»Pakt der Yokai« – Manga-Test

Natsume Yuujinchou, vielen auch als Natsume’s Book of Friends bekannt, war ein viel gewünschter Titel. An dessen tatsächliches Erscheinen auf dem deutschen Manga-Markt hat jedoch wohl kaum einer große Hoffnungen gesetzt. Die Reihe läuft nämlich bereits seit 2005 bei Hakusensha und zählt zurzeit 17 Bände. Ein Ende ist nicht in Sicht. EMA macht nun den Traum war und veröffentlichte am 3. April den ersten Band von Pakt der Yokai. Im Zweimonatsrhythmus geht es weiter.

Nach dem Tod seiner Eltern wird der Schüler Takashi Natsume von einem Verwandten zum nächsten gereicht. Momentan ist er in der Obhut der Familie Fujiwara. Ihm fällt es schwer, Freunde zu gewinnen. Das hat weniger mit seinen häufigen Umzügen zu tun, sondern damit, dass Natsume als Einziger in seiner Umgebung übernatürliche Wesen, Yokai, sehen kann. Zu allem Überfluss wird der Jugendliche von den Kreaturen verfolgt. Auf der Flucht befreit Natsume aus Versehen den Geist eines gebannten Yokai, der die Form einer Glückskatze annimmt und vom Protagonisten daher den Namen Nyanko-sensei erhält. Erst der kleine Kater kann Licht ins Dunkel bringen, warum es die gesamte Dämonenwelt Japans anscheinend auf Natsume abgesehen hat.

Bereits seine Großmutter Reiko besaß die Fähigkeit, die übernatürlichen Kreaturen zu sehen und machte sich einen Spaß daraus, diese herauszufordern – womit die Frau sehr erfolgreich war. Als Preis mussten die Verlierer ihre Namen nennen. Diese stehen im »Buch der Freunde«, welches sich nach Reikos Tod nun in Natsumes Besitz befindet und dem Jungen die Befugnis verleiht, über die niedergeschriebenen Yokai zu befehlen, wie es ihm beliebt. Klarerweise wollen die Dämonen ihre Namen zurück. Andere wie Nyanko-sensei versuchen dagegen, das Buch der Freunde und die damit verbundene Macht zu erlangen. Um dem wilden Treiben Einhalt zu gebieten, beschließt Natsume sehr zu Nyanko-senseis Missmut, die Namen zurückzugeben.

2005 startete Pakt der Yokai im Magazin LaLa DX, welches alle zwei Monate erscheint. Aufgrund des großen Abstands zwischen den einzelnen Kapiteln entschied sich Yuki Midorikawa dazu, in sich abgeschlossene Episoden zu erzählen. Vier davon bekommt ihr im ersten Band geboten. 2008 folgte der Wechsel in Hakusenshas monatlichem Magazin LaLa. Natsume Yuujinchou ist bei weitem Midorikawas längste Serie bisher. Davor zeichnete sie hauptsächlich Kurzgeschichten sowie das aus dem Jahre 1999 stammende, dreibändige Akaku Saku Koe. In Japan gibt es neben der Manga-Reihe auch einen Anime mit vier Staffeln, die von 2008 bis 2012 Premiere feierten. Als der Manga Taisho Preis erstmals verliehen wurde (2008), gehörte Natsume Yuujinchou zu den nominierten Titeln, das Rennen machte letztendlich Shinichi Ishizukas Gaku: Minna no Yama. Heuer ging die Auszeichnung übrigens an Kaoru Moris Young Bride’s Story (Otoyomegatari).

Durch den episodenhaften Erzählstil wechseln die Charaktere oft. Wer jedoch nie fehlen darf, sind Protagonist Takashi Natsume und der Yokai Nyanko-sensei. Letzterer hat seinen Namen vom Jugendlichen erhalten, weil er dank seiner langen Verbannung in einer Katzenstatue nun die Tierform annimmt. »Nyan« ist der japanische Laut fürs Miauen (wer erinnert sich nicht an Nyan-Cat?), während »Neko« Katze bedeutet. Der Zusatz »sensei« mag etwas irreführen, da Nyanko keinen typischen Lehrmeister für Natsume darstellt, auch wenn unser Held durch den dämonischen Kater manches über die Welt der Yokai erfährt. Andererseits ist Nyanko-sensei selbst hinter dem Buch der Freunde her und lässt sich kaum eine Chance entgehen, heimlich über Natsume herzufallen. Diese Szenen sind jedoch eher von einer humorvollen Natur, da der Schüler die Übergriffe mit wenig Ernsthaftigkeit kontert und keine große Gefahr darin sieht.

Takashi Natsume wirkt in vielerlei Hinsicht wie ein komischer Bursche – und das für mehr als nur die außenstehenden Menschen in Pakt der Yokai, welche nichts von seiner Gabe wissen. Für den Jungen selbst ist die Fähigkeit Jahre lang eine einzige Bürde, die ihn daran hindert, mit Gleichaltrigen Freundschaft zu schließen. Dennoch trägt Natsume das Herz am rechten Fleck und empfindet gegenüber den Yokai keinen Hass. Auch wenn sich manchmal Komplikationen bei der Rückgabe der Namen auftun, nimmt er den zusätzlichen Stress in Kauf und lernt so die übernatürlichen Wesen besser kennen. Etwas überraschend wirkt es dennoch, wie furchtlos Natsume den Yokai entgegentritt, selbst wenn sie ihm Gewalt androhen. Obwohl Nyanko-sensei von sich behauptet, selbst ein höhergestellter Dämon zu sein, kann Natsume ihn mühelos abwehren.

Pakt der Yokai weist ein sehr ruhiges und langsames Erzähltempo vor. Trotz der großen Anzahl an Dämonen bleiben Kämpfe aus. Yuki Midorikawa kommt in ihrem Werk vollkommen ohne Action aus. Durch die in sich abgeschlossenen Geschichten muss der Spannungsbogen in jedem Abschnitt von Neuem aufgebaut werden. Die Seiten sind oft sehr textlastig, während die Zeichnungen eher einfach ausfallen. Yuki Midorikawa hat eine zarte Linienführung, ihren Bildern hängt ein skizzenhafter Hauch an. Während sich die Mangaka bei den Yokai so richtig austobt, ist es gut, dass sich die menschlichen Charaktere übersichtlicher verhalten. Bei dem simplen Design der bisherigen Figuren könnte ansonsten die Verwechslungsgefahr ziemlich hoch werden.

Der Charme von Pakt der Yokai liegt in den kleinen Abenteuern von Natsume und Nyanko-sensei, welche zwar mit dem Ende des jeweiligen Kapitels auch ihren eigenen Abschluss finden, aber ihre Spuren beim ungleichen Duo hinterlassen. Die Geschichten haben etwas Alltägliches an sich, wie selbst die Yokai ihren Erinnerungen und kleinen Wünschen nachhängen. Wenn Yuki Midorikawa auch darauf verzichtet, mit den Gefühlen ihrer Figuren ein großes Kino zu veranstalten, schafft sie es dennoch mühelos, emotionale Momente einzubauen, die sich nahtlos in die Handlung einfügen und von so einer Leichtigkeit sowie Natürlichkeit geprägt sind, dass sie den Leser einfach mitreißen müssen. Pakt der Yokai ist kein Romance-Titel, zumindest nicht, was unseren Protagonisten Takashi betrifft. Trotzdem entdeckt man auch Szenen im Manga, welche durchaus das Herz eines Romantikers berühren.

Aufgrund des episodenhaften und ruhigen Erzählstils wird Pakt der Yokai nicht jedem zusagen. Auch die Zeichnungen fallen eher schlicht aus. Dennoch kann Yuki Midorikawas Titel einen großen Reiz ausüben, wenn man sich die Zeit nimmt, die Geschichten auf sich wirken zu lassen, sowie zusieht, wie der Protagonist mit den Situationen umgeht und daraus lernt. Es ist faszinierend, wie ein Manga weder Action noch Romantik beinhaltet, aber dennoch zum Weiterlesen einlädt und einen fast zu Tränen rührt. Pakt der Yokai zählt auf alle Fälle nicht als Werk für zwischendurch, besonders wenn die Kommentare der Mangaka miteinbezogen werden. Am Schluss gibt es zusätzlich ein kleines Resümee, bei dem Midorikawa zu jedem Kapitel ein paar Gedanken zur Entstehung abgibt. Pakt der Yokai ist ein Manga für entspannende Stunden und besonders für Yokai-Fans geeignet, die Gefallen an einer Mischung mit dem Slice-of-Life-Genre finden.

Wir bedanken uns bei EMA für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars zu Pakt der Yokai, Band 1.

Details

Titel: Pakt der Yokai, Band 1
Originaltitel: 夏目友人帳 (Natsume Yuujinchou), Vol. 1
Mangaka: Yuki Midorikawa
Erscheinungsjahr: 2005 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Hakusensha (JP), EMA (DE)
Genre: Shojo, Supernatural, Fantasy, Slice of Life, Comedy
Preis: 6,50 Euro
Bestellen: [amazon text=ISBN-10 3770481623&chan=animey&asin=3770481623]

NATSUME YUJINCHO © 2005 Yuki Midorikawa/HAKUSENSHA, INC., Tokyo
PAKT DER YOKAI © 2014 Egmont Verlagsgesellschaften mbH