Warum »One Piece« auch nach 78 Bänden nicht langweilig wird

Man könnte meinen, nach 78 in Japan publizierten Bänden müsste die Luft doch irgendwann auch mal raus sein? Die Charakterentwicklung der Hauptfiguren erfolgt inzwischen hauptsächlich durch Power-Ups und das Konzept der meisten Storyabschnitte ähnelt sich in gewisser Weise. Und dennoch begeistert dieser One Piece Millionen Leser weltweit. Doch was macht die Faszination aus, warum bleiben die Leute am Ball und weshalb lohnt es sich immer noch einzusteigen? AnimeY verrät es euch, allerdings NICHT SPOILERFREI …

Story

Vor einigen Jahrzehnten wurde der als König der Piraten ernannte Pirat Gol D. Roger zum Tode verurteilt und drohte damit, dass die Menschen seinen Schatz – das »One Piece« – nie finden werden, wenn sie ihm das Leben nehmen. Er wurde schließlich hingerichtet, aber seine Aussage führte dazu, dass ein neues Piratenzeitalter begann. So träumt auch der Held der Geschichte Monkey D. Ruffy davon, das One Piece zu finden und König der Piraten zu werden. Der Junge ist dank einer sogenannten »Teufelsfrucht« zum Gummimenschen geworden und die Macht soll ihm fortan ein Vorteil werden. Die Erzählung geht nun auf die zahlreichen Abenteuer von Ruffy und seiner Crew ein, welche die Strohhut-Piratenbande formen. Stets müssen sie sich gegen ihre Konkurrenz durchsetzen, korrupte sowie kriminelle Machenschaften vereiteln und dabei selbstverständlich auch der Marine entkommen …

Erzählstruktur

Wer One Piece von Anfang an verfolgt, der weiß, dass sich die Erzählstruktur in gewisser Weise von Storyabschnitt zu Storyabschnitt ähnelt. So erreicht die Strohhut-Bande eine neue Insel und wird dort in Abenteuer verstrickt. Meist gehen Ruffy und seine Freunde getrennte Wege, ergattern schließlich Informationen rund um das Geschehen Vorort. Dadurch kommen sie irgendwelchen Missständen auf die Spur, welche die Strohhüte aus dem Weg räumen möchte, da diese ihren neugewonnenen Freunden helfen will. Man kann die Piratenbande fast als Antihelden ansehen: Von der Regierung und Marine gejagt, entpuppen sich Ruffy und dessen Crew als Retter in der Not.

One Piece, Band 66 © 2012 Eiichiro Oda / Shueisha

Klingt bei 78 Bänden natürlich eintönig, doch Eiichiro Oda ist gut darin, in einem Arc bereits den nächsten einfließen zu lassen beziehungsweise Nebengeschichten zu inkludieren, auf die zukünftige Abenteuer aufbauen. Dass das zu überaus spannenden Wendungen führen kann, hat die Erzählung um die Rettung von Ruffys Bruder Ace bewiesen, die so völlig vom beschriebenen Konzept abwicht, und welche nach wie vor eine der tragischsten Storyabschnitte überhaupt ist.

Diese Erzählstruktur erleichtert es Einsteigern, relativ schnell ins Geschehen hinein zu finden. Normalerweise ist es nicht zwingend notwendig die Story ab Band 1 zu lesen, oftmals reicht es, ab einem bestimmten Punkt anzuknüpfen. Für alle Interessierten: Der Punk Hazard Arc (Start: Band 66) bietet sich hier gut an. Durch implantierte Flashbacks erfährt der Leser in Kurzform, was in vorangegangenen Volumes passiert ist. Es sind sicherlich nur kleine Happen, aber wem der Manga gefällt, der lässt es sich denke ich sowieso nicht nehmen, die Handlung ab Band 1 nachzuholen.

Charaktere

Das One Piece-Universum verfügt über eine Vielzahl an Charaktere. Natürlich schenkt Oda-sensei nicht allen gleichermaßen Beachtung aber das Einfügen neuer Figuren sorgt von Arc zu Arc für Abwechslung und natürlich Unterhaltung. Immerhin kennen Leser die Geschichten und Ziele der Protagonisten (gemeint ist selbstverständlich die Strohhut-Bande). Die Hintergründe neu inkludierter Charaktere müssen erst ergründet werden, was den Leser fesselt. Sicherlich verfolgt Eiichiro Oda auch hier einen gewissen Stil. So kommen die Figuren oftmals mit einer tragischen Geschichte daher. Trotzdem verfügt das One Piece-Universum eine große Menge an kuriosen sowie attraktiven Gestalten, unten denen garantiert einer (oder mehrere) zum Fanliebling mutieren.

Hier mal ein paar Beispiele an Figuren, die noch nicht näher durchleuchtet sind, aber durchaus neugierig machen: die »Vier Kaiser« Big Mom, Kaido, Marschall D. Teach sowie Shanks. Auch sind die familiären Hintergründe vom Helden der Geschichte (Ruffy) noch nicht bekannt. Über seinen Vater Monkey D. Dragon weiß man bisher nur minimale Dinge, nämlich das er Anführer der Revolutionäre ist und seinen Sohn im Auge behält. Zudem mag vielleicht den einen oder anderen interessieren, was mit Ruffys Mutter passiert ist.

Geheimnisse

Drei der wohl größten Geheimnisse im One Piece-Universum, die es zu klären gilt beziehungsweise denen die Strohhut-Bande nebenbei mehr oder weniger auf dem Grund geht, sind diese: die sogenannte »Wahre Geschichte«, der »D.«-Beiname und die Existenz des »One Piece«. Hier gibt es allerlei kleine Hinweise, die inzwischen im Geschehen genannt wurden. Alle drei Dinge könnten auch unmittelbar im Zusammenhang stehen, aber das Mysterium ist noch lange nicht gelöst.

Nico Robin
© 1999 Toei Animation Co. Ltd. © Eiichiro Oda/Shueisha, Toei Animation

Wahre Geschichte: Dabei handelt es sich um eine 800 Jahre zurückliegende 100-jährige Epoche in der One Piece-Erzählung, deren geschichtliche Fakten völlig ausradiert wurden. Die heutige Weltregierung sowie die Tenryuubito-Familien entstanden direkt nach dieser Ära und diese versuchen in der Gegenwart zu vertuschen, was damals passiert ist. Die einzige Möglichkeit, mehr darüber zu erfahren, stellen hier die überall auf der Welt verteilten unzerstörbaren Porneglyphe dar, auf denen Botschaften aus der Epoche hinterlassen wurden. In diesen fanden unter anderem auch die antiken Waffen Erwähnung, deren Hintergründe auch noch nicht gelüftet sind. Es gibt allerdings in der Gegenwart nur eine bekannte Person, welche die alte Schrift lesen kann: Nico Robin.

»D.«-Beiname: Eigentlich kann man hier nur von Gerüchten sprechen, in denen dieses Initial stets mit Gefahr, Macht und Ehrfurcht in Verbindung gebracht wird. Man bedenke, in tragenden historischen Ereignissen der Vergangenheit in der One Piece-Historie stand stets eine Person mit dem Beinamen im Rampenlicht (beispielsweise Gol D. Roger als ernannter Piratenkönig). Fakt ist, selbst die Weltregierung wollte das »D.« aus der Öffentlichkeit verbannen, benannte Gol D. Roger in Gold Roger um. Und selbst Trafalgar Laws Familie verzichtete freiwillig auf das »D.« im Namen. Warum, ist nicht bekannt. Weshalb dieses Initial so gefürchtet wird, darüber lässt sich nur spekulieren.

Das »One Piece«: Gibt es diesen Schatz, von dem Gol D. Roger vor seiner Hinrichtung sprach, oder hat er diesen nur ins Spiel gebracht, um eine neue Generation an Piraten aufleben zu lassen, sprich, eine neue Ära einzuläuten? Vielmehr als spekulieren kann man hier wohl nicht, da nichts weiter zum One Piece bekannt ist.

Was das »D.« und die Wahre Geschichte angeht, da gibt es sicherlich noch weitaus mehr zu erzählen. Wenn euch Näheres dazu interessiert, teilt es mir mit, dann kann ich es gerne mit in die Themenreihe einfließen lassen.

Zukunft

Ziel der Strohhut-Bande ist es, Ruffy zum Piratenkönig zu machen. Wahrscheinlich zweifelt kein Leser daran, dass ihm das irgendwann gelingt. Die Frage ist nur: Welchen Weg muss die Bande dafür gehen? In der Neuen Welt wartet viel Konkurrenz.

Hier mal meine Theorien, die ihr nicht lesen solltet, wenn ihr den Manga nicht bis dato kennt:

Das Thema Freundschaft ist in One Piece großgeschrieben. Was ich mir gut vorstellen kann: Ruffy begeistert mit seiner mutigen und gerechten Art viele Piraten sowie Menschen. Da finden sich definitiv Supporter, die den Strohhut bei seinem Ziel unterstützen. Was auch immer da künftig an Schwierigkeiten auf Ruffys Bande zukommt, diese überwinden sie definitiv nicht alleine.

Edward Newgate alias Whitebeard ©EIICHIRO ODA/SHUEISHA, TOEI ANIMATION Game ©2013 NAMCO BANDAI Games Inc.

Dass andere Piratenbanden durchaus ihren persönlichen »König« bestimmen, dürfte Whitebeard bewiesen haben, welcher sehr viele freundschaftliche Allianzen mit anderen Gruppen besaß. Des Weiteren sammelte die Strohhut-Bande auf der Grandline und in der Neuen Welt schon zahlreichen Zuspruch – wer anderen aus der Patsche hilft, wird nun mal zum Volkshelden, auch wenn die Regierung das anders sieht. Ruffy und Co. sind Abenteurer aus Spaß und Leidenschaft, nicht weil sie Leute schikanieren, ausbeuten oder plündern möchten. Genau das wird denke ich der Knackpunkt sein, was Ruffy irgendwann in den Herzen der Menschen und seiner Gefährten zum König der Piraten macht. Er hat die Eigenschaft, unheimlich viele freundschaftliche Bindungen zu schaffen.

Außerdem gehe ich davon aus, dass Shanks höchstwahrscheinlich dazu beiträgt, dass der Strohhut eine noch größere Entwicklung vollzieht. Denn das, was sich gerade anbahnt, deutet einfach darauf hin, dass sich Leser eventuell auf eine heftige Wende vorbereiten könnten: Während Ruffy nun erst mal damit beschäftigt ist, seine Crew wieder zu vereinen, hat es Kids Allianz (bestehend aus Eustass Kids, Basil Hawkins sowie Scratchman Apoo) auf Shanks abgesehen. So ganz zufällig taucht Kaido bei denen wohl nicht auf. Und der hiesige One Piece-Fan weiß, dass Shanks der treibende Keil gewesen ist, welcher Ruffy veranlasste, Piratenkönig zu werden. Er ist seine letzte Instanz, denn wir erinnern uns an das Versprechen: Ruffy soll Shanks den Strohhut wiedergeben, wenn er ein berühmter Pirat geworden ist. Zu einem erneuten Aufeinandertreffen käme es allerdings nicht, wenn diesem vorher etwas zustößt. Im Geschehen wird wohl bald ordentlich die Post abgehen :).

Jetzt seid ihr gefragt: Warum ist One Piece eure Nummer 1? Berichtet mir, was ihr an der Serie so besonders findet.

Beitragsbild: One Piece Stageplay Promo © Eiichiro Oda/Shueisha, Toei Animation