»Heimliche Blicke« Band 6 – Manga-Test

Noch heißt es bei Wakoh Honnas Heimliche Blicke nicht Halbzeit. Dreizehn Bände zählt der Erotik-Titel, den sechsten brachte Kazé Manga vor wenigen Wochen am 6. Februar heraus. Was im April 2013 hierzulande startete, feiert mit der nächsten Ausgabe einjähriges Jubiläum. Mit einem Zweimonatsrhythmus bleibt Fans das Voyeurismus-Werk heuer auf dem Einkaufsplan erhalten, bevor es höchstwahrscheinlich im Frühling 2015 ausklingt. In der Handlung ist bereits jetzt eine große Wende eingetreten, da Tatsuhiko feststellen musste, dass seine Freundin Yuri ihn von Anfang an betrogen hat. Kann er in dieser Situation Trost bei seiner perversen Spanner-Nachbarin Emiru finden?

Frisch von Yuri getrennt verliert sich Tatsuhiko in seiner Arbeit. Während er seine Ex aus seinen Gedanken scheucht, findet dort immer öfter Emiru Platz. Die Fürsorge der Studentin verleitet den jungen Mann zur Idee, dass die beiden die Spanner-Vergangenheit hinter sich lassen und eine Beziehung beginnen könnten. Da hat Tatsuhiko die Rechnung jedoch ohne Emiru gemacht. Mit einem Erpressungsvideo zwingt sie ihn, weiterhin die aufgestellten Regeln zu befolgen.

Obwohl sich Tatsuhiko eigentlich dazu entschieden hat, keine Beziehungen mehr einzugehen, lernt er schnell hintereinander gleich zwei interessante Frauen kennen. Madoka besucht die Kunsthochschule, ist drei Jahre älter als er und noch Jungfrau. Das Model Nao weist im Bett definitiv mehr Erfahrung auf, wie Tatsuhiko schnell feststellen darf.

Da hat Wakoh Honna einmal mächtig auf den Reset-Knopf gedrückt. Alles zurück zum Anfang. Oder vielleicht doch nicht? Oberflächlich betrachtet merkt man keinen Unterschied zur Lage im ersten Band. Tatsuhiko und Emiru sind immer noch Nachbarn, die ein merkwürdiges Spanner-Abkommen miteinander geschlossen haben, welches Ersterem überhaupt nicht gefällt, während die Schönheit mit den komischen Vorlieben lüsterne Freude daran zeigt. Yuri ist wie weggefegt, bei einer zufälligen Begegnung auf dem Gang der Fachhochschule ignoriert sie Tatsuhiko gekonnt. Auch dieser zeigt nach der emotionalen Trennung im letzten Band kaum Anzeichen von Trauer. So schnell kann man eine geliebte Person vergessen. Nun ist Tatsuhiko erneut ungebunden – wie bereits ganz am Anfang. Was hat sich also verglichen zu Band eins im sechsten Teil wirklich großartig geändert?

Es sind Kleinigkeiten, die einem aber doch sofort ins Auge springen, welche den wesentlichen Unterschied machen. Das Verhältnis zwischen Tatsuhiko und Emiru ist zunehmend angespannter, was durchwegs vom Protagonisten ausgeht, der klarerweise eine Wut auf die Studentin hat. Wer wäre es in so einer prekären Situation nicht, wenn man von seiner Nachbarin zu so einem schamlosen Verhalten genötigt wird und damit ahnungslose Bettgefährtinnen verletzen könnte? Andererseits wühlt sich Tatsuhiko in seiner Opferrolle, verflucht Emiru und versucht sich einzureden, einfach ein Jahr keine Beziehung einzugehen, anstatt zum Beispiel bei seinen Freunden um Hilfe anzufragen. Damit kämen wir gleich auf die zweite größere Änderung zu sprechen: Emiru hat zu den Regeln ein Zeitlimit hinzugefügt. In elf Monaten verschwindet die junge Frau aus dem Leben des pseudo-gequälten Tatsuhiko. Was einerseits eine lange, verbleibende Zeit des Voyeurismus bedeutet, gibt den Leser zumindest einen vagen Anhaltspunkt, dass es doch einen roten Faden in der Handlung gibt, der auf ein bestimmtes, noch etwas entferntes Ziel zusteuert.

Nach bereits fünf Bänden sind Leser mit dem auffälligem Zeichenstil vertraut. Besonders beim weiblichen Geschlecht kredenzt Wakoh Honna den Betrachtern ein ums andere Mal kreative, individuelle Designs. Da Tatsuhiko zurzeit ungebunden ist, dürfen Käufer ein paar ungezügelte Bettszenen mit der holden Damenwelt erwarten, in denen wie gewohnt speziell die weiblichen Rundungen in den Lichtblick gestellt werden. In ein paar Momenten stößt der Stil aber auch an seine Grenzen. Wakoh Honna hat sich etwa mit dem Aktmodell Nao für eine 26-jährige Frau mit üppiger Oberweite und vollen Lippen entschieden. Mit einem jungen, mädchenhaften Gesicht fällt der Neuzugang im Großen und Ganzen sehr reizvoll aus. In ein paar emotionalen Momenten klappt es aber nicht ganz, den verführerischen Mund, die geröteten Wangen und die leuchtenden Augen unter einem Hut zu bekommen, sodass der ganze Ausdruck etwas verzerrt wirkt.

Bei insgesamt dreizehn Bänden haben Sammler noch eine große Portion Erotik in Aussicht, welche von der ungewöhnlichen Verbindung zwischen den beiden Hauptfiguren geprägt ist. Seien wir mal ehrlich: Es wäre ziemlich langweilig gewesen, wenn Emiru von ihrer Spannerei abgelassen hätte, um plötzlich mit Tatsuhiko eine Friede-Freude-Eierkuchen-Beziehung zu führen. Das wäre nicht Emiru-like gewesen. In Japan können sich Fans von Wakoh Honna an ihrem neuen Titel Nozo x Kimi erfreuen. Dieser hat zurzeit zwei Bände und läuft bei Shogakukan. Die Hauptfiguren Suga Kimio und Komine Nozomi gehen noch zur Schule, Ersterer weist ein ähnliches Charakter-Design wie Tatsuhiko auf. Durch einen dummen Zufall befindet sich Kimio in einem Spind der Mädchenumkleide, während die Schülerinnen in Unterwäsche anwesend sind. Zu seinem Glück – oder Pech – gehört der Schrank Nozomi, die den verzweifelten Jugendlichen nicht verrät. Als Ausgleich möchte die Schönheit aber, dass sie einander ihre Körper zeigen. Trotz des Altersunterschiedes tun sich Parallelen zu Heimliche Blicke auf, sodass Fans des Erotik-Titels auch an der neuen Serie Gefallen finden könnten.

Emiru ist und bleibt der eigentliche Star in Heimliche Blicke. Bei den ganzen Emotionen zwischen ihr und Tatsuhiko in den ersten fünf Bänden schlägt der neue Teil mächtig auf die Drama-Pauke. Der Protagonist wird unversehens zur anfänglichen reinen Spanner-Beziehung zurückgeschleudert, dennoch müssen Leser keine ständige Wiederholung dieses Verhältnis-Wirrwarrs befürchten. Neben dieser Berg- und Talfahrt bei den Emotionen wartet das sechste Volume mit neuen Charakteren auf, besonders auf der Damenseite gibt es nichts zu meckern. Der Fortgang von Yuri und den damit verbundenen Bett-Optionen für unseren Protagonisten, welcher sonst immer treuherzig seine Freundin den Vorzug gab, bringen frischen Wind in die Sexszenen. Bei dieser Mischung aus Drama, Comedy, Erotik und Emiru, die einfach sie selbst ist, überkommt einem schnell das Gefühl, dass die Story jetzt erst richtig losgeht.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Heimliche Blicke, Band 6.

Details

Titel: Heimliche Blicke, Band 6
Originaltitel: ノ・ゾ・キ・ア・ナ (Nozoki Ana), Vol. 6
Mangaka: Wakoh Honna
Erschienen am: 29.10.2010 (JP), 6.02.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Erotik, Comedy, Drama, Romance, Seinen
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen:[amazon text=ISBN-10: 2889214885&chan=animey&asin=2889214885]

Nozoki Ana © 2009 Wakoh Honna, Shogakukan
Heimliche Blicke © 2014 VIZ Media Switzerland SA