»Heimliche Blicke« Band 7 – Manga-Test

Seit 3. April liegt der siebente Band von Wakoh Honnas Heimliche Blicke (im Original Nozoki Ana) auf Deutsch bei Kazé Manga vor. Mit einer Gesamtlänge von 13 Volumes bedeutet das für hiesige Fans Halbzeit. Gleichzeitig begann im letzten Teil ein neuer Abschnitt, nachdem sich Protagonist Tatsuhiko von Yuri trennte und auch bei der mysteriösen sowie hochperversen Nachbarin Emiru nicht landen konnte. Stattdessen bleibt das Spanner-Verhältnis zwischen den beiden beibehalten und wird mit einem Zeitlimit von einem Jahr versehen. Während Band sechs dennoch wie ein heftiger Schlag auf den Reset-Knopf wirkt, fahren die Gefühle dieses Mal Achterbahn.

Bei einer illustren Runde sind nicht nur bekannte Gesichter zugegen, sondern auch die junge Frau Toko, deren Beziehung gerade gescheitert und die dementsprechend am Boden ist. Toko macht sich darüber lustig, dass Madoka noch keinen Sex hatte, muss aber schnell Konter von Emiru einstecken. Gedemütigt und wütend möchte sie der Studentin eins auswischen, indem Toko sich an Tatsuhiko ranmacht. Zu allem Überfluss beobachtet Madoka die Szene und rennt Hals über Kopf davon.

Trotz des Missverständnisses sowie dank Emirus Hilfe gelingt es Tatsuhiko doch noch, Madoka mit zu sich nach Hause zu nehmen und die Nacht mit ihr zu verbringen. Er hat nämlich den Entschluss gefasst, sich auf das perverse Spiel mit seiner Nachbarin einzulassen und ihr so den Kampf anzusagen. Tatsuhiko und Madoka werden ein Paar, aber so ganz sind seine Gedanken nicht bei seiner neuen Freundin. Stattdessen schweifen diese immer wieder unvermittelt zu Emiru ab, deren Pokerface ebenfalls Sprünge bekommt.

In Japan ist Heimliche Blicke zwar schon abgeschlossen und Wakoh Honna hat sich mit Nozo x Kimi einem neuen, ähnlichen Projekt zugewandt, dennoch gibt es auch für Fans des Voyeurismus-Mangas Neuigkeiten. Im März wurde nämlich eine Live-Action-Adaption von Tatsuhikos und Emirus Geschichte verkündet. Premiere wird in den am 28. Juni 2014 japanischen Kinos am 28. Juni 2014 gefeiert. Dass dies selbst für Fans der Manga-Reihe erstaunlich ist, liegt auf der Hand, schließlich wirft Heimliche Blicke mit unanständigen Szenen nur so um sich. Band sieben macht da keine Ausnahme.

Vielleicht haben manche unter euch nach dem letzten Volume bereits vermutet, dass die 22-jährige Madoka nach Yuri Tatsuhikos neue Freundin wird. Mit ihrem schüchternen Verhalten, einer freundlichen, ehrlichen Art sowie ihrer Unerfahrenheit bringt die anfangs noch jungfräuliche Studentin frischen Wind ins Geschehen und ergattert viele Sympathiepunkte. Wäre da nicht das Loch in der Wand und das geheime Abkommen mit Emiru, könnte man fast schon meinen, Tatsuhiko hätte die Liebe fürs Leben gefunden. Das erste Mal mit Madoka gestaltet sich mitreißend. Wakoh Honna gelingt es tadellos, eine romantische Atmosphäre aufzubauen, in der Anspannung und Freude in Wechselwirkung miteinander stehen. Die gefühlvolle Szene vereint Romantik und Erotik unter sich.

Wir befinden uns aber nun einmal in der Welt von Heimliche Blicke und nicht in einem Liebesroman, sodass das friedliche Zusammensein nur trügerisch ist. Wie gewohnt steht das Leben des Protagonisten auf den Kopf und das mehr denn je. Seine Emotionen drehen wegen Emiru Loopings. Auf der einen Seite noch gewillt, der Frau die Stirn zu bieten, zeigt er sich auf der nächsten schon reuevoll und aufgelöst. Dass Tatsuhiko immer noch Gefühle für seine Nachbarin hegt, obwohl sie ihn mit ihren Regeln in so eine prekäre Situation versetzt, ist unverkennbar. Die Empfindungen werden von Emiru durchaus erwidert, wie Fans natürlich schon längst wissen. Andeutungen und Szenen in diese Richtung gab es in den bisherigen Bänden schließlich genug. Volume sieben trumpft in dem Punkt aber noch einmal auf.

Bei so stark präsenten Frauen wie Madoka und Emiru gerät Neuzugang Toko bald in Vergessenheit. Schon zu oft hat Wakoh Honna schnell auftauchende und ebenso rasant wieder verschwindende Charaktere eingebaut, die sich aus Gründen fern von Verlangen oder gar Liebe willig auf Tatsuhiko stürzen, sodass man mittlerweile trotz Pantyshots und Co. gerne darauf verzichten kann. Weibliche Reize bieten schließlich Madoka, Emiru und Rie, die zusammen mit Shiro im letzten Band vorgestellt wurde, genug.

Am Zeichenstil kann man sich dagegen nicht sattsehen. Mit einer starken, präzisen Linienführung zaubert Wakoh Honna schwungvolle, erotische Frauenkörper, wobei man aufgrund der jungen, verniedlichten Gesichter mit den kleinen Mündern und Stupsnasen ebenso glauben könnte, noch Jugendliche vor sich zu haben. Wenn es um die Bettszenen geht, gibt es kein Schamgefühl – was bei einem Thema wie Voyeurismus durchaus angebracht ist und sicherlich für die meisten Fans einen Hauptgrund darstellt, überhaupt zur Serie zu greifen. Trotz der vielen nackten Haut sollten auch die Kleider der Charaktere, besonders von Emiru, gewürdigt werden, die stets mit vielen Details daherkommen. Ebenso unterstreichen ausgearbeitete Hintergründe das Ambiente und verleihen den Szenen mehr Ausdruck. Etwas Übung benötigt Wakoh Honna dagegen noch bei den Händen, die gerne einmal sehr klein mit kurzen, unansehnlichen Fingern ausfallen.

Ohne auf den hohen und expliziten Erotik-Anteil zu verzichten, verleiht Wakoh Honna der Handlung einen tieferen Anstrich und schraubt den Emotionspegel hoch. Zu deutlich merkt man, wie unser Protagonist zwischen zwei Frauen steht und seine Gefühlswelt dadurch zu brodeln beginnt. Gleichzeitig verstrickt sich Tatsuhiko in immer mehr Geheimnisse, sodass das Eintreten einer bösen Wendung nur noch eine Frage der Zeit ist. Bei so einer unterschwellig anhäufenden Spannung gestaltet sich die Vorfreude auf Band acht dementsprechend groß.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Heimliche Blicke, Band 7.

Details

Titel: Heimliche Blicke, Band 7
Originaltitel: ノ・ゾ・キ・ア・ナ (Nozoki Ana), Vol. 7
Mangaka: Wakoh Honna
Erschienen am: 30.03.2011 (JP), 3.04.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Erotik, Comedy, Drama, Romance, Seinen
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen:[amazon text=ISBN-10: 2889214893&chan=animey&asin=2889214893]

Nozoki Ana © 2009 Wakoh Honna/SHOGAKUKAN
Heimliche Blicke © 2014 VIZ Media Switzerland SA