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Warum Seiyu in Japan wie Stars behandelt werden

Während die Allgemeinheit hierzulande wahrscheinlich nicht einmal den Namen der deutschen Stimme von Stars wie Bruce Willis nennen könnte, werden japanische Anime-Synchronsprecher in ihrer Heimat wie Stars behandelt und gefeiert. Warum das so ist, das verrät euch dieser Artikel.

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Gehen wir doch zunächst einmal der Frage auf dem Grund, wie man hierzulande und in Japan Synchronsprecher wird. In Deutschland bedarf es dazu vorrangig Connections – d.h. Verwandte oder Freunde sind bereits in dem Business tätig und vermitteln eine Person quasi weiter – sowie eine Schauspielausbildung. Nach dieser tritt die jeweilige Person für gewöhnlich einer Agentur bei, welche sie an Synchronstudios oder als Werbestimme etc. weitervermitteln.

Auch in Japan beginnt alles mit der Schauspielausbildung, wobei es zumindest in der Anime-Branche durchaus üblich ist, dass Synchronarbeit auch an Idols – sprich, oftmals junge Leute, die in der Öffentlichkeit stehen – weitervermittelt wird, auch wenn diese die Tätigkeit nicht professionell ausüben. Aber etwas Derartiges kennt man in Deutschland ebenso, dass Rollen mit prominenten Gesichtern besetzt werden. In Japan schließt sich der Synchronsprecher i.d.R. ebenfalls einer Agentur an, die ihm dabei hilft, Aufträge zu beschaffen.

Eines haben beide Länder gemeinsam: Der Job als Synchronsprecher reicht, sofern man nicht gerade eine berühmte Stimme ist, oftmals nicht aus, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In Deutschland zieht es daher einige beispielsweise ins Schauspiel (TV, Filme, Bühnenprogramme), in die Werbe- und Hörspielbranche oder in die Dialogregie beziehungsweise in den Bereich Dialogbuch. Allerdings assoziieren die meisten Deutschen einen Synchronsprecher eher selten mit seiner Rolle, sodass diese Tätigkeit von der Allgemeinheit eher als Nebensächlichkeit aufgefasst wird.

In Japan sieht es bei Anime-Synchronsprechern anders aus: Der Bereich ist hier – im Gegensatz zum deutschsprachigen Raum – ein gigantischer Markt, welchen auch die dortigen »Seiyu« für sich erschlossen haben. Von einer derartigen Szene kann man hierzulande nur träumen. Zum Produkt Anime gehört neben der Vertonung an sich auch die Musikbranche. So produzieren japanische Seiyu beispielsweise Image-Song-CDs oder Theme-Songs in ihrer jeweiligen Rolle, beziehungsweise es werden Drama-CDs veröffentlicht, auf denen Szenen eingesprochen wurden. Dazu kommen Events, auf denen die Lieder gesungen werden. Seiyu verkörpern quasi ihre jeweilige Rolle in Person, sodass japanische Anime-Fans sie mit dem Charakter assoziieren. So versucht sich Monkey D. Ruffy eben auch als Sänger – oder besser gesagt: Mayumi Tanaka singt den einen oder anderen Image-Song in der Rolle von Monkey D. Ruffy.

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Ein paar Image-Song-CDs aus meiner Sammlung:

seiyuu anime

Doch die mediale Vermarktung geht noch viel weiter: In Japan existieren beispielsweise diverse Zeitschriften oder TV-Programme, die sich speziell mit dem Thema Seiyu befassen. Des Weiteren erhalten Synchronsprecher Radioshows oder sie beginnen weitere Karrieren in der Showbusiness-Branche – z. B. als Solo-Musiker oder im Bereich Musical/Bühnenspiel. Dazu kommen Seiyu-Events auf denen die Sprecher ihre jeweilige Rolle intensiv ausleben. So finden in Japan in etwa Veranstaltungen statt, auf denen live zur Unterhaltung der Besucher synchronisiert wird.

Beispiele an Seiyu-Magazinen/-Printmedien:

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Japanische Seiyu leben ihre jeweilige Rolle im Showbusiness aus

Das ist wahrscheinlich mitunter der Hauptgrund, warum Anime-Fans die japanische Vertonung bevorzugen. Die Seiyu spielen Emotionen lautstark oder gefühlsvoll aus – ja, manchmal schon etwas übertrieben, was jetzt keine negative Kritik sein soll, es gehört einfach zur japanischen Medienwelt dazu. Interessant wird es für mich persönlich, wenn Dialekte mit ins Spiel kommen – fällt mir beispielsweise oft bei populären Sprechern wie Ryotaro Okiayu oder Junichi Suwabe auf.

Jedoch soll das jetzt kein Lobgesang an die japanische Vertonung werden – die Qualität variiert selbstverständlich, wobei dies natürlich im Auge des Betrachters liegt. Es fängt bei der Sache an, möglichst „kawaii“ beziehungsweise „niedlich“ zu klingen, und endet bei Fehlbesetzungen.

(weiter geht der Artikel es auf Seite 2)

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