein paar Szenen Tatsuhiko Tsugumi klar überragt, scheint es zumindest mir in anderen Momenten so, als wäre das Gegenteil der Fall. Hinzukommt, dass Wakoh Honna die Protagonisten und den Großteil der anderen Figuren sehr jugendlich zeichnet, während Tsugumi viel erwachsener und reifer auftritt.

Im letzten Band hat Rie das Handlungsruder in eine bedrohliche Richtung gerissen. Unter Opfern konnte der Kurs noch abgewendet werden, nur um jetzt einer viel gefährlicheren Gegnerin entgegenzutreten. Wakoh Honna bietet im zehnten Volume von Heimliche Blicke eine überzeugende Geschichte, die sowohl eine gehörige Portion Erotik, viele Emotionen, aber auch Spannung mit sich bringt. Vergleicht man den aktuellen Inhalt mit dem ersten Band, wo die meisten Leser die Spanner-Beziehung zwischen den beiden Nachbarn wahrscheinlich bloß belächelt haben und humorvoll fanden, tun sich Welten auf. Die Stimmung ist gekippt – und das macht Lust auf mehr.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Heimliche Blicke, Band 10.

Details

Titel: Heimliche Blicke, Band 10
Originaltitel: ノ・ゾ・キ・ア・ナ (Nozoki Ana), Vol. 10
Mangaka: Wakoh Honna
Erschienen am: 30.01.2012 (JP), 2.10.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Erotik, Comedy, Drama, Romance, Seinen
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889214923&chan=animey&asin=2889214923]

Nozoki Ana © 2009 Wakoh Honna/SHOGAKUKAN
Heimliche Blicke © 2014 VIZ Media Switzerland SA

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