»Ame & Yuki – Die Wolfskinder« Band 2 – Manga-Test

Mit Ame & Yuki – Die Wolfskinder veröffentlicht TOKYOPOP die Manga-Adaption zu Momoru Hosodas preisgekrönten Anime-Film. Im April brachte der Verlag den zweiten von drei Bänden in den hiesigen Handel. Das Leben einer alleinerziehenden Mutter ist schon eine harte Herausforderung, doch wo ihre kleinen Racker auf einer dünnen Linie zwischen Tier und Mensch wandeln, ändert sich die Lage bei Protagonistin Hana noch mal ganz. Die junge Frau hat niemanden, an dem sich sie sich wenden kann. Auf welche Weise sollen da ihre zwei außergewöhnlichen Kinder aufwachsen?

Um den neugierigen Blicken der Nachbarn zu entgehen, findet Hana mit ihrer kleinen Familie ein neues Zuhause in einer ländlichen Gegend. Hier in der friedlichen Abgeschiedenheit bleibt das Geheimnis ihrer beiden Sprösslinge behütet und sie können unbeschwert aufwachsen. Da die Ersparnisse zur Neige gehen, entschließt sich Hana, Feldfrüchte und Gemüse selbst anzubauen. Allerdings erweist sich das Landleben als schwierig für das unerfahrene Großstadtmädchen und so scheitern ihre ersten Versuche kläglich. Hana ist jedoch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt und schuftet unermüdlich weiter. Die zunächst skeptischen Dorfbewohner finden Zutrauen zu ihr und helfen Hana sich einzuleben. Selbst der alte Herr Nirasaki, der nach außen hin griesgrämig scheint, lehrt dem Neuankömmling, wie man den Acker richtig bestellt und anbaut. Für die Wolfskinder Ame und Yuki ist ihre neue Heimat wie geschaffen für abenteuerliche Unternehmungen.

Hana möchte ihren beiden Welpen etwas über die Wildnis beibringen. Deswegen nimmt die junge Frau einen Teilzeitjob in einem Naturreservat an, bei dem ihr Sohn Ame sie des Öfteren begleitet. Währenddessen hat sich Yuki in den Kopf gesetzt, wie die anderen Kinder in ihrem Alter zur Schule zu gehen. Nach tagelangem Betteln und Quengeln erfüllt ihre Mutter diesen Wunsch, aber nur unter einer Bedingung: Sie darf sich niemals vor anderen Leuten in einen Wolf verwandeln. Auch wenn Yuki sich anfangs etwas verloren fühlt, da sie bisher nicht viel Kontakt zu anderen Kindern hatte, findet das temperamentvoll Mädchen schnell Anschluss in ihrer Klasse. Ihr Bruder Ame hingegen ist bei seiner Einschulung von dem Ganzen nicht so begeistert. Anstelle sich einzufügen, schwänzt der Junge immer öfters den Unterricht. Stattdessen zieht es Ames Blick hin in die Wälder und Berge, der Heimat seiner tierischen Artgenossen. Yuki wiederum muss erleben, dass ihre ausgefallenen Hobbys, wie zum Beispiel Kleintiere zu jagen, ihre Klassenkameraden eher verschrecken. Deswegen entschließt das Mädchen sich, an ihrem Verhalten etwas zu ändern. So machen die zwei Wolfskinder ihre ersten Schritte in Richtung Erwachsenwerden.

Durch den Ortswechsel im zweiten Band schwinden allmählich die Sorgen, welche noch zu Beginn der Geschichte auf den Schultern der Protagonistin lasteten. Stattdessen rückt das Erwachsenwerden der beiden Wolfskinder in den Fokus. Mit der Reife stehen die beiden wie vor einer Weggabelung. Entscheiden sie sich für ein Leben als Mensch oder als Wolf? Den Kontrast hat Mamoru Hosoda in seiner Geschichte wunderbar eingefangen. Hatte Yuki anfangs ihre abenteuerlichen Unternehmungen angetrieben, möchte sie nun aus der Außenseiter-Rolle hinaus, eben weil das Kind dazugehören will. So legt Yuki allmählich ihre wilde Seite ab und entschließt sich dazu mädchenhafter zu werden. Die Patzer, welche sie auf dem Weg dorthin macht, sind dabei äußerst drollig. Ihr Bruder Ame hingegen legt sein Interesse auf die Natur und Tierwelt. Die Schlüsselszene bildet dabei ein Unglück, bei dem Ame das erste Mal eine Beute jagt und dabei in den Fluss stürzt und fast ertrinkt. Wo dieses Ereignis Hana mit Schrecken erfüllt, ihren Sohn fast verloren zu haben, empfindet Ame es als aufregendes Abenteuer, was es wirklich bedeutet zu leben. Und so erwachen das erste Mal die Instinkte in dem anfangs so scheuen Jungen. Neben diesen Aspekten zeigt der Manga wieder wie bewundernswert Hana und ihre Lebenseinstellung sind. Die junge Mutter nimmt alle Widrigkeiten mit einem Lächeln auf sich, um ihren beiden Lieblingen möglichst eine unbeschwerte Kindheit zu bescheren. Natürlich hat Hana das nicht alles alleine überwunden, gerade der familiäre Zusammenhalt unter den Dorfbewohnern half ihr durch die schweren Zeiten. In diesen Stellen versprüht das Werk den gleichen Charme wie Hosodas Summer Wars.

Im zweiten Band der Manga-Umsetzung von Mamoru Hosodas Film rückt die Geschichte den Selbstfindungsprozess der titelgebenden Wolfskinder in den Vordergrund. Die Botschaft, seinen eigenen Weg zu gehen, ist simpel aber großartig dargestellt. Zwar bleibt die abzeichnende Entwicklung durchaus vorhersehbar, aber weil das Ganze ausdrucksstark und mit viel Herz eingefangen wurde, sollte dies kein Umstand sein. Selbst bei den Nebenfiguren im Dorf zeigt sich, wie liebevoll Hosoda die Charaktere ausgearbeitet hat. Von diesem Charme ging im Manga nichts verloren, im Gegenteil, in ihren Zeichnungen transportiert die junge Künstlerin Yu die Facetten und Emotionen bemerkenswert. In Ame & Yuki – Die Wolfskinder finden Leser eine realitätsnahe Coming-of-Age-Geschichte, die sich zugleich in einem märchenhaften Gewand präsentiert.

Wir bedanken uns herzlich bei TOKYOPOP für das Rezensionsexemplar zu Ame & Yuki – Die Wolfskinder, Band 2.

Details

Titel: Ame & Yuki – Die Wolfskinder – Band 2
Originaltitel: おおかみこどもの雨と雪 (Ookami Kodomo no Ame to Yuki)
Mangaka: Yu
Erscheinungsjahr: 2013 (JP), 2014 (DE)
Verlag: Kadokawa Shoten (JP), TOKYOPOP (DE)
Genre: Slice of Life, Drama, Fantasy
Altersempfehlung: 13+ Jahre
Preis: 6,95 €
Bestellen: [amazon chan=animey&asin=3842009062]

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