»Area D« Band 1 – Manga-Test

Ein spektakuläres, nie zuvor da gewesenes Naturereignis hält die Medien im Bann. Wissenschaftler geben allerlei Erklärungen und Vermutungen dazu ab, doch vorhergesehen hat es niemand. Kurz darauf beginnen Menschen zu mutieren und erhalten dadurch besondere, aber auch gefährliche Fähigkeiten. Habt ihr das schon einmal irgendwo ungefähr gelesen? Das ist nicht so untypisch, schließlich handelt es sich dabei um einen klassischen Einstieg in Geschichten voll mit Superkräften. Unter anderem trifft man diese Herangehensweise in der bei CARLSEN MANGA! am 25. Februar frisch erschienenen Action-Reihe Area D von Yang Kyung-Il (Art) und Kyouichi Nanatsuki (Story) an. Aber die Handlung hat noch viel mehr zu bieten.

Der Jugendliche Satoru Iida weiß nicht, wie ihm geschieht, als er sich eines Tages mit einer Schar anderer Leute mit gefesselten Händen am Hafen wiederfindet, um unter der Obhut von Inspektor Kurosaki auf die Insel D gebracht zu werden. Die Gefangenen haben dabei eine unübersehbare Gemeinsamkeit: Alle sind Mutanten, sogenannte »Altered«, und bekommen eine dementsprechend schlechte Behandlung auf dem Schiff. In der Öffentlichkeit gelten sie nämlich allgemein als Monster. Sollten sich da manche während der Überfahrt gegenseitig töten, weint keiner vom Personal den Gestorbenen nur eine Träne nach.

Niemand der Insassen weiß, was sie auf der Insel erwartet. Schon bilden sich erste Gruppen. Satorus besondere Fähigkeit ermöglicht ihm, Dinge mit einer bloßen Berührung in alle Einzelteile zu zerlegen. Leider kann er seine Kraft nicht kontrollieren und verärgert aus Versehen den Bandenboss Tatara, welcher der Brillenschlange daraufhin ans Leder will. Um sein Leben zu retten, rät ihm das Mädchen Rio, das splitterfasernackt durch Wände spaziert, einen der S-Gefangenen um Hilfe zu bitten. Diese befinden sich nämlich aufgrund ihrer Gefährlichkeit in Einzelcontainern. Auch wenn es für Satoru bedeutet, Feuer mit Feuer zu bekämpfen, nimmt er den Tipp an und befreit Jin Kazaragi.

Yang Kyung-Il und Kyouichi Nanatsuki sind beide keine Neulinge auf dem deutschen Manga-Markt, auch wenn ARMS vom Letzteren (in Zusammenarbeit mit Ryouji Minagawa) von Panini nach fünf Bänden wegen einer Indizierung 2004 eingestellt wurde. In Japan ist die Action-Reihe in 22 Volumes abgeschlossen. Hierzulande mehr Reichweite erlangte dagegen der Mangaka Yang Kyung-Il, der bereits bei Shin Angyo Onshi – Der letzte Krieger, Defense Devil und March Story die Feder schwang. Diese drei Titel wurden von CARLSEN MANGA! lizenziert. Da verwundert es wenig, dass Area D ebenfalls seinen Weg in das Sortiment des Verlags gefunden hat.

Die Grundidee ist kein kreativer Funkenflug in der Geschichte des Mangas. Komisches Naturereignis, aufkommende Mutanten und eine damit verbundene Ausstoßung aus der Gesellschaft, aber auch die Verbannung auf eine von der Außenwelt abgeschotteten Insel, wo jeder ums Überleben kämpfen muss, sind bekannte Konzepte für Action-Storys. Hinzu füge man einen stinknormal aussehenden Burschen mit Brille, der seine Kräfte kaum kontrollieren kann, ein nacktes Mädchen als Fanservice, einen mysteriösen Typen und ein süßes Kind. Als i-Tüpfelchen wähle zudem einen offiziell hochgefährlichen S-Gefangenen, welcher bereits tausende von Menschen getötet haben soll, aber nicht nur unserem Protagonisten aus der Patsche hilft, sondern kurz darauf sogar das gesamte Schiff rettet. Böse sieht definitiv anders aus.

Obwohl Kyouichi Nanatsuki bei der Gestaltung der Handlung bisher auf bewährte, aber doch schon durchwegs bekannte und oft benutzte Klassiker zurückgreift, ist man als Leser weit davon entfernt, sich zu langweilen. Im ersten Band werden ein schneller Erzählrhythmus und viele Action-Sequenzen an den Tag gelegt. Der Betrachter bekommt bereits viele Charaktere, hauptsächlich Mutanten, geboten und erhascht so einige Fähigkeiten. An übernatürlichen Kräften kann man sich praktisch nie sattsehen, besonders wenn diese im Kampf ums eigene Überleben eingesetzt werden. Fragen und Anknüpfstellen für spätere Handlungsstränge treten vermehrt auf. Antworten finden Leser hier dagegen kaum. Schließlich dient der erste Band von Area D als Auftakt für eine längere Geschichte, die in Japan aktuell sechs Volumes aufweist. Selbst die Insel D, welche den titelgebenden Ort darstellt, kommt erst ganz am Schluss vor, um den Leser einen kleinen Vorgeschmack darauf zu geben, was die Gefangenen erwartet. Steht das D im Namen für »Dream«, »Death« oder doch etwas ganz anderes? Der Manga besitzt großes Potential, das kann man nicht abstreiten. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Kyouichi Nanatsuki und Yang Kyung-Il dieses vollkommen entfalten können.

Was dagegen von den ersten Seiten einschlägt wie eine Granate und ein gewichtiges Zugpferd der gesamten Reihe darstellt, ist der grandiose Zeichenstil. Yang Kyung-Il weiß, wie man perfekte Action-Szenen zeichnet, um den Zuschauer zu fesseln. Sowohl das Charakter-Design als auch die detaillierten Hintergründe überzeugen auf voller Linie. Bis auf den Protagonist Satoru zeigen die Herren in der frisch gefundenen Gruppe eine größere Muskelmasse her, wie Interessierte bereits auf dem Cover feststellen. Dieses offenbart den S-Gefangenen Jin. Ebenfalls im Manga enthalten ist eine Farbseite, die Satoru und Rio beim Ausüben ihrer Fähigkeiten präsentiert.

Area D besitzt viel Potential. Der erste Band ist angefüllt mit Kampfszenen, geheimnisvollen Charakteren und Mutanten-Kräften. Gleich auf den ersten Seiten lernt man, dass es hier um Leben und Tod geht, was den Nervenkitzel noch einmal eine Stufe hochschraubt. Im Laufe der Handlung kommen viele Fragen auf, nur wenige erhalten sofort eine Antwort, was die Neugierde bestärkt. Kombiniert mit einem überwältigenden Zeichenstil, den man einfach gesehen haben muss, bietet der erste Band von Area D genug Kaufgründe, sodass Action-Fans einen Blick riskieren sollten. Andererseits gilt es zu beachten, dass die aufgegriffenen Themen bereits des Öfteren in anderen Titeln wiederzufinden sind. Deswegen fühlt sich Area D aber noch lange nicht wie ein bloßer Abklatsch an. Der Manga fügt sich bisher tadellos in die Welt der Action-Werke ein. Ob die Reihe tatsächlich ihr volles Potential ausschöpft, wird sich im Laufe der Bände daran zeigen, wie der Autor Kyouichi Nanatsuki die bisher aufgeworfenen Fragen beantwortet und mit den Protagonisten umgeht.

Wir bedanken uns bei CARLSEN MANGA! für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Area D, Band 1.

Details

Titel: Area D, Band 1
Originaltitel: AREA D 異能領域 (AREA D ino ryoiki), Vol. 1
Autor: Kyouichi Nanatsuki
Mangaka: Yang Kyung-Il
Erschienen am: 17.8.2012 (JP), 25.2.2014 (DE)
Verlag: Shogakukan (JP), CARLSEN MANGA! (DE)
Genre: Action, Shonen, Supernatural
Altersempfehlung: ab 16
Preis: 6,95 Euro
Bestellen:[amazon text=ISBN-10: 3551754667&chan=animey&asin=3551754667]

AREA D INO RYOIKI © 2012 Kyouichi NANATSUKI, Yang kyung-il/SHOGAKUKAN
AREA D © Carlsen Verlag GmbH • Hamburg 2014