»Heimliche Blicke« Band 8 – Manga-Test

Die Temperaturen steigen, und der Sommer rückt heran. Unabhängig von der Jahreszeit ist es dagegen in Wakoh Honnas Heimliche Blicke immer heiß. Da macht auch der neueste, achte Band keine Ausnahme, den Kazé Manga am 5. Juni herausbrachte. Zuletzt durften wir miterleben, wie Tatsuhiko und Madoka ein Paar wurden. Doch obwohl auf den ersten Blick alles nach der perfekten Beziehung aussieht, schleicht sich Emiru immer wieder in Tatsuhikos Gedanken. Auf einem Ausflug in ein Hotel kommen sich die beiden in einem Wandschrank sogar körperlich näher. Gleich darauf geht die undurchschaubare Emiru sofort wieder auf Distanz und möchte nie wieder ein Wort mit ihm wechseln.

Die Spanner-Regeln gelten immer noch zwischen den Nachbarn, weswegen sich Tatsuhiko mit Madoka immer in ihrer Wohnung trifft. Der Abstand zu Emiru wächst. Nach dem Ereignis im Hotel sind die beiden nur noch durch das Loch verbunden. Tatsuhiko agiert unachtsam, als er für wenige Minuten aus dem Apartment muss und darauf verzichtet abzuschließen. Dabei hat der Student komplett vergessen, dass er eigentlich mit Shiro verabredet ist, der sich in seiner Abwesenheit Zugang verschafft und das Loch entdeckt. Emiru hält die starrenden Blicke für Tatsuhikos und beginnt, vor Shiros Augen zu masturbieren.

Aufgeflogen! Dem Duo bleibt nichts anderes übrig, als den hellhörigen Shiro in ihr ungewöhnliches Abkommen einzuweihen. Doch während ähnliche Vorfälle in der Vergangenheit glimpflich zugunsten ihres Geheimnisses ausgingen, nutzt der neue Mitwisser die prekären Informationen schamlos aus. Shiro verlangt von Tatsuhiko, dass dieser ihm die Wohnung überlässt, um selbst für drei Tage mit Emiru im Spanner-Dasein zu leben. Wie kommen sie aus dem Schlamassel bloß wieder raus?

Wakoh Honna bleibt dem im letzten Band gestarteten, emotionalen Spannungsbogen treu und holt sogar weiter aus. Das Loch in der Wand spielt seit dem ersten Kapitel des Mangas eine tragende Rolle, schließlich wäre es ohne die brüchige Stelle niemals zu diesem anrüchigen Verhältnis gekommen. Dennoch schafften es die beiden Hauptcharaktere über sieben Volumes lang, das gefährliche Geheimnis halbwegs zu behüten. Gerade einmal zwei Frauen bekamen unabsichtlich Wind davon, nämlich die homosexuelle Studentin Makiko in Band fünf und das Aktmodell Nao im Folgeteil. Während Erstere zumindest zu Anfang noch mit Entsetzen reagierte und erst später mit dem Gelöbnis zu schweigen einlenkte, sah Letztere nicht einmal ein Problem im perversen Beobachtungsverhalten. Tatsuhikos Ex-Freundin Yuri verschwand sogar aus dessen Leben, ohne jeweils etwas von der voyeuristischen Aktivität zu erfahren. Bei so viel Glück war es nur eine Frage der Zeit, dass die Protagonisten im falschen Moment durch Unachtsamkeit glänzen und gehörig auf die Nase fallen.

Gleichzeitig bewahrt Wakoh Honna die Norm, dass alle Männer – außer Tatsuhiko -, die Emiru sexuell begehren, sich in irgendeinem Aspekt zu Mistkerlen entwickeln. Die Anzahl an Verehrern ist bisher aber auch sehr gering. Vor Shiro gab es gerade einmal Horii und Mitsuru, die innerhalb der ersten drei Bände ihre Auftritte verzeichnen. Letzterer war sogar an sich ein netter Kerl, tappte aber in Emirus Falle und schoss sich damit schnell ins Aus, was eine mögliche Beziehung betraf.

Nachdem wir die Halbzeit beim Manga längst überschritten haben, wirkt der erste Abschnitt mit Yuri immer mehr wie ein bloßes Vorgeplänkel und ein Aneinanderreihen von mehr oder weniger kurzen sexuellen Abenteuern, die zwar Erotik-Fans eine gute Unterhaltung bieten, aber auf längere Zeit doch in eine repetitive Langeweile abgedriftet wären. Parallelen gibt es dennoch zur Genüge zwischen der ersten und zweiten Hälfte von Heimliche Blicke. An Tatsuhikos Lage erkennt der Betrachter schließlich kaum eine Änderung. Noch immer hat er eine Freundin, statt Yuri nun Madoka, die nichts von dem Loch und der Beziehung zu Emiru weiß. Im Gegensatz zur Ex darf man hier aber eher weniger davon ausgehen, dass Madoka selbst etwas Schlimmes, wie etwa einen anderen Lover, verschuldet. Ganz im Gegenteil präsentiert sich die ältere Studentin als perfekte Partnerin, die sich liebevoll um Tatsuhiko kümmert.

Es ist der innere Konflikt des jungen Mannes, zwischen zwei grundverschiedenen Frauen zu stehen, welcher dem Geschehen Leben einhaucht und zusammen mit dem Stück für Stück durchsickernden Sachverhalt um das Loch eine ansprechende Story aufbaut. Der kürzlich gestartete Madoka-Handlungsbogen trägt den Hauptteil dazu bei, weswegen sich Heimliche Blicke von vielen anderen Erotik-Titeln abhebt. Wakoh Honna gelingt es, den Lesern neben einer Unmenge an wohlgeformten Frauenkörpern auch eine gehörige Spur Drama und Romantik zu bieten. Ein in der letzten Rezension geäußerter Kritikpunkt – das nahezu randomisiert wirkende Auftauchen von weiblichen Personen, die aus oft scheinheiligen Gründen Tatsuhiko an die Wäsche wollen – findet im aktuellen Band keinen Boden. Stattdessen agiert Wakoh Honna erstmals nur mit bereits bekannten Gesichtern. Ohne die Unterbrechung durch neu Dazugekommene entstehen somit ein besseres Ineinandergreifen der Szenen und eine dichter verwobene Geschichte.

Mit Fug und Recht darf man wohl behaupten, dass Heimliche Blicke immer mehr Schwung aufnimmt. Wakoh Honna treibt die Handlung voran, ohne dass die Erotik-Fans, welche schließlich die Hauptzielgruppe des Mangas sind, Einbußen in ihrem geliebten Genre erdulden müssten. Vielmehr verzichtet die Handlung erstmals auf unnötigen Ballast in Form von Wegwerf-Charakteren, wie man es bisher gewohnt war, und verwendet den dadurch gewonnenen Platz, um einen zusammenhängenden Ablauf zu kreieren, der sowohl sexuelles Verlangen, tief liegende Emotionen und dramatische Wendungen vereint. Ein gemeiner, aber gut gesetzter Cliffhanger als Abschluss macht Lust auf den nächsten Band.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Heimliche Blicke, Band 8.

Details

Titel: Heimliche Blicke, Band 8
Originaltitel: ノ・ゾ・キ・ア・ナ (Nozoki Ana), Vol. 8
Mangaka: Wakoh Honna
Erschienen am: 30.03.2011 (JP), 5.06.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Erotik, Comedy, Drama, Romance, Seinen
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889214907&chan=animey&asin=2889214907]

Nozoki Ana © 2009 Wakoh Honna/SHOGAKUKAN
Heimliche Blicke © 2014 VIZ Media Switzerland SA