»Ame & Yuki – Die Wolfskinder« Band 1 – Manga-Test

Wie schon bei seinen Vorgängerwerken Das Mädchen, das durch die Zeit sprang und Summer Wars hat auch Mamoru Hosodas neuster Streifen Ame & Yuki – Die Wolfskinder eine Manga-Umsetzung spendiert bekommen. Die Zeichnungen hierfür lieferte Yu. Das Werk ist auch die Debüt-Serie der Künstlerin. Der Manga startete vor der Leinwand-Premiere in der Young Ace und fand bereits im vergangenen August seinen Abschluss. Die Kapitel wurden inzwischen vom Verlag Kadokawa Shoten in drei Bände zusammengefasst und herausgegeben. TOKYOPOP hat sich die bezaubernden Racker geschnappt und publiziert die kurze Reihe seit Oktober im deutschen Sprachraum.

Hana ist ein heiteres und umgängliches Mädchen. In ihrem ersten Jahr an der Tokioter Universität fällt der jungen Studentin ein fleißiger Kommilitone auf, der stets abseits von den anderen sitzt. Von ihrer Neugier geweckt, möchte Hana den Einzelgänger näher kennenlernen. Es stellt sich heraus, dass der geheimnisvolle, junge Mann gar kein Student ist. Trotzdem begegnet das Mädchen ihm immer öfter und allmählich entwickelt sie Gefühle für ihn. Eines Nachts offenbart ihr Freund Hana sein Geheimnis: Er ist einer der letzten Nachfahren von Wolfsmenschen und kann daher seine Gestalt wandeln. Ihre Liebe zu ihm bleibt davon unbeirrt und so entschließt das Paar zusammenzuziehen, um eine Familie zu gründen. Kurze Zeit darauf wird Hana schwanger und bringt an einem verschneiten Tag ihre Tochter Yuki zur Welt. Ein Jahr später im regnerischen Frühling wird Yukis kleiner Bruder Ame geboren. Doch nicht lange danach verliert Hana ihren Liebsten bei einem Unglück. Völlig auf sich allein gestellt bleibt die junge Frau mit zwei ungewöhnlichen Kindern zurück, ohne zu wissen, wie sie die beiden erziehen soll.

Neben alltäglichen Sorgen um das Wohlbefinden ihrer zwei Sprösslinge und dem geringen Einkommen findet sich Hana oft im Dilemma wieder. Sowohl Ame als auch Yuki wechseln ständig zwischen ihrer Mensch- und Wolfsgestalt. Wie soll Hana das Geheimnis vor den Augen der Öffentlichkeit verbergen und gleichzeitig den beiden eine unbeschwerte Kindheit bieten? An wen kann die Mutter sich wenden, wenn Ame oder Yuki erkranken? Ebenso finden es die Behörden äußerst verdächtig, dass die Mutter ihre Kinder nie zu den vorgeschriebenen Untersuchungen schickt. Ihre Nachbarn beschweren sich wegen dem Geheule ihrer »Haustiere«, welche sie eigentlich nicht halten dürfte. Das Leben in der Großstadt erweist sich als zunehmend schwierig für die junge, alleinerziehende Mutter. So entscheidet sich Hana aufs Land zu ziehen, weg von den neugierigen Blicken ihrer Mitmenschen. Ein abgeschiedener Bauernhof am Rande der Wildnis wird zur neuen Heimat der kleinen Familie. Aber vor allem ist dies ein geeigneter Ort, wo Ame und Yuki so aufwachsen können, wie sie es möchten, als Mensch oder als Wolf.

Der Manga legt zum einen sein Augenmerk auf das Erwachsenwerden der titelgebenden Wolfskinder, aber es ist ebenso eine Geschichte eines normalen Mädchens, das in die Elternrolle schlüpfen muss. Mit ihren jungen Jahren lernt Hana früh, was es bedeutet eine Mutter zu sein. Wenn gleich sie förmlich von den vielen Aufgaben erdrückt wird und sie im Verlauf sichtlich erschöpft scheint, beklagt sich Hana an keiner Stelle. Sie hat die Herausforderung sowie die damit verbundenen Mühen angenommen und liebt ihre Kinder bedingungslos. Mit dieser inneren Stärke und ihrem warmen Herz wird die Protagonistin unheimlich schnell zur Sympathieträgerin. Und da beweist Hana sehr viel Ausdauer, denn die Welpen strapazieren ihre Nerven zur Genüge.

Yuki ist ein freches, energiegeladenes und widerspenstiges Mädchen. Wenn der Wildfang in der Wohnung herumtobt, richtet sie ein riesen Chaos an. Die beiden Geschwister unterscheiden sich dabei wie Tag und Nacht. Ihr Bruder Ame ist ein schüchterner, sensibler Junge, der sich noch lange an seiner Mutter klammert. Dabei sind die Eskapaden der zwei Strolche sehr süß und witzig zu verfolgen. Obwohl das Ganze mit einem kleinen Schuss Übernatürlichkeit serviert ist, bleibt die Darstellung ihres Alltags sehr bodenständig. Im Gegensatz zu den Moe-Konsorten punktet hier die Niedlichkeit ähnlich wie bei Usagi Drop vor allem mit Natürlichkeit. Auch wenn die Familie schwere Zeiten überstehen muss, herrscht ebenso viel herzliche Atmosphäre, welche die Freuden des Elterndaseins aufzeigen. Eine Frage beschäftigt den Leser mit der Geburt der beiden Sprösslinge ständig. Für welchen Weg werden sich Ame und Yuki letztlich entscheiden? Fügen sich die Wolfskinder in die Gesellschaft ein oder folgen sie lieber ihre tierischen Instinkte?

Die Manga-Umsetzung orientiert sich schon sehr stark am Film. Viele Szenen finden sich nahe zu identisch in dem Werk wieder. Die Erzählung wird zudem gleicherweise aus Yukis Sicht geschildert. So hat die Zeichnerin auch die einprägsame Schnee-Sequenz für die Farbseiten übernommen. Ebenso ist das Cover dem Titelbild inspiriert. Dabei hat der Manga wegen der Länge natürlich ein paar Szenen ausgelassen, wobei alle wesentlich bedeutenden Momente es in die Umsetzung geschafft haben. Wo das schlichte Charakterdesign mein einziges Manko an der Optik des Films war, gefallen mir die Zeichnungen von Yu besser. Die Figuren versprühen hier eine Ecke mehr Liebenswürdigkeit und Wärme. Nur bei den Hintergründen ist das Werk deutlich sparsamer, fast schon skizzenhaft. Ob man den Manga ohne den Film lesen sollte, bleibt eine schwierige Frage. Ich hab das Gefühl, dass das Werk mehr Emotionen transportiert, wenn man die Kino-Produktion bereits auf sich hat wirken lassen. So wecken die Szenen viele Gefühle in Erinnerung und man hat dann noch die Stimmen im Ohr. Als Vorgeschmack macht der Manga ebenso einen guten Job. Den Anime-Film sollte man aber unbedingt anschließen.

Ame & Yuki – Die Wolfskinder ist eine sehr treue Umsetzung des Filmes. So wechseln sich lustige und bewegende Momente in guter Dosierung ab. Das Verhalten der Figuren wurde sehr lebendig und authentisch eingefangen. Die Zeichnungen von Yu lassen die Figuren einen Hauch liebenswürdiger und niedlicher wirken. Nach wie vor schaffen es die Charaktere den Leser in ihren Bann zu ziehen, mitzufühlen und ihm ein Schmunzeln zu verpassen. Wirklich erfrischend ist das Werk, da es einen großen Ausschnitt aus dem Leben einer Familie porträtiert. Als Kostprobe auf den Film ist der Manga ebenso gut geeignet. Wer eine herzerwärmende Geschichte mit einer tollen Botschaft sucht, ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse.

Wir bedanken uns herzlich bei TOKYOPOP für das Rezensionsexemplar zu Ame & Yuki – Die Wolfskinder, Band 1.

Details

Titel: Ame & Yuki – Die Wolfskinder
Originaltitel: おおかみこどもの雨と雪 (Ookami Kodomo no Ame to Yuki)
Mangaka: Yu
Erscheinungsjahr: 2012 (JP), 2013 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Slice of Life, Drama, Fantasy
Altersempfehlung: 13+ Jahre
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=3842009054]

OOKAMIKODOMO NO AME TO YUKI © 2012 “WOLF CHILDREN” FILM PARTNERS
© Yu 2012 © YOSHIYUKI SADAMOTO 2012 / KADOKAWA CORPORATION
© TOKYOPOP GmbH, Hamburg 2013