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Popkultur Yuri!!! On Ice – Eisprinzen und ihre Träume

Yuri!!! On Ice – Eisprinzen und ihre Träume

Zwischen Instagramposts und Eiskunstlauf erzählt Yuri!!! On Ice eine faszinierende Geschichte über die Suche nach sich selbst. Der Anime beweist dabei sein feines Gespür für die Balance zwischen Sport und Charakterentwicklung und zeigt, dass auch ein vermeintlich eingefahrenes Genre noch Überraschungen zu bieten hat.

Mit dreiundzwanzig Jahren steht Yuri Katsuki nicht etwa in der Mitte seines Lebens, sondern vor dem Ende seiner Karriere als Eiskunstläufer. Nach einer vernichtenden Niederlage beim Grand Prix nimmt er sich eine Auszeit und glaubt eigentlich selbst nicht mehr daran, jemals aufs Eis zurückzukehren, bis plötzlich ein russischer Eisprinz vor seiner Tür steht.

Viktor Nikiforov – Rockstar des Eiskunstlaufs.
Viktor Nikiforov – Rockstar des Eiskunstlaufs. © Yuri!!! On ICE, Episode 01.

Die lebende Legende des Eiskunstlaufs Viktor Nikiforov überrascht Yuri und die ganze Welt mit seiner Absicht, sich für die Saison als aktiver Sportler zurückzuziehen. Stattdessen hat er beschlossen, ab sofort Yuris Coach zu sein. Diese Entscheidung ruft sowohl Verwunderung und Neugier in der internationalen Eiskunstlaufszene hervor, als auch Yuri Plisetsky – das fünfzehnjährige Nachwuchstalent aus Viktors Heimatland – auf den Plan. Damit ist das Chaos erstmal perfekt und der Grundstein für die mitreißende Story gelegt.

Emotionales und sportliches Wachstum

Schnell wird klar, dass neben dem körperlichen Training vor allem an Yuris Selbstbewusstsein gearbeitet werden muss. Viktor erkennt zwar die Stärken und Schwächen seines Schützlings, allerdings fehlt ihm selbst die Erfahrung als Coach. Dadurch führt nicht jede seiner Bemühungen zum gewünschten Ergebnis. Man erkennt also, dass auch dieser Ausnahmesportler nicht in allen Lebenslagen perfekt ist – Ganz im Gegenteil, besonders seine teilweise etwas unbeholfene Art in emotionalen Situationen sticht deutlich hervor.

Viktor Nikiforov – Herzensbrecher. © Yuri!!! On ICE, Episode 07.
Viktor Nikiforov – Herzensbrecher. © Yuri!!! On ICE, Episode 07.

Als Zuschauer wird man Zeuge davon, wie die beiden sich gegenseitig in ihrer Entwicklung unterstützen und als Schüler und Mentor gemeinsam wachsen. Dies zeigt sich besonders in der im Verlauf der Serie immer wieder von Yuri gelaufenen »Eros«-Kür, die von Mal zu Mal mehr künstlerischen Feinschliff erhält und Yuris wachsendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Gefühle porträtiert.

Grenzüberschreitungen und andere Überraschungen

Die »Eros«-Kür kann ohnehin als elementares Leitmotiv der Serie betrachtet werden. Es verbindet nicht nur verschiedene Ebenen der Charakter- und Beziehungsentwicklung miteinander, sondern weicht auch die typische binäre Geschlechtertrennung auf. Viktor erzählt mit seiner Kür zum Thema “sexuelle Liebe” die Geschichte eines männlichen Casanovas. Yuri fühlt sich in dieser Rolle nicht wohl und findet deshalb lange keinen Zugang zum Thema. Erst als er sich in das Frauenbild aus Viktors Kür hineinversetzt, funktioniert der Tanz für ihn. Yuri überrascht damit nicht nur sich selbst, sondern auch alle um sich herum – Viktor eingeschlossen.

“Das war das Einzige, mit dem ich dich noch mehr überraschen konnte, als du mich.”

Generell lebt Yuri!!! On Ice von den Überraschungen, die der Anime immer wieder bereithält. Ddamit ist nicht nur der besondere Moment in Episode 7 gemeint, der alle Fanherzen hat höher schlagen lassen. Die Serie überrascht schon vorher mit der Leichtigkeit, mit der sie Genre-Grenzen verschwimmen lässt und Yuris und Viktors Beziehung mit einer Leichtigkeit erzählt, die den Sport nie in den Hintergrund rücken lässt.

Yuko ist begeistert von Viktors Choreographie.
Yuko ist begeistert von Viktors Choreographie. © Yuri!!! On ICE, Episode 03.

Außerdem schafft es der Anime den Fokus nicht nur auf seine Protagonisten zu legen, sondern eine komplette Welt voller komplexer Charaktere mit eigenem Leben zu gestalten. Yuris Jugendfreundin ist verheiratet und hat Kinder – ihr Leben hat mit Yuris Weggang nicht plötzlich aufgehört. Der Charakter hat sich also über den Topos des “wartenden Mädchens”, den man aus vielen Sportanime kennt, erhoben.

Born to make history?

Bei einem Anime, der von männlichen Eiskunstläufern erzählt, haben viele Zuschauer bereits ein gewisses Bild im Kopf, das von klischeehaften Fanservice und Queerbait geprägt ist. Doch Yuri!!! On Ice strebt danach, das Versprechen, das sein Opening “History Maker” macht, auch einzulösen. Die Macher reißen dabei nicht alle Mauern ein, aber sie finden den Mut, von eingefahrenen Wegen abzuweichen, und die Raffinesse, mit vielen kleinen Details auch in der Begrenztheit von (erstmal) nur 12 Episoden eine Geschichte zu erzählen, die den Zuschauer mit dem Gefühl zurücklässt, etwas einzigartig Neues erlebt zu haben.
Mehr Informationen zum Anime gibt es auf anisearch. Ansehen kann man sich die Episoden auf crunchyroll und jeder, der gerne darüber lesen möchte, sollte die Next Views bei Sumikai verfolgen.

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen sehr schönen Artikel!

    (Aber wenn schon über die Auflösung binärer Verhältnisse geschrieben wird, kann man sich das mit den “Frauenherzen” auch sparen :P)

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