»Heimliche Blicke« Band 9 – Manga-Test

Der Sommer war dieses Jahr eher kühl und unbeständig. Heiß geht es dagegen wie gewohnt in Wakoh Honnas Erotik-Titel Heimliche Blicke her, zu dem am 7. August der neunte Band bei Kazé Manga erschien. Wem der Teil noch in der Sammlung fehlt, sollte dies bald nachholen, denn der spannende Cliffhanger vom letzten Volume entfacht ein Chaos an Gefühlen – von erotischen Zugeständnissen bis hin zu tränenreichen Tragödien. Rie hat nämlich im achten Band von Tatsuhikos und Emirus Spanner-Abkommen Wind bekommen. Nun erpresst sie die beiden damit.

Tatsuhiko und Emiru konnten Shiro damals mit einem kleinen Trick in die Flucht schlagen, doch Rie stellt sich als merklich schwieriges Problem heraus. Sie droht, Madoka alles zu verraten. Um sie zufriedenzustellen, sollen Tatsuhiko und Emiru vor ihren Augen miteinander schlafen. Während Letztere bereitwillig zustimmt, wehrt sich Tatsuhiko vehement dagegen. Die drei werden unterbrochen, als plötzlich Yoneyama vor der Tür steht.

Rie hat sich vorgenommen, die besondere Beziehung zwischen den Nachbarn zu zerstören. Von Shiro erfahren die zwei, warum Rie so hasserfüllt ist. Gleichzeitig bittet Shiro Tatsuhiko und Emiru, die Erpresserin von den Dämonen ihrer Vergangenheit zu befreien. Um alles wieder ins Lot zu bringen, muss Tatsuhiko Menschen verletzen, die er liebt.

Shiro und Rie stellen sich als richtiger Sargnagel für das Geheimnis unserer Protagonisten heraus. Wer hätte bei ihrer Einführung gedacht, dass sich Letztere zu solch einem Miststück entwickelt? Während Shiros Aktion aus einem Gefühl der perversen Neugier entstand, liegt Ries Zerstörungswut tiefer. Ein kleiner Rückblick begründet ihr Verhalten und erzeugt Verständnis für sie, ohne ihr die Rolle des Bösewichts zu nehmen. Seit dem ersten Volume existiert ein besonderes Verhältnis zwischen Tatsuhiko und Emiru. Obwohl der junge Mann seine liebe Not mit der mysteriösen Nachbarin hat, bleibt dem Leser nicht der Blick darauf verwehrt, dass trotz allem ein starkes Band die beiden verknüpft, welches schon so manches überdauert hat. Selbst Rie ordnet dieser Verbindung mehr Wert zu als der von Tatsuhiko zu seiner Freundin Madoka. Ist das ein Anzeichen dafür, dass die Beziehung ebenso zerbröckeln wird wie die zu Yuri damals?

Die beiden Hauptcharaktere haben sich in eine missliche Lage begeben. Rie ist ein nicht zu unterschätzender Gegner. Tatsuhiko glaubt an den Gutmenschen in ihr, bleibt in seinen Handlungen aber zaghaft und findet nur langsam eine Lösung, wohingegen Emiru einfach mal wieder sie selbst ist. Wakoh Honna zwingt ihren männlichen Helden nach all der Zeit des Schweigens zum Handeln, nachdem er bisher kein Wort über das Loch an Außenstehende verlautbaren ließ, um niemanden zu verletzen, der ihm was bedeutet – eine recht zweifelhafte Vorstellung von Zuneigung. Man erntet, was man sät, heißt es. Ob sein Weg, die Dinge zu handhaben, tatsächlich der richtige war, erzählt uns Wakoh Honna endlich und präsentiert damit die Antwort, auf welche wir wohl alle gewartet haben.

Der neunte Band präsentiert einen Kampf der Frauen. Stets war es das weibliche Geschlecht im Manga, das im Gegensatz zum Titel mehr als nur heimliche Blicke auf sich zog – sowohl von der Männerwelt als auch der Leserschaft. Im neuesten Teil wird diese Tradition weiterhin hochgehalten. Verabschieden darf man sich dagegen wohl spätestens jetzt von episodenhaften Abschnitten. Stattdessen bringt ein durchgehender Storyfaden mehr Spannung hervor. Dramatische Veränderungen krallen sich in Tatsuhikos Dasein. Wakoh Honna treibt jedoch nicht nur die Geschichte mit einem neu entfachten Erzähltempo voran, sondern bettet wie jeher Erotik in die Szenen ein. Das beginnt bereits beim Cover, welches trotz winterlichem Charme mit Emirus Reizen spielt.

Wakoh Honna hat schon längst Meister-Niveau darin erreicht, nackte Frauen sinnlich zu positionieren, doch nicht immer dient dies sexueller Befriedigung. Der Akt des Ausziehens kann aus verschiedenen Stimmungen heraus entstehen: Zwang, Erniedrigung, Dominanz, Verschleierung. Dennoch bleiben romantische Gefühle ebenso wenig aus. Nach Tatsuhikos und Emirus Zweisamkeit im Wandschrank am Ende von Band 7 dürfen sich Fans auf eine ähnlich intensive Szene freuen. Bei den Zeichnungen treffen Leser auf die gewohnte, lieb gewonnene Kost, die viel Liebe in die Körper, Kleidungen und Hintergründe steckt. Emotionen wallen in der Handlung hoch und werden von Wakoh Honna problemlos zu Papier gebracht, ohne die Charaktere zu entfremden.

Das Geheimnis wird verraten und unsere Protagonisten müssen darauf reagieren. Die Stimmung ist angespannt, ein großer Wandel kündigt sich an. Der neunte Band steht für den großen Umbruch, der auf Tatsuhiko herniederfällt. Mit Spannung, Gefühl und einem hohen Level an Erotik berichtet Wakoh Honna, wie die beiden Hauptcharaktere versuchen, gegen Rie anzukämpfen. Wer bisher Gefallen an Heimliche Blicke gehegt hat, wird besonderes Lesevergnügen mit diesem Teil erhalten. Die Vorfreude auf den zehnten von insgesamt dreizehn Bänden ist berechtigt. Am 2. Oktober geht das Abenteuer von Tatsuhiko und Emiru weiter.

Wir bedanken uns bei Kazé für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Heimliche Blicke, Band 9.

Details

Titel: Heimliche Blicke, Band 9
Originaltitel: ノ・ゾ・キ・ア・ナ (Nozoki Ana), Vol. 9
Mangaka: Wakoh Honna
Erschienen am: 30.09.2011 (JP), 7.08.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), Kazé Manga (DE)
Genre: Erotik, Comedy, Drama, Romance, Seinen
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10: 2889214915&chan=animey&asin=2889214915]

Nozoki Ana © 2009 Wakoh Honna/SHOGAKUKAN
Heimliche Blicke © 2014 VIZ Media Switzerland SA

4 KOMMENTARE

  1. Woher stammt eigentlich die Information das Wakoh Honna weiblich ist? Das Geschlecht ist mWn nicht bekannt. “Weiblich” findet sich so auch eigentlich nur bei Baka-Updates/Mangaupdates, was jedoch benutzererstellte Inhalte sind, konnte ich aber nicht in japanischen Quellen finden, wie das offizielle Profil beim Verlag von Honna (www.websunday.net/backstage/honna/).

    • Das ist eine berechtigte Frage.
      Leider kann ich auf die Schnelle nicht antworten, wie ich damals darauf gekommen bin, dass Wakou Honna eine Frau ist.
      Ich werde dem nachgehen. Falls Wakou Honna doch ein Mann ist, werden die Rezensionen natürlich dementsprechend umgeändert.
      Danke für die kritische Frage.

    • Ich habe bei Kazé nachgefragt und kürzlich Antwort erhalten. In der Redaktion weiß man selbst nicht, welches Geschlecht Wakoh Honna hat. Die Rezensionen auf AnimeY sind nun geschlechtsneutral umgeschrieben worden. Falls jemand doch noch Fehler in den Texten findet, einfach Bescheid sagen, dann bessern wir sie schnell aus 😉

      Und danke noch mal fürs Hinterfragen 🙂

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